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Kleine AnfrageWahlperiode 12Beantwortet

Weitere Tötungsdelikte mit zu vermutender oder tatsächlicher rechtsextremer oder ausländerfeindlicher Motivation aus dem Jahr 1992 (G-SIG: 12011632)

Statistik rechtsextremer Tötungsdelikte, Erkenntnisse über die Hooligan-Gruppe "Wannseefront"

Fraktion

PDS/LL

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

16.09.1993

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 12/559926. 08. 93

Weitere Tötungsdelikte mit zu vermutender oder tatsächlicher rechtsextremer oder ausländerfeindlicher Motivation aus dem Jahr 1992

der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste

Vorbemerkung

Am 25. April 1992 wurde beim Baumblütenfest in Werder ein 31jähriges Mitglied der Brandenburger Motorradgruppe „MC Roadrunner" von Mitgliedern einer rechtsextremen Berliner Hooligan-Gruppe „Wannseefront" und Skinheads brutal zusammengeschlagen und zusammengetreten. Der 31jährige wurde dabei zu Tode getreten. Einer der mutmaßlichen Täter stürzte sich auf den Motorradfahrer. Als dieser zu Boden ging, hielten ihn zwei Mitglieder der Hooligan-Gruppe „Wannseefront" fest. Der Täter, H., trat brutal zu. 25 Tritte trafen den Wehrlosen. H. wurde vom Berliner Landgericht zu vier Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt (Berliner Zeitung, 29. Juni 1993 und 2. Juli 1993).

Am 21. November 1992 starb in Wülfrath der 92jährige Jude Alfred Salomon nach einer Schlägerei in einem Altersheim. Der 92jährige Mann wurde vom 89jährigen Johann Krohn, der während der NS-Zeit Oberführer in der „Organisation Todt" gewesen war und dort Zwangsarbeiter wie Salomon geschunden hatte („Habe dem Führer fünfmal die Hand geschüttelt"), nach einem Streit mehrmals geschlagen. Salomon sackte daraufhin zusammen und starb dann an Herzstillstand („Stern" 22/1993 S. 138).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen3

1

Wieso wird die Tötung des 31jährigen Motorradfahrers am 25. April 1992 in Werder durch Skinheads und Angehörigen der Hooligan-Gruppe „Wannseefront" nicht von der Bundesregierung in der Statistik der Tötungsdelikte mit zu vermutender oder tatsächlicher rechtsextremer oder ausländerfeindlicher Motivation geführt?

2

Welche verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse hat die Bundesregierung über die „Wannseefront"?

3

Wieso wird die Tötung des 92jährigen jüdischen Bürgers am 21. November 1992 in Wülfrath nicht von der Bundesregierung in der Statistik der Tötungsdelikte mit zu vermutender oder tatsächlicher rechtsextremer oder ausländerfeindlicher Motivation geführt?

Bonn, den 23.August.1993

Ulla Jelpke Dr. Gregor Gysi und Gruppe

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