Der „Arndt-Verlag" und der „Orion-Heimreiter Verlag"
der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste
Vorbemerkung
1980 übernahm der Rechtsextremist Dietmar Munier den „Arndt-Verlag". In zahlreichen rechtsextremen Organisationen war bzw. ist Munier Mitglied, so u. a. in den „Jungen Nationaldemokraten", dem „Bund heimattreuer Jugend", dem „Verband deutscher Jugendhöfé und Herbergsstellen", dem „Bund volkstreuer Jugend", der „Kieler Liste für Ausländerbegrenzung". Weiter ist Munier auch Mitglied im „Verein des Ostpreußischen Jagd- und Landesmuseums". Gute Kontakte unterhält er zur rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik".
Munier hatte in den 70er Jahren mit seinem „Sturmwind Buchdienst" einen Grundstein für seine verlegerische Tätigkeit gelegt. Seine eigenen Bücher, so u. a. „Geschundenes Land", „Reise in besetztes Land. Eine Jugendgruppe fährt an die Oder" veröffentlichte er im eigenen Verlag.
Im „Arndt-Verlag" veröffentlichten u. a. folgende Autoren:
- Bolko Frhr. v. Richthofen/Dankwart Kluge, „Kriegsschuld 1939-1941. Der Schuldanteil der anderen"
- Karl Höffkes/Uwe Sauermann, „Albert Leo Schlageter. Freiheit Du ruheloser Freund"
- Michael Will, „Ich wollte auswandern"
- Jakob Willer, „Der amerikanische Traum" mit einem Vorwort von David Irving
- Erwin Nikolai, „Moldau, Don, Dnjepr, Kaukasus. Mit Viehwagen ins Elend russischer Gefangenenlager"
- Jacques Benoist-Mechin, „Ernte 1940"
- Gustav Sicherschmidt, „Wie im alten Rom. Dekadenzerscheinungen damals und heute"
- Roswitha Paysen, „Wir Frauen"
- Dominique Venner, „Söldner ohne Sold. Die deutschen Freikorps 1918-1923"
- Günter Deckert, „Handbuch gegen Überfremdung"
- Karl Breyer, „Südafrikas Sonderweg"
- Bolko Frhr. v. Richthofen/Reinhold Oheim, „Die polnische Legende. Von den Vertreibungsverbrechen bis zum Kriegsrecht: Das Schicksal der Deutschen unter polnischer Besetzung"
- Bolko Frhr. v. Richthofen/Reinhold Oheim, „Polens Marsch zum Meer. Zwei Jahrhunderte Teilungen und Expansion".
Munier ging bei seiner verlegerischen Tätigkeit mit einigem Geschick vor. So versuchte er mit seinen Büchern in die Zielgruppe der Vertriebenenverbände hineinzuwirken, was ihm mit großem Erfolg gelang (vgl. die unzähligen Besprechungen und Anzeigen in Blättern wie „Schlesier", „Ostpreußenblatt", „Pommersche Zeitung").
Auch mit seinem letzten Buch „Das letzte Dorf. Bei den Rußlanddeutschen in Königsberg (ebenfalls im Arndt-Verlag erschienen) schaffte es Dietmar Munier, politische Einbrüche in die Vertriebenenverbände zu erzielen (vgl. die positive Besprechung im „Ostpreußenblatt" vom 23. Januar 1993).
Ihm gelang es aber auch, mit einzelnen Publikationen in den Buchhandel zu kommen. So u. a. mit dem Buch des früheren Honecker-Vertrauten Hermann von Berg „Gespräche über Deutschland" , u. a. mit Helmut Kohl, Peter Glotz und Carl Carstens. Ein großer Erfolg für den „Arndt-Verlag" war es auch, als der Ullstein-Verlag auf Veranlassung des Verlegers Fleißner als Lizenzausgabe aus dem „Arndt-Verlag" das geschichtsrevisionistische Buch von Dirk Kunert „Ein Weltkrieg wird programmiert" übernahm, in dem die angebliche Verantwortung Roosevelts am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ,dokumentiert' wird (Vgl. Assheuer/Sarkowicz, Rechtsradikale in Deutschland. Die alte und die neue Rechte, München 1990, S. 69-70.).
1983 gründete Munier den „Orion-Heimreiter Verlag" neu, „der seit den fünfziger Jahren von Ernst Frank, einem Bruder des ehemaligen deutschen Staatsministers in Böhmen und Mähren, Karl Hermann Frank, geleitet worden war. Die Freundschaft zu Erwin Guido Kolbenheyer und die eigene Vergangenheit als NS-Funktionär hatten das Programm des damaligen ,Heimreiter' Verlags geprägt. Munier führte die umsatzträchtigsten Titel weiter und ließ mit beachtlicher Medien- und Publikumsresonanz Bücher von Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Hans-Jürgen Eysenck und Karl-Heinz Janßen folgen" (ebenda, S. 69).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen24
Welche verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse hat die Bundesregierung über den „Arndt-Verlag" ?
Welche verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse hat die Bundesregierung über den „Arndt-Buchdienst"?
Stuft die Bundesregierung den „Arndt-Verlag" als rechtsextrem ein, und hat sie sich über die innere Struktur des „Arndt-Verlags" informiert?
a) wie hat sich das Sortiment des „Arndt-Verlags" über die Jahre entwickelt,
b) welche Zielgruppen will der „Arndt-Verlag" mit seinem Sortiment ansprechen,
c) wie erfolgreich ist der „Arndt-Verlag" dabei,
d) wie ist die Auflagenentwicklung der Bücher des „Arndt-Verlags" ?
Welche verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse hat die Bundesregierung über ein gezieltes Hineinwirken des „Arndt-Verlags" in die Vertriebenenverbände und deren Zeitungen?
Wie erfolgreich ist nach Kenntnis der Bundesregierung diese Arbeit des „Arndt-Verlags" in die Vertriebenenverbände und deren Zeitungen?
Welche Kennnis hat die Bundesregierung über einen besonderen Zuschnitt des Verlagsprogramms auf Jugendliche, und wie erfolgreich ist nach Kenntnis der Bundesregierung der „Arndt-Verlag" dabei?
Mit welchen rechtsextremen Verlagen oder Buchdiensten arbeitet der „Arndt-Verlag" und der „Arndt-Buchdienst" zusammen?
In welchen rechtsextremen Zeitungen wird für Bücher des „Arndt-Verlags" geworben?
Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über das Eindringen des „Arndt-Verlags" mit seinem Sortiment in konservative Kreise (z. B. studentische Verbindungen, militärische Traditionsverbände etc.)? Wie erfolgreich ist nach Kenntnis der „Arndt-Verlag" mit diesen Versuchen?
Welche verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse hat die Bundesregierung darüber, daß der „Arndt-Verlag" die Lizenzausgabe von Dirk Kunert „Ein Weltkrieg wird programmiert" an den Ullstein-Verlag verkauft hat?
Wie kam der Beitrag des Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl im Buch von Hermann von Berg, „Gespräche über Deutschland", zustande?
Wußte Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, daß dieses „Gespräch" im „Arndt-Verlag" erscheint? Wenn nein, was hat Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl gegen den Abdruck unternommen?
Wieso wurde und wird der „Arndt-Verlag" nicht im Verfassungsschutzbericht des Bundes erwähnt?
Wie und wo hätten sich beispielsweise Buchhändler und Zeitungsverleger über den politischen Standort des „Arndt-Verlags" anhand von aufklärerischen Veröffentlichungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz oder der Bundesregierung informieren können?
Wurden Veröffentlichungen aus dem „Arndt-Verlag" indiziert oder deren Indizierung beantragt? Wenn ja, welche und warum?
Welche verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse hat die Bundesregierung über den „Orion-Heimreiter Verlag"?
Stuft die Bundesregierung den „Orion-Heimreiter Verlag" als rechtsextrem ein, und hat sie sich über die innere Struktur dieses Verlages informiert? Wenn ja,
a) wie hat sich das Verlagsprogramm des „Orion-Heimreiter Verlags" entwickelt,
b) welche Zielgruppen sollen durch das Verlagssortiment angesprochen werden,
c) wie hoch sind die Auflagen der Bücher des „Orion-Heimreiter Verlags",
d) ist es dem „Orion-Heimreiter Verlag" gelungen, mit von ihm verlegten Büchern in den seriösen Buchhandel zu kommen, wenn ja, mit welchen,
e) arbeitet der „Orion-Heimreiter Verlag" mit anderen rechtsextremen Verlagen oder Buchdiensten zusammen, wenn ja, mit welchen?
In welchen rechtsextremen Zeitungen wird für Bücher aus dem „Orion-Heimreiter Verlag" geworben?
Welche verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse hat die Bundesregierung über ein Einwirken des „Orion-Heimreiter Verlags" auf konservative Kreise (studentische Verbindungen, Vertriebenenverbände, militärische Traditionsverbände etc.)?
Wieso wurde und wird der „Orion-Heimreiter Verlag" nicht im Verfassungsschutzbericht des Bundes erwähnt?
Wie und wo hätten sich beispielsweise Buchhändler und Zeitungsverleger über den politischen Standort des „Orion-Heimreiter Verlags" anhand von aufklärerischen Veröffentlichungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz oder der Bundesregierung informieren können?
Wurden Bücher aus dem „Orion-Heimreiter Verlag" indiziert oder wurde deren Indizierung beantragt? Wenn ja, welche, wann und warum?
Welche verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse hat die Bundesregierung über rechtsextreme Aktivitäten des Dietmar Munier?
Welche verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse hat die Bundesregierung über ein Engagement Dietmar Muniers im ehemaligen Ostpreußen?