Volltext (unformatiert)
[Drucksache 11/28
03.03.87
Sachgebiet 90
Deutscher Bundestag
11. Wahlperiode
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE GRÜNEN
- Drucksache 11/21 -
Wirtschaftlichkeit des Bildschirmtext-Dienstes der Deutschen Bundespost
Der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen — 010 — 1 B
11 14 — 9/2 — hat mit Schreiben vom 3. März 1987 die Kleine
Anfrage namens der Bundesregierung wie folgt beantwortet:
1. Trifft es zu, daß die Deutsche Bundespost (DBP) Btx-Modems (Btx-
Anschlußboxen) in großen Stückzahlen gekauft hat, die wegen zu
geringer Anschlußzahlen nicht installiert werden konnten?
a) Wie viele Btx-Modems hat die DBP bisher insgesamt gekauft?
b) Zu welchem Preis?
c) Wie viele sind installiert worden?
d) Wie viele sind gelagert? Welche Kosten sind dafür im Jahr 1986
angefallen?
a) Die Deutsche Bundespost hat im Jahr 1981 Aufträge über
400 000 Btx-Anschlußboxen erteilt.
b) Die Beschaffung wurde unter Anwendung der
Vergabebestimmungen der öffentlichen Hand, insbesondere der VOL
durchgeführt. Danach können Angaben über Preise wegen der
vorgeschriebenen Vertraulichkeit nicht gemacht werden.
c) Derzeit sind ca. 58 000 Anschlußboxen installiert.
d) Ende 1986 wurden ca. 320 000 Anschlußboxen zentral gelagert.
Ca. 25 000 sind als Arbeitsvorrat und Ersatzgeräte an die
Einsatzstellen ausgeliefert worden.
Im Jahr 1986 fielen für die zentrale Lagerung Kosten von ca.
30 000 DM an.
2. Trifft es zu, daß die DBP 50 000 sogenannte MultiTels gekauft hat?
a) Wie viele von welchen Herstellern?
b) Zu welchem Preis?
c) Zu welchen Gebühren werden die Geräte überlassen?
d) Wie sieht die Wirtschaftlichkeitsrechnung aus?
e) Wurde vor Erteilung der Aufträge eine Marktanalyse gemacht?
Wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Die Deutsche Bundespost hat 50 000 MultiTel in vier
unterschiedlichen Ausführungen eingekauft.
a) Insgesamt haben vier Hersteller Aufträge erhalten, davon zwei
Hersteller über je 20 000 Stück und zwei Hersteller über je
5 000 Stück.
b) Da die Deutsche Bundespost MultiTel in Konkurrenz zu
privaten Anbietern vertreibt, können aus verständlichen Gründen
keine Beschaffungspreise angegeben werden (siehe auch
Antwort zu Frage 1b).
c) Die monatliche Gebühr für das MultiTel 1 (Schwarz-Weiß-
Gerät) beträgt 48 DM, für das MultiTel 2 (Farb-Gerät) 78 DM.
d) Die Gebührenkalkulation wurde auf der Grundlage der
Beschaffungskosten und unter Berücksichtigung des
Nachfrageverhaltens festgesetzt. Nach aller Erfahrung sinken die
Durchschnittskosten pro Teilnehmer mit wachsender
Teilnehmerzahl. Dadurch wird die Rentabilität des neuen Dienstes
mittel- bis langfristig erreicht.
e) Vor der Erteilung der Aufträge wurde bei ca. 1 000 Kunden ein
Akzeptanztest im Rahmen eines bundesweiten Feldversuchs
durchgeführt mit dem Ergebnis, daß die oben genannten
Geräte für eine Aufnahme in das Angebot der Deutschen
Bundespost geeignet sind und im Markt abgesetzt werden
können.
3. Wieviel Geld hat die DBP in den Jahren 1982, 1983, 1984, 1985 und
1986 für die Werbung speziell für den Bildschirmtext-Dienst
ausgegeben?
Wieviel Geld ist für das Jahr 1987 vorgesehen
a) für Druckschriften und Anzeigen,
b) für Vorführungen (Personal- und Sachkosten)?
a) Für die Btx-Werbung (Druckschriften und Anzeigen) wurden
folgende Ansätze in Haushalten vorgesehen:
Haushaltsjahr
Mio. DM
1982
0,5
1983
8
1984
6
1985
9
1986
11
1987
12
b) Für Vorführungen fallen jährlich ca. 40 000 DM Personalkosten
an. Der Gerätewert der Vorführgeräte beträgt ca. 500 000 DM.
4. Welche Gebühren hat die DBP für Btx in den Jahren 1985 und 1986
eingenommen?
Wie hoch war der Gebührenausfall durch Verzicht auf ursprünglich
vorgesehene Gebühren?
Welche Einnahmen werden für das Jahr 1987 erwartet?
Die Gebühreneinnahmen im Btx-Dienst beliefen sich auf 4,6 Mio.
DM im Jahre 1985 und 13,6 Mio. DM im Jahre 1986. Für das
Rechnungsjahr 1987 werden Einnahmen in der Größenordnung
von 30 Mio. DM erwartet.
5. Welche Kosten(unter)deckung hat der Btx-Dienst in den Jahren 1985
und 1986 erreicht?
Welche wird für das Jahr 1987 erwartet?
Wann wird insgesamt eine Kostendeckung (break-even-point)
erwartet?
Da der Btx-Dienst sich noch in der Einführungsphase befindet,
kann eine verläßliche Aussage über die Kostendeckung nicht
getroffen werden. Eine Kostendeckung wird für Mitte der 90er
Jahre erwartet.
6. Treffen — nach Kenntnis der Bundesregierung — die Angaben aus der
Zeitschrift „Computerwoche" vom 11. Mai 1984 zu, wonach Datex-L
und Datex-P im Jahre 1984 nur eine Kostendeckung von 35 % bzw.
39 % erzielt haben und daß von 1976 bis 1982 ein Gesamtdefizit von
250 Mio. DM bei diesen Diensten erreicht wurde?
Wie lauten die Werte für die Jahre 1985 und 1986?
Rechnergesteuerte Vermittlungseinrichtungen haben
systembedingt einen hohen Grundaufwand. Die Folge davon sind
geringe Kostendeckungsgrade in der Anlaufphase.
Seit 1983 haben sich die Kostendeckungsgrade positiv entwickelt.
Es ist davon auszugehen, daß im Endausbau die Datenwählnetze
mit voller Kostendeckung betrieben werden können. Dabei muß
berücksichtigt werden, daß die Anlaufverluste auszugleichen
sind.
7. Wie ist — nach Kenntnis der Bundesregierung — die Angabe zur
Kostenunterdeckung bei den „übrigen Fernmeldediensten" (außer
Telefon- und Telegraphendienst) von 69 % für das Jahr 1985 im
Aufsatz von Herrn Zurhorst in der ZPF (Zeitschrift für das Post- und
Fernmeldewesen) Nr. 11/86 aufzuschlüsseln?
Welche Werte sind für Btx, Breitbandkabelanschlüsse, Datex-L und
Datex-P in den Jahren 1985 und 1986 anzusetzen?
Welche werden für das Jahr 1986 erwartet?
In der Leistungs- und Kostenrechnung der Deutschen Bundespost
umfaßt der Dienstzweig „übrige Fernmeldedienste" überwiegend
Drucksache 11 /28 Deutscher Bundestag — 11. Wahlperiode
eine Vielzahl kleiner und kleinster Teilbereiche des
Fernmeldewesens, jedoch nicht die Bereiche Btx, Datex-L und Datex-P.
Die Leistungs- und Kostenrechnung der Deutschen Bundespost ist
eine Vollkostenrechnung.
Der Kostendeckungsgrad hat bei allen Fernmeldediensten in der
Einführungsphase wenig Aussagekraft für den mittel- und
langfristigen Erfolg eines Dienstes.
Für das Rechnungsjahr 1986 liegen für den gesamten Bereich des
Fernmeldewesens noch keine Daten vor.
8. Mit welcher Kostenunterdeckung rechnet die DBP für das ISDN in
den Jahren 1988, 1989, 1990?
Die im Zusammenhang mit dem ISDN eingeführte Digital-
Technik erlaubt nicht nur das Angebot von neuen Fernmeldediensten,
sondern stellt insbesondere im Vergleich zur herkömmlichen
Analog-Technik auch die kostengünstigere Lösung dar.]