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Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Zur Datenerhebung über die ökologische Situation in den Alpen und zu vorbeugenden Maßnahmen gegen Katastrophen (G-SIG: 11002205)

Kenntnisse über die Veränderung der Ökologie des deutschen Alpenraums und die Vitalität der Schutzwälder, Verbesserung der Prognosen über Naturereignisse, Kooperation mit anderen Alpenländern, Risikovorsorge für bedrohte Siedlungsgebiete und Verkehrswege, Beurteilung des im Arlberggebiet (Österreich) eingesetzten EDV-gestützten Lawinenwarnsystems, Umweltverträglichkeitsprüfungen bei Erschließungs- und Baumaßnahmen im Alpenraum, Kosten der Verbauungs-, Schutz- und Vorsorgemaßnahmen durch Verlust der Schutzfunktion des Bergwalds, Kosten-Nutzen-Analyse von Schadensereignissen zu kombinierten Überwachungs-/ Vorsorge-/ Vorwarnsystemen

Fraktion

SPD

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Datum

11.08.1988

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 11/266513.07.88

Zur Datenerhebung über die ökologische Situation in den Alpen und zu vorbeugenden Maßnahmen gegen Katastrophen

der Abgeordneten Lennartz, Vahlberg, Schäfer (Offenburg), Bachmaier, Blunck, Conradi, Fischer (Homburg), Dr. Hartenstein, Dr. Hauff, Kiehm, Koltzsch, Dr. Martiny, Matthäus-Maier, Menzel, Müller (Düsseldorf), Reimann, Reuter, Dr. Schöfberger, Schütz, Stahl (Kempen), Waltemathe, Weiermann, Amling, Bamberg, Büchler (Hof}, Dr. Glotz, Dr. Haack, Kißlinger, Kolbow, Kretkowski, Lambinus, Leidinger, Lutz, Müller (Schweinfurt), Porzner, Schmidt (München), Schmidt (Nürnberg), Sieler (Amberg), Dr. Skarpelis-Sperk, Verheugen, Dr. Wernitz, Wimmer (Neuötting), Dr. de With, Dr. Vogel und der Fraktion der SPD

Vorbemerkung

Vorbemerkung

Das ökologische Gleichgewicht in den Alpen ist infolge der allgemeinen Luftverschmutzung aus Industrie- und Verkehrsemissionen sowie durch Massentourismus und Siedlungsdruck stark gefährdet. So weist z. B. der Waldschadensbericht der Bundesregierung vom Herbst 1987 aus, daß 80 v. H. des Waldes in den bayerischen Alpen stark geschädigt sind.

Ein Viertel der bayerischen Alpen besteht aus der geologischen Formation Mergel- oder Flyschgestein. Diese Formationen weisen feinverzweigte Bachsysteme auf, sie sind bei einer Schädigung des Schutzwaldes durch Massenabtrag stark erosions- und hangrutschgefährdet.

Drei Viertel der bayerischen Alpen sind aus härteren Kalksteinen aufgebaut. Die Verwitterungsvorgänge an den meist steilen Hängen lassen nur eine geringmächtige Humusschicht entstehen, die schon bei einer kleinen Beeinträchtigung des Pflanzenbewuchses abgetragen wird. Damit ist einer Schutzwaldsanierung jede Grundlage entzogen.

Wasserabfluß, Erosionsbereiche und Lawinenstriche weiten sich aus. Die Hochwasser-, Muren- und Hangabrutschkatastrophen des letzten Sommers — Ötztal, Pitztal, Glemmstal, Stubaital, Poschiavo, Brennotal, Annecy, Veltlin, um nur einige zu nennen — sind ein Beispiel dafür.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen12

1

Welche Kenntnisse besitzt die Bundesregierung über die Veränderung der Ökologie des deutschen Alpenraums allgemein und über die Vitalität der Schutzwälder im besonderen?

2

Welche Erkenntnisse aus der Hanglabilitätskartierung und den Ergebnissen geologischer und wasserwirtschaftlicher Untersuchungen liegen der Bundesregierung vor, die Hangbewegungen, Muren und Lawinenabgänge sowie Überschwemmungen prognostizierbar machen?

3

Hält die Bundesregierung das vorliegende Datenmaterial für ausreichend, um das Risiko für Räume hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts und des potentiellen Ausmaßes des Schadens zu prognostizieren?

4

Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um die Vorhersehbarkeit von Naturereignissen der beschriebenen Art nach dem Stand von Wissenschaft und Technik zu verbessern?

5

Sind der Bundesregierung die Projekte zur Risikoabschätzung in anderen Alpenländern bekannt, und werden die jeweils gemachten Erfahrungen für den deutschen Alpenraum nutzbar gemacht?

6

Welche Projekte zur Risikoabschätzung sind international eingeleitet, und welche Erfahrungen hat die Bundesregierung im Rahmen einer Kooperation mit anderen Alpenländern gemacht?

7

Welche Standorte, Siedlungsgebiete und Verkehrswege im Alpen- und Alpenvorland sind nach Kenntnis der Bundesregierung konkret gefährdet?

8

Welche Risikovorsorge ist für bedrohte Siedlungsgebiete und Verkehrswege vorgesehen?

9

Wie beurteilt die Bundesregierung das im Arlberggebiet (Österreich) eingesetzte EDV-gestützte Lawinenwarnsystem, und hält sie einen Einsatz im deutschen Alpenraum für sinnvoll?

10

Welche Umweltverträglichkeitsprüfungen sind im Falle von Erschließungs- und Baumaßnahmen im Alpenraum vorgesehen, und mit Hilfe welcher Instrumente sollen diese Prüfungen in Zukunft verfeinert werden?

11

Auf welche Höhe belaufen sich nach Schätzung und/oder Berechnungen der Bundesregierung die Kosten der technischen Verbauungs-, Schutz- und Vorsorgemaßnahmen, die durch Verlust der natürlichen Schutzfunktion des Bergwalds entstanden sind und bei gleichbleibender Entwicklung entstehen werden?

12

Wie beurteilt die Bundesregierung die Notwendigkeit von Kosten-Nutzen-Analysen, die die eventuell auftretenden Schadensereignisse in gefährdeten Räumen in Beziehung setzt zu wirksamen Überwachungssystemen mit der Möglichkeit der Vorsorge und Vorwarnung?

Bonn, den 13. Juli 1988

Lennartz Vahlberg Schäfer (Offenburg) Bachmaier Blunck Conradi Fischer (Homburg) Dr. Hartenstein Dr. Hauff Kiehm Koltzsch Dr. Martiny Matthäus-Maier Menzel Müller (Düsseldorf) Reimann Reuter Dr. Schöfberger Schütz Stahl (Kempen) Waltemathe Weiermann Amling Bamberg Büchler (Hof) Dr. Glotz Dr. Haack Kißlinger Kolbow Kretkowski Lambinus Leidinger Lutz Müller (Schweinfurt) Porzner Schmidt (München) Schmidt (Nürnberg) Sieler (Amberg) Dr. Skarpelis-Sperk Verheugen Dr. Wernitz Wimmer (Neuötting) Dr. de With Dr. Vogel und Fraktion

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