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Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Geschäfte mit der Angst vor AIDS (G-SIG: 11002811)

Vereinbarkeit der Werbung einer Frankfurter Firma für ein gegen AIDS wirkenden Desinfektionsfluids mit einer sachlichen AIDS-Aufklärung

Fraktion

Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit

Datum

30.09.1988

Antwortdauer

16 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Offizielle Quellen und Volltext

Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.

Deutscher BundestagDrucksache 11/291914.09.88

Geschäfte mit der Angst vor AIDS

der Abgeordneten Frau Wilms-Kegel und der Fraktion DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Eine Frankfurter Firma für Medizinalbedarf, die sich selbst als „Bannerträger der Gesundheit" bezeichnet, vertreibt ein „Desinfektions-Fluid, wirksam gegen AIDS-Viren, Pilze und Bakterien in der praktischen Sprühflasche für die Handtasche". Dieses Desinfektionsmittel besteht zu 45 % aus Äthanol, zu 0,5 % aus dem angeblich fungizid und bakterizid wirkenden Stoff Didecyldimethylammoniumchlorid und ansonsten aus unwirksamen Bestandteilen. Dazu fragen wir die Bundesregierung:

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen4

1

Wie beurteilt die Bundesregierung die Vermarktungsstrategie des von der Frankfurter Firma für Medizinalbedarf vertriebenen Desinfektionsmittels?

2

Ist die Bundesregierung der Meinung, daß die auf die Sprühflasche aufgedruckte oben zitierte Deklaration Anlaß zur Irreführung geben kann, weil sie ein fast allgegenwärtiges Risiko zur Infektion mit dem HI-Virus, u. a. durch das Berühren von Türklinken, Spielsachen, Telefonen etc., suggeriert?

3

Welche Schritte wird die Bundesregierung unternehmen, um zu verhindern, daß Ängste bezüglich einer Übertragung des HI-Virus durch kontaminierte Flächen und Gegenstände außerhalb der sogenannten Risikoberufe bewußt hervorgerufen und von Firmen wie z. B. der Frankfurter Firma für Medizinalbedarf verbreitet und vermarktet werden?

4

Hält die Bundesregierung diese A rt der Vermarktung eines ansonsten laut Gutachten von einem in der AIDS-Forschung profilierten Professor des Max-von-Pettenkofer-Institutes für Hygiene und medizinische Mikrobiologie der Ludwig-Maximilians-Universität München virologisch weitgehend unwirksamen Desinfektionsmittels für vereinbar mit ihrer Strategie der sachlichen AIDS-Aufklärung?

Bonn, den 14. September 1988

Frau Wilms-Kegel Dr. Lippelt (Hannover), Frau Schmidt-Bott, Frau Vennegerts und Fraktion

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