Schutz der Meeresumwelt und Binnengewässer durch Aquakultur von Zierorganismen
der Abgeordneten Angelika Brunkhorst, Dr. Christel Happach-Kasan, Michael Kauch, Horst Meierhofer, Dr. Karl Addicks, Christian Ahrendt, Uwe Barth, Rainer Brüderle, Ernst Burgbacher, Patrick Döring, Mechthild Dyckmans, Jörg van Essen, Horst Friedrich (Bayreuth), Dr. Edmund Peter Geisen, Hans-Michael Goldmann, Miriam Gruß, Joachim Günther (Plauen), Heinz-Peter Haustein, Elke Hoff, Birgit Homburger, Dr. Heinrich L. Kolb, Jürgen Koppelin, Heinz Lanfermann, Sibylle Laurischk, Harald Leibrecht, Ina Lenke, Patrick Meinhardt, Jan Mücke, Burkhardt Müller-Sönksen, Dirk Niebel, Hans-Joachim Otto (Frankfurt), Detlef Parr, Cornelia Pieper, Gisela Piltz, Marina Schuster, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Max Stadler, Florian Toncar, Christoph Waitz, Dr. Claudia Winterstein, Dr. Volker Wissing, Dr. Guido Westerwelle und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die Erfahrung zeigt, dass Aquakulturanlagen negative Auswirkungen auf die Umwelt haben können (z. B. Abholzung von Mangrovenwäldern für Zuchtteiche, Überdüngung der Gewässer durch Überreste der Futtermittel, Medikamente und Fäkalien, Übertragung von Krankheitserregern auf wild lebende Tiere). Diese gilt es zu vermeiden.
Auf der zweiten Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt wurde 1995 ein Programm zum besseren Schutz der Biodiversität verabschiedet. Ein Bestandteil dieses Programms ist ein integriertes Meer- und Küstenzonenmanagement (Integrated Marine and Coastal Area Management, ICAM). Das ICAM enthält die Forderung nach der Umsetzung von ökologisch nachhaltigen Marikulturpraktiken. Hierzu sollen u. a. Technologien entwickelt werden, mit denen Umweltbelastungen vermieden werden können.
Ein zunächst auf drei Jahre (2003 bis 2005) angelegtes so genanntes Aktionskonzept mit dem Titel „Nachhaltige Marine Aquakulturtechnologie“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hatte die Entwicklung einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Aquakulturtechnologie für den Einsatz in verschiedenen Klimazonen zum Ziel. Insbesondere sollten tropische Schwellenländer bei der Bewältigung der Herausforderungen in der Aquakultur mariner Organismen unterstützt werden. Dazu sollten u. a. im Sinne von Public-Private-Partnerships Allianzen zwischen Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Kapitalgebern sowie Körperschaften des öffentlichen Rechts geschaffen werden. Es wurden in der Zusammenarbeit mit Partnerländern sog. 2+2-Projekte angestrebt, bei denen auf beiden Seiten Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft eingebunden sind.
Drucksache 16/10939 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. WahlperiodeWir fragen die Bundesregierung:
Fragen22
Wie viele Aquakulturanlagen im Bereich der Zierorganismen mit welchen Produktionsmengen gibt es in der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu den einzelnen anderen Mitgliedstaaten der EU nach Kenntnis der Bundesregierung?
Wie viele Aquakulturbetriebe im Bereich Zierorganismen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland und in den anderen EU-Mitgliedstaaten züchten jeweils nach Kenntnis der Bundesregierung Süß- bzw. Salzwasserfische/Meerestiere?
Wie viele Aquakulturbetriebe innerhalb der Bundesrepublik Deutschland und in den anderen EU-Mitgliedstaaten züchten jeweils Zierfische bzw. sonstige Zierorganismen?
Wie viele Forschungsprojekte zum Thema Aquakultur gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung innerhalb der Bundesrepublik Deutschland und in den anderen EU-Mitgliedstaaten jeweils, und wie bewertet die Bundesregierung diese Daten?
Welchen Beitrag im Rahmen einer bestandserhaltenden Fischereiwirtschaft kann Aquakultur nach Einschätzung der Bundesregierung speziell für den deutschen Markt (Markt für Zierorganismen) leisten, insbesondere für welche Arten?
Wie viele Arbeitsplätze gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Aquakulturbetrieben in der Bundesrepublik Deutschland, in der Zulieferindustrie und im Zierfischhandel?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Nährstoffeinträge aus Aquakulturanlagen in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren entwickelt?
Welchen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung von Ländern beispielsweise in den Tropen leistet die Bundesrepublik Deutschland im Bereich der Aquakultur durch Technologie- und Wissenstransfer?
Wie schätzt die Bundesregierung die Gefährdung der tropischen Korallenriffe durch den Fang von kommerziell interessanten Zierorganismen für den Aquariumsbereich sowie durch Dynamitfischerei ein?
Welchen Beitrag zur Deckung der Nachfrage und damit dem Schutz der Riffe kann nach Einschätzung der Bundesregierung die Zucht dieser Zierorganismen und/oder die Zucht von tropischen Speisefischen in Aquakulturen leisten?
Gibt es in diesem Bereich von der Bundesrepublik Deutschland geförderte Forschungsprojekte, und wenn ja, welche sind dies (bitte auch Angabe der jeweiligen Fördersumme und der Dauer der Projekte)?
Welche Möglichkeiten zum Schutz der Riffe gibt es darüber hinaus, zu denen die Bundesrepublik Deutschland nach Einschätzung der Bundesregierung einen Beitrag leisten kann, und was hat die Bundesregierung in dieser Richtung konkret unternommen?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Ergebnisse der Umsetzung des Aktionskonzepts „Nachhaltige Marine Aquakulturtechnologie“ bezogen auf dessen Zielstellung?
Welche deutschen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen haben sich am Kompetenznetzwerk „Nachhaltige Marine Aquakulturtechnologie“ beteiligt, und jeweils seit wann (bitte tabellarische Übersicht)?
Wie viele 2+2-Projekte, mit je einem wissenschaftlichen und einem unternehmerischen Partner aus der Bundesrepublik Deutschland und einem Partnerland wurden mit jeweils welchem Forschungs- und Entwicklungsansatz verwirklicht, und wo wurden diese realisiert?
Wie viele Anträge gab es dazu, wer hat diese jeweils begutachtet, und wer hat diese bewilligt?
Wie hoch ist die tatsächliche Gesamtfördersumme für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben für das Kompetenznetzwerk, und wie verteilen sich die Förderbeträge auf die einzelnen Beteiligten?
Welche gesicherten Erkenntnisse aus den einzelnen Projekten führen bzw. führten zu welchen neuen bzw. veränderten Aquakulturtechnologien?
Welche gesicherten Erkenntnisse dienen künftig einer Verbesserung des Gesundheitszustandes der in Aquakultur gehaltenen Tiere?
Welche gesicherten Erkenntnisse dienen künftig einer Veränderung der Fütterungsmethoden der in Aquakultur gehaltenen Tiere?
Welche gesicherten Erkenntnisse dienen künftig einer Verbesserung der Ökologie im Bereich der Aquakulturen?
Welchen weiteren Forschungsbedarf sieht die Bundesregierung auf dem Gebiet der Aquakulturtechnologien?