Kulturwochen
Insgesamt konnten bisher sechs Kulturwochen durchgeführt werden, davon eine in Bulgarien (1980), eine in der Tschechoslowakei (1982), zwei in Rumänien (1980 und 1985), zwei in Ungarn (1980, 1984). In der Sowjetunion und in Polen wurden bisher noch keine Kulturwochen, jedoch Filmwochen abgehalten (Sowjetunion: 1981 und 1984, Polen: 1982 und 1985).
Berlin wurde jeweils mit speziellen Beiträgen berücksichtigt. Es ist beabsichtigt, die Reihe der Kulturwochen in denjenigen europäischen RGW-Ländern fortzusetzen, in denen kein Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland besteht.
Musik- und Theaterveranstaltungen, Ausstellungen, Filmwochen
Zahl der vom Auswärtigen Amt geförderten Veranstaltungen zwischen 1980 und 1985
Land Musik Theater/ Ballett Ausstellungen Filmwochen
Sowjetunion 14 2 22 2
Polen 22 6 11 2
Tschechoslowakei 14 1 9 gepl. f. 1986
Ungarn 16 7 23 2
Rumänien 15 7 26 2
Bulgarien 14 5 11 3
- Auftritte des Balletts des Württembergischen Staatstheaters Stuttgart in Sofia (1980) und Moskau (1985)
- Aufführungen der Schaubühne, Berlin, in Warschau (1983)
- Konzerte der Deutschen Oper, Düsseldorf, in Warschau (1980)
- Konzerte der Gächinger Kantorei in Warschau, Prag und Moskau (1985)
- Konzert von Anne-Sophie Mutter in Moskau (1985)
- Ausstellung über Aktuelle Kunst der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest (1985)
- Aufführungen der Ruhrfestspiele Recklinghausen in Budapest (1983)
Buchausstellungen, Buchmessen
Es finden internationale Buchmessen in regelmäßigen Abständen in Moskau (alle zwei Jahre), in Sofia (alle zwei Jahre) und in Warschau (jährlich) statt. Die Bundesregierung unterstützt die Teilnahme von Verlagen aus der Bundesrepublik Deutschland. Berliner Verlage nehmen an allen Veranstaltungen teil.
Buchausstellungen der Bundesrepublik Deutschland in den europäischen RGW-Staaten finden in unregelmäßigen Abständen auf der Grundlage schriftlicher bilateraler Vereinbarungen mit dem jeweiligen Partnerland statt. Berliner Verlage nehmen regelmäßig teil.
Insgesamt fanden zwischen 1980 und 1985 Buchausstellungen und Beteiligungen an internationalen Buchmessen statt
3 in der Sowjetunion
7 in Polen
6 in der Tschechoslowakei
3 in Ungarn
2 in Rumänien
7 in Bulgarien.
In der Sowjetunion wird jährlich in verschiedenen Städten die von der Arbeitsgemeinschaft der Gesellschaften Bundesrepublik Deutschland—UdSSR e. V., Dortmund, getragene und vom Auswärtigen Amt geförderte Ausstellung „Blick in die Bundesrepublik Deutschland" gezeigt, im Jahre 1985 in Duschanbe (Tadschikistan) und Aschchabad (Turkmenistan).
Jugendaustausch
Internationale Jugendbegegnungen mit den europäischen RGW-Staaten finden in vielen Bereichen der Jugendarbeit statt. Der Austausch von Führungskräften, Fachkräften und Mitarbeitern der Jugendarbeit dient der Anbahnung von Kontakten, dem Erfahrungsaustausch und der Zusammenarbeit zwischen Experten in den verschiedenen Bereichen der Jugendhilfe. Diese Fachprogramme sollen helfen, Probleme zu vergleichen und von den Lösungsansätzen anderer Länder zu lernen.
Jugendbegegnungen und Fachprogramme werden bei uns in der Regel nicht von staatlicher Seite, sondern von den freien Trägern der Jugendarbeit durchgeführt, vor allem von Jugendverbänden, . Bildungsstätten sowie anderen Organisationen und Institutionen der Jugendbildung und der Jugendsozialarbeit. Diese Träger beziehen Jugendliche und Fachkräfte aus Berlin mit ein. Träger sind u. a.: Deutsche Pfadfinder, Jugendorganisationen der Kirchen, Gewerkschaftsjugend, Sportjugend, Jugendorganisationen der politischen Parteien, Studentenverbände, Organisationen für Jugendarbeit.
Dabei versuchen die europäischen RGW-Staaten, den Jugendaustausch auf die Entsendung von Jugendfunktionären zu konzentrieren. Einfache Mitglieder der Jugendorganisationen werden nur selten in den Jugendaustausch einbezogen.
Die Zahl der aus der Bundesrepublik Deutschland in die europäischen RGW-Länder reisenden Jugendlichen übertrifft die Zahl der Jugendlichen, die eine Erlaubnis zum Besuch der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Auch hier wäre größere Ausgewogenheit erwünscht. Die Bundesregierung bleibt bemüht, den Jugendaustausch mit den europäischen RGW-Staaten auszubauen.
Sport
Die Sportkontakte zu den europäischen RGW-Staaten nehmen zu. Dies gilt insbesondere für den Bereich des Leistungssports, an dem die europäischen RGW-Länder stark interessiert sind.
Der Deutsche Sportbund und die Fachverbände unterhalten gute Beziehungen zu den entsprechenden Organisationen der europäischen RGW-Länder. Jedes Jahr sind eine beträchtliche Anzahl von Begegnungen auf beiden Seiten vorgesehen. Die Abwicklung geschieht reibungslos. Berlin ist in den Austausch einbezogen.
Der Austausch im Bereich des Breitensports ist weniger intensiv. Er beruht teilweise auf privater Initiative. Diese Bereiche und die persönlichen Kontakte — meist auf Vereinsebene — werden durch das Auswärtige Amt gefördert.
Schüler- und Lehreraustausch
Schüleraustausch
Die Bundesregierung ist daran interessiert, den Schüleraustausch auszubauen, da sie den Kontakten von Schülern zum besseren Verständnis von Völkern und zur Vertrauensbildung unter der nachwachsenden Generation große Bedeutung beimißt. Bisher findet überwiegend „Schülertourismus" in der Richtung von West nach Ost statt, der durch Initiativen einzelner Schulen zustande kommt. Die Bundesregierung und die Bundesländer unterstützen und fördern diese Aktivitäten.
Schülerprämien Programm
Das Schülerprämienprogramm ist ein weltweites Kurzzeitstipendienprogramm (vier Wochen, davon eine Woche in Berlin, ein Begleitlehrer) für Sekundarschüler mit guten Deutschleistungen. Es wird seit den siebziger Jahren Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien angeboten. Die Einladungen sind bislang wegen der Einbeziehung Berlins in das Reiseprogramm abgelehnt oder ignoriert worden, mit Ausnahme Rumäniens, das 1985 nach mehrjähriger Pause wieder das Angebot annahm.
Lehreraustausch
Mit der Sowjetunion ist ein Lehreraustauschprogramm vereinbart. Es findet jährlich ein vierwöchiger Fortbildungslehrgang für sowjetische Deutschlehrer am Goethe-Institut und deutsche Russischlehrer am Herzen-Institut in Leningrad statt. Die Gruppen, denen regelmäßig auch Teilnehmer aus Berlin angehören, bestehen aus je etwa 25 Personen.
Im Rahmen einer Absprache zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Sowjetunion gab es bisher drei Treffen von Experten für Schulbildung, das letzte fand vom 10. bis 19. Dezember 1985 in der Sowjetunion statt.
1984 besuchte eine Gruppe ungarischer Deutschlehrer ein Landeskundeseminar im Internationalen Haus Sonnenberg im Harz. In den letzten Jahren nahm regelmäßig eine größere Gruppe von Lehrern deutscher UNESCO-Modellschulen am Sommerkurs für polnische Sprache und Kultur in Krakau teil. Unter den 23 deutschen Modellschulen befindet sich eine Berliner Schule. Hamburg führt seit 1974 jährlich den Austausch von 25 deutschen und 25 polnischen Lehrern durch.
Mit Bulgarien gibt es Lehrerkontakte im Rahmen der UNESCO-Modellschulen: 1983 fand in Sofia der erste Weltkongreß der Modellschulen mit einer größeren Delegation aus der Bundesrepublik Deutschland mit Teilnehmern aus Berlin statt. Im April 1983 besuchte der bulgarische nationale Programmkoordinator die Bundesrepublik Deutschland.
Berufliche Bildung
Mit der Sowjetunion, Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn findet ein Austausch von Fachkräften der beruflichen Bildung statt. Darüber hinaus sind für 1986 drei polnische Experten auf Regierungsebene zu einem Besuch zum Studium des dualen Berufsbildungssystems in der Bundesrepublik Deutschland eingeladen.
Akademischer Austausch
Die Zusammenarbeit im akademischen Bereich vollzieht sich sowohl zwischen den Hochschulen als auch über den Deutschen Akademischen Austauschdienst, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterhält Beziehungen zu den Akademien der Wissenschaft in der Sowjetunion, in Polen, in der Tschechoslowakei und in Bulgarien. Am akademischen Austausch nehmen auch Studenten und Wissenschaftler aus Berlin teil.
Das Interesse der europäischen RGW-Staaten konzentriert sich auf naturwissenschaftlich-technologische Bereiche, um am technischen Fortschritt teilzuhaben. Es liegt aber auch im Interesse der Bundesrepublik Deutschland, die wissenschaftliche Kontinuität mit den europäischen RGW-Staaten zu pflegen. Die Bundesregierung begrüßt diesen Austausch, obwohl zahlreiche bürokratischadministrative Hemmnisse und häufig schwierige Arbeitsbedingungen die Tätigkeit von Wissenschaftlern aus der Bundesrepublik Deutschland in der Sowjetunion und den anderen europäischen RGW-Staaten belasten. Außerdem erschwert die Ausreisepraxis der europäischen RGW-Staaten, die ein kontrollierendes Element enthält, die Durchführung wissenschaftlicher Zusammenarbeit.
Ein wichtiger Teil der akademischen Zusammenarbeit wird über Hochschulpartnerschaften abgewickelt. Die Gesamtzahl der Partnerschaften beträgt derzeit 75, hierbei ist Berlin mit vier Vereinbarungen vertreten.
Zur Problematik der Vermittlung kultureller Projekte in die europäischen RGW-Staaten wird auf die Ausführungen in Absatz I Ziffer 4 verwiesen.
Städtepartnerschaften und Partnerschaften einzelner Bundesländer
Es gibt zahlreiche Kontakte zu den europäischen RGW-Staaten auf der Ebene der Bundesländer, im Falle der Sowjetunion z. B. Hessen — Armenien, Nordrhein-Westfalen — Russische Föderative Sowjetrepublik, Niedersachsen — Usbekistan, Rheinland-Pfalz — Aserbeidschan, Schleswig-Holstein — Estland, Saarland — Georgien, Baden-Württemberg — Tadschikistan, Bayern — Ukraine.
Der Informationsaustausch über auswärtige Vorhaben der Bundesländer, Städte und Gemeinden mit der Bundesregierung wird künftig in einer gemeinsamen „Gesprächsrunde für kulturelle Kontakte und Vorhaben mit Staaten des Warschauer Paktes" stattfinden. Damit soll die bisher öfter unzureichende gegenseitige Abstimmung verbessert werden. Dabei wird künftig noch mehr als bisher auf Ausgewogenheit und Gegenseitigkeit beim Kulturaustausch mit den europäischen RGW-Staaten zu achten sein.
Die Bundesregierung begrüßt Städteverbindungen von Städten in der Bundesrepublik Deutschland zu Städten in den europäischen RGW-Staaten, die in die Autonomie der kommunalen Körperschaften fallen. Sie sollten ausgewogen, unter Berücksichtigung der Gegenseitigkeit und unter Wahrung der Grundlinien deutscher Außenpolitik gestaltet werden. Die Bundesregierung steht interessierten deutschen Gemeinden beratend zur Seite.
Im Hinblick auf fortbestehende Probleme bezüglich einer befriedigenden Einbeziehung Berlins unterstützt die Bundesregierung die Empfehlung des Deutschen Städtetags, derartige Städteverbindungen auf der Basis von Rahmenvereinbarungen zu entwickeln und bis auf weiteres förmliche Pa rtnerschaften zurückzustellen. Leider haben in der letzten Zeit einige deutsche Städte diese Empfehlungen nicht beachtet.
Mit Städten in der Sowjetunion gibt es ca. fünfzehn Städteverbindungen, davon drei förmliche Pa rtnerschaften, mit Städten in Polen gibt es fünf Städteverbindungen, mit Städten in der Tschechoslowakei und Rumänien je zwei und eine Verbindung mit einer ungarischen Stadt.