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Kleine AnfrageWahlperiode 10Beantwortet

Honigproduktion und Gefährdung der Honigbiene durch die Varroatose (G-SIG: 10004212)

Mittel für die Erforschung der Varroatose, Aufnahme in das Tierseuchengesetz, Rückstandsbelastung von Bienenhonig, Überwachung von Honigimporten, Einbeziehung aller Bienenarten in die Prüfung der Bienengefährlichkeit neuer Pflanzenschutzmittel, Koordinierung der Varroatoseforschung auf EG-Ebene

Fraktion

Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Datum

12.06.1986

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 10/546713.05.86

Honigproduktion und Gefährdung der Honigbiene durch die Varroatose

des Abgeordneten Werner (Dierstorf) und der Fraktion DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Seit etwa 1977 gibt es eine neue Tierart in der Bundesrepublik Deutschland. Eine parasitische Milbe, die sich vom „Blut" (Hämolymphe) der Honigbienen ernährt und sich in den Brutzellen der Bienen fortpflanzt, bedroht die Imkerei in der Bundesrepublik Deutschland; ihr Name: Varroa jacobsoni.

Dieser Parasit ist seit 1979 anzeigepflichtig und unterliegt dem Tierseuchengesetz. Ausgehend von Hessen sind heute große Teile der Bundesrepublik Deutschland befallen. Die Milbe stellt eine (nicht nur potentielle) Gefahr für die Berufs-, Erwerbs- und Freizeitimkerei dar, da befallene Völker in jedem Falle geschwächt werden und nach zwei bis vier Jahren absterben können.

Der Honigmarkt der Bundesrepublik Deutschland wird durch die Varroatose vor eine neue Schwierigkeit gestellt, die Honigproduktion betrug 1985 nur ca. 5 000 Tonnen gegenüber ca. 15 000 Tonnen im langjährigen Mittel. Nach dem Wegfall der EG-Subventionen für Futterzucker und durch die ständig steigenden Honigimporte aus verschiedenen Ländern (vor allem aus der UdSSR und Mexiko), müssen die rund 80 000 bundesdeutschen Imker nun mit einem weiteren Problem kämpfen.

Derzeit sind drei Bekämpfungsmittel gegen Varroatose in der Bundesrepublik Deutschland zugelassen, die alle nicht optimal wirken, aber angewandt werden müssen, wenn die Seuche amtstierärztlich festgestellt wurde.

Erste Untersuchungen seitens der staatlichen Lebensmitteluntersuchungsämter zeigten, daß Rückstände dieser und anderer Präparate im Bienenhonig nachzuweisen sind. Höchstmengen für solche Rückstände in Bienenhonig gibt es bisher nicht.

Ein Präparat (Folbex VA Neu) wurde inzwischen bereits in Hessen vom Markt genommen, da es zu Rückständen im Honig und zu Bronchitiden bei Imkern geführt hat.

Trotz Aufrufen seitens des Deutschen Imkerbundes (DIB) experimentieren viele Imker mit hier nicht zugelassenen Mitteln, um sich der Milbe zu erwehren; so werden zum Beispiel Amitraz, Phenothiazin und hochprozentige Ameisensäure angewandt.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen19

1

Mit welchen Summen wurde die Erforschung der Varroatose in den Jahren 1975 bis 1985 durch die Bundesregierung gefördert?

2

Welche Einrichtungen haben innerhalb dieses Zeitraums welche Beträge erhalten und für welche Einzelvorhaben?

3

Ist die Bundesregierung der Meinung, daß der Gefährlichkeit der Varroa-Milbe, die in der Bundesrepublik Deutschland etwa eine Million Bienenvölker bedroht, durch die Aufnahme in das Tierseuchengesetz genügend Rechnung getragen wird?

4

Liegen der Bundesregierung Untersuchungsergebnisse vor, die über die Rückstandsbelastung von Bienenhonig bundesdeutscher Produktion Auskunft geben, und gibt es Vergleichswerte für Importhonig?

5

Ist die Bundesregierung bereit, detaillierte Angaben darüber zu machen, welche Rückstände in welchen Mengen gefunden wurden?

6

Welche Befunde über Rückstände von Brompropylat (Folbex VA Neu) liegen der Bundesregierung vor?

7

Wie beurteilt die Bundesregierung den Tatbestand, daß verschiedene Untersuchungen von bundesdeutschem Honig nicht nur Rückstände von Schwermetallen, Herbiziden, Folbex VA Neu, sondern auch von Phenothiazin, Tetracyclin und Amitraz festgestellt haben?

8

Wie beurteilt die Bundesregierung den Tatbestand, daß in Hessen Folbex VA Neu vom Markt genommen wurde, und welche Konsequenzen beabsichtigt sie daraus zu ziehen?

9

Beabsichtigt die Bundesregierung, Höchstmengen für den Gehalt an Pestiziden, Schwermetallen und anderen Rückständen in Honig einzuführen, und wenn ja, mit welchen konkreten Grenzwerten?

10

Beabsichtigt die Bundesregierung, die Verbraucher auf die Belastung von Bienenhonig hinzuweisen (und auf mögliche Belastungen)?

11

Trifft es zu, daß laut Honigverordnung nur Honigimporte aus EG-Ländern stichprobenartig auf Rückstände und Qualität untersucht werden, und welcher Art sind die Untersuchungen von Honig aus Drittländern?

12

Beabsichtigt die Bundesregierung, weitere öffentliche Gelder für die Erforschung der Grundlagen der Varroatose und für die Bekämpfung der Varroatose zur Verfügung zu stellen?

13

Wie hoch waren die Importe an Bienenhonig in die Bundesrepublik Deutschland aus Ländern der EG und aus Drittländern, welchen Anteil hatten diese Mengen am Gesamtverbrauch in den Jahren 1975 bis 1985, und welchen Wert hatten die jeweiligen Mengen?

14

Subventioniert die Bundesregierung Honigimporte aus der DDR, wenn ja, in welcher Größenordnung?

15

Wie beurteilt die Bundesregierung Aussagen des Deutschen Verbraucher-Schutzverbandes (Wiesbaden) und anderer Personen, Bienenhonig sei mit seinem 80prozentigen Zuckeranteil ernährungsphysiologisch normalem Kristallzucker gleichwertig?

16

Erkennt die Bundesregierung an, daß Honigbienen einen wichtigen und oft unterschätzten Faktor bei der Bestäubung von „Kultur-" und „Wildpflanzen" darstellen, und wie hoch veranschlagt sie den jährlichen Nutzen der Bienen für die Landwirtschaft?

17

Obwohl in der Bundesrepublik Deutschland (noch) 480 Bienenarten leben, wird nur eine davon (Apis mellifera) hinsichtlich der Prüfung neuer Agrargifte (sog. Pflanzenschutzmittel) in die Zulassungsrichtlinien mit einbezogen. Hält die Bundesregierung das für ausreichend, und wie begründet sie diesen Sachverhalt?

18

Wie hoch waren die Einnahmen des Bundes aus Zöllen und Importsteuern auf Bienenhonig in den Jahren 1975 bis 1985?

19

Bestehen Vereinbarungen der Bundesregierung mit anderen EG-Staaten über die Koordinierung der Varroatoseforschung und -bekämpfung, und finden (bzw. fanden) hierüber Gespräche oder Verhandlungen auf EG-Ebene statt?

Bonn, den 13. Mai 1986

Werner (Dierstorf) Borgmann, Hönes, Volmer und Fraktion

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