Anlage 1
Zu Frage 1
Die Bundesregierung hat zur Beantwortung dieser Frage bei den für die Lebensmittelüberwachung zuständigen obersten Landesbehörden eine Umfrage durchgeführt. Nachstehend sind die von den Ländern hierzu eingegangenen Stellungnahmen wiedergegeben:
Bayern
In Bayern bestehen derzeit bei staatlichen Meßstellen folgende Meßeinrichtungen zur Radioaktivitätsüberwachung von Lebensmitteln:
- 26 Meßplätze zur Gamma-Spektroskopie
- 3 Meßplätze zur Alpha-Bestimmung
- 4 Meßplätze zur Beta-Bestimmung.
Im Laufe dieses Monats werden weitere acht Meßplätze zur Gamma-Spektrometrie eingerichtet. Darüber hinaus stehen weitere Meßkapazitäten bei sonstigen Stellen wie z. B. Bundesgesundheitsamt, Landesgewerbeanstalt Bayern, Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung, Institut für Radiochemie der Technischen Universität München sowie Einrichtungen bei anderen Hochschulen und Krankenhäusern kurzfristig zur Verfügung.
Der Radioaktivitätsgehalt von Lebensmitteln wird laufend gemessen. Dabei werden alle im Rahmen der Gamma-Spektrometrie erfaßbaren Radionuklide bestimmt und zusätzlich stichprobenartig Strontium 90-Messungen durchgeführt.
Berlin
In Berlin werden Lebensmittel laufend durch die dem Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz zugeordnete Strahlenmeßstelle gemessen. Die Messungen beziehen sich auf alle sogenannten Gamma-Strahler und auf die Beta-Strahler Strontium 90 und Strontium 89.
Freie Hansestadt Bremen
In Bremen werden wöchentlich Radioaktivitätsmessungen von Lebensmitteln durchgeführt. Gemessen werden die Radionuklide Cäsium 134, Cäsium 137 und Ruthenium 103.
Niedersachsen
In Niedersachsen stehen drei amtliche Meßstellen für Lebensmittel zur Verfügung; das Staatliche Chemische Untersuchungsamt Braunschweig und die Untersuchungsämter Hannover und Cuxhaven. In allen drei Einrichtungen werden ständig amtliche Lebensmittelproben aus ganz Niedersachsen mittels Gamma-Spektroskopie radiologisch untersucht, wobei ca. 20 verschiedene Nuklide erfaßt werden, z. B. Jod 131, Cäsium 134, Cäsium 137, Ruthenium 103, Cer 141 und Barium 140. Darüber hinaus wird im Staatlich Chemischen Untersuchungsamt Braunschweig stichprobenweise auf Strontium 90 und Plutonium 239 geprüft.
Nordrhein-Westfalen
Gegenwärtig sind insgesamt fünf Untersuchungseinrichtungen am Meßprogramm der Landesregierung beteiligt. Die Entnahme von Lebensmittelproben und deren Untersuchung erfolgt täglich. Die Proben werden insbesondere auf das Vorhandensein von Cäsium 137 und Cäsium 134-Nukliden untersucht, daneben aber auch noch auf das Vorhandensein von Jod 131 und Ruthenium 103 sowie stichprobenweise auf Strontium 89 und Strontium 90. Andere Gamma-Strahler nicht natürlichen Ursprungs werden automatisch miterfaßt, soweit deren Aktivität oberhalb der Nachweisgrenze liegt.
Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg führen außerhalb der Umgebungsüberwachung von Kernkraftanlagen derzeit vier Meßstellen Untersuchungen der Lebensmittel auf dem Gebiet der Gamma-Spektroskopie, insbesondere auf Jod 131, Cäsium 134, Cäsium 137, Ruthenium 103 und natürliche Gamma-Strahlen wie Calim 40, und eine dieser Meßstellen auch solche auf dem Gebiet der Beta-Aktivitätsmessung, insbesondere auf Strontium 89 und Strontium 90, durch. Untersuchungen werden bei allen in Betracht kommenden Lebensmitteln im Rahmen der verfügbaren Kapazitäten, schwerpunktmäßig jedoch bei erntefrischem Obst und Gemüse, das erstmals in diesem Jahr auf den Markt gelangt, durchgeführt.
Freie und Hansestadt Hamburg
Die Radioaktivitätsmessung amtlicher Lebensmittelproben wird in Hamburg täglich durch das Chemische Landesuntersuchungsamt sowie in Amtshilfe für diese vom Institut für physikalische Chemie und vom Institut für anorganische Chemie der Universität Hamburg und von der Bundesforschungsanstalt für Fischerei durchgeführt.
Alle Proben werden gammaspektrometrisch (Geli-Detektor) untersucht, d. h. es werden automatisch alle in der Probe enthaltenen Gammastrahler erfaßt, sobald deren Aktivität oberhalb der Nachweisgrenze liegt. Zur Auswertung gelangen die vom Menschen aus den Lebensmitteln resorbierbaren Nuklide Cäsium 134 und Cäsium 137.
Das in den vergangenen Wochen ebenfalls bestimmte Jod 131 ist infolge der inzwischen vergangenen zehnfachen Halbwertzeit auf einen nicht mehr meßbaren Anteil zerfallen.
Zusätzlich zur Gammaspektrometrie werden wöchentlich eine Milchmischprobe der Hamburger Meierei, eine repräsentative Gesamtkost-Mischprobe sowie Einzelproben verschiedener Lebensmittel auf Strontium 90 untersucht.
Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz wird die Radioaktivität von Lebensmitteln im Rahmen der allgemeinen Lebensmittelüberwachung vom Chemischen Untersuchungsamt Speyer gemessen. Auf Grund atomrechtlicher Bestimmungen führt außerdem die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt Speyer derartige Messungen durch.
Die Messung der Radioaktivität von Lebensmitteln in der erstbezeichneten Anstalt erfolgt derzeit ständig. Die Proben stammen aus allen Teilen des Landes.
Es werden die durch Gammaspektrometrie erfaßbaren Radionuklide, insbesondere Jod 131, Cäsium 137, Cäsium 134, Ruthenium 103, Ruthenium 106 und Tellur 132 gemessen. Außerdem wird Strontium 90 bestimmt.
Saarland
Im Saarland werden Lebensmittel auf radioaktive Belastung vorwiegend im Institut für Strahlentechnik durch den Strahlenschutz-beauftragten des Landeskrankenhauses Homburg durchgeführt. Daneben werden noch Lebensmittel am Institut für Biophysik der Universität Homburg untersucht.
Von der Koordinierungsstelle für Strahlenschutz und Gesundheitsvorsorge wird in wöchentlichen Abständen die Untersuchung von 30 bis 50 Lebensmittelproben veranlaßt.
An künstlichen Radionukliden werden Jod 131, Cäsium 134 und Cäsium 137 bestimmt.