1. Nahrungspflanzen
1.1 Schwermetalle in Nahrungspflanzen
— Blei
Die Bleigehalte im Weizen- und Roggenkorn (Besondere Ernteermittlung) liegen seit Jahren im Bundesdurchschnitt etwa um den Faktor 10 unter den ZEBS-Richtwerten 1986 (Weizen 0,3 mg/kg, Roggen 0,4 mg/kg – bezogen auf jeweils kg Angebotsform). Es gab keine Richtwertiiberschreitung in den einzelnen Ländern.
Die Bleikontamination von Kartoffeln, Gemüse und Obst liegt im Mittel um etwa den Faktor 10 unterhalb der jeweiligen Richtwerte (Kartoffeln, Wurzelgemüse 0,25 mg/kg Frischsubstanz (FS), Blattgemüse 0,8 mg/kg FS). Bei einzelnen Proben von Blatt- und Wurzelgemüse kommt es zu Überschreitungen der jeweiligen ZEBS-Richtwerte 1986.
Im straßennahen Bereich sind je nach Abstand zum Fahrbahnrand, dem Verkaufsaufkommen, der Topographie, der Hauptwindrichtung und der Pflanzenart die Bleigehalte der Pflanzen erhöht. Neuere Untersuchungsergebnisse im innerstädtischen Bereich und an Bundesautobahnen zeigen eine rückläufige Belastungstendenz (Benzin-Bleigesetz). Überschreitungen der ZEBS-Richtwerte 1986 sind heute nur noch selten nachzuweisen, allenfalls an ungewaschenen Gemüsepflanzen. Sie sind auf einen etwa 20 Meter breiten Streifen begrenzt.
Durch Waschen und küchenfertiges Zubereiten werden jedoch die Bleigehalte beträchtlich reduziert.
Die Bleigehalte der Nahrungspflanzen im Einzugsbereich von Industrie- und Ballungsgebieten können in Einzelfällen die ZEBS-Richtwerte 1986 überschreiten. Ausmaß und Häufigkeit der Überschreitungen stehen im Zusammenhang mit der Höhe der aktuellen Blei-Immission und der Entfernung zur bleiemittierenden Anlage; Überschreitungen sind häufiger, wenn die TA Luft-Werte überschritten werden.
Hinsichtlich der Bleigehalte von Pflanzen, die auf Böden mit natürlicher oder anthropogener Schadstoffbelastung wachsen, ist darauf hinzuweisen, daß der Belastungspfad Luft–Pflanze bei weitem die Aufnahme über die Wurzel überwiegt.
Daher ist eine anthropogen verursachte Bleibelastung des Bodens für Nahrungspflanzen weniger bedenklich, wenn man von der abwaschbaren Oberflächenkontamination durch Bodenteilchen absieht, als die Immissionsbelastung.
Über Bleigehalte von Pflanzen in Reinluftgebieten liegen keine systematischen Untersuchungen vor. Sie dürften aber im Bereich der als Hintergrundbelastung bezeichneten Größenordnung liegen.
— Cadmium
Die Cadmiumgehalte im Weizenkorn (Besondere Ernteermittlung) bewegen sich im Bundesdurchschnitt etwa in halber Höhe des ZEBS-Richtwertes 1986 (0,1 mg/kg). In allen Ländern sind Richtwertüberschreitungen im Verlauf der letzten zehn Jahre vorgekommen.
Die Cadmiumgehalte im Roggenkorn liegen um mehr als die Hälfte niedriger als im Weizen und damit weit unter dem Richtwert (Roggen 0,1 mg/kg). Es gab in der Beboachtungszeit keine Richtwertüberschreitungen in den Ländern, es ist kein Nordsüdgefälle der Belastungen wie bei Weizen erkennbar.
Die Cadmiumgehalte in Kartoffeln und Obst sind niedrig und liegen zu 98 % unterhalb der Richtwerte (Kartoffeln 0,1 mg/kg, Obst 0,05 mg/kg). Bei einzelnen Proben von Blattgemüse, u. a. Spinat sowie Wurzelgemüse, insbesondere bei Se llerie, kommt es zu Überschreitungen der ZEBS-Richtwerte.
Geringe Erhöhungen von Cadmium in Nahrungspflanzen im straßennahen Bereich deuten sich im unmittelbaren Straßenrandbereich (bis 5 m an Autobahnen) an, sie können aber gegenüber Hintergrundbelastungen nicht als signifikant angesehen werden.
Die Cadmiumgehalte in Nahrungspflanzen im Einzugsbereich von Industrie- und Ballungsgebieten liegen im allgemeinen dann höher, wenn erhöhte Immissions- und Bodenbelastungen vorhanden sind. Überschreitungen sind besonders bei bestimmten Blatt- und Wurzelgemüsen festgestellt worden.
Wesentlich stärker als beim Blei können bei Pflanzen, die auf Flächen mit natürlicher oder anthropogener Schadstoffbelastung stehen, aufgrund erhöhter Bodenbelastungen auch verstärkte Cadmiumgehalte auftreten. Für Cadmium ist der Schadstoffpfad Boden–Pflanze wesentlich bedeutsamer. Die Mobilität ist stark vom Säuregrad des Bodens abhängig; im sauren Boden wird Cadmium stark pflanzenverfügbar. Eine generelle Aussage über die Höhe der Pflanzengehalte kann hier nicht gegeben werden, da diese auch stark von der Belastungsursache und Pflanzenart abhängig ist.
Zur Höhe der Cadmiumgehalte in Pflanzen aus Reinluftgebieten wird auf die Ausführungen zur Bleibelastung verwiesen.
— Quecksilber
Quecksilbergehalte im Getreidekorn werden mit der „Besonderen Ernteermittlung" nicht ermittelt. Nach den Untersuchungen über das Inlandsangebot ist die Belastung in Weizen- und Roggenkorn sehr niedrig. Der 98. Perzentil-Wert liegt um den Faktor 3 (Weizen) und 5 (Roggen) unterhalb der ZEBS-Richtwerte 1986 (Weizen, Roggen 0,3 mg/kg).
Bei Kartoffeln, Gemüse und Obst liegen die Medianwerte mindestens um den Faktor 3, die 98. Perzentil-Werte ebenso stets unter den Richtwerten (Kartoffeln 0,2 mg/kg, Blatt-/Wurzelgemüse 0,05 mg/kg, Kern-/Steinobst 0,03 mg/kg). Abgesehen von Wildpilzen, die Quecksilber in höherem Maße akkumulieren, gelten die Gehalte in Nahrungspflanzen als unbedenklich.
Zu den weiteren Detailfragen stehen keine relevanten Informationen zur Verfügung.
— Nickel
Im Rahmen der „Besonderen Ernteermittlung" werden seit einigen Jahren auch die Nickelgehalte in Weizen- und Roggenkorn untersucht. Im Bundesdurchschnitt liegen sie bei 0,1 mg/kg.
Auf geogen vorbelasteten Standorten ist trotz erhöhter Nickelgehalte der Transfer von Nickel in die Pflanze gering. Anthropogen verursachte, überhöhte Nickelbelastungen im Boden können in Einzelfällen zu verstärkter Akkumulation in Pflanzen führen.
Zu den weiteren Detailfragen stehen noch keine relevanten Informationen zur Verfügung.
— Arsen
Über die Arsenbelastung im Getreidekorn liegen keine aktuellen bundesweiten Angaben vor. Früheren Untersuchungen zufolge sind die Arsengehalte in Getreide sehr niedrig. Die Untersuchungen des Inlandsangebotes von Kartoffeln, Gemüse und Obst weisen ebenfalls sehr niedrige Gehalte aus. Allgemein ist die Arsenaufnahme von Pflanzen über die Wurzel gering.
1.2 Chlorierte Kohlenwasserstoffe in Nahrungspflanzen
Gesetzgeberische Maßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland haben dazu geführt, daß Rückstände von persistenten Pflanzenschutzmitteln in pflanzlichen Nahrungsmitteln heute i. a. keinen Anlaß zur Besorgnis geben.
Die Untersuchungen im Rahmen der „Besonderen Ernteermittlung" an Getreide zeigen bundesweit sowohl für Weizen als auch für Roggen einen ausgeprägten Rückgang der Rückstände an Organohalogenverbindungen. Überschreitungen der Pflanzenschutzmittel-Höchstmengenverordnung treten nicht auf. Ein gleiches Bild ergibt sich für Gemüse und Obst.
Die Frage nach der Belastung von Nahrungspflanzen, die von Flächen mit anthropogen verusachten Schadstoffanreicherungen (z. B. auf Klärschlammflächen) ausgehen, kann heute noch nicht abschließend beantwortet werden. Im Rahmen der Überprüfung der Klärschlammverordnung bis 1988 wird der Frage nachzugehen sein, inwieweit Regelungen auch für persistente organische Verbindungen erforderlich sind. Aus zahlreichen durch den Bund geförderten Forschungsprojekten zu dieser Frage deutet sich an, daß der Transfer Boden–Pflanze relativ gering ist.
2. Futterpflanzen
2.1 Schwermetalle in Futterpflanzen
In der Bundesrepublik Deutschland sind für die derzeitige Belastung der Futtermittel mit Schwermetallen an erster Stelle Blei und Cadmium zu nennen. Dagegen spielen Thallium und Quecksilber eine weniger wichtige Rolle.
Für die Beurteilung der bundesweiten Belastung von Futterpflanzen existieren ebenfalls keine alle Schadstoffe umfassenden Monitoringprogramme, und die Zusammenführung der von den Ländern ermittelten Daten unterliegt ebenso den eingangs beschriebenen Schwierigkeiten.
Hinsichtlich der Belastung durch die toxikologisch relevanten Schwermetalle Blei und Cadmium wurde im Rahmen der Arbeitsgruppe „Carry-over" beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eine umfangreiche und möglichst flächendeckende Erzeugung und Bewertung der im Bundesgebiet erzeugten wirtschaftseigenen Futtermittel durchgeführt. Für die wichtigsten wirtschaftseigenen Futtermittel sind Aussagen über die Blei- und Cadmiumbelastung möglich, unterschieden nach Herkunft aus belastetem und unbelastetem Anbau. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß bei der o. g. Studie Proben aus belasteten Gebieten überrepräsentiert waren.
— Blei
Auf der Basis der vorliegenden Untersuchungsergebnisse liegen weder die Mittelwerte noch die Medianwerte der Bleigehalte in wirtschaftseigenen Futtermitteln oberhalb des geltenden Höchstgehaltes für Blei (Grönlandanwuchs 40 mg/kg bezogen auf 88 Trockensubstanz).
In unbelasteten Gebieten ist die Überschreitung äußerst selten (kleiner 1 %), dagegen kommt es in belasteten Gebieten wesentlich häufiger dazu (etwa 15 %). In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, daß der Bleigehalt im Weideaufwuchs jahreszeitlich bedingt erheblichen Schwankungen unterliegt.
Futterpflanzen, die im straßenahen Bereich wachsen, unterliegen den gleichen Bedingungen wie Nahrungspflanzen. Die Bleigehalte sind in unmittelbaren Randgebieten (bis zu etwa 20 m) gegenüber dem Wert für den Futtermittelhöchstgehalt häufig überhöht.
Im Zusammenhang mit Grünlandaufwuchs auf anthropogen belasteten Standorten ist darauf hinzuweisen, daß Oberflächenkontaminationen durch Bodenteilchen und die direkte Bodenaufnahme bei der Beweidung die Gesamtaufnahme von Blei für die Tiere zusätzlich erhöhen kann.
— Cadmium
Für die Camiumgehalte in wirtschaftseigenen Futtermitteln zeigen sich mit Ausnahme von Rübenblatt ähnlich wie beim Blei bundesweit keine Überschreitungen des derzeit vorgeschlagenen Futtermittelhöchstgehaltes (1 mg/kg bezogen auf 99 % Trockensubstanz), wenn man den Mittelwert bzw. den Medianwert zugrunde legt.
Erhöhte Cadmiumgehalte im straßennahen Bereich konnten an Pflanzen der Straßenrandvegetation, nicht jedoch in dem weit entfernten Grünlandaufwuchs festgestellt werden.
— andere Schwermetalle
Hierzu liegen keine ausreichenden Informationen vor.
2.2 Chlorierte Kohlenwasserstoffe in Futtermitteln
Die Pflanzenaufnahme über die Wurzel für chlorierte Kohlenwasserstoffe ist allgemein als gering einzustufen. Nachweislich kann aber die Verschmutzung von Futtermitteln durch Bodenteilchen von belasteten Standorten zur Schadstoffaufnahme durch Tiere führen. Inwieweit dieser Aspekt in der Klärschlammverordnung zu berücksichtigen ist, wird zu prüfen sein. In diesem Zusammen- hang wird auf die Antwort zu Frage 5 verwiesen.
Weitergehende und relevante Informationen über die Belastung von Futterpflanzen durch chlorierte Kohlenwasserstoffe liegen derzeit nicht vor.
3. Schadstoffgehalt in Nadeln und Blättern von Bäumen
Eine flächendeckende Aussage über die Schadstoffbelastung von Laub und Nadeln ist nicht möglich, da nur regionale Untersuchungsergebnisse vorliegen.
Der Forschungsbeirat Waldschäden/Luftverunreinigungen hat in seinem 2. Bericht (Mai 1986) eine Reihe von Nähr- und Schad- stoffanalysen zusammengestellt. Demnach sind in der Regel die Gehalte toxischer Elemente in Fichten relativ gering. Regional werden allerdings auch hohe Gehalte beschrieben.
So ist im Odenwald der Bereich natürlicher Schwefelgehalte von Nadeln eindeutig überschritten (1 700 — 2 000 mg/kg Trockensubstanz [TS]).
Im Soiling sind Akkumulation von Blei und Cadmium in Wurzeln, von Kupfer in der Baumrinde festgestellt worden.
Kritische Schwefelanreicherungen (über 2 mg/kg TS) in Fichtennadeln treten großflächig in nordostbayerischen Grenzgebieten auf (Fichtelgebirge, Frankenwald, Raum Schwandorf).
Stark belastete Bereiche erstrecken sich auf das nördliche und östliche Bayern (über 1 750 mg/kg TS Spessart, Oberfranken, östl. Mittelfranken und Oberpfalz).
Phytotoxische Fluorgehalte (ca. 100 µg/kg TS) sind im Inn- Salzach-Raum festzustellen.
Für Schwermetalle sind Schwerpunktbereiche mit einer über dem Landesdurchschnitt (Bayern) liegenden Kontamination bei der Mehrzahl der Elemente erkennbar.
Zur Belastung durch halogenierte Kohlenwasserstoffe liegen keine Ergebnisse vor.
4. Radioaktive Kontamination
Fast acht Monate nach dem Reaktorunfall in der UdSSR sind die Werte für das kurzlebige Radionuklid Jod 131 bereits abgeklungen. Erhöhte Werte werden z. T. noch für die Radionuklide Cäsium 137 und 134 gemessen. Die Gesamtcäsiumbelastung durch Nahrungspflanzen führt jedoch nur zu einer äußerst geringen Strahlenexposition.
Gras aus dem ersten Schnitt im Mai dieses Jahres weist zum Teil höhere Cäsiumgehalte auf. Die Strahlenschutzkommission hat die infolgedessen abzusehende Kontamination von Milch und Fleisch geprüft. Sie ist zu dem Ergebnis gekommen, daß selbst in den höher belasteten Gebieten Süddeutschlands nur mit unerheblichen Strahlenexpositionen des Menschen zu rechnen ist.
Im Laub oder Nadeln von Bäumen und Hecken liegt der Cäsiumgehalt im Bereich von 200 bis 300 Bq/kg Trockensubstanz.