Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
9. Wahlperiode
Drucksache 9/1548
01.04.82
Sachgebiet 63
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Häfele, Dr. Waigel, Dr. Kreile, Dr. Riedl (München), Haase
(Kassel), Glos, Carstens (Emstek), Dr. Sprung, Frau Berger (Berlin), Borchert,
Echternach, Dr. Friedmann, Gerster (Mainz), Dr. Hackel, Hauser
(Bonn-Bad Godesberg), Metz, Picard, Dr. Rose, Schmitz (Baesweiler), Schröder
(Lüneburg), Dr. Stavenhagen, Dr. Meyer zu Bentrup, Dr. Langner, Dr. Voss,
Kittelmann, Dr. Götz, Frau Hoffmann (Soltau), Frau Geiger, Dr. Olderog, Keller,
Rossmanith, Dr. Bugl, Jagoda, Dr. George, Biehle, Niegel, Dr. Jobst, Hartmann,
Regenspurger, Linsmeier, Sauer (Stu ttgart), Milz, Lowack, Dr. Kunz (Weiden),
Würzbach, Sick, Jung (Lörrach), Müller (Wesseling), Buschbom, Zierer,
Dr. Faltlhauser, Dr. Waffenschmidt, Röhner, Dr. Warnke und der Fraktion
der CDU/CSU
Parafiskalische Sonderabgaben (Quasi-Steuern)
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Die parafiskalischen Sonderabgaben (Quasi-Steuern,
„Pfennige", wirtschaftsverwaltungsrechtliche Abgaben, den
sozialversicherungsrechtlichen Beiträgen vergleichbare
Sonderabgaben und dergleichen) und die damit einhergehenden
Schattenhaushalte sind ordnungs- und finanzpolitisch höchst
problematisch. Sie werden von den Steuerverteilungsbestimmungen
der Artikel 105 und 106 des Grundgesetzes nicht erfaßt, sie
entziehen sich weitgehend der parlamentarischen
Haushaltskontrolle und beeinträchtigen das Prinzip der
Haushaltsklarheit. Die Sonderabgaben werden zum Teil nicht in die
Abgabenquote mit einbezogen; sie verschleiern damit die
tatsächliche Belastung der Bürger.
Welche Sonderabgaben werden gegenwärtig aufgrund
welcher bundesrechtlicher Bestimmungen erhoben?
2. Wie hoch war das jährliche Aufkommen aus diesen Sonderab
-
gaben (einzeln und insgesamt) im Jahre 1969 und in den
einzelnen Jahren seit 1978? Wie hoch wird es voraussichtlich
1982 sein?
3. In welchen Fällen bestehen darüber hinaus gesetzliche
Ermächtigungen zur Erhebung von Sonderabgaben, von denen
zur Zeit kein Gebrauch gemacht wird?
4. Ist die Einführung neuer Sonderabgaben (z. B. Verpackungs-
„Steuer", „Atom-Pfennig") beabsichtigt, ggf. welche und mit
wechem jährlichen Aufkommen wäre zu rechnen?
5. Gegen die parafiskalischen Sonderabgaben bestehen auch
verfassungsrechtliche Bedenken. Mit Urteil vom 10. Dezember
1980 über das Ausbildungsplatzförderungsgesetz hat das
Bundesverfassungsgericht die verfassungsrechtliche Zulässigkeit
von Sonderabgaben eingegrenzt. Danach dürfen
Sonderabgaben nur von homogenen Gruppen erhoben werden, die in
einer spezifischen Beziehung zum Zweck der Abgabe stehen
müssen. Das Aufkommen aus den Sonderabgaben muß
gruppennützig verwendet werden. Sonderabgaben dürfen nicht zur
Erzielung von Einnahmen für den allgemeinen Finanzbedarf
des Staates erhoben werden, sie müssen vielmehr gegenüber
den Steuern die seltene Ausnahme bleiben. Ferner ist nach
dem Urteil ständig zu prüfen, ob die Abgabe infolge Wegfalls
des Finanzierungszwecks oder infolge Zielerreichung zu
ändern oder aufzuheben ist.
Wie beurteilt die Bundesregierung die einzelnen
Sonderabgaben im Hinblick auf die im Urteil des
Bundesverfassungsgerichts vom 10. Dezember 1980 aufgestellten Grundsätze über
die verfassungsrechtliche Zulässigkeit von Sonderabgaben?
Welches Ergebnis hatte die von der Bundesregierung in
Drucksache 9/382 insoweit angekündigte Überprüfung?
6. Bei welchen Sonderabgaben sind nach Ansicht der
Bundesregierung die Grundlagen wegen Wegfalls des
Finanzierungszweckes bzw. wegen Zielerreichung entfallen?
Bonn, den 1. April 1982
Dr. Häfele
Dr. Waigel
Dr. Kreile
Dr. Riedl (München)
Haase (Kassel)
Glos
Carstens (Emstek)
Dr. Sprung
Frau Berger (Berlin)
Borchert
Echternach
Dr. Friedmann
Gerster (Mainz)
Dr. Hackel
Hauser (Bonn-Bad Godesberg)
Metz
Picard
Dr. Rose
Schmitz (Baesweiler)
Schröder (Lüneburg)
Dr. Stavenhagen
Dr. Meyer zu Bentrup
Dr. Langner
Dr. Voss
Kittelmann
Dr. Götz
Frau Hoffmann (Soltau)
Frau Geiger
Dr. Olderog
Keller
Rossmanith
Dr. Bugl
Jagoda
Dr. George
Biehle
Niegel
Dr. Jobst
Hartmann
Regenspurger
Linsmeier
Sauer (Stuttgart)
Milz
Lowack
Dr. Kunz (Weiden)
Würzbach
Sick
Jung (Lörrach)
Müller (Wesseling)
Buschbom
Zierer
Dr. Faltlhauser
Dr. Waffenschmidt
Röhner
Dr. Warnke
Dr. Kohl, Dr. Zimmermann und Fraktion]