Die Bergtechnik der nächsten Jahre wird im wesentlichen durch die Weiterentwicklung vorhandener und bekannter Techniken gekennzeichnet sein mit dem Ziel etwa einer Verdoppelung der augenblicklichen Förderleistung je Abbaubetriebspunkt.
Der Abbau wird sich in geringmächtigere Flöze verlagern, die mittlere Teufe der Abbaubetriebe wird im Durchschnitt um etwa 10 bis 12 m/Jahr zunehmen.
Durch steigende Mechanisierung wurde in den letzten 15 Jahren die installierte Maschinenleistung stark erhöht. Dieser Trend scheint sich noch fortzusetzen. Höhere Maschinenleistung im Abbau bewirkt höhere Staub- und Klimabelastungen, die u. a. durch Entwicklungsmaßnahmen im Rahmen des Humanisierungsprogramms kompensiert werden sollen.
Generell ist die Abbautechnik voll entwickelt, wesentliche Änderungen zeichnen sich in den nächsten Jahren nicht ab.
Als Strebausbau wird zunehmend der Schildausbau eingesetzt, der den Bergmann von der schweren körperlichen Arbeit des Stempelsetzens befreit und die Steinfallgefahr entscheidend verringert. Einige noch bestehende Nachteile erfordern weitere Entwicklungsarbeit, z. B. lassen sich die schweren Schildelemente beim Ein- und Ausbau nur schwer handhaben. Der Staubbekämpfung durch optimale Befeuchtung des Kohlestoßes, der Schilde, der Gewinnungs- und Fördereinrichtungen durch Absaugen und Niederschlagen des Staubes an Schilden und Gewinnungseinrichtungen muß volle Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Streckenvortrieb
Mittelfristig wird bei der Auffahrung der Strecken der Sprengvortrieb mit vollmechanisierter Ladearbeit seine führende Rolle behalten.
Die Bergleute werden beim Bohren vornehmlich durch Lärm, Staub und Hitze belastet. Ein im Rahmen des Programms Humanisierung des Arbeitslebens entwickelter hydraulischer Bohrer vermindert das Lärmproblem. Die Schwerarbeit wird durch den Einsatz von Bohrwagen verringert.
Forschungsvorhaben zum Staub- und Klimaproblem lassen einen wesentlichen Abbau dieser Belastungen erwarten.
Andere Methoden — Lasertechnik, Ultraschall — sind erst im Entwicklungsstadium. Eine Zunahme der Teilschnitt-, Vollschnitt- und Schlagkopfmaschinen ist zu verzeichnen. Damit nimmt die installierte Leistung zu; neue Staub- und Klimaprobleme sind möglich.
Das Einbringen des Ausbaus stellt schwere und zeitraubende Handarbeit dar. Die Bundesregierung fördert daher Entwicklungen, um Transport und Montage der Streckenausbauteile zu mechanisieren und damit diese Arbeit zu erleichtern.
Transport
Während das Problem der Produktenförderung bereits weitgehend gelöst ist, bereitet die Versorgung der Betriebe mit Material noch erhebliche Schwierigkeiten.
Die Vielfalt an Formen, Abmessungen, extremen Einzelgewichten des Materials bei engem Grubengebäude mit weitverzweigten Einsatzpunkten erschwert die Wahl eines optimalen Transportsystems. Besonders unfallträchtig sind die Materialumschlagstellen, da hier der Bergmann zum Teil noch manuell eingreifen muß. Die zukünftige Entwicklung muß deshalb schwerpunktmäßig auf die Mechanisierung dieser Arbeitsvorgänge gerichtet sein.
Fahrung
Mit der Ausdehnung des Grubengebäudes verlängern sich die Wege der Beschäftigten von und zur Arbeitsstelle. Die Fahrung zu Fuß stellt häufig, besonders in heißen Betrieben mit hoher Luftfeuchtigkeit, eine größere körperliche Belastung als die eigentliche Arbeit dar. Durch Fahrungseinrichtungen in Haupt- und Abbaustrecken müssen Lösungen gesucht werden, die die Fahrung zu Fuß auf ein Minimum einschränken.
Allgemeine Belastungen
Vielen Betriebsbereichen ist die Klimabelastung durch hohe Wettertemperaturen gemeinsam. Durch größere Abbauteufe und höhere installierte Leistungen muß mit steigenden Klimabelastungen gerechnet werden. Die tiefsten Sohlen im westdeutschen Steinkohlenbergbau haben bereits 1350 m erreicht, die Gebirgstemperaturen 50 °C.
Die Klimabedingungen lassen sich nur begrenzt durch eine Erhöhung der Wettermenge verbessern, da sonst die Wettergeschwindigkeit und damit die Staubgefahr steigt.
Durch andere Bewetterungssysteme, z. B. die sogenannte W-Bewetterung oder durch untertägige bzw. obertägige zentralisierte Klimaanlagen können besonders heiße Betriebspunkte oder das ganze Grubengebäude klimatisiert werden. Der Frage der Klimatisierung wird künftig hohe Bedeutung beigemessen werden müssen.
Der Abbau folgender Belastungen in allen Betriebsbereichen unter Tage muß ebenfalls intensiv betrieben werden:
- Unfallgefahren
- ungünstige Beleuchtungs- und Sichtverhältnisse
- schwere körperliche und sich häufig wiederholende Tätigkeiten
- psychische Belastungen
- Bedienung von zum Teil unergonomisch gestalteten Maschinen.
Längerfristig können völlig geänderte Bergbautechnologien wie Hydrotechnik für Kohlegewinnung und Transport im Streb oder Kohlevergasung unter Tage die Arbeitsbedingungen im Bergbau völlig verändern. Es ist jedoch noch offen, ob und wann diese Techniken zum wirtschaftlichen Einsatz gelangen werden.