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Kleine AnfrageWahlperiode 8Beantwortet

Leistungssportförderung und Dopingmißbrauch in der DDR (G-SIG: 00002149)

Grundsätze und Ziele des DDR-Leistungssports, Sicherstellung der Chancengleichheit für alle Sportler im internationalen Wettbewerb, Richtlinien des Deutschen Sportbundes zur Bekämpfung des Dopings, Anzahl der seit den Olympischen Spielen von Montreal bekanntgewordenen Dopingfällen, Behandlung des Dopingproblems auf der europäischen Sportkonferenz, Einhaltung der seit 1977 geltenden Rahmenrichtlinien zur Bekämpfung des Dopings durch die Sportler des DSB

Fraktion

CDU/CSU

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

14.05.1979

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 8/275518.04.79

Leistungssportförderung und Dopingmißbrauch in der DDR

der Abgeordneten Dr. Schäuble, Tillmann, Pfeifer, Dr. Jentsch (Wiesbaden) und der Fraktion der CDU/CSU

Vorbemerkung

Die durch die Enthüllungen der ehemaligen Ost-Berliner Leistungssportlerin Renate Neufeld offenbarten Praktiken der Leistungssteigerung im DDR-Sport sowie die von dem Journalisten Willi Knecht in seinem Buch „Das Medaillenkollektiv" zusammengestellten „Fakten, Dokumente, Kommentare zum Sport in der DDR" geben zu der berechtigten Sorge Anlaß, daß allen Deklamationen zum Trotz gerade in der DDR systematisch und ohne Rücksicht auf die Gesundheit und persönlichen Verhältnisse der Athleten durch Anwendung von Dopingsubstanzen eine unphysiologische Steigerung der Leistungsfähigkeit der Sportler herbeigeführt wird.

Spitzensport verlangt den Einsatz aller vertretbaren Hilfsmittel zur Steigerung der Leistung, jedoch nicht jenseits der Grenze, die durch die Wahrung von Gesundheit, Chancengerechtigkeit und Menschenwürde gesetzt ist.

Die DDR ist dabei, aus Gründen nationalen und ideologischen Prestiges diese Grenze einseitig immer weiter hinauszuschieben.

Wir fragen daher die Bundesregierung:

Fragen11

1

Nach welchen Grundsätzen und mit welchen Zielen und Mitteln betreibt die DDR nach Kenntnis der Bundesregierung die Förderung des Leistungssports?

2

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die jüngst bekannt gewordene Dopingpraxis der DDR („Der SPIEGEL" vom 19. März 1979 und „Deutschland-Archiv" 2/79) vor?

3

Hält die Bundesregierung diese Form der Leistungsbeeinflussung für vereinbar mit den olympischen Idealen?

4

Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung angesichts dieser Praxis die Chancengleichheit für alle Sportler im internationalen Wettbewerb sicherzustellen?

5

Welche Länder bzw. Sportorganisationen haben sich dem Appell des Deutschen Sportbundes vom 3. Dezember 1977 angeschlossen und ähnliche Richtlinien zur Bekämpfung des Dopings wie der Deutsche Sportbund erlassen?

6

Wieviel Dopingfälle sind seit den Olympischen Spielen von Montreal bekannt geworden

a) wann und bei welchen Anlässen,

b) in welchen Sportarten?

Aus welchen Ländern kamen die entsprechenden Sportler?

In welchen Fällen wurden Männer, in welchen Fällen Frauen des Dopings überführt?

In welchen Fällen wurden Ärzten und Trainern die Anwendung und Verabreichung von Dopingsubstanzen nachgewiesen?

7

Inwieweit ist die DSB-Doping-Liste vom 3. Dezember 1977 identisch mit jenen der internationalen Fachverbände oder der jeweiligen nationalen Sportorganisationen? Worin liegen gegebenenfalls die Unterschiede, und wie sind diese begründet?

8

Wurde das Dopingproblem in der jüngsten Vergangenheit bei den Gesprächen der Europäischen Sportminister angesprochen, oder beabsichtigt die Bundesregierung dieses Problem unter dem Stichwort der Chancengerechtigkeit zur Aussprache zu stellen?

9

Hat sich die Europäische Sportkonferenz bereits mit Fragen der Dopingbekämpfung befaßt? Ist der Bundesregierung bekannt, ob der Deutsche Sportbund entsprechende Initiativen ergriffen oder vorbereitet hat?

10

Halten sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Verbände, Vereine, Trainer, Ärzte und Athleten im Bereich des Deutschen Sportbundes an die seit 1977 geltenden Rahmenrichtlinien zur Bekämpfung des Dopings?

Welche Verbände haben entsprechende Hinweise in ihre Satzungen aufgenommen?

Sind entsprechende Bestimmungen Bestandteil der Trainerverträge und der ärztlichen Betreuungsvereinbarungen?

11

Beabsichtigt die Bundesregierung, die Bereitstellung von Sportfördermitteln abhängig zu machen von der strikten Einhaltung vorgenannter Rahmenrichtlinien?

Bonn, den 18. April 1979

Dr. Schäuble Tillmann Pfeifer Dr. Jentsch (Wiesbaden)

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