Obwohl das Schwergewicht der Förderung des Sports für Bürger im höheren Lebensalter bei den Ländern einschließlich der kommunalen Gebietskörperschaften liegt, hat sich auch die Bundesregierung dieses Komplexes angenommen.
Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren zunehmend wissenschaftliche Untersuchungen und Modellvorhaben veranlaßt bzw. gefördert.
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen, die im Auftrage des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit durchgeführt worden sind, werden in den folgenden Forschungsberichten formuliert, von denen nur der erste bereits als Broschüre verfügbar ist:
- „Art, Maß und Methode von Bewegung und Sport bei älteren Menschen" (Band 31 der Schriftenreihe des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit)
- „Der ältere Mensch und Sport" (Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln)
- „Bewegungsrechte und elementare Einrichtungen für Alten-spiel und -sport im Innen- und Außenbereich von Altenwohnungen und ähnlichen Einrichtungen" (Frau Professor L. Diem, Verein für Unterrichtungsforschung e. V. Köln)
Die wissenschaftlichen Untersuchungen über Funktion und Methoden, über Belastbarkeit und Grenzen der Belastbarkeit im Bereich des Altensports sind noch nicht abgeschlossen, so daß über eine Fülle von Einzelergebnissen hinaus statistisch abgesicherte Erkenntnisse noch nicht vorliegen. Die Formulierung allgemein gültiger wissenschaftlich gesicherter Aussagen stößt insbesondere deswegen auf Schwierigkeiten, weil als Grundphänomen von einer außerordentlich großen Variationsbreite individueller Entwicklungen im Alter auszugehen ist. Die bisher vorliegenden Forschungsergebnisse vermitteln jedoch wichtige Einsichten in die Bedeutung des Altensports und bestätigen, daß ein wesentlicher Grund für den vorzeitigen körperlichen Abbau älterer Menschen nicht selten in einem im Alter zunehmenden Bewegungsmangel liegt. Generell ist auch die Bedeutung von Ausdauersportarten zur Verbesserung und Erhaltung des Herz-Kreislaufsystems hervorzuheben.
Im Hinblick auf die Fülle von Einzelerkenntnissen erschien es notwendig, über die Forschungsaktivitäten einen Gesamtüberblick zu gewinnen. Deshalb wurde auf Anregung des Deutschen Sportbundes bei dem zum Geschäftsbereich des Bundesministers des Innern gehörenden Bundesinstitut für Sportwissenschaft eine Dokumentationsstudie „Sport im Alter" in Auftrag gegeben, die von einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Professor Meunel (Gießen) in diesem Jahre fertiggestellt wurde. Die umfassende Dokumentation mit einem Forschungsbericht befindet sich zur Zeit in Druck und soll Ende des Jahres vorliegen. Diese grundlegende Literaturanalyse wird es ermöglichen, die zahlreichen — auch die nicht von der Bundesregierung veranlaßten bzw. geförderten Vorhaben, z. B. diejenigen der Länder — besser zu übersehen und die weiteren Maßnahmen in einem Gesamt-rahmenplan einzupassen.
Wegen der in der Fragestellung besonders angesprochenen Vorhaben im Land Nordrhein-Westfalen wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen.
Die praktischen Konsequenzen aus den bisherigen Forschungsvorhaben werden in folgenden Maßnahmen der Bundesregierung deutlich: Soweit bisher aus den Einzelvorhaben Möglichkeiten für eine direkte Umsetzung in die Praxis erkennbar waren, wurden die Erkenntnisse bereits unmittelbar in die laufenden Aktivitäten des Deutschen Sportbundes im Rahmen der ad-hoc-Kommission „Sport für Senioren" (früher: ad-hoc-Kommission „Sport für den älteren Menschen"), in der die Bundesregierung mitarbeitet, einbezogen.
Mit finanzieller Förderung des Bundesminsteriums für Jugend, Familie und Gesundheit wurden z. B. zwei Modellehrgänge zur Erarbeitung von Lehrgangsinhalten für die Ausbildung von Gruppenleitern im Altensport durchgeführt. Die dabei gewonnenen Multiplikatoren sind in den Landessportbünden bereits mit Erfolg eingesetzt worden, so daß sich die Zahl der Übungsleiter, die besondere Vorkenntnisse für Altengymnastik, Altentanz, Altenspiel und ähnliches haben, in den letzten Jahren vervielfacht hat.
Zielrichtung der gemeinsamen Aktivitäten zwischen Bundesregierung und Deutschem Sportbund war und ist es, in der Bevölkerung einen Bewußtseinswandel über den Wert des Altensports herbeizuführen und die Eigeninitiative älterer Menschen zu wecken und zu fördern.
In diesem Zusammenhang wird hingewiesen auf die Schrift: „Spiel und Sport für Ältere", die in Zusammenarbeit zwischen dem Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit und dem Deutschen Sportbund publiziert wurde. Die Broschüre wurde in einer Auflage von 100 000 Exemplaren erstellt und kostenlos an alle Ärzte und Altenheime verteilt. Zur weiteren Verbreitung des Gedankens eines bewegungsaktiven Alters hat der Deutsche Sportbund im Auftrag des Bundesministers für Jugend, Familie und Gesundheit eine Schallplatte „Trimm Dich mit Musik" — Gymnastik und Tanz für Ältere herausgegeben. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, in den Einrichtungen der Altenhilfe, in Altenclubs und Volkshochschulen die Zahl der Gruppen für Gymnastik und Tanz erheblich zu vermehren. Diese Schallplatte ist mit Zustimmung des Bundesministeriums der Finanzen für den Verkauf freigegeben worden. Sie hat sich inzwischen auf dem kommerziellen Markt als Vorbild für ähnliche Unternehmungen erwiesen.
Die Bundesregierung wird auch in Zukunft zur weiteren Bewältigung des Problems „Sport für Bürger im höheren Lebensalter" mit dem Deutschen Sportbund partnerschaftlich zusammenarbeiten und ihn im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen.
Eine kritische Analyse der vergangenen Arbeit in der ad-hoc-Kommission des Deutschen Sportbundes zeigt, daß man nun in eine neue Phase der Umsetzung eintreten muß. Nach Abschluß der generellen Aufarbeitung des Themas durch die ad-hoc-Kommission wird die Arbeit künftig mit kleineren Kommissionen für Teilbereiche (z. B. Ausbildungsordnung, Wettkampfsport, Sport im Altersheim usw.) fortgesetzt, da sich gezeigt hat, daß sich sowohl wissenschaftliche Untersuchungen als auch Arbeitsgruppen stärker auf die unterschiedlichen Wünsche und Voraussetzungen der einzelnen Altersgruppen konzentrieren müssen.