Langzeitauswirkungen und Folgen der frühen Fremdbetreuung von Kindern
der Abgeordneten Waldemar Herdt, Nicole Höchst, Dr. Götz Frömming und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Im Jahr 1991 führte das National Institute of Child Health and Developement (NICHD) eine Studie durch, die die Langzeitauswirkungen von fremdbetreuten Kindern untersuchte. An der Studie nahmen über zehntausend Kinder aus zehn grundverschiedenen Gegenden der gesamten USA teil (www.nestbau-familie.de/fakten/ langzeitstudien-zur-krippenbetreuung/nichd-studie/). Diese hat ergeben, je länger Kinder in den ersten 54 Lebensmonaten fremdbetreut werden, desto geringer fällt in den Folgejahren ihre soziale Kompetenz aus und desto öfter geraten sie in Konflikt mit Erziehern und Eltern. Ferner hat die Studie ergeben, je länger Kinder in den ersten 54 Lebensmonaten fremdbetreut werden, desto öfter sind sie unter denen, die streiten und andere Kinder schlagen. Eine der Gefahren für die Kinder, so die Studie, besteht darin, dass die Krippenbetreuung, wenn sie zu früh, zu oft und zu lange in Anspruch genommen wird, die mütterliche Empfindsamkeit schwächen kann – oder gar verhindert, dass sie sich überhaupt entwickelt. Letzteres passierte vor allem bei den Müttern, bei denen die Bindung zu ihrem Kind schon vorher schwach gewesen war. Über das väterliche Einfühlungsvermögen sagt die o. g. deutschsprachige Zusammenfassung der Studie nichts.
Auch eine Studie im Rahmen des z-proso-Projektes der Universität Zürich (www. fuerkinder.org/kinder-brauchen-bindung/die-forschung-sagt/670- fremdbetreuungund-die-folgen-langzeitstudie-der-uni-zuerich) ergab, dass Länge und Häufigkeit externer gruppenbezogener Betreuung in Zusammenhang mit einem Anwachsen an psychischen Problemen steht. Je mehr gruppenbezogene Betreuung die Siebenjährigen im Laufe ihres Lebens erlebt hatten, desto mehr Probleme zeigten sie in vier Bereichen, nämlich aggressives Verhalten, Aufmerksamkeitsdefizite, nicht aggressives externalisiertes Verhalten sowie Angst und Depressionen (www.hzemonitor.akjstat.tu-dortmund.de/2-inanspruchnahme/21-erneut-ueber- 1-mio-junge-menschen-in-den-hilfen-zur-erziehung/).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen14
Sind der Bundesregierung Langzeitauswirkungen von Frühbetreuung bekannt, z. B. aus der DDR? Wenn ja, auf welche Studien stützen sich diese Erkenntnisse, und inwiefern unterscheiden sich früh fremdbetreute Kinder, in ihrer psychischen, physischen Entwicklung von den zu Hause betreuten Kindern?
Wie schätzt die Bundesregierung die Vor- und Nachteile ein und wägt sie ab, die sich für die Kinder aus frühkindlicher Fremdbetreuung ergeben (bitte tabellarisch ausformuliert auflisten)?
Gibt es aus Sicht der Bundesregierung negative Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Kinder durch frühkindliche Fremdbetreuung?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen früher Fremdbetreuung und ADHS (= Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung)? Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung dazu vor?
Inwiefern profitieren Kinder aus Sicht der Bundesregierung kurz- sowie langfristig von Fremdbetreuung?
Wie wichtig sind aus Sicht der Bundesregierung die elterlichen Bezugspersonen für die Geborgenheit (sichere Bindung) eines Kindes, und kann diese Geborgenheit (Bindung) bei früher Fremdbetreuung gewährleistet werden?
Kann nach Auffassung der Bundesregierung eine außerfamiliäre Betreuung den Grundbedürfnissen eines Kleinkindes nach Liebe, Zuwendung und Geborgenheit gerecht werden?
Liegen der Bundesregierung Daten vor, ob die Zahl der fremdbetreuten Kinder unter drei Jahren in den letzten zehn Jahren gestiegen ist, insbesondere seitdem Eltern laut § 22 des Achten Buches Sozialgesetzbuch Anspruch auf Kinderbetreuung haben (bitte für den Zeitraum 2007 bis 2017 nach selbst- und fremdbetreuten Kindern differenziert aufschlüsseln)?
Welche Kosten entstehen dem Staat nach Kenntnis der Bundesregierung jährlich wegen des Anspruchs auf Fremdbetreuung?
Welche Kosten entstehen dem Staat nach Kenntnis der Bundesregierung, wenn Kinder zu Hause von Eltern betreut werden (bitte genaue Zahlen auflisten)?
Wie beeinflusst eine früh gestörte Bindung zu wichtigen Erziehungspersonen nach Kenntnis der Bundesregierung das Sozial- und Leistungsverhalten der Kinder im Teenie- und Jugendalter?
Besteht nach Kenntnis der Bundesregierung ein Zusammenhang zwischen der ansteigenden Zahl von Eltern, die Erziehungshilfen und Unterstützungsanfragen für ihre Kinder ersuchen und einer vorangegangenen Fremdbetreuung?
Liegen der Bundesregierung konkrete Zahlen vor, wie viele Eltern Maßnahmen zu Erziehungshilfen bei schwer erziehbaren Kindern in Anspruch genommen haben (bitte für den Zeitraum von 2007 bis 2017 differenziert aufschlüsseln)?
Wenn ja, liegen Analysen einerseits über die Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Schichten und andererseits zu vorangegangener Fremdbetreuung bei den Antragstellern vor?
Wie hoch ist der Umfang der finanziellen Aufwendungen durch die Bundesregierung für die Maßnahmen für Erziehungshilfen und Unterstützungen für die Betreuung schwer erziehbarer Kinder (bitte auch hier nach Jahren im Zeitraum von 2012 bis 2017 aufschlüsseln)?