Insektenforschung in Deutschland
der Abgeordneten Carina Konrad, Frank Sitta, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Karlheinz Busen, Britta Katharina Dassler, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Markus Herbrand, Katja Hessel, Dr. Gero Clemens Hocker, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic, Till Mansmann, Alexander Müller, Frank Müller-Rosentritt, Dr. Stefan Ruppert, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Gerald Ullrich, Johannes Vogel (Olpe), Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Der Rückgang von Fluginsekten wird in Deutschland derzeit infolge der Veröffentlichungen der „Krefelder Insektenforscher“ kontrovers diskutiert. Um den aus der Studie von Hallmann et al. (http://journals.plos.org/plosone/article?id=10. 1371/journal.pone.0185809, 2017) abgeleiteten Insektenrückgang zu stoppen, stehen eine Vielzahl von Forderungen, vor allem an die Landwirtschaft, derzeit zur Diskussion.
Im Koalitionsvertrag haben sich CDU, CSU und SPD unter dem Unterpunkt: Schutz der biologischen Vielfalt auf folgenden Wortlaut verständigt: „Wir werden das Insektensterben umfassend bekämpfen. Mit einem Aktionsprogramm Insektenschutz wollen wir die Lebensbedingungen für Insekten verbessern. Wir wollen ein wissenschaftliches Monitoringzentrum zur Biodiversität unter Einbeziehung des Bundesumwelt- sowie des Bundeslandwirtschaftsministeriums aufbauen.“
Unter dem Unterpunkt „Ackerbaustrategie und Insektenschutz“ verständigen sich die Koalitionspartner auf folgenden Wortlaut: „Die Umsetzung der Ackerbaustrategie für u. a. umwelt- und naturverträgliche Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln werden wir gemeinsam mit der Landwirtschaft vornehmen und adäquat mit Fördermitteln für Maßnahmen zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie und insbesondere des Insektenschutzes untersetzen. Dabei liegt uns der Schutz der Bienen besonders am Herzen.“
Auch der Wissenschaftliche Beirat des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmittel (NAP) hat sich mit Hallmann et al. (2017) auseinandergesetzt und gibt die folgende Handlungsempfehlung an die Bundesregierung: „Der Beirat NAP empfiehlt, weitere Studien oder Vorhaben zu initiieren, die Veränderungen in der Insektenbiomasse mit Trends in Pflanzenschutzmittelanwendungen und anderen agrarischen Landnutzungskomponenten verknüpfen und den Einfluss von klimatischen Veränderungen beispielsweise auch anhand von Simulationsmodellen mit validierbaren Ergebnissen dokumentieren. Mit diesen direkten und unmittelbaren Studien kann der Einfluss von Pflanzenschutzmitteln auf Nicht-Ziel-Organismen und -Gemeinschaften untersucht werden. Des Weiteren besteht methodischer Entwicklungsbedarf, da am Datensatz der vorliegenden Studie Kritik z. B. wegen der Begrenzung auf Standorte im Raum Krefeld und die Beschränkung des Monitorings auf Fluginsekten geäußert wurde. Um solcher Kritik in der Zukunft zu entgehen, ist ein repräsentatives, umfassendes Langzeit-Monitoring notwendig. Damit würde eine unabhängige und wissenschaftlich solidere Basis geschaffen, um die Auswirkungen der Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf die Biodiversität und die Abundanz von Insekten zu bewerten. Zudem würde die Bundesregierung in die Lage versetzt, auf anstehende und gesellschaftlich diskutierte Fragestellungen neutrale und wissenschaftlich akzeptierte Antworten liefern zu können“ (www.nap-pflanzenschutz.de/fileadmin/user_upload/_imported/fileadmin/SITE_MASTER/ content/Dokumente/NAP_Deutschland/WissBeirat/180227_Empfehlung_Krefeld_ Studie.pdf).
Die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Svenja Schulze hat die seit 2016 bestehende Förderung der Krefelder Entomologen bis 2021 verlängert und kürzlich einen Förderbescheid über 150 000 Euro übergeben (www.bmu.de/pressemitteilung/mehr-mittel-fuer-krefelder-forschung-zum-insektensterben-1).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
In welcher Projektierungsphase befindet sich das Aktionsprogramm Insektenschutz?
Wer ist in die Entwicklung des Aktionsprogrammes Insektenschutz involviert? Welche externen Institute bzw. Einrichtungen werden die Bundesregierung in dieser Sache unterstützen (bitte auflisten)?
Welches ist das zuständige Bundesministerium für die Entwicklung des Aktionsprogrammes Insektenschutz?
Welche Arten von Insekten werden im Aktionsprogramm Insektenschutz berücksichtigt?
Welche Mittel stehen für die Entwicklung und Umsetzung des Aktionsprogrammes Insektenschutz zur Verfügung (bitte getrennt aufführen)?
Wie wird die Zusammenarbeit zur Entwicklung des Aktionsprogrammes Insektenschutz und der Ackerbaustrategie koordiniert?
Mit welchem Forschungsauftrag wurden die Krefelder Forscher beauftragt? Auf welche Insektenarten erstreckt sich der Auftrag?
Wurde dieser Auftrag ausgeschrieben?
Gab es weitere Bewerber?
Ist der Entomologische Verein Krefeld e. V. nach Auffassung und Kenntnis der Bundesregierung geeignet, um umfassende bundesweite Insektenforschung nach aktuellen wissenschaftlichen Standards durchzuführen?
a) Wird sich das für Deutschland geplante Insekten-Monitoring an dem in Fachkreisen sehr angesehenen Monitoring des britischen Rothamsted-Instituts (www.rothamsted.ac.uk/insect-survey) orientieren, das als Gold-Standard in diesem Bereich gilt?
b) Mit welchen anderen Forschungsinstituten arbeitet die Bundesregierung in der Konzipierung des Monitorings zusammen, sollte sie sich nicht an dem Standard des Rothamsted-Instituts orientieren?
a) Wie ist das vom Johann Heinrich von Thünen-Institut entwickelte Konzept zum Biodiversitätsmonitoring in der offenen Agrarlandschaft gestaltet?
b) Welchen Stellenwert hat das Konzept vom Johann Heinrich von Thünen-Institut bei der Ursachenforschung?
c) Wie wird das Konzept beim Aktionsplan Insektenschutz eingebunden?