MINT-Kompetenz für den Technologie- und Innovationsstandort Deutschland
der Abgeordneten Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Katja Suding, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Britta Katharina Dassler, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Bijan Djir-Sarai, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Dr. Christian Jung, Thomas L. Kemmerich, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Carina Konrad, Alexander Graf Lambsdorff, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Till Mansmann, Prof. Dr. Martin Neumann, Hagen Reinhold, Frank Schäffler, Dr. Wieland Schinnenburg, Frank Sitta, Judith Skudelny, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Michael Theurer, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Prof. Dr. Andrew Ullmann, Sandra Weeser, Nicole Westig, Katharina Willkomm und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
„Derzeit fehlt ein strategisches Gesamtkonzept zum Thema MINT-Bildung.“ Das war die Ausgangsdiagnose des am 27. April 2017 vom Deutschen Bundestag verabschiedeten Antrags von CDU, CSU und SPD „MINT-Bildung als Grundlage für den Wirtschaftsstandort Deutschland und für die Teilhabe an unserer von Wissenschaft und Technik geprägten Welt“ (Bundestagsdrucksache 18/11164). „MINT“ steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In dem Antrag forderte der Deutsche Bundestag die Bundesregierung dazu auf, „im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel die MINT-Bildung in Deutschland zu stärken, Innovationsfähigkeit zu fördern und dadurch dem Fachkräftemangel im MINT-Bereich früh entgegenzuwirken“.
Etwa eineinhalb Jahre später interessiert der Stand der Umsetzung insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Große Koalition einige Punkte aus oben genanntem Antrag in ihren Koalitionsvertrag vom 14. März 2018 aufgenommen hat, darunter den Aufbau eines MINT-E-Portals, die stärkere Förderung von Frauen im MINT-Bereich sowie allgemein die Stärkung der MINT-Bildung.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen48
Wie beurteilt die Bundesregierung die Umsetzung der auf Bundestagsdrucksache 18/11164 geforderten Maßnahmen generell, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel selbst Schirmherrin der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ ist?
Hat die Bundesregierung inzwischen die Gesamtstrategie für MINT entwickelt, zu deren Entwicklung sie in Kooperation mit den maßgeblichen Akteuren des MINT-Bereichs vor eineinhalb Jahren aufgefordert wurde (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 1.)?
Wenn ja, wie ist diese aufgebaut? Welche „maßgeblichen Akteure“ aus dem MINT-Bereich wurden bzw. werden derzeit eingebunden?
Wenn nein, warum nicht, und bis wann wird die Bundesregierung eine MINT-Strategie vorlegen? Betrachtet die Bundesregierung den Zeitraum von eineinhalb Jahren als zu kurz für die Ausarbeitung einer solchen Strategie?
Inwiefern unterscheidet sich dazu der von der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek auf dem Nationalen MINT Gipfel am 7. Juni 2018 angekündigte MINT-Aktionsplan? Welche Punkte enthält dieser, und wann soll dieser dem Deutschen Bundestag vorgelegt werden?
Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass mehr als 19 Monate nach dem Antrag und neun Monate nach der Regierungsbildung ein zu langer, ein passender oder ein zu kurzer Zeitraum für eine Erarbeitung eines MINT-Aktionsplanes ist, in die die MINT-Initiativen nach eigener Rückmeldung nur in geringem Umfang mit eingebunden wurden?
Welche Bedeutung misst die Bundesregierung einer MINT-Strategie bei?
Wurde inzwischen das in dem Antrag geforderte bundesweite MINT-E-Portal geschaffen¸ um den Zugang zu der Vielzahl an existierenden Maßnahmen im Bereich der außerschulischen MINT-Bildung zu erleichtern (Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 2.)?
Wenn nein, warum nicht? Wann soll dies geschehen? Welche Rückmeldungen gab es seitens der MINT-Initiativen bzw. des Nationalen MINT-Forums?
Wenn ja, bzw. wenn geplant, welche Funktionen soll das MINT-E-Portal haben? An wen richtet es sich, und welchen Nutzen erwartet die Bundesregierung davon? Konnten für die Umsetzung private oder gemeinnützige Investoren bzw. Kooperationspartner gewonnen werden? Wo steht die Bundesregierung bei der Umsetzung? Was ergab die Prüfung einer möglichen Anschubfinanzierung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)? Was erwidert die Bundesregierung denjenigen, die bei der Schaffung eines MINT-E-Portals die Sinnhaftigkeit vermissen, da dies eher einem auflistenden Telefonbuch der MINT-Initiativen gleichen würde?
Wie steht die Bundesregierung zu der im Raum stehenden Frage, das gesamte geplante MINT-E-Portal zu einem MINT-Q-Portal weiterzuentwickeln, wobei das „Q“ für Qualität steht und dementsprechend Qualitätskriterien zu entwickeln wären?
Wer soll dabei die Qualitätskriterien erstellen, bzw. welche Akteure (staatliche bzw. nicht staatliche) sollen eingebunden werden?
Für wen sollen diese Kriterien bindend wirken?
Welche Rückmeldung gab es seitens der MINT-Initiativen zur Notwendigkeit und Bereitschaft, Qualitätskriterien zu entwickeln (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 2.)?
Wenn ja, wie bewertet die Bundesregierung die Antwort?
Falls nicht, ist diese Frage in der Zwischenzeit, ausgehend von dem Koalitionsantrag, an die Akteure herangetragen worden? Wenn nein, warum nicht?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Notwendigkeit, fachlich fundiert Qualitätskriterien – im Dialog mit den MINT-Initiativen – zu entwickeln?
Welche Rückmeldung gab es seitens der MINT-Initiativen zu der Frage nach einer stärkeren Koordinierung der Qualitätssicherung, beispielsweise durch eine MINT-Allianz (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 2.)?
Wenn es noch keine Rückmeldungen gab, ist diese Frage in der Zwischenzeit, ausgehend von dem Koalitionsantrag, an die Akteure herangetragen worden? Wenn ja, mit welcher Reaktion?
Wenn nein, warum nicht?
Wurde eine Begleitforschung zur Wirkung der verschiedenen, nicht nur der durch das BMBF geförderten MINT-Initiativen initiiert (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 3.), wozu auch das „Nationale MINT-Forum“ in seinen Kernforderungen vom 7. Juni 2018 dringend auffordert?
Wenn ja, mit welchen Ergebnissen?
Wenn nein, warum nicht?
Wenn nein, für wann ist dies geplant?
Haben das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zusammen mit den Agenturen für Arbeit eine Einschätzung dazu vorgelegt, ob eine Informationskampagne geschaffen werden soll, um gezielt Migrantinnen und Migranten für die MINT-Berufe zu interessieren (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 7.)?
Wenn ja, wie lautet die Einschätzung?
Wenn nein, warum nicht?
Ist die Berufs- und Studienorientierung hin zu MINT-Berufen durch Maßnahmen des BMBF oder der Bundesagentur für Arbeit in der Sekundarschule in allen Schulformen gestärkt worden (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 8.)?
Wenn ja, in welcher Form?
Wenn nein, warum nicht?
Wenn nein, für wann sind solche Maßnahmen geplant?
Was empfiehlt die Bundesregierung den Ländern bezüglich deren Angebote zur Berufs- und Studienorientierung mit dem Ziel, dass mehr MINT-Berufe ergriffen werden?
Wurden – über bestehende Ansätze hinaus – neue Instrumente entwickelt oder vorhandene weiterentwickelt, um insbesondere Frauen für Ausbildungen in MINT-Berufen zu gewinnen (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 10.)?
Wenn ja, welche Instrumente, und in welcher Form?
Wenn nein, warum nicht, und für wann ist die Weiterentwicklung geplant?
Liegen inzwischen Erkenntnisse der Bildungsforschung zu den Gründen von Abbrüchen in MINT-Ausbildungen und -Studiengängen sowie möglichen Gegenmaßnahmen vor (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 10.)?
Wenn ja, wie lauten diese, und welche Konsequenzen hat die Bundesregierung daraus gezogen?
Wenn nein, warum nicht?
Hat die Bundesregierung Maßnahmen ergriffen, um Übergang und Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungssystemen, vor allem zwischen Studium und Berufsausbildung, weiter zu erleichtern und um damit der Zielsetzung nachzukommen, junge Menschen mit grundsätzlichem Interesse an MINT-Berufen auch in diesem Bereich zu halten (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 11.)?
Wenn ja, in welcher Form?
Wenn nein, warum nicht?
Wenn nein, sind entsprechende Maßnahmen in Planung (bitte mit Titel und Zeitplan nennen)?
Was ergab die vorzunehmende Evaluation der neuen Ausbildungsgänge Duales bzw. Triales Studium (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 11.)? Wenn noch keine Evaluation vorgenommen wurde, warum nicht, und für wann ist sie geplant?
Inwieweit hat die Bundesregierung dazu beigetragen, die Errichtung und Weiterentwicklung vorhandener wie neuer MINT-Regionen sowie deren Vernetzung zu fördern, um das „bewährte Konzept“ dieser Regionen flächendeckend in Deutschland auszubauen (vgl. Bundestagsdrucksache 18/11164, III., 12.)?
Wie war die Entwicklung der MINT-Regionen, insbesondere nach der Veröffentlichung des Berichts der Körber-Stiftung zu „MINT-Regionen in Deutschland“ von 2015?
Welche MINT-Regionen sind hierbei besonders erfolgreich?
Nach welchen Parametern wird dieser Erfolg bewertet?
Hat das BMBF die Möglichkeit der Einrichtung einer Servicestelle untersucht, welche die bereits bestehenden MINT-Regionen und MINT-Aktivitäten unterstützen soll? Wenn ja, mit welchem Ergebnis? Wenn nein, warum nicht?