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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Umweltauswirkungen versenkter Munition in der Ostsee

(insgesamt 11 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Datum

28.02.2019

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/768412.02.2019

Umweltauswirkungen versenkter Munition in der Ostsee

der Abgeordneten Olaf in der Beek, Frank Sitta, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Dr. Gero Clemens Hocker, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Gyde Jensen, Thomas L. Kemmerich, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Carina Konrad, Ulrich Lechte, Oliver Luksic, Till Mansmann, Dr. Martin Neumann, Hagen Reinhold, Bernd Reuther, Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Judith Skudelny, Bettina Stark-Watzinger, Katja Suding, Michael Theurer, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Auf dem Meeresboden der Ostsee liegen nach Angaben des bundeseigenen Johann Heinrich von Thünen-Instituts ca. 300 000 t konventionelle Munition und geschätzte 42 000 bis 65 000 t chemische Kampfstoffmunition. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese hauptsächlich im Auftrag der Alliierten zur Sicherstellung vor den Deutschen entsorgt, ohne dabei mögliche Auswirkungen auf die maritime Umwelt zu berücksichtigen (www.thuenen.de/de/fi/projekte/daimon- wiegehen-wir-mit-versenkter-munition-um/; www.deutschlandfunk.de/nord-und-ostsee- tickende-zeitbomben-auf-dem-meeresgrund.697.de.html?dram:article_id=386332).

Das Thünen-Institut untersucht im Rahmen des DAIMON-Projektes die Auswirkungen von Sprengstoffen wie Trinitrotoluol (TNT) und seiner Abbauprodukte auf die maritime Umwelt im Munitionsversenkungsgebiet Kolberger Heide in der Kieler Bucht anhand der standorttreuen Indikator-Fischart Kliesche (Limanda limanda). Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse für eine bessere Evaluierung der Umweltrisiken zu nutzen und daraus geeignete Handlungsmaßnahmen im Risikomanagement aufzuzeigen (Thünen – Wissenschaft erleben, 2018/2).

Aus Sicht der Fischereiökologie erweisen sich insbesondere die zahlreichen Substanzen als problematisch, die sich bereits im Sediment und Wasser großflächig verbreitet haben, da erste Ergebnisse der Studie aufzeigen, dass Fische in der Lage sind, Sprengstoffe wie TNT zu potentiell toxischen Stoffen abzubauen. Hinzu kommt, dass durch Umwelteinflüsse und die fortschreitende Zeit die Sprengkörper zunehmend korrodieren und damit ein erhöhtes Expositionsrisiko einhergeht (Thünen – Wissenschaft erleben, 2018/2).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen11

1

Welche konkreten toxischen Stoffe, die als Abbauprodukt aus TNT hervorgehen, sind im Indikator-Fisch Kliesche (Limanda limanda) nach Kenntnis der Bundesregierung entsprechend der bereits vorliegenden Ergebnisse der Untersuchungen des Johann Heinrich von Thünen-Instituts nachweisbar?

2

Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den Ergebnissen der Untersuchungen der Thünen-Studie, wonach 25 Prozent der Klieschen aus dem Versenkungsgebiet Lebertumore aufweisen, wohingegen die Tumorrate bei Klieschen aus unbelasteten Vergleichsgebieten bei 5 Prozent liegt, zur Karzinogenität der aus TNT hervorgehenden Metaboliten?

3

Wie bewertet die Bundesregierung die Expositions-Risiko-Beziehung, die die toxischen Stoffe auf die Fischgesundheit haben?

4

Wie bewertet die Bundesregierung die Expositions-Risiko-Beziehung, die die toxischen Stoffe auf die Gesundheit der Fischkonsumenten haben?

5

Wie verhindert die Bundesregierung, dass es aufgrund der o. g. Expositions-Risiko-Beziehung zu einem Konsum von belastetem Fisch durch Menschen kommt?

6

Welche weiteren Maßnahmen sind aus Sicht der Bundesregierung angesichts der o. g. Ergebnisse der Untersuchungen des Thünen-Instituts zum Schutz der Konsumenten notwendig?

7

Gibt es nach Erkenntnissen der Bundesregierung weitere munitionsbelastete Gebiete im Hoheitsgewässer Deutschlands?

Wenn ja, welche?

8

Welche Risiken ergeben sich nach Kenntnis der Bundesregierung für Konsumenten durch den Konsum von Fischen aus munitionsbelasteten Gebieten insgesamt, und wie plant die Bundesregierung, diese zu minimieren?

9

Welche Strategie verfolgt die Bundesregierung im Umgang mit der versenkten Munition, um die Auswirkungen auf die Meeresumwelt zu minimieren?

10

Plant die Bundesregierung, die versenkte Munition zu bergen oder an ihrem Standort zu belassen (bitte mit Begründung antworten)?

11

Setzt sich die Bundesregierung für weitere Forschungsprojekte zur Eruierung der Auswirkungen versenkter Munition auf die maritime Umwelt in der Ostsee ein?

Wenn ja, in welcher Form?

Wenn nein, warum nicht?

Berlin, den 30. Januar 2019

Christian Lindner und Fraktion

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