Mögliche Pläne der Bundesregierung zur Einrichtung einer Online-Weiterbildungsplattform
der Abgeordneten Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Johannes Vogel (Olpe), Katja Suding, Mario Brandenburg (Südpfalz), Britta Katharina Dassler, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Matthias Seestern-Pauly, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Nicola Beer, Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Katja Hessel, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Dr. Christian Jung, Thomas L. Kemmerich, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Dr. Jürgen Martens, Alexander Müller, Dr. Martin Neumann, Frank Sitta, Judith Skudelny, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Michael Theurer, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Nicole Westig, Katharina Willkomm und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
„Der demographische Wandel sowie technologische und gesellschaftliche Veränderungen führen dazu, dass eine Erstausbildung und ein Studium oft nicht mehr für ein ganzes Berufsleben ausreichen.“ Das erklärt der Wissenschaftsrat zu seinen aktuellen Empfehlungen zum Ausbau hochschulischer Weiterbildungsmöglichkeiten vom 25. Januar 2019. Laut dieser Erklärung müssen die Möglichkeit zur Weiterbildung sowie ein Konzept für lebenslanges Lernen zu festen Bestandteilen des aktuellen Bildungssystems werden. Insbesondere vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung ist lebenslanges Lernen bzw. Weiterbildung eine wichtige Voraussetzung, um sich an die Veränderungen im beruflichen und privaten Umfeld anzupassen.
Auf dem deutschen Weiterbildungsmarkt existiert derzeit eine für die Nutzer unübersichtliche Vielzahl an Angeboten. Alleine die Volkshochschulen verzeichneten im vergangenen Jahr mehr als 6,2 Millionen Teilnehmer, bei einem Angebot von knapp 581 000 Kursen (Statistisches Bundesamt, Weiterbildung 2018). Hinzu kommen Angebote für (Online-)Kurse von weiteren privaten und öffentlichen Weiterbildungsanbietern. Eine Plattform, die sämtliche Weiterbildungsanbieter und -angebote übersichtlich strukturiert, ordnet und für potenzielle Nutzer transparent zugänglich macht, existiert bisher nicht.
In einem gemeinsamen Interview zur Vorstellung der Nationalen Weiterbildungsstrategie im November 2018 haben die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek und der Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil eine Online-Weiterbildungsplattform thematisiert (Handelsblatt, 8. November 2018). Seitdem sind den Fragestellern keine weiteren öffentlichen Aussagen der beiden Bundesminister in Bezug auf die Planung und Einrichtung einer Online-Weiterbildungsplattform bekannt.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen15
Welche Pläne verfolgt die Bundesregierung zur Konzeption und Einrichtung einer Online-Weiterbildungsplattform (bitte unter Angabe des Planungsstandes, des vorgesehenen Zeitraums zur Einrichtung, der Trägerschaft und der vorgesehenen Bundesmittel erläutern)?
Welche, und wie viele Online-Weiterbildungsplattformen sind der Bundesregierung bekannt?
Wie soll sich ein durch die Bundesregierung geplantes zusätzliches Angebot ggf. von diesen Anbietern abheben (bitte erläutern)?
Welche Anreize plant die Bundesregierung zur Gewinnung von neuen Nutzern bzw. Weiterbildungsteilnehmern über eine solche Online-Weiterbildungsplattform (bitte erläutern)?
Nach welchen Auswahlkriterien und Qualitätseinstufungen plant die Bundesregierung, die Akkreditierung bzw. Vorauswahl von Weiterbildungsanbietern und -maßnahmen auf einer solchen Online-Weiterbildungsplattform vorzunehmen (bitte erläutern)?
Welche Maßnahmen zur Qualitätseinstufung von Weiterbildungsanbietern sind der Bundesregierung bekannt?
Sollen das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e. V. (DIE) oder das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) künftig zur Akkreditierung von Weiterbildungsanbietern und -maßnahmen auf einer solchen Online-Weiterbildungsplattform eingesetzt werden (bitte erläutern)?
Wie plant die Bundesregierung, die Akkreditierung von privaten Anbietern und/oder öffentlichen Weiterbildungsinstitutionen, wie Hochschulen, Berufsschulen und Volkshochschulen, auf einer solchen Online-Weiterbildungsplattform vorzunehmen (bitte erläutern)?
Wie plant die Bundesregierung, die Qualitätssicherung der einzelnen Weiterbildungskurse bzw. -maßnahmen zu gewährleisten (bitte erläutern)?
Wie werden auf einer solchen Online-Weiterbildungsplattform erworbene Kompetenzen erfasst und gespeichert (bitte erläutern)?
Wie plant die Bundesregierung die Erfassung und Speicherung von informell erworbenen Kompetenzen?
Sieht die ggf. von der Bundesregierung geplante Online-Weiterbildungsplattform ein direktes Buchungssystem für einzelne Weiterbildungskurse und -maßnahmen vor?
Falls ja, wie soll das Buchungssystem funktionieren?
Falls nein, warum sieht die Plattform kein System zur direkten Buchung vor?
Sieht die ggf. von der Bundesregierung geplante Online-Weiterbildungsplattform ein System zur direkten Abrechnung der buchbaren Weiterbildungskurse und -maßnahmen vor?
Falls ja, wie funktioniert das System der Abrechnung?
Falls nein, warum sieht die Plattform kein System zur direkten Abrechnung vor?
Sieht die ggf. von der Bundesregierung geplante Online-Weiterbildungsplattform ein System zur Bewertung der Kurse durch die Nutzer vor?
Falls ja, wie funktioniert das System der Nutzerbewertung?
Falls nein, warum sieht die Plattform kein System zur Nutzerbewertung vor?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um Bürgerinnen und Bürgern in Bezug auf die Finanzierung von Weiterbildung und Bildungsauszeiten zu unterstützen (bitte unter der Angabe des jeweiligen Maßnahmezeitraums, Beschreibung und Fördervolumens aus Bundesmitteln erläutern)?
a) Plant die Bundesregierung weitere steuerliche Anreize zur Finanzierung von Weiterbildung (bitte erläutern)?
b) Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung über das bestehende Instrument der Bildungsprämie hinaus, um speziell einkommensschwachen Menschen eine Weiterbildung zu ermöglichen (bitte erläutern)?
Welche aktuellen Zahlen zur Nutzung der sogenannten Bildungsprämie liegen der Bundesregierung vor, und plant die Bundesregierung eine Evaluation der Maßnahme (bitte erläutern)?
Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung anderweitig, um die Weiterbildungsbeteiligung zu fördern (bitte unter der Angabe des jeweiligen Maßnahmezeitraums, Beschreibung und Fördervolumens aus Bundesmitteln erläutern)?
Wie bewertet die Bundesregierung Vorschläge zur Einführung eines sogenannten Grundeinkommensjahres, durch das Arbeitnehmer in jedem Jahr, in dem sie arbeiten, einen Anspruch auf ein monatliches Grundeinkommen von 1 000 Euro erwerben können, das steuer- und sozialabgabenfrei ausgezahlt wird (bitte erläutern)?