Engagement der gemeinnützigen Organisation Teach First an Brennpunktschulen
der Abgeordneten Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Matthias Seestern-Pauly, Katja Suding, Mario Brandenburg (Südpfalz), Britta Katharina Dassler, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Renata Alt, Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Markus Herbrand, Katja Hessel, Ulla Ihnen, Dr. Christian Jung, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic, Dr. Martin Neumann, Bernd Reuther, Dr. Stefan Ruppert, Frank Sitta, Gerald Ullrich, Johannes Vogel (Olpe), Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die Teach First Deutschland gGmbH ist seit über zehn Jahren in Deutschland aktiv. Sie agiert mit dem Ziel, die Chancengerechtigkeit in Deutschlands Bildungswesen zu verbessern und den Effekten sozialer Ungleichheit entgegenzuwirken. Die Bildungsinitiative sendet junge Studienabsolventinnen und Studienabsolventen vornehmlich an Real- und Hauptschulen und zu Teilen an Grundschulen mit besonderen pädagogischen und sozialen Herausforderungen. Dort unterstützen sie als sogenannte Fellows Lehrkräfte, um die individuelle Förderung von bildungsbenachteiligten Schülerinnen und Schülern und u. a. die erfolgreiche Integration geflüchteter Schulkinder in das deutsche Bildungssystem zu gewährleisten. Die Fellows unterstützen dabei Schülerinnen und Schüler besonders bei Übergängen zwischen Schulformen und bei Abschlüssen. Des Weiteren werden durch das Programm Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen mit einem Qualifizierungsprogramm unterstützt, das ihnen Führungs- und Entscheidungskompetenzen vermittelt, die oftmals in klassischen Curricula der Studiengänge nicht thematisiert werden. Die Teilnehmer des Programms sollen den Einsatz auch als Persönlichkeitsentwicklung wahrnehmen können, die es ihnen ermöglicht, komplexe gesellschaftliche Sachverhalte einzuschätzen, um damit einhergehend Fähigkeiten zu entwickeln, über den eigenen Tellerrand zu schauen und die Gesellschaft mitzugestalten.
Vor ihrem Einsatz in den Schulen durchlaufen die Fellows einen dreimonatigen Ausbildungsprozess, der sie auf die Arbeit in der Schule vorbereitet. Die Unterstützung der Lehrkräfte vor Ort ist anschließend auf zwei Jahre begrenzt. Die Ausbildung, Rekrutierung und Betreuung der Fellows finanziert Teach First Deutschland aus eigenen Mitteln, die zum größten Teil aus Zuwendungen von Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen bestehen. Einzelne kooperierende Länder wie Sachsen und Schleswig-Holstein finanzieren auch diese Programmkosten. Teach First Deutschland ist somit bisher vornehmlich spendenfinanziert, was bei zunehmendem Wachstum der Organisation zu Finanzierungsproblemen führt. Die Entlohnung der Fellows erfolgt durch die Mittel des jeweiligen Landes gemäß den Tariflöhnen des öffentlichen Dienstes der Länder.
Obwohl die Resonanz auf das Projekt in allen teilnehmenden 152 Partnerschulen sowie den Bildungsministerien der teilnehmenden Länder sehr positiv ausfällt, sind mit Stand vom Dezember 2018 lediglich in acht Ländern Fellows an Partnerschulen beschäftigt (Quelle: teachfirst.de).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Hat die Bundesregierung im Rahmen der von ihr geförderten Bildungsforschung oder anderweitig Kenntnisse über den Einsatz von Teach First Fellows an deutschen Schulen und deren Wirksamkeit?
Falls ja, welche Kenntnisse sind dies, wie bewertet die Bundesregierung diese, und welche Konsequenzen zieht sie daraus?
Sieht die Bundesregierung in Zukunft Möglichkeiten, im Rahmen ihrer Kompetenzen eine Ausweitung des Programms auf weitere Länder zu unterstützen?
Falls ja, welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung?
Falls nein, warum nicht?
Besteht derzeit eine Zusammenarbeit der Bundesregierung mit der gemeinnützigen Organisation Teach First Deutschland?
Falls ja, seit wann, in welcher Form, und in welchem Umfang findet diese Zusammenarbeit statt (bitte erläutern)?
Falls nein, warum findet keine Zusammenarbeit der Bundesregierung mit Teach First Deutschland statt?
Ist dies in Zukunft beabsichtigt (bitte begründen)?
Erhält Teach First Deutschland finanzielle Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung oder anderweitige Mittel des Bundes?
Falls ja, seit wann, in welcher Form, aus welchen Mitteln, und in welchem Umfang findet diese finanzielle Unterstützung statt?
Falls nein, wieso findet keine finanzielle Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung statt?
Ist eine finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung in Zukunft vorstellbar, zum Beispiel zur (Teil-)Finanzierung der bundesweiten Programmstruktur?
Falls ja, in welcher Höhe, und aus welchen Mitteln?
Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung anderweitig, um die negativen Effekte sozialer Disparitäten in Deutschland auf die schulische Bildung von Kindern und Jugendlichen zu beheben (bitte unter der Angabe des jeweiligen Maßnahmezeitraums, Beschreibung und Fördervolumens aus Bundesmitteln erläutern)?
Welchen Beitrag leistet die bundesweite Organisation Teach First Deutschland aus Sicht der Bundesregierung zu diesem Ziel?
Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die schnelle Integration von geflüchteten Kindern in das deutsche Bildungssystem zu gewährleisten (bitte unter der Angabe des jeweiligen Maßnahmezeitraums, Beschreibung und Fördervolumens aus Bundesmitteln erläutern)?
Welchen Beitrag leistet die bundesweite Organisation Teach First Deutschland aus Sicht der Bundesregierung zu diesem Ziel?
Wie bewertet die Bundesregierung mit Blick auf die von Bund und Ländern getragene Qualitätsoffensive Lehrerbildung die Möglichkeit, Fellows der Organisation Teach First im Anschluss an ihren Einsatz als Lehrkräfte einsetzen zu können, insbesondere in Mangelfächern (z. B. MINT – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik)?
Liegen der Bundesregierung Zahlen zu inzwischen als Lehrkräfte eingesetzten ehemaligen Teach-First-Fellows vor?