Stand der Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern
der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Jens Beeck, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Britta Katharina Dassler, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Katja Hessel, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Dr. Christian Jung, Thomas L. Kemmerich, Daniela Kluckert, Pascal Kober, Dr. Lukas Köhler, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Oliver Luksic, Dr. Martin Neumann, Christian Sauter, Judith Skudelny, Benjamin Strasser, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Im Juni 2017 wurde der Antrag auf „Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern“ (Bundestagsdrucksache 18/12780) im Deutschen Bundestag einstimmig angenommen. Die darin enthaltenen Hilfen beziehen sich unter anderem auf die Einrichtung einer zeitlich befristeten interdisziplinären Arbeitsgruppe, die „einvernehmlich Vorschläge zur Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil psychisch erkrankt ist, erarbeitet und dabei auch auf die Auswirkungen und Möglichkeiten des bereits in Kraft getretenen Präventionsgesetzes eingeht“.
Die Arbeitsgruppe traf sich erstmalig im März 2018, ein Bericht sollte bis 1. Juli 2018 dem Deutschen Bundestag zugeleitet werden, liegt aber bis heute (Stand: 4. März 2019) noch nicht vor. Weiterhin sollten Aufklärungsmaßnahmen starten, mit denen die Bevölkerung – und insbesondere psychisch erkrankte Eltern – über psychische Erkrankungen sowie über Beratungsangebote und Therapiemöglichkeiten informiert werden sowie der Stigmatisierung psychisch Erkrankter entgegengewirkt und eine Enttabuisierung in Gang gesetzt wird. Es sollte bei Fachleuten, Ärztinnen und Ärzten, Lehrerinnen und Lehrern und anderen Gruppen, die mit Kindern psychisch kranker Eltern in Kontakt kommen, ein Bewusstsein für das Thema und für Unterstützungsmöglichkeiten geschaffen werden. Es sollten Kinder psychisch kranker Eltern explizit angesprochen werden, und zwar mithilfe von Materialien, die diese Kinder altersgemäß aufklären. Und es sollte in die Aus- und Weiterbildung von Professionen, die an der Versorgung von Kindern und deren psychisch kranken Eltern beteiligt sind, neben umfassender Aufklärung und thematischer Sensibilisierung insbesondere das für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendige Handlungswissen und damit einhergehende Handlungskompetenzen als festen Bestandteil integriert werden. Zu den Professionen zählen unter anderem Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Ärztinnen und Ärzte, Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten.
Der Paritätische fordert jetzt in einer Stellungnahme vom 25. Januar 2019 die Bundesregierung auf, „die 2017 vom Bundestag beschlossenen Aufklärungs- und Entstigmatisierungskampagnen über psychische Erkrankungen 2019 bundesweit zu starten und die dafür notwendigen finanziellen Mittel im Bundeshaushalt 2020 bereitzustellen und auszuweisen“ (http://infothek.paritaet.org/pid/fachinfos.nsf/ 0/69de926b2e7603a7c12583920035e196/$FILE/Paritaetische%20%20Position %20Kinder%20psychisch%20kranker%20Eltern%202019.pdf).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Was hat dazu geführt, dass die Arbeitsgruppe noch keinen Bericht abgeliefert hat?
Wann ist mit einem Bericht der Arbeitsgruppe zu rechnen?
Welche Aufklärungsmaßnahmen zum Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“ wurden seit Juni 2017 gestartet?
a) Welche der Maßnahmen richten sich an psychisch kranke Eltern?
b) Welche neuen Projekte zu den Hilfen psychisch kranker Eltern werden von der Bundesregierung gefördert?
Was wurde unternommen, um bei Fachleuten, Ärztinnen und Ärzten, Lehrerinnen und Lehrern und anderen Gruppen ein Bewusstsein für das Thema und Unterstützungsmöglichkeiten zu schaffen?
Auf welche Unterstützungsmöglichkeiten werden Fachleute beim Thema Kinder psychisch kranker Eltern hingewiesen?
Welche Materialien, die altersgemäß aufklären, wurden für betroffene Kinder geschaffen?
Wurden die Materialien nur in deutscher Sprache verfasst, in welchen weiteren Sprachen wird zum Thema aufgeklärt?
Was wurde unternommen, um in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern das notwendige Handlungswissen und die notwendigen Handlungskompetenzen zu integrieren, was wurde bei bereits ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern unternommen?
a) Was wurde bei Lehrerinnen und Lehrern unternommen?
b) Was wurde bei Ärztinnen und Ärzten unternommen?
c) Was wurde bei Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychologischen Psychotherapeuten unternommen?
d) Was wurde bei Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten unternommen?
e) In welchem Teil der Ausbildung zur Lehrerin bzw. zum Lehrer werden die Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern behandelt?
f) In welchem Teil der Ausbildung zur Ärztin bzw. zum Arzt werden die Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern behandelt?
g) In welchem Teil der Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin werden die Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern behandelt?
h) In welchem Teil der Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin werden die Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern behandelt?
Welche Mittel plant die Bundesregierung in den Jahren 2019 und 2020 für die Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern zur Verfügung zu stellen?
Welche Strategie verfolgt die Bundesregierung bei der Enttabuisierung psychischer Erkrankungen?
Welche Strategie verfolgt die Bundesregierung bei der Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen?
Wie unterscheiden sich die Strategien der Bundesregierung zur Enttabuisierung und Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen von den psychisch kranken Menschen mit Kindern?