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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Abgangsraten und Todesfälle von Milchkühen in Deutschland

(insgesamt 9 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

29.04.2019

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/936812.04.2019

Abgangsraten und Todesfälle von Milchkühen in Deutschland

der Abgeordneten Stephan Protschka, Thomas Ehrhorn, Peter Felser, Franziska Gminder, Wilhelm von Gottberg und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Die Laktationsleistung von Milchkühen hat sich in allen Ländern mit intensiver Milchproduktion in den letzten fünf Jahrzehnten etwa verdoppelt, bei zum Teil erheblichen absoluten Unterschieden zwischen den Ländern. In Deutschland hat sich die Leistung von etwa 3 000 bis 4 000 kg in den fünfziger Jahren auf mehr als 8 000 kg Milch pro Kuh und Jahr erhöht (vgl. www.elite-magazin.de/news/nachrichten/neuer-leistungsanstieg-in-der-milchkontrolle-10120628.html).

Diese Entwicklung wird getrübt durch die Abnahme der durchschnittlichen Nutzungsdauer je Milchkuh. In dem erwähnten Zeitraum hat sich die Zahl der Laktationen von etwa 4 bis 5 vor 50 Jahren auf 2,7 Laktationen verringert (ADR, 2015, Rinderproduktion in Deutschland 2014. Ausgabe 2015. ADR Jahresbericht 2015, Bonn). Obwohl der physiologische Leistungshöhepunkt der Rasse Deutsche Holstein in der vierten Laktation liegt, werden 43 Prozent aller MLP-Kühe (MLP = Milchleistungsprüfung) keine vier Jahre alt (vgl. Wangler, A. & Harms, J., 2006, Forschungsbericht – Verlängerung der Nutzungsdauer der Milchkühe durch eine gute Tiergesundheit bei gleichzeitig hoher Lebensleistung zur Erhöhung der Effizienz des Tiereinsatzes. Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern Institut für Tierproduktion).

Als mögliche Gründe für das vorzeitige Ausscheiden von Milchkühen kommen verschiedene Ursachen in Betracht, wie beispielsweise die Haltungsbedingungen, Fütterungsstrategien vor und nach der Geburt, Herdenmanagement sowie Erkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen. Dazu kommt es zu Todesfällen (vgl. www.wir-sind-tierarzt.de/2015/02/was-abgangsraten-ueber-die-tiergesundheitaussagen/, zuletzt abgerufen am 25. März 2019). Die ungeklärten Todesfälle betragen in einigen internationalen Zusammenstellungen zwischen 6 und 8 Prozent (vgl. www.dairyherd.com/article/why-cows-die, zuletzt abgerufen am 25. März 2019).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen9

1

Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Abgangsraten der Milchkühe in Deutschland (bitte jeweils unterteilt in Bundesland und in Milchrassen angeben)?

2

Was sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Ursachen für unfreiwillige, d. h. krankheitsbedingte, Abgänge, und in welcher prozentualen Häufigkeit treten diese auf?

Gibt es Hinweise auf genetisch bedingte Ursachen?

3

An wie viel Prozent der deutschen Milchbetriebe werden nach Kenntnis der Bundesregierung Nekropsien an Kühen zur Ermittlung der Todesursache durchgeführt?

4

Wie hoch hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Todesfälle bei deutschen Milchkühen in den letzten 20 Jahren entwickelt (bitte in Prozent angeben)?

5

Wie viele Monate betrug nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018 die durchschnittliche Nutzungsdauer deutscher Milchkühe (bitte unterteilt in Milchrassen angeben)?

6

Mit wie vielen Laktationen gehen nach Kenntnis der Bundesregierung deutsche Milchkühe derzeit durchschnittlich aus dem Bestand, und wie vielen Tagen post partum (p.p.) entspricht dies durchschnittlich (bitte jeweils unterteilt in Bundesland und in Milchrassen angeben)?

7

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Lebensleistung deutscher Milchkühe in den letzten zehn Jahren verändert (bitte jeweils unterteilt in Jahr und in Milchrasse angeben)?

8

Inwiefern betrachtet die Bundesregierung die negative Energiebilanz (NEB) in der Frühlaktation bei hochleistenden Kühen als Risikofaktor für Erkrankungen oder Fruchtbarkeitsstörungen (http://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/110/Brade_Biomarker.html)?

9

Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der aktuellen Zuchtzielgestaltung bei Deutsche-Holstein-Rindern nach dem offiziellen Gesamtzuchtwert (RZG), der die Milchleistung schneller als die Futteraufnahme erhöht und damit zur weiteren Vergrößerung der bereits bestehenden negativen Energiebilanz (NEB) in der Folgegeneration beiträgt, in Bezug auf § 11b des Tierschutzgesetzes (TierSchG), beziehungsweise welche Schritte gedenkt die Bundesregierung bezüglich einer Konkretisierung des § 11b TierSchG hinsichtlich der modernen Milchrinderzüchtung zu unternehmen?

Berlin, den 2. April 2019

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

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