Invasive gebietsfremde Tierarten
der Abgeordneten Karlheinz Busen, Frank Sitta, Dr. Gero Clemens Hocker, Carina Konrad, Nicole Bauer, Dr. Christoph Hoffmann, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr, Katja Hessel, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Dr. Christian Jung, Thomas L. Kemmerich, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Till Mansmann, Bernd Reuther, Christian Sauter, Matthias Seestern-Pauly, Judith Skudelny, Katja Suding, Michael Theurer, Stephan Thomae, Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Invasive, gebietsfremde Tierarten werden durch menschliche Hilfe entweder bewusst oder unbewusst aus ihren natürlichen Verbreitungsgebieten nach Deutschland verschleppt. Bereits etablierte oder unbeständige invasive Tierarten gefährden an vielen Stellen die biologische Vielfalt und richten massive Schäden an. Heimische Wildtiere konkurrieren mit den gut angepassten invasiven Tierarten um Lebensraum und Nahrung. Die Einschleppung neuartiger Krankheitserreger und Parasiten durch invasive Tierarten stellt neben der Hybridisierung durch Verpaarung ein weiteres Problem für die heimische Artenvielfalt dar.
Bereits 2013 hat die Europäische Kommission einen Aktionsplan vorgelegt, der einen EU-weiten Umgang mit invasiven Arten vorsieht. Die negativen Auswirkungen invasiver Arten auf die biologische Vielfalt und andere Ökosystemleistungen sollen damit eingedämmt werden. Die jährlichen Kosten zur Ausrottung und Bekämpfung betragen EU-weit mehrere Milliarden Euro. Ein bundesweit abgestimmtes Management invasiver Tierarten ist notwendig, denn Wildtiere kennen keine Ländergrenzen. Artensterben und Biodiversitätsverlust können durch ein Management und die Bekämpfung invasiver, gebietsfremder Tierarten vermindert werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen26
Durch welche Maßnahmen und Behörden stellt die Bundesregierung die Beobachtung invasiver gebietsfremder Tierarten gemäß § 6 Absatz 3 Nummer 4 des Bundesnaturschutzgesetzes sicher?
Welche Erkenntnisse konnte die Bundesregierung bis dato aus der Beobachtung invasiver, gebietsfremder Tierarten gewinnen?
Welche Managementmaßnahmen und Bekämpfungsstrategien hinsichtlich invasiver, gebietsfremder Tierarten erachtet die Bundesregierung als sinnvoll?
Welche volkswirtschaftlichen Schäden werden durch invasive gebietsfremde Tierarten jährlich verursacht?
Wie werden die Schäden, die durch invasive, gebietsfremde Tierarten verursacht werden, durch die Bundesregierung erfasst?
Welche Managementmaßnahmen hat die Bundesregierung gemäß Artikel 19 Absatz 1 der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 bisher definiert, nachdem die Nilgans im August 2017 in die Liste der invasiven gebietsfremden Tierarten von unionsweiter Bedeutung aufgenommen wurde?
Welche Auswirkung hat die Anwesenheit der Nilgans auf heimische Tierarten und Ökosysteme?
Wie schätzt die Bundesregierung die Gefahr der Vermehrung von Salmonellen ein, die durch den Kot der Nilgans in Freibäder übertragen werden, und wie schätzt sie die Gefährdung für den Menschen ein?
Hält die Bundesregierung Maßnahmen zur konsequenten Bejagung der Rostgans für notwendig?
Ist ein gemeinsames Vorgehen gegen die Rostgans mit anderen Europäischen Ländern wie beispielsweise der Schweiz geplant?
Welche heimischen Arten sind durch die Anwesenheit des Waschbären in Deutschland bereits bedroht?
Welche Dichte an Waschbären herrscht im Bundesgebiet, und welche Kosten für Regulierung und Schadenbeseitigung entstehen jährlich durch den Waschbären?
Wie schätzt die Bundesregierung die Gefährdung des Menschen durch den Spulwurm ein, der durch den Waschbären auf den Menschen übertragen werden kann?
Wie schätzt die Bundesregierung die Schäden durch den Waschbären ein, der sich vorwiegend tierisch ernährt und Millionen Wirbeltiere in den naturschutzfachlich sensiblen Zeiten von Fortpflanzung und Aufzucht tötet?
Ausgehend von Frage 6, welche Widersprüchlichkeit sieht die Bundesregierung in der Erreichung naturschutzfachlicher Ziele bei gleichzeitiger Ausbreitung wildlebender invasiver Arten wie beispielsweise dem Waschbären, der ein erhebliches Gefährdungspotenzial für die biologische Vielfalt Europas darstellt?
Wie hoch ist der jährlich verursachte Schaden durch den Bisam im Bundesgebiet?
Wie schätzt die Bundesregierung die Gefährdung des Menschen durch den Bisam ein, der Träger des Fuchsbandwurmes ist?
Wie viele Goldschakale wurden bis jetzt in Deutschland gesichtet?
Inwieweit hält die Bundesregierung die Aufnahme des Goldschakals in die unionsweite Liste der invasiven gebietsfremden Arten für sinnvoll, da der Goldschakal bereits in Italien und Österreich etabliert ist und in Deutschland und anderen EU-Staaten gesichtet wurde?
Welchen Beitrag leistet der Nandu aus Sicht der Bundesregierung zur heimischen Artenvielfalt, obwohl dieser in den Savannen- und Graslandgebieten Südamerikas heimisch ist?
Wie hoch ist der Schaden, der durch den Nandu bundesweit angerichtet wird?
Befürwortet die Bundesregierung die Aufnahme der invasiven Arten Nutria, Waschbär, Nilgans und Marderhund als jagdbare Tierarten in allen Bundesländern?
Sieht die Bundesregierung die Aufnahme der vorgenannten Tierarten in das Bundesjagdgesetz als effektives und kostengünstiges Mittel an, um die Bestände somit nachhaltig zu reduzieren?
Wie beurteilt die Bundesregierung die effektive Methode der Fangjagd nach dämmerungs- und nachtaktiven invasiven Tierarten, wie dem Waschbär, dem Mink und dem Marderhund?
Welche Mittel und Maßnahmen hat die Bundesregierung eingeplant, um Ökosysteme wiederherzustellen, die durch invasive gebietsfremde Tierarten geschädigt wurden?
Welche konkreten finanziellen Mittel plant die Bundesregierung für die Kontrolle und zur Bekämpfung invasiver gebietsfremder Tierarten ein?