Entwicklung der Personalsituation bei der Deutschen Bahn AG
der Abgeordneten Torsten Herbst, Frank Sitta, Dr. Christian Jung, Oliver Luksic, Daniela Kluckert, Bernd Reuther, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Thomas L. Kemmerich, Dr. Marcel Klinge, Michael Georg Link, Alexander Müller, Dr. Stefan Ruppert, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Frank Schäffler, Matthias Seestern-Pauly, Michael Theurer, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die Deutsche Bahn AG (DB AG) verzeichnete in den letzten Jahren ein stetiges Fahrgastwachstum. (www.deutschebahn.com/resource/blob/3992278/1d136e983334750ef4f24072d49c7cdf/20190325_bpk_2019_daten_fakten-data.pdf). Der steigenden Nachfrage kann die DB AG nur nachkommen, wenn sie in Zukunft mehr Züge einsetzt. Gleichermaßen ist eine effiziente Steigerung der Kapazitäten aus Sicht der Fragesteller nur mit deutlich mehr Personal realisierbar. Der zunehmende Fachkräftemangel in Deutschland macht es jedoch auch für die DB AG immer schwieriger, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der FDP (Bundestagsdrucksache 19/7846) hervorging, fehlen derzeit vor allem Triebwagenführer. Zudem gibt es Berichte über Zugausfälle und -verspätungen aufgrund von Personalmangel in Stellwerken. Am 28. April 2019 führte dies dazu, dass zeitweise sowohl der Mainzer Hauptbahnhof als auch der Frankfurter Flughafen wegen Erkrankung des Fahrdienstleiters mehrere Stunden nicht angefahren werden konnten (www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/deutscher-bahn-fehlt-es-wieder-mal-an-personal-16163867.html). Bereits 2013 gab es ähnliche Vorfälle. Schon damals kündigte die DB AG an, diesen Mangel durch zusätzliche Stellen für Fahrdienstleiter zu beheben. Aus Sicht der Fragesteller wurde dieses Ziel bisher nicht in ausreichender Weise erreicht.
Es besteht nach Ansicht der Fragesteller nach wie vor akuter Handlungsbedarf, die personelle Unterbesetzung vor allem bei Triebwagenführern, Fahrdienstleitern und Zugbegleitern zu beseitigen. Nach Auffassung der Fragesteller muss für die langfristige Sicherstellung des Personalbedarfs die Attraktivität der Jobs erhöht werden. Zudem müssen nicht nur mehr Stellen, sondern auch neue Ausbildungskapazitäten geschaffen werden, um die aktuellen Mitarbeiter nachhaltig zu entlasten. Die von der Bahn angekündigte Joboffensive mit 22 000 neuen Stellen deckt dabei zum Großteil nur die übliche Personalfluktuation durch Kündigungen oder Renteneintritte ab (www.swr.de/report/report-mainz/social-media-umfrage-fastjeder-zweite-fahrdienstleiter-der-deutschen-bahn-fuehlt-sich-ueberlastet//id=233454/did=23922530/nid=233454/1iqwxbs/index.html, Bundestagsdrucksache 19/7846). Eine zeitnahe Verbesserung der Situation ist daher nicht in Sicht.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen22
Wie hat sich die Anzahl der Mitarbeiter in Festanstellung bei der DB AG in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte pro Jahr und nach Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie hat sich die Anzahl bzw. der Anteil von Mitarbeitern mit befristeten Arbeitsverträgen bei der DB AG in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte pro Jahr und nach Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie hat sich die Anzahl der Triebwagenführer bei der DB AG in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte pro Jahr und nach Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie hat sich die Anzahl der Fahrdienstleiter bei der DB AG in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte pro Jahr und nach Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie hat sich die Anzahl der Zugbegleiter bei der DB AG in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte pro Jahr und nach Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie viele Krankheitstage pro Mitarbeiter sind bei der DB AG in den letzten zehn Jahren durchschnittlich angefallen (bitte pro Jahr und nach Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie hat sich die Anzahl der unbesetzten Stellen im Jahresdurchschnitt bei der DB AG in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte pro Jahr und nach Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie hat sich die Anzahl der Neueinstellungen bei der DB AG in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte pro Jahr und nach Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie viele Angestellte der DB AG haben in den letzten zehn Jahren gekündigt (bitte nach Jahr und Berufsgruppe – Triebwagenführerin bzw. Triebwagenführer, Zugbegleiterin bzw. Zugbegleiter, Fahrdienstleiterin bzw. Fahrdienstleiter und andere – aufschlüsseln)?
Werden die Kündigungsgründe von Mitarbeitern bei der DB AG statistisch erfasst?
Wenn ja, welches sind die häufigsten Kündigungsgründe, die von Seiten der Beschäftigten der DB AG in den letzten zehn Jahren angegeben wurden (bitte in absoluten Zahlen angeben und nach Jahr und Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie vielen Arbeitnehmern wurden in den letzten zehn Jahren durch die DB AG gekündigt (bitte nach Jahr und Berufsgruppe – Triebwagenführerin bzw. Triebwagenführer, Zugbegleiterin bzw. Zugbegleiter, Fahrdienstleiterin bzw. Fahrdienstleiter und andere – aufschlüsseln)?
Wie hoch ist derzeit das Durchschnittsalter der Angestellten in den Berufsgruppen Triebwagenführer, Zugbegleiter, Fahrdienstleiter sowie andere, und wie hat sich diese Zahl in den letzten zehn Jahren verändert (bitte nach Jahr und Berufsgruppe aufschlüsseln)?
Wie viele Angestellte in den Berufsgruppen Triebwagenführer, Zugbegleiter, Fahrdienstleiter sowie andere der DB AG sind durch Erreichen des Rentenalters in den letzten zehn Jahren aus dem Beruf ausgeschieden?
Wie hat sich die durchschnittliche Anzahl der Ausbildungsplätze bei der DB AG in den letzten zehn Jahren entwickelt, und wie viele Interessenten bewarben sich durchschnittlich auf einen Ausbildungsplatz (bitte pro Jahr und nach Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie viele der für das aktuelle Jahr angekündigten 22 000 neuen Stellen insgesamt sowie der 1 300 neuen Stellen für Fahrdienstleiterinnen bzw. Fahrdienstleiter sind bisher besetzt worden?
Wie viele der für das aktuelle Jahr angekündigten 22 000 neuen Stellen wurden neu geschaffen, und wie viele sind Neubesetzungen von bereits bestehenden Stellen?
Reichen die neu geschaffenen Stellen nach Auffassung der Bundesregierung aus, damit Zugausfälle oder Verspätungen aufgrund Personalmangels deutlich reduziert werden können?
Wie hoch ist die Anzahl von Zugausfällen und -verspätungen in den letzten zehn Jahren aufgrund von Personalmangel der DB AG (bitte pro Jahr und nach Konzernsparte aufschlüsseln)?
Wie häufig kam es nach Kenntnis der Bundesregierung zu Zugausfällen und -verspätungen im Schienenverkehr durch personell unterbesetzte Stellwerke in den letzten zehn Jahren?
Welchen Anteil an allen Zugausfällen und -verspätungen in den letzten zehn Jahren haben nach Kenntnis der Bundesregierung Zugausfälle und -verspätungen infolge von Personalmangel (bitte pro Jahr aufschlüsseln)?
Wie hoch ist der Anteil der Fahrten in den Verkehrsbereichen Fernverkehr, Regionalverkehr bzw. Güterverkehr der DB AG, die in den letzten zehn Jahren ohne durch Personalmangel bedingte Einschränkungen (umfasst alle Serviceleistungen im Zug) durchgeführt werden konnten (bitte pro Jahr aufschlüsseln)?
Wird der Anteil der Beschäftigten der DB AG, die aufgrund beruflicher Zwänge ihren jährlichen Urlaub vorzeitig unterbrechen bzw. abbrechen, nach Kenntnis der Bundesregierung dokumentiert?
Falls ja, wie hoch lag der prozentuale Anteil aller Beschäftigten der DB AG in den vergangenen zehn Jahren?