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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Chancengleichheit von jungen Männern und Frauen

(insgesamt 9 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

27.06.2019

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/1081311.06.2019

Chancengleichheit von jungen Männern und Frauen

der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Dr. Götz Frömming, Nicole Höchst, Dr. Michael Espendiller, Martin Reichardt und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

In Deutschland gibt es große Unterschiede im Hinblick auf die Bildungserfolge von Jungen und Mädchen. Jungen haben im deutschen Bildungssystem zunehmend das Nachsehen (Diefenbacher/Klein 2002, Bringing boys back in, Zeitschrift für Pädagogik 48 [2002] 6, S. 938–958). Sie werden häufig später als Mädchen eingeschult und es kommen doppelt so oft Jungen wie Mädchen in eine Förderschule (Bildungsbericht 2018, S. 83).

Jungen haben häufiger keinen oder nur einen Haupt- oder Realschulabschluss (Bildungsbericht 2018, Tab B5-1A). Dafür haben Mädchen im Alter von 20 bis 25 Jahren mit 56 Prozent deutlich häufiger eine Hochschulreife als Jungen mit 48 Prozent (ebd.).

Auch unter jungen Erwachsenen hält diese Ungleichheit an. Es gibt mehr Männer ohne beruflichen Bildungsabschluss im Alter von 20 bis 30 Jahren als Frauen (Bildungsbericht 2018, Tab. B5-2A). Es gibt zwar noch immer mehr männliche Studenten im deutschen Hochschulsystem (www.klischee-frei.de/dokumente/pdf/a31_frauen_und_m%C3%A4nner_an_hochschulen_in_deutschland_FB06.pdf); es finden sich aber mehr weibliche als männliche Erstabsolventen (Bildungsbericht 2018, Tab. F5-3web). Entsprechend können im Altersbereich von 30 bis 34 Jahren 29 Prozent der Frauen und nur 27 Prozent der Männer einen Hochschulabschluss vorweisen (Bildungsbericht 2018, S. 55). Ein Grund hierfür dürften aus Sicht der Fragesteller die signifikant höheren Studienabbrecherquoten unter männlichen Studenten sein. An Universitäten brechen 36 Prozent der Studenten ihr Studium ab, während es nur 28 Prozent der Studentinnen sind. An Fachhochschulen stehen einer Studienabbrecherquote von 30 Prozent bei Männern 18 Prozent bei Frauen gegenüber. Dieser Trend gilt fächerübergreifend, einschließlich der MINT-Fächer (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – Bildungsbericht 2018, Tab. F4-1A). Die häufigsten Gründe für einen Studienabbruch sind mit 28 Prozent vor allem Leistungsprobleme und mit 20 Prozent mangelnde Studienmotivation (Bildungsbericht 2018, Tab. F4-6web).

Trotz dieses Befundes sieht der Haushaltsplan der Bundesregierung für 2019 vor, dass 32 Mio. Euro für „Strategien zur Durchsetzung von Chancengerechtigkeit für Frauen in Bildung und Forschung“ investiert werden (Bundeshaushaltsplan 2019 Einzelplan 30 BMBF, S. 29). Mittlerweile scheint es aufgrund der oben dargestellten Entwicklungen im Bildungsbereich aus Sicht der Fragesteller aber eher angezeigt, junge Männer mit gezielten Programmen zu fördern als junge Frauen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen9

1

An welchen aktuellen statistischen Erhebungen oder Studien der letzten fünf Jahre macht die Bundesregierung eine mangelnde Chancengerechtigkeit von Frauen im Bildungsbereich fest?

a) Falls hierfür keine aktuellen Studien zugrunde gelegt wurden, warum nicht?

b) Hat die Bundesregierung ggf. selbst Studien in Auftrag gegeben, die eine mangelnde Chancengerechtigkeit von Mädchen oder Frauen im Bildungsbereich belegen?

2

Was genau versteht die Bundesregierung unter „Chancengerechtigkeit“?

3

Kann die Bundesregierung Kriterien angeben, an denen eine mangelnde Chancengerechtigkeit von Frauen abgelesen werden kann?

a) Für wie aussagekräftig hält die Bundesregierung diese Kriterien?

b) Inwieweit hat die Bundesregierung ggf. Kenntnis von Kritik an der Aussagekraft dieser Kriterien?

4

Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, ob und inwieweit diese Kriterien in den letzten fünf Jahren modifiziert worden sind?

a) Falls ja, welcher Art waren diese Modifikationen?

b) Falls nein, inwieweit kann sich dann die Bundesregierung sicher sein, ob diese Kriterien dann noch wissenschaftlich abgesicherten Ansprüchen standhalten?

5

Wie erklärt sich die Bundesregierung die geringeren Bildungserfolge von jungen Männern im Vergleich zu jungen Mädchen, gemessen an den Bildungs- und Berufsbildungsabschlüssen und Abbruchquoten?

a) Inwieweit hat die Bundesregierung aus diesem Befund bereits Konsequenzen gezogen?

b) Falls nein, warum wurden bisher keine Konsequenzen gezogen?

6

Aus welchen Gründen hält die Bundesregierung trotz der aus Sicht der Fragesteller signifikant schlechteren Bildungserfolge junger Männer ausschließlich an Förderprogrammen für Frauen fest?

7

Hat die Bundesregierung Kenntnis von Förderprogrammen, die die Verbesserung der Bildungserfolge von Jungen oder jungen Männern während der Schulzeit zum Ziel haben?

a) Falls ja, welche Projekte sind das?

b) Falls nein, muss daraus geschlossen werden, dass weder Land noch Bund die Notwendigkeit gesonderter Förderprogramme für junge Männer sehen?

8

Welche Bestrebungen oder Programme gibt es derzeit seitens der Bundesregierung, die Chancengerechtigkeit für junge Männer im Bildungsbereich zu erhöhen?

a) Falls es derartige Bestrebungen oder Programme gibt, kann die Bundesregierung hierzu detailliertere Angaben machen?

b) Falls nein, warum nicht?

9

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über die Bildungserfolge von jungen Männern und Frauen aus unterschiedlicher sozialer Herkunft und Nationalität vor?

a) Falls ja, welcher Art sind diese Erkenntnisse?

b) Falls nein, warum nicht?

Berlin, den 27. Mai 2019

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

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