[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
9. Juli 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/11686
19. Wahlperiode 15.07.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Oliver Luksic, Frank Sitta,
Torsten Herbst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/11137 –
Auswirkungen des Abbaus von Rohstoffen für die E-Mobilität
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Elektromobilität gewinnt als Antriebsart, insbesondere für PKW und leichte
Nutzfahrzeuge, eine immer größere Rolle. Der Ausbau der E-Mobilität nimmt
sowohl in der Zielsetzung der Bundesregierung als auch der Europäischen
Union bezüglich CO2-Einsparungen und Erfüllung der Pariser Klimaziele eine
Schlüsselposition ein (
www.bundesregierung.de/breg-de/themen/energiewende/
elektromobilitaet-weiter-vorantreiben-1530062/
https://ec.europa.eu/transparency/
regdoc/rep/1/2017/DE/COM-2017-675-F1-DE-MAIN-PART-1.PDF). Die CDU,
CSU und SPD haben hat in ihrem Koalitionsvertrag verstärkte Bemühungen
beim Rohstoffmonitoring, insbesondere von Stoffen für Zukunftstechnologien
wie der Elektromobilität, sowie eine dauerhafte Absicherung des deutschen
Rohstoffbedarfs beschlossen. Grundlage der aktuellen Ausbaupläne ist der
batterieelektrische Lithium-Ionen-Akkumulator. Für seine Herstellung benötigt
man Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel. Diese sind nach Einschätzung der
Deutschen Rohstoffagentur (DERA) von grundlegender Wichtigkeit für deren
Herstellung (
www.bmwi.de/Redaktion/DE/Parlamentarische-Anfragen/2017/
8-286-288.pdf?__blob=publicationFile&v=4). Angesichts des stark
wachsenden Batteriebedarfs nimmt der Abbau dieser Rohstoffe stetig zu. In einigen
Förderländern führt dies allerdings zu Menschenrechtsverletzungen und hat
teilweise schwerste Auswirkungen auf die Gesundheit sowie die Umwelt
(
https://cloud.amnesty.de/index.php/s/6kViVddYZ2DHiyF#pdfviewer/https://
edison.handelsblatt.com/erklaeren/lithium-abbau-und-gewinnung-
umweltgefahrender-lithiumfoerderung/23140064.html).
1. Wie viele Tonnen Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel wurden 2016, 2017
und 2018 nach Kenntnis der Bundesregierung nach Deutschland importiert?
2. Aus welchen Ländern importierte Deutschland in den Jahren 2016, 2017 und
2018 Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel?
Die Fragen 1 und 2 werden gemeinsam beantwortet.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat Deutschland in den Jahren
2016 bis 2018 folgende kobalthaltige Spezifikationen importiert:
Erze und Konzentrate
2016: -
2017: 9,0 t
2018: 4,5 t
Wichtigste Lieferländer: Australien, Republik Korea, Vereinigte Staaten
Oxide, Hydroxide
2016: 1.427,1 t
2017: 1.102,6 t
2018: 1.268,4 t
Wichtigste Lieferländer: Finnland, Belgien, Italien, Frankreich, Spanien
Rohmetall, Pulver, Zwischenprodukte der Kobaltmetallurgie (Matte etc.)
2016: 2.659,4 t
2017: 3.079,1 t
2018: 2.948,9 t
Wichtigste Lieferländer: Belgien, Finnland, Kanada, Madagaskar, Vereinigtes Königreich
Abfälle und Schrotte
2016: 431,5 t
2017: 478,1 t
2018: 371,5 t
Wichtigste Lieferländer: Vereinigtes Königreich, Schweiz, Slowakei, Frankreich, Litauen
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat Deutschland in den Jahren
2016 bis 2018 folgende lithiumhaltige Spezifikationen importiert:
Lithiumkarbonate
2016: 7.027,2 t
2017: 5.482,7 t
2018: 5.959,8 t
Wichtigste Lieferländer: Chile, Vereinigte Staaten, Belgien, Argentinien, Vereinigtes Königreich
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat Deutschland in den Jahren
2016 bis 2018 folgende grafithaltige Spezifikationen importiert:
natürlich (Pulver, Flocken)
2016: 42.139,8 t
2017: 43.561,4 t
2018: 55.091,4 t
Wichtigste Lieferländer: China, Brasilien, Madagaskar, Österreich, Tschechische Republik
natürlich (andere Formen)
2016: 3.556,8 t
2017: 2.373,5 t
2018: 887,6 t
Wichtigste Lieferländer: China, Madagaskar, Vereinigte Staaten
künstlich
2016: 28.148,6 t
2017: 42.096,1 t
2018: 52.988,6 t
Wichtigste Lieferländer: Russische Föderation, China, Frankreich, Indien, Madagaskar, Malaysia
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat Deutschland in den Jahren
2016 bis 2018 folgende nickelhaltige Spezifikationen importiert:
Erze und Konzentrate
2016: 2.787,0 t
2017: 2.554,9 t
2018: 2.943,5 t
Wichtigste Lieferländer: Malaysia, Thailand, Indonesien, Vereinigte Staaten, Japan
Nickelmatte, Nickeloxidsinter
2016: 141,0 t
2017: 288,2 t
2018: 98,7 t
Wichtigste Lieferländer: Vereinigte Staaten, Niederlande
Nickelsulfate
2016: 6.453,5 t
2017: 6.512,5 t
2018: 3.753,6 t
Wichtigste Lieferländer: Belgien, Schweden, Polen, Österreich, Spanien
Nickeloxide, -hydroxide
2016: 571,9 t
2017: 591,6 t
2018: 476,6 t
Wichtigste Lieferländer: Tschechische Republik, Japan, Niederlande, Belgien, China
Raffinadenickel (Rohnickel)
2016: 58.374,7 t
2017: 65.185,2 t
2018: 63.104,0 t
Wichtigste Lieferländer: Russische Föderation, Norwegen, Vereinigtes Königreich, Australien, Kanada
Nickellegierungen
2016: 10.008,1 t
2017: 10.126,4 t
2018: 10.043,2 t
Wichtigste Lieferländer: Vereinigtes Königreich, Finnland, Russische Föderation, Slowenien, Kanada
Ferronickel
2016: 5.004,5 t
2017: 10.762,8 t
2018: 7.988,1 t
Wichtigste Lieferländer: Niederlande, Kasachstan, Brasilien, Belgien, Kolumbien
Abfälle, Schrotte
2016: 10.424,5 t
2017: 9.494,7 t
2018: 10.471,8 t
Wichtigste Lieferländer: Niederlande, Österreich, Schweiz, Polen, Schweden
Schlacken, Aschen, Rückstände
2016: 7.952,4 t
2017: 8.407,5 t
2018: 6.568,8 t
Wichtigste Lieferländer: Niederlande, Italien, Frankreich, Belgien, Schweden
Nickelpulver, -flitter
2016: 1.861,7 t
2017: 2.028,1 t
2018: 1.838,6 t
Wichtigste Lieferländer: Vereinigtes Königreich, Kanada, Vereinigte Staaten, Irland, Frankreich
3. Aus welchen Ländern stammen nach Kenntnis der Bundesregierung das
Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel für die Herstellung von in Deutschland
verwendeten Batteriezellen und Batterien für batterieelektrisch angetriebene
PKW und leichte Nutzfahrzeuge?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen dazu vor, aus welchen Ländern
die in Deutschland in Batteriezellen und Batterien für batterieelektrisch
angetriebene Pkw und leichte Nutzfahrzeuge eingesetzten Rohstoffe Kobalt, Lithium,
Grafit und Nickel genau stammen.
Der Bundesregierung liegen allerdings allgemeine Informationen zur
Rohstoffgewinnung von Kobalt, Grafit und Nickel vor. Kobalt wird in 18 Ländern
abgebaut, die größten Förderländer waren 2018 die Demokratisch Republik Kongo,
die Russische Föderation, Australien, Kuba und die Philippinen. Lithium wird in
zehn Ländern gewonnen, die größten Förderländer waren 2018 Australien, Chile,
Argentinien, China und die Vereinigten Staaten. Grafiterz wird in 19 Ländern
gewonnen, die fünf größten Förderländer im Jahr 2018 waren China, Brasilien,
Indien, Kanada und die Ukraine. Nickelerze wurden im Jahr 2018 in insgesamt
24 Ländern gefördert und in 25 Ländern zu Raffinadenickel verarbeitet. Die fünf
größten Förderländer im Jahr 2018 waren Indonesien, die Philippinen, die
Russische Föderation, Neukaledonien und Kanada.
4. Wie viele Abbaugebiete und Minen für den Abbau von Kobalt, Lithium,
Grafit und Nickel gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung?
Nach Kenntnis der Bundesregierung wird Lithium gegenwärtig in etwa 30
Bergwerken in zehn Ländern auf sechs Kontinenten gewonnen. Grafit wird
gegenwärtig in etwa 100 Bergwerken in 19 Ländern auf fünf Kontinenten gewonnen.
Nickel wird gegenwärtig in mehr als 100 Bergwerken in 24 Ländern auf sechs
Kontinenten gewonnen und Kobalt wird gegenwärtig in 60 industriellen Bergwerken
in 18 Ländern auf sechs Kontinenten gewonnen. Des Weiteren erfolgt der Abbau
von Kobalt in der Demokratischen Republik Kongo im Artisanal- und
Kleinbergbau in einer Vielzahl von Gruben.
5. Welche Unternehmen besitzen nach Kenntnis der Bundesregierung die
Schürfrechte zum Abbau von Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel, und aus
welchen Ländern stammen diese Unternehmen?
Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
verteilt sich die weltweite industrielle Bergwerksförderung von Kobalt auf etwa
55 Unternehmen. Die fünf größten Kobaltproduzenten im Jahr 2018 waren:
Glencore Plc mit Hauptsitz in der Schweiz (31,5 Prozent Weltanteil), Huayou Cobalt
Co. Ltd mit Hauptsitz in China, durch Aufkäufe seines 100-prozentigen
Tochterunternehmens Congo Dongfang International Mining mit Sitz in der
Demokratischen Republik Kongo (8,6 Prozent Weltanteil), China Molybdenum Co. Ltd. mit
Hauptsitz in China (7,6 Prozent Weltanteil), Shalina Resources Ltd mit Hauptsitz
in Dubai (4,8 Prozent Weltanteil) und PJSC MMC Norilsk Nickel mit Sitz in der
Russischen Föderation (4,1 Prozent Weltanteil).
In der weltweiten Förderung von Lithium sind etwas mehr als 30 Unternehmen
aus etwa zehn Ländern tätig. Die fünf größten Lithiumproduzenten im Jahr 2018
waren: Albemarle Corp. mit Sitz in den USA (21 Prozent Weltanteil), Mineral
Resources Ltd. mit Sitz in Australien (16 Prozent), Chengdu Tianqi Industry Grp.
Co. mit Sitz in China (12 Prozent Weltanteil), SQM mit Sitz in Chile (11 Prozent)
und Ganfeng Lithium Co. Ltd. mit Sitz in China (5 Prozent). Diese fünf
Unternehmen machten 2018 etwa 65 Prozent der globalen Förderung/Produktion aus.
In der weltweiten Förderung von Grafit sind mindestens 64 Unternehmen aus
16 Ländern aktiv. Die größten Grafitproduzenten sind chinesischen Firmen.
China ist weltweit das bedeutendste Förderland, über 30 chinesische
Unternehmen sind im Grafitabbau aktiv. Zu den größten Unternehmen gehören Luobei
County Yunshan Graphite Mining, Aoyu Graphite Group, Jixi Changyuan
Mining, Jixi Pucheng Graphite, Qingdao Haida Graphite, Qingdao Jinhu Graphite
und South Graphite. Das weltweit zweitgrößte Förderland Brasilien verfügt über
drei aktive Grafitbergwerke welche im Besitz des brasilianischen Unternehmens
Nacional de Grafite sind.
In der weltweiten Förderung von Nickel sind weit mehr als 100 Unternehmen aus
etwa 25 Ländern tätig. Die fünf größten Nickelproduzenten im Jahr 2018 waren:
PJSC MMC Norilsk Nickel mit Sitz in der Russischen Föderation (9,1 Prozent
Weltanteil), Glencore Plc mit Sitz in der Schweiz (7,9 Prozent), Vale S.A. mit
Sitz in Brasilien (6,9 Prozent), Shandong Xinhai Technology Co mit Sitz in China
(3,9 Prozent) und PT Vale Indonesia Tbk mit Sitz in Indonesien (3,3 Prozent).
6. Wie bewertet die Bundesregierung die Wichtigkeit einer gesicherten Versorgung
mit Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel für Deutschlands wirtschaftliche
Interessen, insbesondere für die Automobilindustrie?
Die Bundesregierung misst dem Thema der gesicherten und nachhaltigen
Versorgung insbesondere mit den für die Batteriezellenfertigung benötigten Rohstoffen
eine große Bedeutung zu. Deshalb wurde z. B. bei der Bekanntmachung des
Interessensbekundungsverfahrens zur geplanten Förderung im Bereich der
industriellen Fertigung für mobile und stationäre Energiespeicher
(Batteriezellfertigung) vom 14. Februar 2019 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
(BMWi) nicht nur auf die eigentliche Batteriezellenfertigung hingewiesen,
sondern auf die gesamte Wertschöpfungskette von der Gewinnung der Ressourcen,
der Herstellung der Elektroden-Materialien über die eigentliche
Batteriezellproduktion bis zur Integration der Zellen und der nachhaltigen und insbesondere
umweltverträglichen Wiederverwendung.
7. Wie bewertet die Bundesregierung, insbesondere im Hinblick auf Untersuchungen
der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die Verfügbarkeit
von Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel?
Die Bundesregierung verlässt sich bei der Bewertung der Verfügbarkeit der
genannten Rohstoffe auf die Expertise der dem BMWi zugeordneten BGR und
übernimmt das Ergebnis der dort gewonnenen Einschätzung.
8. Was unternimmt die Bundesregierung, um die Versorgung mit Kobalt, Lithium,
Grafit und Nickel für deutsche Unternehmen zu befördern?
Es wird auf die Rohstoffstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2010
verwiesen. Derzeit arbeitet die Bundesregierung, auch vor dem Hintergrund neuer
Herausforderungen und Risiken in der Versorgung mit mineralischen Rohstoffen
u. a. im Zusammenhang mit der E-Mobilität, an der Fortschreibung der
Rohstoffstrategie. Ein zwischen den Ressorts abgestimmter erster Entwurf wird im
Herbst dieses Jahres erwartet.
9. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob der Abbau von in
Deutschland verwendetem unverarbeitetem und verarbeitetem (beispielsweise in
Batterien) Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel im Zusammenhang mit
Menschenrechtsverletzungen sowie menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen
steht?
10. Wie hoch schätzt die Bundesregierung den Anteil von Kobalt, Lithium,
Grafit und Nickel, das im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen
sowie unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen jährlich abgebaut wird,
und betrifft dies auch Kobalt, Lithium Grafit und Nickel, das in Deutschland
Verwendung findet?
11. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Kinderarbeit beim
Abbau von Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel?
Die Fragen 9 bis 11 werden gemeinsam beantwortet.
Die für die Batterieherstellung benötigten Rohstoffe Lithium, Grafit und Nickel
werden nach Kenntnis der Bundesregierung ausschließlich im industriellen
Bergbau gefördert und unterliegen dadurch der Bergaufsicht der jeweiligen
Förderländer. Die Überprüfung der Einhaltung von Menschenrechten und
Arbeitsbedingungen hängt im industriellen Bergbau damit zum einen vom jeweiligen
Unternehmen, zum anderen von Kontrollen und der Durchsetzung der entsprechenden
Anforderungen durch die jeweilige Aufsicht ab. Zu Menschenrechtsverletzungen
und menschenunwürdigen Abbaubedingungen im industriellen Bergbau dieser
Rohstoffe liegen der Bundesregierung keine konkreten Informationen vor.
Risiken bezüglich Menschenrechtsverletzungen und menschenunwürdiger
Arbeitsbedingungen im Kobaltsektor bestehen in der Demokratischen Republik
Kongo. Risiken bei der Sorgfaltspflicht bestehen dort bezüglich Kinderarbeit,
Zwangsarbeit, der Vertreibung der lokalen Bevölkerung zur Schaffung von
Konzessionsflächen sowie der inoffiziellen Beteiligung der nationalen
Sicherheitsbehörden im Kobaltsektor und allgemein des informellen Handels und Schmuggels.
Diese Risiken werden mittlerweile im Sinne der Sorgfaltspflicht von einigen
prominenten Batterieherstellern und Abnehmern der nachgelagerten Lieferkette
thematisiert (z. B. im Rahmen der Global Battery Alliance, bei der eine
Mitgliedschaft seitens der bundeseigenen Deutschen Gesellschaft für internationale
Zusammenarbeit besteht), allerdings finden sich weiterhin Absatzmärkte für
illegales Material. Ein weiteres Problem im Kleinbergbau auf Kobalt in der
Demokratischen Republik Kongo sind die unsicheren Arbeitsbedingungen mit hohen
Unfallzahlen. Dies reflektiert die mangelhaften bzw. fehlenden staatlichen
Aufsichtsprozesse in diesem Sektor.
Der Anteil des artisanalen Kobaltbergbaus in der Demokratischen Republik
Kongo wird auf etwa 10 bis 20 Prozent der nationalen Förderung geschätzt. Die
Produktion gelangt zum größten Teil nach China und es ist daher nicht
auszuschließen, dass in den kobalthaltigen Produkten die von China exportiert werden
auch artisanal gefördertes Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo
enthalten ist. Genaue Angaben zum Anteil der Rohstoffe aus einzelnen Ländern in
Produkten in bzw. aus Deutschland sind nicht möglich.
12. Was unternimmt die Bundesregierung, um den Abbau von Kobalt, Lithium,
Grafit und Nickel unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen zu
gewährleisten?
15. Was unternimmt die Bundesregierung gegen Umweltschäden durch den
Abbau von Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel?
Die Fragen 12 und 15 werden gemeinsam beantwortet.
Wie in den Antworten zu den Fragen 1 bis 4 erläutert, werden die gefragten
Rohstoffe nicht in Deutschland, sondern auf Hoheitsgebieten anderer Länder
abgebaut. Die Bundesregierung unterstützt betroffene Länder bei der Vermeidung von
Umweltschäden, z. B. im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. Auf der
Ebene bilateraler und regionaler entwicklungspolitischer Kooperationen wurde
eine Vielzahl unterschiedlichster Projekte zur Verminderung negativer sozialer-
und umweltpolitischer Folgen im Rohstoffbereich durchgeführt. Die Bandbreite
der Themen reicht hierbei von der Unterstützung der Extractive Industries
Transparency Initiative über menschenrechtliche Risikoanalysen und die Zertifizierung
der Konfliktfreiheit von Rohstofflieferketten bis hin zur Kapazitätsstärkung von
Regulierungsbehörden und Kompetenzentwicklungsmaßnahmen zum
Bergbaualtlastenmanagement. Aktuell ist die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im
Rohstoffsektor mit bilateralen und regionalen Vorhaben in insgesamt 25 Ländern
weltweit aktiv und trägt dort zu einer nachhaltigeren Ausgestaltung der
Rohstoffgewinnung bei. International gehört Deutschland damit gemeinsam mit
Australien, Kanada und dem Vereinigten Königreich zu den bedeutendsten Gebern in
der Entwicklungszusammenarbeit im Rohstoffsektor.
Darüber hinaus hat die Bundesregierung auch die Forschungsarbeiten zu
Umweltwirkungen der Rohstoffgewinnung verstärkt. So führte bzw. führt das
Umweltbundesamt seit 2012 insgesamt sieben Forschungsprojekte durch, die sich mit
dem Umweltgefährdungspotenzial von Rohstoffen, den Auswirkungen des
Klimawandels auf die Rohstoffgewinnung und Fragen besserer Governance im
Rohstoffsektor befassen. Die Ergebnisse können zum Kapazitätsaufbau in den
Förderländern sowie zur fachlichen Unterstützung politischer Entscheidungen
genutzt werden.
Die Bundesregierung setzt sich auch darüber hinaus für den nachhaltigen Abbau
von Rohstoffen ein, der im Einklang mit internationalen und nationalen Vorgaben
bzw. Initiativen steht. Sie erwartet, dass Unternehmen sich an die zentralen
Rahmenwerke der Vereinten Nationen, der Internationale Arbeitsorganisation und
der OECD halten und die Anforderungen des nationalen Aktionsplans Wirtschaft
und Menschenrechte erfüllen.
Die Bundesregierung adressiert die Umsetzung von internationalen Umwelt- und
Sozialstandards bei der Rohstoffgewinnung und -aufbereitung zudem
ausdrücklich in bilateralen Abkommen bzw. Vereinbarungen über die Zusammenarbeit im
Rohstoff-, Industrie und Technologiebereich.
Auch bei der Prüfung der Förderungswürdigkeit von Rohstoffprojekten im
Rahmen der Gewährung von Garantien für Ungebundene Finanzkredite (UFK-
Garantien) spielt die Einhaltung internationaler Umwelt- und
Menschenrechtsstandards für die Bundesregierung eine zentrale Rolle. Eine Unterstützung durch den
Bund ist nur dann möglich, wenn die ökologischen, menschenrechtlichen und
sozialen Auswirkungen des Projektes im Einklang u. a. mit OECD- und
Weltbankstandards stehen.
13. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über schwere gesundheitliche
Schäden für am Abbau und der Verarbeitung von Kobalt, Lithium, Grafit
und Nickel Beteiligte?
Die Gewinnung und Verarbeitung von Lithium, Grafit und Nickel erfolgt
industriell. Generell sind hier durch die Betriebe die für Bergbau relevanten
Arbeitsschutz- und Sicherheitsstandards einzuhalten, ebenso für die Aufbereitung. Hier
ist für Nickel und Lithium z. B. ein adäquater Umgang mit den eingesetzten
Chemikalien, z. B. Säuren, relevant.
International gibt es für einige Länder Unfallstatistiken im Bergbau. So zeigt z. B.
das Beispiel Australien, welches eines der Hauptförderländer für Nickel, Lithium
und Kobalt ist, dass der Bergbau hinter dem Transportwesen, der Landwirtschaft,
dem Bauwesen und dem Maschinenbau erst an fünfter Stelle der unfallträchtigen
Wirtschaftssektoren liegt. Spezifische Informationen zu gesundheitlichen
Schäden an Abbau und Verarbeitung Beteiligter bezogen auf die jeweiligen Rohstoffe
liegen der Bundesregierung nicht vor.
Bei der Gewinnung von Kobalt im artisanalen Bergbau in der Demokratischen
Republik Kongo kann es hingegen zu gesundheitlichen Schädigungen vor allem
durch Arbeitsunfälle kommen, da in diesem Sektor Sicherheits- und
Umweltstandards in der Regel nicht zur Anwendung kommen. Als Hauptrisiko gelten hier
Hangrutschungen, Einstürze von untertägigen Grubenbauen sowie
Erstickungsgefahr durch mangelhafte Bewetterung der Bergwerke. Ein aktueller Fall ist der
Tod von mindestens 19 artisanalen Bergleuten durch den Einsturz von
untertägigen Grubenbauten beim illegalen Abbau von Kupfer-Kobalt-Erzen in der
Demokratischen Republik Kongo. Auch die hohe körperliche Belastung bei der
händischen Gewinnung kann langfristig zu gesundheitlichen Schädigungen führen.
14. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Umweltschäden durch
den Abbau von Kobalt, Lithium, Grafit und Nickel?
In der Demokratischen Republik Kongo bestehen Umweltrisiken im Kobaltsektor
bei der artisanalen Gewinnung von Kobalt, wo in der Praxis – neben der
Abholzung von Waldflächen – auch keine Rekultivierung der vom Bergbau
beanspruchten Flächen durchgeführt wird. Dies führt dazu, dass Böden geschädigt und
Rückstände nicht sachgemäß verwahrt werden. Außerdem werden Grund- und
Oberflächenwasser nachteilig verändert und es bestehen Sicherheitsrisiken durch
instabile und ungesicherte Grubenöffnungen.
Auch durch den industriellen Kobaltbergbau und die Verhüttung kommt es in der
Demokratischen Republik Kongo zu Umweltschäden. Dort werden
Trinkwasserressourcen mit Chemikalien und zur Bewässerung genutzte Oberflächengewässer
mit schwermetallhaltigen Abwässern aus der Metallurgie kontaminiert. Zudem
kommt es zu Nutzungskonflikten um knappe Wasserressourcen zwischen dem
industriellen Bergbau und umliegenden Gemeinden.
Bei der Gewinnung von Lithium aus salzhaltigen Solen entsprechender Salzseen
sind Wasseraspekte besonders zu beachten. Durch das Fördern großer Mengen
von Salzwasser und der sich anschließenden Verdunstungsprozesse kann es zu
großen Grundwasserabsenkungen kommen. Da die Vorkommen größtenteils in
sehr ariden Gegenden liegen, muss beachtet werden, dass der Bergbau deshalb
nicht in Konflikte mit dem Bedarf der ansässigen Bevölkerung bezüglich der
Nutzung der Grundwasserreserven gerät. Die Grundwassersenkungen können auch
ökologische Auswirkungen zur Folge haben. So können beispielsweise durch die
Grundwasserabsenkungen Lagunenökosysteme geschützter Feuchtgebiete mit
entsprechenden Flamingo-Beständen gefährdet werden.
Einzelne Unternehmen haben in der Vergangenheit Maßnahmen ergriffen, um
weitere Wasserressourcen verfügbar zu machen (z. B. Meerwasserentsalzung)
bzw. den Wasserbedarf bei der Gewinnung deutlich zu senken. Zudem ist ein
entsprechendes Monitoring der Aufsichtsbehörden notwendig.
Wichtigstes Förderland für Grafit ist mit Abstand China, gefolgt von Brasilien
und Kanada. Generell ist der Abbau dem industriellen Kleinbergbau zuzuordnen.
Die Größenordnung der Weltförderung, rund 930 Tausend Tonnen in 2018, ist in
etwa so viel wie zwei deutsche Kiesgruben in einem Jahr produzieren. Aufgrund
der geringen Produktionsmenge, die größtenteils aus Untertagebergbau stammt,
der einfachen nassmechanischen Aufbereitung (Flotation) und des Fehlens
schädlicher Begleitelemente des Grafits und seiner Nebengesteine ist daher nicht mit
schwerwiegenden Umweltproblemen zu rechnen. Diese sind der
Bundesregierung derzeit auch nicht bekannt.
Die wichtigsten Förderländer für Nickel sind Indonesien, die Philippinen sowie
Neukaledonien und die Russische Föderation. Die Nickelförderung der drei
erstgenannten Länder erfolgt im Tagebau und stammt aus lateritischen Lagerstätten.
Die Produktion in der Russischen Föderation erfolgt in der arktischen Region um
die Stadt Norilsk aus einer magmatischen Lagerstätte mit hohem Sulfidgehalt, die
zum großen Teil untertägig abgebaut wird. Aus letzterer kann es zu Gefährdungen
der Umwelt durch saure Grubenwässer sowie damit ausgetragener Metalle
kommen. Zudem kommt es bei der Verhüttung dieser Erze in Norilsk zu erheblichen
Schwefeldioxid-Emissionen. Auch die Rückstände der Gewinnung können eine
Gefährdung darstellen, sofern diese in die Umwelt gelangen. Die Umweltrisiken
sind bei Verwendung von State-of-the-Art-Technologien und Praktiken in
Bergbau, Aufbereitung und Verhüttung mit geeigneten Strategien generell aber
beherrschbar.
16. Wie viele Batteriezellen und Batterien für batterieelektrisch angetriebene
PKW und leichte Nutzfahrzeuge wurden jeweils in den Jahren 2016, 2017
und 2018 nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland hergestellt?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
17. Wie viele Batteriezellen und Batterien für batterieelektrisch angetriebene
PKW und leichte Nutzfahrzeuge wurden jeweils in den Jahren 2016, 2017
und 2018 nach Kenntnis der Bundesregierung nach Deutschland importiert?
Der Bundesregierung liegen lediglich Informationen zu Gesamtimporten von
Lithium-Ionen-Batterien vor. Eine Trennung nach der Art der Anwendung ist nicht
möglich. Nach Angaben der BGR wurden im Jahr 2016 ca. 110 Mio. Zellen
(Wert: 1,5 Mrd. Euro) nach Deutschland importiert, im Jahr 2017 waren es ca.
139 Mio. Zellen (Wert: 2 Mrd. Euro) und im Jahr 2018 waren es 201 Mio. Zellen
(Wert: 2,3 Mrd. Euro) (Quelle: IHS Global SA, Global Trade Atlas, 2019).
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