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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen

(insgesamt 23 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

15.08.2019

Aktualisiert

26.07.2022

BT19/1204530.07.2019

Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen

Kleine Anfrage

Volltext (unformatiert)

[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12045 19. Wahlperiode 30.07.2019 Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Andrew Ullmann, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Britta Katharina Dassler, Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Gyde Jensen, Dr. Christian Jung, Thomas L. Kemmerich, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic, Alexander Müller, Roman Müller-Böhm, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Judith Skudelny, Bettina Stark-Watzinger, Manfred Todtenhausen, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt eindringlich vor der Zunahme multiresistenter Erreger, gegen die auch Reserve-Antibiotika nicht mehr wirken. Weltweit steigt die Anzahl dieser Keime unabhängig vom Entwicklungsstatus eines Landes, und stellt somit wieder eines der dringlichsten Gesundheitsprobleme der Menschheit dar. Laut aktuellem Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat sich die Zahl der Infektionen mit resistenten Keimen in der EU von 2007 bis 2015 fast verdoppelt. Über 33 000 Todesfälle sind auf Infektionen mit multiresistenten Keimen zurückzuführen. In Deutschland erlitten laut der Studie im Jahr 2015 knapp 55 000 Menschen eine Infektion mit antibiotikaresistenten Keimen, fast 2 400 starben (Cassini, Alessandro, et al. (2018): Attributable deaths and disability- adjusted life-years caused by infections with antibiotic-resistant bacteria in the EU and the European Economic Area in 2015: a population-level modelling analysis, Lancet Inf Dis). Die Resistenzen nehmen laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sogar weiter zu. Sie prognostiziert, dass ohne gezielte Maßnahmen in Europa, Nordamerika und Australien bis 2050 rund 2,4 Millionen Menschen durch multiresistente Bakterien sterben (OECD (2018), Stemming the Superbug Tide: Just a few dollars more, OECD Publishing, Paris). Trotz der weltweiten Zunahme von resistenten Erregern sind in den letzten Jahrzehnten kaum innovative Antibiotika auf den Markt gekommen. Neue Behandlungsoptionen gegen die steigende Zahl multiresistenter Erreger stehen daher kaum zur Verfügung. Angesichts dieses Dilemmas ist ein Rückfall in die postantibiotische Ära zu befürchten. Wir fragen die Bundesregierung: 1. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Resistenzzahlen im ambulanten und stationären Sektor in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte nach den Erregergruppen MRSA, VRE und MRGN aufteilen)? 2. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Behandlungsaufwand für Menschen mit MRSA-, VRE-, 3-MRGN- oder 4-MRGN- Besiedlung in der stationären bzw. ambulanten Versorgung sowie die diesbezüglichen Kosten in den letzten fünf Jahren entwickelt? 3. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Aufwand für die Testung von Menschen zur Evaluation der Multiresistenz und die diesbezüglichen Kosten in den letzten fünf Jahren entwickelt? 4. Wie wurden nach Kenntnis der Bundesregierung die Hygienestandards in der ambulanten und stationären Versorgung in den letzten fünf Jahren ausgebaut und kontrolliert? 5. Wie beurteilt die Bundesregierung die Versorgung von Patientinnen und Patienten in Akutkrankhäusern mit Infektionskrankheiten? 6. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Hygienefachkräfte in Akutkrankenhäuser in den letzten zehn Jahren entwickelt? 7. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die a) Zahl der Fachärztinnen und Fachärzte für Infektiologie, b) Zahl der Fachärztinnen und Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Infektiologie, c) Zahl der Fachabteilungen für Infektiologie in Akutkrankenhäusern und d) Zahl der Lehrstühle für Infektiologie in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte vergleichend mit anderen EU- Mitgliedstaaten)? 8. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl Abteilungen bzw. Institute für Mikrobiologie in Akutkrankenhäusern in den letzten zehn Jahren entwickelt? 9. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Krankenhaushygienikerinnen und Krankenhaushygieniker in Akutkrankenhäusern in den letzten zehn Jahren entwickelt? 10. Wie sehen nach Kenntnis der Bundesregierung die Resistenzentwicklungen in der a) landwirtschaftlichen Tierhaltung und b) Haustierhaltung mit MRSA, VRE, 3-MRGN und 4-MRGN in den letzten zehn Jahren aus? 11. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Antiinfektivaverbrauch in den letzten fünf Jahren in den Bereichen a) Landwirtschaft, b) Haustierversorgung, c) ambulante und d) stationäre humanmedizinische Versorgung entwickelt? 12. Wie hoch war der Einsatz von Reserveantibiotika im Bereich der Landwirtschaft im Jahr 2018? Wie hat sich der Einsatz von Reserveantibiotika im Bereich der Landwirtschaft in den letzten fünf Jahren entwickelt? 13. Hat nach Kenntnis der Bundesregierung der vermehrte Einsatz der Reserveantibiotika in den Jahren 2016 bis 2017 in der Landwirtschaft zu einem messbaren Anstieg von resistenten Bakterien geführt? 14. Wie hat sich der Einsatz von Antibiotika insgesamt bei Masthähnchen und -puten in den letzten fünf Jahren entwickelt? 15. Wie beurteilt die Bundesregierung, dass mehr als die Hälfte der Hähnchen aus Discountern mit antibiotikaresistenten Keimen infiziert ist? Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung daraus? 16. Wie beurteilt die Bundesregierung die Verordnung (EU) 2019/6 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2018 über Tierarzneimittel und zur Aufhebung der Richtlinie 2001/82/EG, die ab dem 28. Januar 2022 gilt, insbesondere im Hinblick auf die Regelungen zum Einsatz von Reserveantibiotika in der Veterinärmedizin? 17. Welche konkreten Maßnahmen zur verbesserten Resistenzbekämpfung beabsichtigt die Bundesregierung im Rahmen der DART 2020 und darüber hinaus in Zukunft zu ergreifen? In welchem Bereich sieht die Bundesregierung den dringendsten Handlungsbedarf? 18. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die staatlichen Ausgaben für die Forschung zu multiresistenten Erregern in den Bereichen a) klinische und b) ambulante Versorgung sowie c) Landwirtschaft jeweils in den letzten fünf Jahren (bitte vergleichend mit anderen EU- Mitgliedstaaten)? 19. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die staatlichen Forschungsausgaben für Antiinfektiva aufgeteilt nach Antibiotika (antibakteriell), Antimykotika und antivirale Substanzen jeweils in den letzten fünf Jahren (bitte vergleichend mit anderen EU-Mitgliedsstaaten angeben)? 20. Welche Projekte zur Verbesserung der Versorgungsforschung zur Vermeidung nosokomialer Infektionen wurden von der Bundesregierung in den letzten fünf Jahren gefördert, und in welchem Umfang? 21. Wie beurteilt die Bundesregierung den Einsatz von Daten und maschinellem Lernen, um die ärztliche Verschreibungspraxis von Antibiotika zu verbessern? 22. Welche regulatorischen Hürden sieht die Bundesregierung für den Einsatz von Daten und maschinellem Lernen zur Verbesserung der ärztlichen Verschreibungspraxis von Antibiotika? 23. Sieht die Bundesregierung die Notwendigkeit, Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung der akademischen, institutionellen und kommerziellen (Versorgungs-)Forschung zugänglich zu machen? Und wenn ja, wie, und in welchem Umfang? Berlin, den 17. Juli 2019 Christian Lindner und Fraktion Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de ISSN 0722-8333]

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