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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Treuhand
(insgesamt 26 Einzelfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium der Finanzen
Datum
29.08.2019
Antwortdauer
30 Tage
Aktualisiert
26.07.2022
Offizielle Quellen und Volltext
Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.
BT19/1205130.07.2019
Treuhand
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12051
19. Wahlperiode 30.07.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Matthias Höhn, Jan Korte, Dr. Gesine Lötzsch,
Lorenz Gösta Beutin, Heidrun Bluhm-Förster, Dr. Birke Bull-Bischoff,
Jörg Cezanne, Anke Domscheit-Berg, Dr. André Hahn, Kerstin Kassner,
Katja Kipping, Caren Lay, Sabine Leidig, Ralph Lenkert, Michael Leutert,
Amira Mohamed Ali, Norbert Müller (Potsdam), Thomas Nord, Petra Pau,
Sören Pellmann, Victor Perli, Ingrid Remmers, Martina Renner, Dr. Petra Sitte,
Kersten Steinke, Dr. Kirsten Tackmann, Andreas Wagner, Hubertus Zdebel,
Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE.
Treuhand
In Bezug auf die Schriftliche Frage 1 des Abgeordneter Dr. Dietmar Bartsch auf
Bundestagsdrucksache 19/11243 konnte die Bundesregierung aufgrund der
Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit keine vollständigen Angaben zu der Anzahl
der Akten machen, die die Treuhandanstalt bzw. Bundesanstalt für
vereinigungsbedingte Sonderaufgaben betreffen und in den Bundesministerien
beziehungsweise in deren Archiven liegen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Akten, die die Treuhandanstalt bzw. Bundesanstalt für
vereinigungsbedingte Sonderaufgaben betreffen, befinden sich noch in den
Bundesministerien beziehungsweise in deren Archiven (bitte die Anzahl der Akten
nach Bundesministerien aufschlüsseln)?
2. Wie viele dieser Treuhandakten, die sich noch in den Bundesministerien
beziehungsweise in deren Archiven befinden, sind als geheim eingestuft (bitte
nach Bundesministerien aufschlüsseln)?
3. Um welche Themen und Vorgänge geht es in den Treuhandakten, die sich
noch in den Bundesministerien beziehungsweise in deren Archiven befinden
(bitte Kurzbeschreibung je Bundesministerium angeben)?
4. Inwiefern hat das Bundesministerium der Finanzen die Aufsicht über die
Treuhandanstalt wahrgenommen, und ist das Bundesfinanzministerium
seiner politischen Verantwortung in Sachen Treuhandaufsicht aus heutiger
Sicht der Bundesregierung gerecht geworden?
5. In wie vielen Fällen hat das Bundesfinanzministerium Privatisierungs-
beziehungsweise Abwicklungsentscheidungen der Treuhandanstalt aufgrund
der ihm obliegenden Rechts- und Fachaufsicht korrigiert?
6. Wie viele Verkäufe der Treuhandanstalt bedurften aufgrund der
Bundeshaushaltsordnung (BHO) der Zustimmung des Bundesministers der Finanzen,
und in wie vielen Fällen hat der Bundesminister der Finanzen seine
Zustimmung nicht erteilt?
7. Bei welchen Verkäufen hat der Bundesminister der Finanzen seine
Zustimmung gegeben, und bei welchen nicht (bitte im Einzelnen aufschlüsseln)?
8. Wie viele Personen waren im Bundesfinanzministerium mit der
Treuhandaufsicht befasst?
9. Wie viele externe Beratungsfirmen hat die Treuhandanstalt beauftragt, und
wie hoch waren die Ausgaben der Treuhandanstalt für externe Beraterinnen
und Berater (bitte für die Jahre 1990 bis 1994 aufschlüsseln)?
10. Gab es Vorgaben des Bundesfinanzministeriums an die Treuhandanstalt, wie
Investitions- und Arbeitsplatzzusagen in Privatisierungsverträgen zu regeln
waren?
11. Wie hoch waren die Investitions- und Arbeitsplatzzusagen in allen
Privatisierungsverträgen, die die Treuhandanstalt abgeschlossen hat, und wie hoch
waren darunter die Investitions- und Arbeitsplatzzusagen, die vertraglich
einklagbar geregelt waren?
12. Wann werden alle Treuhandakten, die sich noch in den Bundesministerien
beziehungsweise in deren Archiven befinden, für die Wissenschaft im
Bundesarchiv zugänglich sein?
13. Ist die Bundesregierung bereit, die Treuhandakten, die sich noch in den
Bundesministerien beziehungsweise in deren Archiven befinden, dem Bundestag
zur Einsicht zu geben?
Wenn nein, warum nicht?
14. In welchem Jahr wird voraussichtlich die wissenschaftliche Einsichtnahme
aller 170 000 zu übernehmenden Akten (die eine 30-jährige Sperrfrist haben)
der Treuhandanstalt bzw. Bundesanstalt für vereinigungsbedingte
Sonderaufgaben und des Schriftgutes der liquidierten Betriebe (das in die
Zuständigkeit des Bundesarchivs fällt) im Bundesarchiv möglich sein?
15. In welchem Gesamtumfang fördert der Bund das Institut für Zeitgeschichte
München-Berlin zur Aufarbeitung der Treuhandanstalt?
16. Wann wird es die ersten Forschungsergebnisse des Instituts für
Zeitgeschichte München-Berlin geben, und wann wird der Abschlussbericht
vorliegen?
17. Gibt es in Deutschland einen durch den Bund unterstützten Ort, der an die
Treuhandanstalt erinnert?
Falls nein, plant die Bundesregierung, einen solchen Ort im 30. Jahr der
Deutschen Einheit zu schaffen, und falls nein, warum nicht?
18. Ist das Thema Treuhandanstalt Bestandteil der Planungen der
Regierungskommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“?
Falls nein, warum nicht?
19. Was plant die Bundesregierung, um im kommenden Jahr an den 30.
Jahrestag der Treuhand zu erinnern, und wie viele Mittel stehen dafür zur
Verfügung?
20. Ist die Treuhandanstalt nach Auffassung der Bundesregierung ihrem
gesetzlichen Auftrag, die Wettbewerbsfähigkeit möglichst vieler Unternehmen
herzustellen und somit Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, gerecht
geworden (bitte begründen)?
21. Bei etwa wie vielen Unternehmen hat die Treuhandanstalt die
Wettbewerbsfähigkeit hergestellt und Arbeitsplätze gesichert, und wie viele Arbeitsplätze
wurden neu geschaffen?
22. Wie hoch waren die Vergütungen der Präsidenten der Treuhandanstalt (bitte
einzeln angeben und nach Jahresgrundgehalt und Nebenleistungen
aufschlüsseln)?
23. Wie viele Mietwohnungen wurden seit 1990 durch die Treuhand-Tochter
TLG Immobilien AG privatisiert (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
24. Wie viele land- und forstwirtschaftliche Flächen sind noch im Besitz der
Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
25. Wie viele land- und forstwirtschaftliche Flächen hat die Bodenverwertungs-
und -verwaltungs GmbH (BVVG) in diesem Jahr privatisiert (bitte nach
Bundesländern aufschlüsseln)?
26. Wie viele Vermögensgegenstände befinden sich noch im Besitz der
Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS), und bis wann wird
die BvS aufgelöst?
Berlin, den 9. Juli 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
BT19/1283329.08.2019
auf die Kleine Anfrage - Drucksache 19/12051 - Treuhand
AntwortAntwort
Volltext (unformatiert)
[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 27. August 2019
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12833
19. Wahlperiode 29.08.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Höhn, Jan Korte,
Dr. Gesine Lötzsch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 19/12051 –
Treuhand
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In Bezug auf die Schriftliche Frage 1 des Abgeordneter Dr. Dietmar Bartsch auf
Bundestagsdrucksache 19/11243 konnte die Bundesregierung aufgrund der
Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit keine vollständigen Angaben zu der
Anzahl der Akten machen, die die Treuhandanstalt bzw. Bundesanstalt für
vereinigungsbedingte Sonderaufgaben betreffen und in den Bundesministerien
beziehungsweise in deren Archiven liegen.
1. Wie viele Akten, die die Treuhandanstalt bzw. Bundesanstalt für
vereinigungsbedingte Sonderaufgaben betreffen, befinden sich noch in den
Bundesministerien beziehungsweise in deren Archiven (bitte die Anzahl der Akten
nach Bundesministerien aufschlüsseln)?
2. Wie viele dieser Treuhandakten, die sich noch in den Bundesministerien
beziehungsweise in deren Archiven befinden, sind als geheim eingestuft (bitte
nach Bundesministerien aufschlüsseln)?
Die Fragen 1 und 2 werden zusammen beantwortet.
In den Bundesministerien beziehungsweise in deren Archiven wurden folgende
Bestände an Akten ermittelt, die die Treuhandanstalt bzw. Bundesanstalt für
vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) betreffen:
Ressort Umfang
Bundesministerium der Finanzen 186 Akten
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 55 Akten
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat 34 Akten
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz 12 Akten
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
nukleare Sicherheit
11 Akten
Bundesministerium für Gesundheit 2 Akten
Bundesministerium für Arbeit und Soziales 5 Akten
Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen
und Jugend
1 Akte
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur 5 Schriftstücke
Dieser Bestand enthält keine Akten, die im Sinne der
Verschlusssachenanweisung (VSA) als geheim eingestuft sind.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung vom 20. Juni 2019 auf die
Schriftliche Frage 115 des Abgeordneten Dr. Dietmar Bartsch auf
Bundestagsdrucksache 19/11243 verwiesen.
3. Um welche Themen und Vorgänge geht es in den Treuhandakten, die sich
noch in den Bundesministerien beziehungsweise in deren Archiven befinden
(bitte Kurzbeschreibung je Bundesministerium angeben)?
Die in den Akten enthaltenen Themen und Vorgänge sind in der Aufstellung in
der Anlage zusammengefasst.
4. Inwiefern hat das Bundesministerium der Finanzen die Aufsicht über die
Treuhandanstalt wahrgenommen, und ist das Bundesfinanzministerium
seiner politischen Verantwortung in Sachen Treuhandaufsicht aus heutiger
Sicht der Bundesregierung gerecht geworden?
Die Rechts- und Fachaufsicht über die Treuhandanstalt oblag gemäß Artikel 25
Einigungsvertrag dem Bundesminister der Finanzen, der die Fachaufsicht im
Einvernehmen mit dem Bundesminister für Wirtschaft und dem jeweils zuständigen
Bundesminister wahrnahm.
Im Rahmen der Rechtsaufsicht wird überprüft, ob die beaufsichtigte Behörde
rechtmäßig gehandelt hat. Die Fachaufsicht erstreckt sich auf die Überprüfung
der Zweckmäßigkeit des Handelns. Der Bundesminister der Finanzen hat die
Rechts- und Fachaufsicht über die Treuhandanstalt in ordnungsgemäßer Weise
wahrgenommen, vgl. hierzu den Bericht des 2. Untersuchungsausschusses
„Treuhandanstalt“ (Bundestagsdrucksache 12/8404, S. 45 ff., 91).
Das Bundesministerium der Finanzen war in erheblichem Maße bei der
Schaffung der Voraussetzungen für die Erledigung der vielfältigen Aufgaben der
Treuhandanstalt beteiligt und hat maßgebliche Grundlagen für die Tätigkeit der
Treuhandanstalt vorgegeben bzw. mitgestaltet. Dem Bundesministerium der Finanzen
oblagen die haushaltsrechtliche Überwachung, die Vorgabe von
Genehmigungserfordernissen, Zustimmungs-, Beteiligungsvorbehalten und Berichtspflichten,
die Abstimmung in grundsätzlichen Fragen sowie die Mitwirkung an wichtigen
Entscheidungsprozessen mittels Vertretung in den maßgeblichen Gremien. Vom
Bundesministerium der Finanzen wurden der Leitungsausschuss und der Kredit-
und Bürgschaftsausschuss eingesetzt.
Auch aus heutiger Sicht ist das Bundesministerium der Finanzen seiner rechts-
und fachaufsichtlichen Verantwortung umfassend gerecht geworden.
5. In wie vielen Fällen hat das Bundesfinanzministerium Privatisierungs-
beziehungsweise Abwicklungsentscheidungen der Treuhandanstalt aufgrund
der ihm obliegenden Rechts- und Fachaufsicht korrigiert?
6. Wie viele Verkäufe der Treuhandanstalt bedurften aufgrund der
Bundeshaushaltsordnung (BHO) der Zustimmung des Bundesministers der
Finanzen, und in wie vielen Fällen hat der Bundesminister der Finanzen seine
Zustimmung nicht erteilt?
7. Bei welchen Verkäufen hat der Bundesminister der Finanzen seine
Zustimmung gegeben, und bei welchen nicht (bitte im Einzelnen aufschlüsseln)?
Die Fragen 5 bis 7 werden zusammen beantwortet.
Nach den für die Treuhandanstalt geltenden Genehmigungsvorbehalten war für
jene Privatisierungsfälle die Zustimmung des Bundesministeriums der Finanzen
einzuholen, bei denen zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt waren:
Bilanzieller Zu- oder Abgang von mehr als 100 Mio. D-Mark, Umsatzerlöse von mehr als
300 Mio. D-Mark, Beschäftigung von mehr als 2 000 Arbeitnehmern. Die
Zustimmung erfolgte nach den Maßgaben der Bundeshaushaltsordnung sowie in
Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft. Soweit erforderlich
wurde die Zustimmung mit aufschiebenden Bedingungen und/oder mit Auflagen
erteilt.
Für alle übrigen Privatisierungsfälle galt hinsichtlich der haushaltsrechtlichen
Einwilligung nach § 65 BHO ein vereinfachtes Verfahren.
Eine Übersicht über sämtliche zur Genehmigung nach § 65 BHO vorgelegten
Vorgänge wurde im 2. Untersuchungsausschuss „Treuhandanstalt“ vorgelegt.
Die Übersicht ist dem Bericht des Untersuchungsausschusses als Anlage 13
beigefügt (Bundestagsdrucksache 12/8404).
8. Wie viele Personen waren im Bundesfinanzministerium mit der
Treuhandaufsicht befasst?
Im Bundesministerium der Finanzen war hauptsächlich die Abteilung VIII mit
der Rechts- und Fachaufsicht über die Treuhandanstalt befasst. Laut dem Bericht
des 2. Untersuchungsausschusses „Treuhandanstalt“ wurde die Abteilung
personell auf 80 Beschäftigte aufgestockt (Bericht des 2. Untersuchungsausschusses
„Treuhandanstalt“, Bundestagsdrucksache 12/8404, S. 49).
9. Wie viele externe Beratungsfirmen hat die Treuhandanstalt beauftragt, und
wie hoch waren die Ausgaben der Treuhandanstalt für externe Beraterinnen
und Berater (bitte für die Jahre 1990 bis 1994 aufschlüsseln)?
Es wird auf die Ausführungen im Bericht des 2. Untersuchungsausschusses
„Treuhandanstalt“ verwiesen (Bundestagsdrucksache 12/8404, S. 442 ff.).
Weitere Informationen liegen nicht vor.
10. Gab es Vorgaben des Bundesfinanzministeriums an die Treuhandanstalt, wie
Investitions- und Arbeitsplatzzusagen in Privatisierungsverträgen zu regeln
waren?
Gemeinsames Ziel von Bundesregierung und Treuhandanstalt war es, möglichst
viele Arbeitsplätze zu erhalten bzw. neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die konkrete
vertragliche Vereinbarung entsprechender Zusagen war Ergebnis der
Verhandlungen mit den Investoren.
11. Wie hoch waren die Investitions- und Arbeitsplatzzusagen in allen
Privatisierungsverträgen, die die Treuhandanstalt abgeschlossen hat, und wie hoch
waren darunter die Investitions- und Arbeitsplatzzusagen, die vertraglich
einklagbar geregelt waren?
Von den per 31. Dezember 1993 im Treuhandbereich festgestellten 1 487 000
Arbeitsplatzzusagen sind für rund 921 000 Arbeitsplätze einklagbare
Vereinbarungen (darunter rund 689 000 pönalisiert) geschlossen worden. Ergänzend wird auf
die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 12/7141 verwiesen sowie auf den Bericht des 2. Untersuchungsausschusses
„Treuhandanstalt“ (Bundestagsdrucksache 12/8404 S. 258 ff.).
Bezüglich der Investitionszusagen wird auf die Antwort zu Frage 21 verwiesen.
12. Wann werden alle Treuhandakten, die sich noch in den Bundesministerien
beziehungsweise in deren Archiven befinden, für die Wissenschaft im
Bundesarchiv zugänglich sein?
Es ist beabsichtigt, die noch im Bestand der Bundesministerien befindlichen
Akten gemäß den Vorgaben des Bundesarchivgesetzes (BArchG) in Verbindung mit
der Registraturrichtlinie des Bundes schrittweise dem Bundesarchiv zuzuführen.
Der Zugang zu diesen Akten richtet sich nach dem BArchG und sieht für das
Archivgut des Bundes grundsätzlich eine Schutzfrist von 30 Jahren vor.
13. Ist die Bundesregierung bereit, die Treuhandakten, die sich noch in den
Bundesministerien beziehungsweise in deren Archiven befinden, dem Bundestag
zur Einsicht zu geben?
Wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung erteilt im Rahmen des parlamentarischen
Auskunftsanspruches vollumfänglich Auskunft. Ein Akteneinsichtsrecht ist hiervon nicht umfasst.
14. In welchem Jahr wird voraussichtlich die wissenschaftliche Einsichtnahme
aller 170 000 zu übernehmenden Akten (die eine 30-jährige Sperrfrist haben)
der Treuhandanstalt bzw. Bundesanstalt für vereinigungsbedingte
Sonderaufgaben und des Schriftgutes der liquidierten Betriebe (das in die
Zuständigkeit des Bundesarchivs fällt) im Bundesarchiv möglich sein?
Das Bundesarchiv hat bisher knapp 25 500 Akten der Treuhandanstalt bzw. BvS
archivisch erschlossen. Die Erschließung der übrigen 144 500 Akten wird
voraussichtlich 2031 abgeschlossen sein.
Von den vorhandenen Schriftgutbeständen der liquidierten Betriebe konnten
bisher die Überlieferungen der Kunst und Antiquitäten GmbH (ca. 75 lfm), des
Staatlichen Kunsthandels (ca. 23 lfm) sowie des Bereichs Kommerzielle
Koordinierung (ca. 207 lfm) vollständig zugänglich gemacht werden. Begonnen wurde
mit der Bearbeitung des Schriftgutes der IMES GmbH, des Ingenieur-
Technischen Außenhandels und der Intrac GmbH. Die Bewertung und Erschließung
dieser und weiterer Archivgutbestände (v. a. KoKo- und Außenhandelsbetriebe)
wird noch ungefähr fünf Jahre in Anspruch nehmen.
15. In welchem Gesamtumfang fördert der Bund das Institut für Zeitgeschichte
München-Berlin zur Aufarbeitung der Treuhandanstalt?
Das Forschungsprojekt des Institutes für Zeitgeschichte München-Berlin zur
Aufarbeitung der Geschichte der Treuhandanstalt wird durch das Bundesministerium
der Finanzen im Wege einer Projektförderung mittels einer Zuwendung von
insgesamt rund 2,56 Mio. Euro unterstützt.
16. Wann wird es die ersten Forschungsergebnisse des Instituts für
Zeitgeschichte München-Berlin geben, und wann wird der Abschlussbericht
vorliegen?
Das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin präsentierte im I. Quartal 2019
auf zwei Workshops erste Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts zur
Geschichte der Treuhandanstalt. Zwei Tagungsbände sind hierzu in Arbeit und
werden voraussichtlich Ende 2019 bzw. im 1. Halbjahr 2020 erscheinen. Die derzeit
laufenden Einzelprojekte sollen am Ende der Projektlaufzeit in monographischen
Darstellungen abgeschlossen werden. Darüber hinaus ist ein themenbezogener
Abschlussband geplant, in dem zentrale Ergebnisse des Projekts gebündelt und
unter Berücksichtigung übergeordneter Fragestellungen publiziert werden sollen.
17. Gibt es in Deutschland einen durch den Bund unterstützten Ort, der an die
Treuhandanstalt erinnert?
Falls nein, plant die Bundesregierung, einen solchen Ort im 30. Jahr der
Deutschen Einheit zu schaffen, und falls nein, warum nicht?
Es gibt nach Kenntnis der Bundesregierung keinen Ort, der ausschließlich der
gesonderten Erinnerung an die Treuhandanstalt gewidmet ist. Das Hauptgebäude
des Bundesministeriums der Finanzen ist nach dem früheren Präsidenten der
Treuhandanstalt, Herrn Dr. Detlev Karsten Rohwedder, benannt und erinnert an
ihn. In dem Haus befindet sich eine Gedenkstätte, die Besuchern im Rahmen von
Führungen durch das Bundesministerium zugänglich ist.
18. Ist das Thema Treuhandanstalt Bestandteil der Planungen der
Regierungskommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“?
Falls nein, warum nicht?
Um die 30. Jahrestage von Friedlicher Revolution und Deutscher Einheit
angemessen zu begehen, hat die Bundesregierung eine Kommission „30 Jahre
Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ unter dem Vorsitz von
Ministerpräsident a. D. Matthias Platzeck und dem Co-Vorsitz von Christian Hirte,
Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und
Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder, einberufen. Die
Kommission ist unabhängig und beratend tätig und setzt sich aus 22 Persönlichkeiten
aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen.
Sie erarbeitet derzeit in einem intensiven Diskussionsprozess
Handlungsempfehlungen zur Ausgestaltung der Bausteine des Jubiläumskonzeptes. Eine
abschließende Meinungsbildung der Kommission liegt noch nicht vor.
19. Was plant die Bundesregierung, um im kommenden Jahr an den 30.
Jahrestag der Treuhand zu erinnern, und wie viele Mittel stehen dafür zur
Verfügung?
Es wird auf die Antwort zu Frage 18 verwiesen.
20. Ist die Treuhandanstalt nach Auffassung der Bundesregierung ihrem
gesetzlichen Auftrag, die Wettbewerbsfähigkeit möglichst vieler Unternehmen
herzustellen und somit Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen,
gerecht geworden (bitte begründen)?
Nach Auffassung der Bundesregierung ist die Treuhandanstalt ihrem gesetzlichen
Auftrag gerecht geworden, das ehemals volkseigene Vermögen nach den
Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft zu privatisieren und zu verwerten mit dem Ziel,
die Wettbewerbsfähigkeit möglichst vieler Unternehmen herzustellen und somit
Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen.
Die Treuhandanstalt hatte im Rahmen des Transformationsprozesses
umfangreiche und komplexe Aufgaben bei der Umstrukturierung der gesamten
Volkswirtschaft in den ostdeutschen Bundesländern zu bewältigen. Die Herausforderungen
für die Treuhandanstalt waren enorm. Die Kombinate und Unternehmen in der
DDR waren jahrzehntelang durch Planwirtschaft und staatliche Einflussnahme
geprägt. Strukturen mit ineffizienten Produktionsprozessen und hohen Kosten
hatten sich entwickelt, die Produktionsanlagen waren stark veraltet.
Mit Hilfe eines geregelten Privatisierungsprozesses sollten die Unternehmen
möglichst schnell mit dem erforderlichen Kapital und marktwirtschaftlichem
Know-how ausgestattet werden, um ihre Wettbewerbsfähigkeit und somit ihren
Fortbestand und den Erhalt der bzw. die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu
sichern.
Nicht wettbewerbsfähige Unternehmen oder Teile davon mussten jedoch auch
geschlossen werden. Dies bedeutete für viele Beschäftigte den Verlust ihres
Arbeitsplatzes.
Der größte Teil der Privatisierungen war bis zum Jahr 1994 abgeschlossen.
Im Ergebnis ihrer Tätigkeit hat die Treuhandanstalt die Grundlage für die
marktwirtschaftliche Entwicklung auf der Basis privater Unternehmen in den
ostdeutschen Bundesländern geschaffen. Die Bundesregierung sieht hierin rückblickend
einen wesentlichen Baustein des Transformationsprozesses.
Im Übrigen wird auf die Antworten zu den Fragen 11 und 21 verwiesen.
21. Bei etwa wie vielen Unternehmen hat die Treuhandanstalt die
Wettbewerbsfähigkeit hergestellt und Arbeitsplätze gesichert, und wie viele Arbeitsplätze
wurden neu geschaffen?
Bis zum 31. Dezember 1994 konnte die Treuhandanstalt nach Entflechtungen und
Stilllegungen über 15 000 Unternehmen und Betriebsteile privatisieren. Circa
4 500 Unternehmen bzw. Unternehmensteile wurden reprivatisiert. Durch
Arbeitsplatzzusagen in den Privatisierungsverträgen wurden 1,5 Millionen
Arbeitsplätze gesichert oder geschaffen. Eine Unterscheidung zwischen gesicherten und
neu geschaffenen Arbeitsplätzen ist nicht möglich. Die Arbeitsplatzzusagen
wurden nach dem Ergebnis der im Rahmen des Vertragsmanagements erfolgten
Überprüfung insgesamt eingehalten.
Darüber hinaus konnten bereits bis 1991 im Rahmen der sogenannten „kleinen
Privatisierung“ 25 000 Handelsgeschäfte, Gaststätten, Hotels etc. verkauft
werden. Bei wie vielen Unternehmen die Treuhandanstalt die volle
Wettbewerbsfähigkeit vor der Privatisierung hergestellt hat, ist nicht bekannt, denn die
Treuhandanstalt hat die Unternehmen in unterschiedlichem Zustand der
Wettbewerbsfähigkeit veräußert. Der Käufer bzw. Investor sollte privates Kapital,
Marktkenntnisse und modernes technologisches Know-how in das Unternehmen einbringen
und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens herstellen und sichern. In
den Verträgen wurden Investitionszusagen in Höhe von 211 Mrd. DM vereinbart
(vgl. hierzu „Materialien zur Deutschen Einheit und zum Aufbau in den neuen
Bundesländern“, Bundestagsdrucksache 13/2280 1995, S. 125).
22. Wie hoch waren die Vergütungen der Präsidenten der Treuhandanstalt (bitte
einzeln angeben und nach Jahresgrundgehalt und Nebenleistungen
aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen keine Unterlagen vor, die Auskunft über die Höhe
der Vergütungen der Präsidenten der Treuhandanstalt geben.
23. Wie viele Mietwohnungen wurden seit 1990 durch die Treuhand-Tochter
TLG Immobilien AG privatisiert (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Mit Wirkung zum 1. Januar 1995 wurden die liegenschaftsbezogenen Aufgaben
der Treuhandanstalt sowie die Geschäftsanteile an der Liegenschaftsgesellschaft
gemäß § 23a Absatz 1 Treuhandgesetz i. V. m. § 1 der Verordnung zur
Übertragung von liegenschaftsbezogenen Aufgaben und Liegenschaftsgesellschaften der
Treuhandanstalt (Treuhandliegenschaftsübertragungsverordnung – TreuhLÜV)
vom 20. Dezember 1994 auf das Bundesministerium der Finanzen übertragen.
Die liegenschaftsbezogenen Aufgaben wurden dann für das Bundesministerium
der Finanzen von der TLG Treuhand Liegenschaftsgesellschaft mbH
wahrgenommen. Die bundeseigenen Gesellschaften TLG Immobilien GmbH und TLG
Wohnen GmbH wurden Ende 2012 privatisiert. Die TLG Wohnen GmbH
verfügte zu diesem Zeitpunkt über rd. 11 350 Wohnungen. Bei Privatisierung sind
die Geschäftsunterlagen in den Unternehmen verblieben. Das Bundesministerium
der Finanzen hat auf diese Unterlagen keinen Zugriff.
24. Wie viele land- und forstwirtschaftliche Flächen sind noch im Besitz der
Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
Die am 31. Juli 2019 im Besitz der BVVG befindlichen land- und
forstwirtschaftlichen Flächen von insgesamt 117 051 Hektar verteilten sich auf die
Bundesländer wie folgt:
Bundesland Flächen
Mecklenburg-Vorpommern 39.810 ha
Brandenburg 36.180 ha
Sachsen-Anhalt 25.227 ha
Sachsen 8.695 ha
Thüringen 7.139 ha
Die Flächen stehen im wirtschaftlichen Eigentum der BvS.
25. Wie viele land- und forstwirtschaftliche Flächen hat die Bodenverwertungs-
und -verwaltungs GmbH (BVVG) in diesem Jahr privatisiert (bitte nach
Bundesländern aufschlüsseln)?
Die BVVG hat in der Zeit vom 2. Januar bis 31. Juli 2019 im Auftrag der BvS
land- und forstwirtschaftliche Flächen im Umfang von insgesamt 5 320 Hektar
privatisiert. Es entfallen auf:
Bundesland Flächen
Mecklenburg-Vorpommern 2.159 ha
Brandenburg 1.517 ha
Sachsen-Anhalt 1.125 ha
Sachsen 352 ha
Thüringen 168 ha
26. Wie viele Vermögensgegenstände befinden sich noch im Besitz der
Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS), und bis wann wird
die BvS aufgelöst?
Die BvS befindet sich seit dem 1. Januar 2004 in Abwicklung. Zur Abwicklerin
der BvS ist seit dem 1. Juli 2008 die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
bestellt.
Die BvS hat ihre Restaufgaben inzwischen weitestgehend erledigt. Sie ist nur
noch Rechts- und Vermögensträgerin und besitzt kein eigenes Personal mehr. Die
verbliebenen Restaufgaben nehmen unter dem Namen und auf Rechnung der BvS
geschäftsbesorgend andere Einrichtungen wahr. Die BvS ist noch
Gesellschafterin der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) und von 22
Gesellschaften in Liquidation/Gesamtvollstreckung. Die BVVG verwaltet und
verwertet für die BvS treuhänderisch das ehemals volkseigene land- und
forstwirtschaftliche Vermögen. Gemäß der im Jahr 2015 zwischen Bund und neuen
Bundesländern getroffenen Vereinbarung über die Streckung des
Privatisierungszeitraumes wird die BVVG das Veräußerungsgeschäft bis spätestens zum Ende des
Jahres 2030 erledigt haben.
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