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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Bundesjugendspiele attraktiver machen
(insgesamt 28 Einzelfragen)
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Datum
20.08.2019
Antwortdauer
19 Tage
Aktualisiert
26.07.2022
Offizielle Quellen und Volltext
Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.
BT19/1209301.08.2019
Bundesjugendspiele attraktiver machen
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12093
19. Wahlperiode 01.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Britta Katharina Dassler, Katharina Willkomm,
Stephan Thomae, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck,
Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz) ,
Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr,
Markus Herbrand, Katja Hessel, Manuel Höferlin, Dr. Christoph Hoffmann,
Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Gyde Jensen, Dr. Christian Jung,
Thomas L. Kemmerich, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic, Alexander Müller,
Bernd Reuther, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Matthias Seestern-Pauly,
Frank Sitta, Judith Skudelny, Bettina Stark-Watzinger, Michael Theurer,
Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich, Nicole Westig, und der Fraktion der FDP
Bundesjugendspiele attraktiver machen
Bewegung ist gut für die Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation weist, wie
zahlreiche andere Organisationen, darauf hin, dass Kinder und Jugendliche
gesundheitlich von regelmäßiger Bewegung profitieren (www.who.int/dietphysical
activity/factsheet_young_people/en/). Gleichzeitig stellen Untersuchungen wie
der DKV-Report (DKV = Deutsche Krankenversicherung Aktiengesellschaft)
2018 („Wie gesund lebt Deutschland?“) fest: „Der Anteil der Befragten, die die
Mindestempfehlungen für körperliche Aktivität in den Lebens-bereichen Arbeit,
Transport und Freizeit erreichen, nimmt weiter ab“ (www.ergo.com/-/media/
ergocom/pdf-mediathek/studien/dkv-report-2018/dkv-report-2018.pdf?la=de&
hash=C83A66CFE70E58BE499C8B57D0A0F699B0CED4FA).
Fraglich ist, ob und wie diese Entwicklung gedreht werden kann. Ein wichtiger
Baustein wäre die Stärkung des Sportunterrichts, der aufgrund begrenzter
Budgetmöglichkeiten in den Landeshaushalten und teilweisem Mangel an
Lehrkräften nach Ansicht der Fragesteller viel zu häufig nur stiefmütterlich behandelt
wird. Daneben könnten eine der vielen Stellschrauben, um dieses Ziel
staatlicherseits zu unterstützen, die Bundesjugendspiele sein, die unter anderem vom
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zur Relation von
durchgeführten Bundesjugendspielen und der Entwicklung der Gesundheitswerte von
Kindern und Jugendlichen?
2. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn
Jahren die jährlichen Zahlen der in Deutschland durchgeführten
Bundesjugendspiele entwickelt (bitte im Folgenden für diese und alle folgenden Fragen
differenziert a) für die Wettbewerbe Leichtathletik, Turnen und Schwimmen,
b) nach Bundesländern und c) im Verhältnis zur Zahl der
durchführungspflichtigen Schulen pro Bundesland darstellen)?
3. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn
Jahren die Zahlen der daran teilnehmenden Kinder und Jugendlichen entwickelt
(bitte in absoluten Zahlen pro Bundesland sowie prozentual im Vergleich zu
den teilnahmepflichtigen Kindern und Jugendlichen pro Bundesland
darstellen)?
4. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
das zahlenmäßige Verhältnis an der Teilnahme zwischen Mädchen und
Jungen entwickelt, und wird darüber hinaus Kindern und Jugendlichen, die sich
keiner dieser beiden Geschlechter zugehörig empfinden, ermöglicht, unter
einer dritten Option (z. B. „divers“ oder „keine Angabe“) erfasst zu werden?
5. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
die Zahl der vergebenen Siegerurkunden entwickelt?
6. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
die Zahl der vergebenen Ehrenurkunden entwickelt?
7. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
die Teilnahme von Personen mit körperlicher Behinderung bei
Bundesjugendspielen entwickelt (bitte nach Bundesländern aufgeschlüsselt und in
absoluten Zahlen angeben)?
8. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
die Teilnahme von Personen mit geistiger Behinderung bei
Bundesjugendspielen entwickelt (bitte nach Bundesländern aufgeschlüsselt und in
absoluten Zahlen angeben)?
9. Sollte in Bezug auf die Fragen 7 und 8 die Teilnahmezahlen von Personen
mit Behinderung zurückgegangen sein, sieht die Bundesregierung eine
Ursache dafür darin, dass eine adäquate Inklusion im regulären Sportunterricht
noch nicht in ausreichendem Maße verwirklicht wurde, und welche
Maßnahmen gedenkt die Bundesregierung einzuleiten, um diesen Missstand
gegebenenfalls zu beheben?
10. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
in Zahlen die Teilnahme von Flüchtlingen bei Bundesjugendspielen
entwickelt?
11. Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen der
Kultusministerkonferenz (KMK) Programme zur Fortbildung von Sportlehrern an
Regelschulen im Bereich der sportlichen Inklusion im Allgemeinen und
insbesondere im Zusammenhang mit den Bundesjungendspielen thematisiert, und
liegen nach Kenntnis der Bundesregierung hierzu Beschlüsse der KMK vor?
12. Unterstützt die Bundesregierung Maßnahmen zur Fortbildung insbesondere
von Sportlehrern im Bereich des inklusiven Sportes, beispielsweise im
Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung?
13. Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, ob und
gegebenenfalls in welchem Umfang aufgrund maroder Sportstätten wie
Schwimmhallen oder Leichtathletik-Anlagen in den Gemeinden die Durchführung von
Wettkämpfen der Bundesjugendspiele oder das Training für diese
Wettkämpfe nicht durchgeführt werden konnte, bzw. ob und in welchem Umfang
von den Kindern und Jugendlichen immer weitere Entfernungen in Kauf zu
nehmen sind, um zu intakten Sportstätten zu gelangen?
14. In welchem Umfang und in welcher Form findet nach Kenntnis der
Bundesregierung eine Einbindung von Vereinen in die Planung und Durchführung
von Bundesjugendspielen statt?
15. Wie hat sich diese Einbindung von Vereinen in die Planung und
Durchführung von Bundesjugendspielen nach Kenntnis der Bundesregierung in den
letzten zehn Jahren entwickelt?
16. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über das Verhältnis zu den im
Rahmen von Bundesjugendspielen angebotenen Sportarten und der
Nachfrage dieser Sportarten bei den örtlichen Sportvereinen?
17. Wie bewertet die Bundesregierung den Ansatz, das Angebot
unterschiedlicher Sportarten, in denen Bundesjugendspielen durchgeführt werden
können, auszuweiten?
18. Könnte aus Sicht der Bundesregierung die Attraktivität von
Bundesjugendspielen bei Kindern und Jugendlichen durch das Angebot anderer Sportarten
als den bisherigen erhöht werden?
19. Wie bewertet es die Bundesregierung, sich dabei am Kanon der olympischen
Sportarten zu orientieren?
20. Wie bewertet die Bundesregierung die Einführung von Bundesjugendspielen
im E-Sport, und hat sie Kenntnis von konkreten Planungen der Länder dazu?
21. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zur Einbettung der
Bundesjugendspiele in den Schulunterricht?
22. Wie bewertet die Bundesregierung den Ansatz, Bundesjugendspiele über die
Durchführung hinaus in den Schulunterricht einzuführen (beispielsweise im
Sinne einer Verbindung mit der Erklärung von
Sauerstoffsättigungsprozessen im Biologieunterricht oder Flugbahnberechnungen im
Mathematikunterricht)?
23. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über eine Verbindung der
Durchführung von Bundesjugendspielen mit dem Schulunterricht zu
Ernährungsfragen, und wie bewertet sie solch einen Ansatz?
24. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Digitalisierung der
Bundesjugendspiele, etwa durch Einbindung digitaler Tools für die
Durchführung einzelner Bundesjugendspiele oder der Durchführung ganzer
Bundesjugendwettbewerbe als Fernwettbewerbe zwischen weit entfernten
Partnerschulen?
25. In welcher Form (z. B. monetär, organisatorisch oder ideell) gestaltet sich
die Mitwirkung der Bundesregierung an den Bundesjugendspielen?
26. Welche jährlichen Summen hat das Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (oder gegebenenfalls andere Bundesministerien) in
den letzten zehn Jahren für die Förderung von Bundesjugendspielen
bereitgestellt?
27. Wofür sind diese Mittel im Einzelnen in den letzten zehn Jahren ausgegeben
worden?
28. Wie viele Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter in welchen Bundesministerien
sind thematisch mit den Bundesjugendspielen befasst?
Berlin, den 17. Juli 2019
Christian Lindner und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
BT19/1251620.08.2019
auf die Kleine Anfrage - Drucksache 19/12093 - Bundesjugendspiele attraktiver machen
AntwortAntwort
Volltext (unformatiert)
[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend vom 15. August 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12516
19. Wahlperiode 20.08.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Britta Katharina Dassler,
Katharina Willkomm, Stephan Thomae, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/12093 –
Bundesjugendspiele attraktiver machen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Bewegung ist gut für die Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation weist,
wie zahlreiche andere Organisationen, darauf hin, dass Kinder und
Jugendliche gesundheitlich von regelmäßiger Bewegung profitieren (www.who.int/
dietphysicalactivity/factsheet_young_people/en/). Gleichzeitig stellen
Untersuchungen wie der DKV-Report (DKV = Deutsche Krankenversicherung
Aktiengesellschaft) 2018 („Wie gesund lebt Deutschland?“) fest: „Der Anteil der
Befragten, die die Mindestempfehlungen für körperliche Aktivität in den
Lebensbereichen Arbeit, Transport und Freizeit erreichen, nimmt weiter ab“
(www.ergo.com/-/media/ergocom/pdf-mediathek/studien/dkv-report-2018/
dkv-report-2018.pdf?la=de&hash=C83A66CFE70E58BE499C8B57D0A0F6
99B0CED4FA).
Fraglich ist, ob und wie diese Entwicklung gedreht werden kann. Ein wichtiger
Baustein wäre die Stärkung des Sportunterrichts, der aufgrund begrenzter
Budgetmöglichkeiten in den Landeshaushalten und teilweisem Mangel an
Lehrkräften nach Ansicht der Fragesteller viel zu häufig nur stiefmütterlich behandelt
wird. Daneben könnten eine der vielen Stellschrauben, um dieses Ziel
staatlicherseits zu unterstützen, die Bundesjugendspiele sein, die unter anderem vom
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert werden.
1. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zur Relation von
durchgeführten Bundesjugendspielen und der Entwicklung der Gesundheitswerte von
Kindern und Jugendlichen?
Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland
(KiGGS Welle 2, 2014 bis 2017) schätzen Eltern den allgemeinen
Gesundheitszustand ihrer 3- bis 17-jährigen Kinder zu 95,7 Prozent als sehr gut oder gut ein.
Dieser Anteil ist in allen Altersgruppen höher als bei der KiGGS-Basiserhebung.
Der Anteil von Kindern, für die eine sehr gute Gesundheit angegeben wird, ist für
die Altersgruppe der 3- bis 6-Jährigen am höchsten und sinkt mit zunehmendem
Alter. Bei 14- bis 17-Jährigen liegt der Anteil der Mädchen mit sehr guter
Gesundheit deutlich unter dem der Jungen. Hinsichtlich des Bewegungsverhaltens
zeigt sich, dass 22,4 Prozent der Mädchen und 29,4 Prozent der Jungen
mindestens 60 Minuten pro Tag körperlich aktiv sind und erreichen damit die
Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Rund 71 Prozent der
Mädchen und über 75 Prozent der Jungen geben an, überhaupt Sport zu treiben. Die
KiGGS lässt jedoch keine Relationen zwischen den Gesundheitswerten von
Kindern und Jugendlichen und den Bundesjugendspielen zu.
Dem Statistischen Bundesamt (destatis) liegen keine Daten vor, die im Rahmen
der Beantwortung dieser Kleinen Anfrage berücksichtigt werden könnten.
2. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn
Jahren die jährlichen Zahlen der in Deutschland durchgeführten
Bundesjugendspiele entwickelt (bitte im Folgenden für diese und alle folgenden Fragen
differenziert a) für die Wettbewerbe Leichtathletik, Turnen und Schwimmen,
b) nach Bundesländern und c) im Verhältnis zur Zahl der
durchführungspflichtigen Schulen pro Bundesland darstellen)?
Die Bundesjugendspiele sind Schulsportveranstaltungen und unterliegen
aufgrund der vom Grundgesetz vorgegebenen föderalen Struktur der Bundesrepublik
Deutschland den Länderhoheiten. Der Bund hat keine Gestaltungsbefugnis im
Hinblick auf Organisation und Durchführung der Bundesjugendspiele.
Gemäß Beschluss der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder
(KMK) vom 26. Oktober 1979 in der Fassung vom 12. September 2013 sind die
Bundesjugendspiele für alle Schülerinnen und Schüler bis zum 10. Schuljahr
verbindlich. Die Bundesländer sind nicht verpflichtet, statistische Erhebungen zu den
Bundesjugendspielen durchzuführen. Das Regelwerk sieht eine Berichtspflicht
durch die Schulen vor. Diese erfolgt durch Übersendung von Berichtsbögen an
die für die jeweiligen Schulen zuständigen Schulaufsichtsbehörden.
Eine Berichtspflicht gegenüber dem Bund besteht nicht. Deshalb verfügt die
Bundesregierung nicht über Daten oder statistische Zahlen im Zusammenhang mit der
Durchführung der Bundesjugendspiele.
3. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn
Jahren die Zahlen der daran teilnehmenden Kinder und Jugendlichen entwickelt
(bitte in absoluten Zahlen pro Bundesland sowie prozentual im Vergleich zu
den teilnahmepflichtigen Kindern und Jugendlichen pro Bundesland
darstellen)?
Es wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
4. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
das zahlenmäßige Verhältnis an der Teilnahme zwischen Mädchen und
Jungen entwickelt, und wird darüber hinaus Kindern und Jugendlichen, die sich
keiner dieser beiden Geschlechter zugehörig empfinden, ermöglicht, unter
einer dritten Option (z. B. „divers“ oder „keine Angabe“) erfasst zu werden?
Zum zahlenmäßigen Verhältnis der an den Bundesjugendspielen teilnehmenden
Mädchen und Jungen liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
In Umsetzung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober
2017 (1 BvR 2019/16) wurde mit dem Gesetz zur Änderung der in das
Geburtenregister einzutragenden Angaben, das seit dem 22. Dezember 2018 in Kraft ist,
eine zusätzliche Eintragungsmöglichkeit für Personen eingeführt, die eine
Variante der Geschlechtsentwicklung aufweisen. Diese Menschen können nach
Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung auch den Geschlechtseintrag „divers“
wählen.
Personen mit dem Eintrag „divers“ haben deshalb einen Anspruch darauf, ihrem
Geschlechtseintrag entsprechend erfasst zu werden. In einigen bundesweiten
Statistiken wird dies schon umgesetzt. So wird in der Statistik der Geburten seit
Beginn des Jahres 2019 beim Geschlecht nach „männlich“, „weiblich“, „keine
Angabe“ und „divers“ unterschieden. Bei den statistischen Erhebungen, die sich
unmittelbar an die befragten Personen richten, wird sukzessive das Merkmal
„divers“ eingeführt.
Mit der Möglichkeit, auch den Geschlechtseintrag „divers“ und den sogenannten
offenen Geschlechtseintrag („keine Angabe“) zu erfassen, wird sich der
Ausschuss für die Bundesjugendspiele in seiner nächsten Sitzung befassen.
5. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
die Zahl der vergebenen Siegerurkunden entwickelt?
6. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
die Zahl der vergebenen Ehrenurkunden entwickelt?
7. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
die Teilnahme von Personen mit körperlicher Behinderung bei
Bundesjugendspielen entwickelt (bitte nach Bundesländern aufgeschlüsselt und in
absoluten Zahlen angeben)?
8. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
die Teilnahme von Personen mit geistiger Behinderung bei
Bundesjugendspielen entwickelt (bitte nach Bundesländern aufgeschlüsselt und in
absoluten Zahlen angeben)?
Die Fragen 5 bis 8 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Es wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
9. Sollte in Bezug auf die Fragen 7 und 8 die Teilnahmezahlen von Personen
mit Behinderung zurückgegangen sein, sieht die Bundesregierung eine
Ursache dafür darin, dass eine adäquate Inklusion im regulären Sportunterricht
noch nicht in ausreichendem Maße verwirklicht wurde, und welche
Maßnahmen gedenkt die Bundesregierung einzuleiten, um diesen Missstand
gegebenenfalls zu beheben?
Die Gestaltung von Unterricht und die Umsetzung inklusiven Unterrichts fallen
in den alleinigen Zuständigkeitsbereich der Länder.
10. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
in Zahlen die Teilnahme von Flüchtlingen bei Bundesjugendspielen
entwickelt?
Es wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
11. Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen der
Kultusministerkonferenz (KMK) Programme zur Fortbildung von Sportlehrern an
Regelschulen im Bereich der sportlichen Inklusion im Allgemeinen und
insbesondere im Zusammenhang mit den Bundesjungendspielen thematisiert, und
liegen nach Kenntnis der Bundesregierung hierzu Beschlüsse der KMK vor?
Mit der Einführung eines Angebots für Schülerinnen und Schüler mit
Behinderung im Jahr 2009 wurden die Bundesjugendspiele bewusst im Sinne der
sportlichen Inklusion geöffnet.
Die Kultusministerkonferenz hat sich im Rahmen der Umsetzungsprozesse der
inklusiven Bildung in den Ländern in ihren Beschlüssen auch mit Fragen des
inklusiven Schulsports und der dafür notwendigen Lehramtsausbildung beschäftigt.
12. Unterstützt die Bundesregierung Maßnahmen zur Fortbildung insbesondere
von Sportlehrern im Bereich des inklusiven Sportes, beispielsweise im
Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung?
Eine Reihe von Projekten der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“, die vom Bund
bis Ende 2023 mit bis zu 500 Mio. Euro gefördert wird, hat es sich zum Ziel
gesetzt, die Qualität der Sportlehrerausbildung auch in den Themenbereichen des
inklusiven Sports zu verbessern. Beispielhaft wird hier auf die Projekte an den
Universitäten in Augsburg, Bayreuth, Kassel, Rostock und Duisburg-Essen
verwiesen. Weitere Informationen können den Publikationen „Perspektiven für eine
gelingende Inklusion. Beiträge der ‚Qualitätsoffensive Lehrerbildung‘ für
Forschung und Praxis“ (2018) und „Perspektiven für eine gelingende Inklusion.
Materialien und Veröffentlichungen aus Projekten der ‚Qualitätsoffensive
Lehrerbildung‘“ (2019) entnommen werden.
13. Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, ob und
gegebenenfalls in welchem Umfang aufgrund maroder Sportstätten wie
Schwimmhallen oder Leichtathletik-Anlagen in den Gemeinden die Durchführung von
Wettkämpfen der Bundesjugendspiele oder das Training für diese
Wettkämpfe nicht durchgeführt werden konnte, bzw. ob und in welchem Umfang
von den Kindern und Jugendlichen immer weitere Entfernungen in Kauf zu
nehmen sind, um zu intakten Sportstätten zu gelangen?
14. In welchem Umfang und in welcher Form findet nach Kenntnis der
Bundesregierung eine Einbindung von Vereinen in die Planung und Durchführung
von Bundesjugendspielen statt?
15. Wie hat sich diese Einbindung von Vereinen in die Planung und
Durchführung von Bundesjugendspielen nach Kenntnis der Bundesregierung in den
letzten zehn Jahren entwickelt?
16. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über das Verhältnis zu den im
Rahmen von Bundesjugendspielen angebotenen Sportarten und der
Nachfrage dieser Sportarten bei den örtlichen Sportvereinen?
Die Fragen 13 bis 16 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Bundesregierung liegen keine Informationen zu den Fragestellungen vor.
17. Wie bewertet die Bundesregierung den Ansatz, das Angebot
unterschiedlicher Sportarten, in denen Bundesjugendspielen durchgeführt werden
können, auszuweiten?
Die Bundesjugendspiele werden als Individualwettbewerb in den drei
Grundsportarten Geräteturnen, Leichtathletik und Schwimmen ausgeschrieben. Sie
gliedern sich in die drei Angebotsformen Wettbewerb, Wettkampf und
Mehrkampf. Das Konzept der Bundesjugendspiele enthält damit sowohl die
Wahlmöglichkeit zwischen den drei Sportarten als auch zwischen den drei verschiedenen
Angebotsformen.
Das Regelwerk der Bundesjugendspiele hat sich als Bestandteil einer modernen
Sportpraxis bewährt. Es eröffnet den Schulen vielfältige
Gestaltungsmöglichkeiten und gibt den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit, bei einem gemeinsamen
Sportfest Freude an der Bewegung zu entwickeln, ihre Leistungen zu messen und
im Rahmen ihrer Schulen und Klassen Gemeinschaft zu erleben. Auf diese Weise
bieten die Bundesjugendspiele Kindern und Jugendlichen einen wichtigen
Mehrwert: Sie fördern die Bewegung und sind damit ein wichtiger Ausgleich zum
täglichen Sitzen im Schulunterricht. Zugleich ist der Sport ein wichtiger Faktor zur
Förderung der kognitiven Leistungsfähigkeit.
Die Bundesjugendspiele sind ständig weiterentwickelt und den Bedürfnissen und
Erwartungen heutiger Schülergenerationen angepasst worden. Junge Menschen
wollen mitgestalten und ihre eigenen Vorstellungen einbringen. Bei den
Bundesjugendspielen können sich Schülerinnen und Schüler u. a. bei der Organisation
engagieren und Verantwortung übernehmen.
Die Bundesjugendspiele sind auch heute noch attraktiv. Für eine Ausweitung der
angebotenen Sportarten besteht aus Sicht der Bundesregierung kein Bedarf.
18. Könnte aus Sicht der Bundesregierung die Attraktivität von
Bundesjugendspielen bei Kindern und Jugendlichen durch das Angebot anderer Sportarten
als den bisherigen erhöht werden?
19. Wie bewertet es die Bundesregierung, sich dabei am Kanon der olympischen
Sportarten zu orientieren?
Die Fragen 18 und 19 werden gemeinsam beantwortet.
Es wird auf die Antwort zu Frage 17 verwiesen.
20. Wie bewertet die Bundesregierung die Einführung von Bundesjugendspielen
im E-Sport, und hat sie Kenntnis von konkreten Planungen der Länder dazu?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über konkrete Planungen zur
Einführung von Bundesjugendspielen im E-Sport vor.
Die Bundesregierung wird die Entwicklung des E-Sports jedoch weiterhin im
unmittelbaren und konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten begleiten und
betrachtet den E-Sport weiter als Möglichkeit, einen Beitrag für die Entwicklung von
Kindern und Jugendlichen zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen
Persönlichkeiten zu leisten.
21. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zur Einbettung der
Bundesjugendspiele in den Schulunterricht?
22. Wie bewertet die Bundesregierung den Ansatz, Bundesjugendspiele über die
Durchführung hinaus in den Schulunterricht einzuführen (beispielsweise im
Sinne einer Verbindung mit der Erklärung von
Sauerstoffsättigungsprozessen im Biologieunterricht oder Flugbahnberechnungen im
Mathematikunterricht)?
23. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über eine Verbindung der
Durchführung von Bundesjugendspielen mit dem Schulunterricht zu
Ernährungsfragen, und wie bewertet sie solch einen Ansatz?
Die Fragen 21 bis 23 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Es wird auf die Antwort zu Frage 9 verwiesen.
24. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Digitalisierung der
Bundesjugendspiele, etwa durch Einbindung digitaler Tools für die
Durchführung einzelner Bundesjugendspiele oder der Durchführung ganzer
Bundesjugendwettbewerbe als Fernwettbewerbe zwischen weit entfernten
Partnerschulen?
Die Digitalisierung spielt eine zunehmend größere Rolle bei der Vorbereitung
und Organisation der Bundesjugendspiele. Alle aktuellen Informationen zu den
Bundesjugendspielen können unter www.bundesjugendspiele.de abgerufen
werden. Zur Unterstützung der Schulen und Sportvereine stehen im Internet ein
Handbuch mit dem Regelwerk, ein Online-Auswertungs-tool sowie eine
Auswertungs-App für mobile Endgeräte zur Verfügung. Die Durchführung von
Bundesjugendspielen in der Form von Fernwettbewerben zwischen Partnerschulen ist
nach dem Konzept der Bundesjugendspiele und dem aktuellen Regelwerk nicht
vorgesehen.
25. In welcher Form (z. B. monetär, organisatorisch oder ideell) gestaltet sich
die Mitwirkung der Bundesregierung an den Bundesjugendspielen?
Die Bundesjugendspiele werden jährlich für alle Schulen und Vereine
ausgeschrieben. Sie werden federführend durch den Ausschuss für die
Bundesjugendspiele unter Beteiligung des BMFSFJ, der Kommission Sport der Ständigen
Konferenz der Kultusminister der Länder, des Deutschen Olympischen
Sportbundes/der Deutschen Sportjugend, des Deutschen Behindertensportverbandes/der
Deutschen Behindertensportjugend, des Deutschen Leichtathletik-Verbandes,
des Deutschen Turner-Bundes und des Deutschen Schwimm-Verbandes betreut.
Die Bundesregierung ist durch das BMFSFJ im Ausschuss für die
Bundesjugendspiele vertreten und unterstützt die Durchführung der Bundesjugendspiele durch
die Betreuung der Bundesjugendspiel-Website, den Support für das Online-
Auswertungsprogramm sowie durch den Druck der Urkunden.
26. Welche jährlichen Summen hat das Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (oder gegebenenfalls andere Bundesministerien) in
den letzten zehn Jahren für die Förderung von Bundesjugendspielen
bereitgestellt?
27. Wofür sind diese Mittel im Einzelnen in den letzten zehn Jahren ausgegeben
worden?
Die Fragen 26 und 27 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Für den Druck von Urkunden für die Bundesjugendspiele, die Betreuung der
Website und für den Support für das Auswertungsprogramm hat das BMFSFJ in
den Jahren 2009 bis 2018 die nachstehend genannten Haushaltsmittel zur
Verfügung gestellt. Die Zahlen können nicht nach Bereichen differenziert werden. Die
Kosten für den Druck der Urkunden differieren aufgrund der wechselnden
Vorratshaltung der berechtigten Verteilstellen in den Ländern und der
Erforderlichkeit eines Neudrucks von Urkunden beim Wechsel des Bundespräsidenten zum
Teil erheblich:
Fördersummen für die Bundesjugendspiele in den Jahren 2009 bis 2018
2009 62.130,64 €
2010 129.143,13 €
2011 186.752,65 €
2012 353.804,01 €
2013 8.496,60 €
2014 92.653,40 €
2015 39.644,95 €
2016 85.855,38 €
2017 249.701,43 €
2018 172.580,91 €
28. Wie viele Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter in welchen Bundesministerien
sind thematisch mit den Bundesjugendspielen befasst?
Innerhalb der Bundesregierung sind drei Beschäftigte des BMFSFJ thematisch
mit den Bundesjugendspielen befasst. Der jeweilige Anteil an der
Gesamtarbeitszeit der Beschäftigten ist nicht quantifizierbar.
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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