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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Mengenmäßiger Grundwasserzustand und Nutzungskonkurrenzen
(insgesamt 25 Einzelfragen)
Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ressort
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Datum
27.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1209801.08.2019
Mengenmäßiger Grundwasserzustand und Nutzungskonkurrenzen
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12098
19. Wahlperiode 01.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Bettina Hoffmann, Steffi Lemke, Oliver Krischer,
Friedrich Ostendorff, Annalena Baerbock, Matthias Gastel, Sylvia Kotting-Uhl,
Stephan Kühn (Dresden), Renate Künast, Markus Tressel, Dr. Julia Verlinden,
Gerhard Zickenheiner und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Mengenmäßiger Grundwasserzustand und Nutzungskonkurrenzen
Deutschland gilt als wasserreiches Land, aber auch hierzulande nimmt der
Nutzungsdruck auf die vorhandenen Wasserressourcen immer weiter zu. Durch die
zunehmend trockenen Sommer und durch die Klimakrise verursachten, lange
andauernden Hitzeperioden ohne Niederschlag wie im Hitzesommer 2018 steigt
insbesondere der Wasserbedarf für die landwirtschaftliche Beregnung. Auch das
Umweltbundesamt (UBA) weist auf steigenden Nutzungsdruck für
Wasserressourcen hin (www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/
umweltbundesamtwarnt-wird-in-deutschland-das-trinkwasser-knapp-16269722.html). Ohne Regen
kann der Wasserbedarf der Pflanzen nicht mehr gedeckt werden. Gleichzeitig
verhindert ausbleibender Regen eine ausreichende Neubildung von Grundwasser.
Wasserentnahme und Grundwasserneubildung sind dann nicht mehr im
Gleichgewicht.
Im heißen und trockenen Juni 2019 haben einzelne Kommunen und
Landkreise in Deutschland bereits temporäre Trinkwasserknappheit gemeldet. Die
öffentliche Trinkwasserversorgung steht in Hitzeperioden insbesondere in
Nutzungskonkurrenz zur landwirtschaftlichen Beregnung. Aber auch die
Grundwasserentnahme für die Gewinnung von Mineralwasser kann lokal eine
Nutzungskonkurrenz zur öffentlichen Trinkwasserversorgung darstellen (vgl. www.sued
deutsche.de/wirtschaft/wem-gehoert-das-wasser-1.4486560).
Nutzungskonflikte um die wertvolle Ressource Wasser, die lokal auch in
Deutschland bereits auftreten, verdeutlichen, dass auch der mengenmäßige
Schutz des Wassers wieder stärker in den politischen Fokus rücken muss.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung den mengenmäßigen Zustand des
Grundwassers in Deutschland, und wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung
der Anteil der Grundwasserkörper, die entsprechend der Vorgaben der
Europäischen Wasserrahmenrichtlinie nicht in einem mengenmäßig guten
Zustand sind (bitte Angaben dazu, wo die Grundwasserkörper liegen, die nicht
in einem mengenmäßig guten Zustand sind, machen)?
2. Welchen Einfluss hatte nach Kenntnis der Bundesregierung die anhaltende
Dürreperiode von April bis Oktober 2018 auf die Grundwasserneubildung in
Deutschland, und wie hat sich der mengenmäßige Zustand des Grundwassers
dadurch verändert (bitte nach Entwicklung in den Bundesländern
aufschlüsseln)?
3. Welche mittel- bis langfristigen Auswirkungen der Klimakrise auf die
Grundwasserneubildung in Deutschland sind nach Kenntnis der
Bundesregierung zu erwarten, und welche Regionen in Deutschland sind nach
Kenntnis der Bundesregierung bereits jetzt besonders von anhaltender Trockenheit
und geringen Grundwasserneubildungsraten betroffen?
4. Welche Auswirkungen einer Verschlechterung des mengenmäßigen
Zustands des Grundwassers auf den chemischen Zustand der
Grundwasserkörper sind nach Kenntnis der Bundesregierung zu befürchten bzw. bereits zu
beobachten?
5. Welche Auswirkungen einer Verschlechterung des mengenmäßigen
Zustands des Grundwassers auf grundwasserabhängige Lebensräume wie
Niedermoore und Quellbereiche sind nach Kenntnis der Bundesregierung zu
befürchten bzw. bereits zu beobachten, und welche Klimaeffekte können diese
Entwicklungen haben?
6. Welche konkreten Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um einen
guten mengenmäßigen Zustand des Grundwassers zu erhalten bzw. einen
guten mengenmäßigen Zustand des Grundwassers herzustellen, und inwieweit
sind nach Ansicht der Bundesregierung angesichts zunehmender
Dürreperioden weitere Anstrengungen notwendig, um einen guten mengenmäßigen
Zustand des Grundwassers zu erhalten bzw. einen guten mengenmäßigen
Zustand des Grundwassers herzustellen?
7. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die jährliche
Wasserentnahme in Deutschland, und wie hat sich Wasserentnahme in den letzten
20 Jahren entwickelt?
8. Wie hoch ist jeweils der Anteil der Wasserentnahme für die öffentliche
Wasserversorgung, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe, Wärme- und
Elektrizitätskraftwerke, landwirtschaftliche Beregnung, und wie haben sich die
Anteile in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte jeweils nach Entnahme
aus Grund- und Oberflächenwasser aufschlüsseln)?
9. Welche Mengen an Wasser werden nach Kenntnis der Bundesregierung
jährlich für die landwirtschaftliche Beregnung benötigt, und wie haben sich die
Mengen in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte nach Entnahme
Oberflächenwasser und Grundwasser aufschlüsseln)?
10. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Wasserentnahme aus
Grundwasser oder Oberflächengewässern für die landwirtschaftliche Beregnung
während des Dürresommers 2018 (Zeitraum vom 1. April bis zum 30.
September) oder dem trockenen Juni 2019 gestiegen?
a) Wie hat sich die Entnahme im Vergleich zur Entnahme im Zehn-
Jahresdurchschnitt der Vorjahre im jeweiligen Vergleichszeitraum entwickelt?
b) In welchen Bundesländern ist die Wasserentnahme aus Grundwasser und
Oberflächengewässern für die landwirtschaftliche Beregnung besonders
gestiegen (bitte Entwicklung für alle Bundesländer darstellen)?
11. In welchen Regionen bzw. Landkreisen in Deutschland galten nach Kenntnis
der Bundesregierung während des Dürresommers 2018 (Zeitraum vom
1. April bis zum 30. September) Entnahmebeschränkungen für einzelne oder
mehrere Nutzergruppen, und für welche?
12. In welchen Regionen bzw. Landkreisen in Deutschland gelten nach Kenntnis
der Bundesregierung in diesem Jahr bereits Entnahmebeschränkungen für
einzelne oder mehrere Nutzergruppen, und für welche?
13. In welchen Regionen bzw. Landkreisen in Deutschland kam es nach
Kenntnis der Bundesregierung während des Dürresommers 2018 (Zeitraum vom
1. April bis zum 30. September) zu Wasserknappheit und temporären
Engpässen in der Trinkwasserversorgung?
14. Welchen Bedarf sieht die Bundesregierung für die Wiederverwendung von
Abwasser für die landwirtschaftliche Beregnung vor dem Hintergrund
zunehmender Dürreperioden, und wie bewertet die Bundesregierung den vom
EU-Ministerrat gefundenen Kompromiss zum Verordnungsvorschlag der
EU-Kommission angesichts der Wassersituation in Deutschland?
15. In welchen Regionen bzw. Landkreisen in Deutschland kam es nach
Kenntnis der Bundesregierung in diesem Jahr bereits zu Wasserknappheit und
temporären Engpässen in der Trinkwasserversorgung?
16. Wie hat sich der Wassernutzungs-Index in Deutschland nach Kenntnis der
Bundesregierung in den vergangenen 20 Jahren entwickelt, und welche
Prognosen für die mittel- bis langfristige Entwicklung des Wassernutzungs-
Index sind der Bundesregierung bekannt?
17. Welche langfristigen Szenarien für die Wasserverfügbarkeit in Deutschland
hat die Bundesregierung, und wie bewertet sie diese?
18. Welche politischen Vorkehrungen trifft die Bundesregierung, um einem
möglichen Wasserstress zu begegnen, und wie beurteilt die Bundesregierung
die Folgen eines möglichen Wasserstresses?
19. Bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland lokale
Nutzungsinteressen zwischen der Grundwasserentnahme für die öffentliche
Wasserversorgung auf der einen und der Grundwasserentnahme für die
Gewinnung von Mineral- und Heilquellenwasser auf der anderen Seite?
20. Wie viele Trinkwasserbrunnen werden nach Kenntnis der Bundesregierung
in Deutschland für die öffentliche Trinkwasserversorgung genutzt, und wie
hat sich die Zahl in den letzten 20 Jahren entwickelt?
21. Wie viele Trinkwasserbrunnen werden nach Kenntnis der Bundesregierung
in Deutschland für die Gewinnung von Mineral- oder Heilquellenwasser
genutzt, und wie hat sich die Zahl in den letzten 20 Jahren entwickelt?
22. Wie viel Mineralwasser wird nach Kenntnis der Bundesregierung jedes Jahr
in Deutschland konsumiert, und wie hat sich der Mineralwasser-Konsum in
den vergangenen 20 Jahren entwickelt?
23. Wie begründet die Bundesregierung ihre Aussage, dass derzeit keine
Aussagen zum Zustand der deutschen Grundwasserökosysteme und deren
Entwicklung möglich seien (vgl. Bundestagsdrucksache 19/10590, Antwort der
Bundesregierung zu Frage 1), obwohl eine standardisierte Beprobung von
Grundwasser möglich ist und standardisierte Erfassungsmethoden für das
Grundwasser verfügbar sind (vgl. z. B. DVGW-Arbeitsblatt W271 und
Guderitz, I. & Hahn, H. J. (2012): Probenahme für mikrobiologische,
molekularbiologische und faunistische Untersuchungen. In: Grundwasser-
Biologie – Grundlagen und Anwendungen, DWA/DVGW-Themenband T5/2012,
179-191)?
24. Warum liegen der Bundesregierung keine belastbaren Daten zur
Gefährdungssituation der grundwassertypischen Arten und Gemeinschaften vor
(vgl. Bundestagsdrucksache 19/10590, Antwort der Bundesregierung zu den
Fragen 3 und 4), obwohl die dazu erforderliche Methodik verfügbar ist, und
welchen Handlungsbedarf sieht die Bundesregierung, um die notwendigen
Daten zu erheben und eine entsprechende Bewertung vorzunehmen?
25. Inwieweit ist es aus Sicht der Bundesregierung erforderlich, den Aspekt der
Wärme als Verschmutzung im Sinne des Artikel 2 Nummer 33 der
Wasserrahmenrichtlinie in das Wasserhaushaltsgesetz oder die
Grundwasserverordnung aufzunehmen, und welche konkreten Pläne hat die Bundesregierung
hierfür (bitte ausführlich begründen)?
Berlin, den 18. Juli 2019
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
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ISSN 0722-8333]
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