Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Gegenwind für das E-Auto
(insgesamt 9 Einzelfragen)
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Datum
27.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1223109.08.2019
Gegenwind für das E-Auto
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12231
19. Wahlperiode 09.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Martin Sichert, Udo Theodor Hemmelgarn,
Enrico Komning und der Fraktion der AfD
Gegenwind für das E-Auto
Eine repräsentative Umfrage zeigt, dass die Zukunft der Mobilität durch
Elektroautos zunehmend kritisch hinterfragt wird. Hauptkritikpunkte sind dabei, dass
diese zum einem längst nicht so „sauber“ und umweltfreundlich seien wie bisher
propagiert (Stichwort: „Null-Emissionen“), zum anderem vernichte das
Elektroauto Arbeitsplätze in Deutschland (https://bit.ly/2YcBZbK).
Die zweifelhafte Umweltverträglichkeit des E-Autos wird nach Ansicht der
Fragesteller anhand der Studie des Ifo-Instituts aus München gezeigt
(https://bit.ly/31Th2ow). Die Ergebnisse der Studie zeigen nach Ansicht der
Fragesteller, dass die Elektroautos die deutsche Klimabilanz nur auf dem Papier
entlasten und die ganzen Klimaanstrengungen in der Praxis gar kontraproduktiv
seien. Die Autoren schreiben „[es] kommt […] möglicherweise nicht nur zu einer
geringen, sondern zu keiner Reduktion des CO2-Ausstoßes, weil andere Länder
so viel mehr CO2 ausstoßen, wie Europa einspart“ (Ifo-Studie, S. 13). Dies wird
insofern aus dem Beispiel des E-Autos hergeleitet: Dieses reduziere die Vor-Ort
Emissionen zwar, erhöhe aber den insgesamten CO2-Ausstoß auf der Welt. In der
Klima-Rechnung eines E-Autos fehle nämlich die CO2-Produktion beim Bau der
Batterie und des Autos an sich sowie bei der Stromerzeugung, die für den Antrieb
benötigt wird. Beides eingerechnet, belaste ein E-Auto das Klima um 11 bis
28 Prozent mehr als ein Dieselauto (Ifo-Studie, S. 6). Die wesentlichen
Erkenntnisse der Studie: 1. Lithium, Kobalt und Mangan, die für die Herstellung von
Batterien gebraucht werden, können nur mit hohem Energieeinsatz gewonnen
und verarbeitet werden, was zu sehr hohem CO2-Ausstoß führt; 2. Eine Batterie,
etwa für einen Tesla Model 3, belaste das Klima mit 11 bis 15 Tonnen CO2. Bei
zehn Jahren Haltbarkeit und 150 000 Kilometer Laufleistung bedeute dies
heruntergerechnet 73 bis 98 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer; 3. Die CO2-
Emissionen des Elektrostroms müssen ebenfalls einkalkuliert werden (der sogenannte
Strommix). Fazit der Studie: In Wirklichkeit stoße ein Tesla Model 3 zwischen
156 und 181 Gramm CO2 pro Kilometer aus – und damit deutlich mehr als ein
vergleichbares Diesel-Auto. Auch auf die Stickoxid-Bilanz des E-Autos wird in
der Studie eingegangen. Diese sei auch nicht makellos. Zwar stößt der Stromer
keine NOx-Abgase vor Ort aus. Trotzdem fallen insbesondere bei seiner Fertigung
jede Menge Stickoxide an (https://bit.ly/2YcBZbK). Ähnliche Erkenntnisse hat
auch der ADAC in Bezug auf E-Autos gemacht (https://bit.ly/2Lb73oM). Der
ADAC kommt zu dem Ergebnis: „Nicht gut fürs Klima: Elektroauto als
Zweitbzw. Stadtfahrzeug. Wird ein Kleinwagen mit wenig Laufleistung als
Zweitwagen genutzt (Lebenszyklus: 50 000 km), lohnt sich die E-Variante aktuell in
der Ökobilanz nie.“ Der ADAC verweist auch auf die Problematik: „Auch wer
‚Ökostrom‘ zapft, bekommt Kohlestrom!“ (ebd.).
Neben der schlechten Klimabilanz, wird auch auf die Gefährdung von
Arbeitsplätzen als Hauptargument gegen das E-Auto verwiesen. Viele Regionen, wo
Arbeitsplätze in der Autoindustrie angesiedelt sind, sehen einer ungewissen Zukunft
entgegen. Als Beispiel wird das Saarland genannt: Mit rund 44 000 Beschäftigten
in der Automobilindustrie hängt es wie kaum eine andere Region am
Verbrennungsmotor. Der dortige Branchen-Umsatz pro Jahr: knapp 17 Mrd. Euro. Fast
jeder zweite Euro wird in Sparten verdient, die stark vom Wandel betroffen sein
werden, etwa dem Bau von Getrieben oder Turboladern. So sieht die Mehrheit
der Deutschen hier Arbeitsplätze in Gefahr. Die Wende zum Elektromotor wird
Arbeitsplätze vernichten, sagen 55,3 Prozent der Befragten in einer
repräsentativen Civey-Umfrage (https://bit.ly/2YcBZbK). Die Bundesagentur für Arbeit
(BA) bestätigt diese Befürchtung und nennt sogar konkrete Zahlen: „Im Jahr 2035
werden knapp 114 000 Plätze aufgrund der Umstellung auf den Elektroantrieb bei
Pkws verloren gegangen sein“. Der Wirtschaft dürften bis dahin rund 20 Mrd.
Euro verloren gehen – rund 0,6 Prozent des realen Bruttoinlandsproduktes
(https://bit.ly/2J6aevt).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Sind der Bundesregierung die Studien (Ifo-Studie, ADAC-Studie) bzw. die
in den Studien genannten Vorwürfe zu der vermeintlichen „guten
Klimabilanz“ (die Nicht-Kalkulation von Batterieerzeugung, die Problematik mit
dem Strommix) von E-Autos bekannt, und welche Stellung bezieht die
Bundesregierung diesbezüglich?
Unterstützt die Bundesregierung weiterhin uneingeschränkt die E-Autos
unter dem Aspekt des Umwelt- und Klimaschutzes?
2. Bewertet die Bundesregierung trotz der Umwelt- und Klimaschädlichkeit
(siehe Ifo-Studie, ADAC-Studie) den Umstieg auf E-Autos als einen Beitrag
zur Reduzierung der CO2-Emissionen, obwohl sich dadurch nur die
deutschen Vor-Ort-Emissionen reduzieren lassen, aber dafür anderorts die CO2-
Produktion steigt?
3. Verfolgt die Bundesregierung eine Politik des „Outsourcing“ der
sogenannten negativen Klimabilanz, indem man den benötigten Strom aus fossilen
Quellen aus dem Ausland beziehen wird bzw. die benötigten Ressourcen für
den Bau von E-Autos aus dem Ausland importieren wird und somit dies nicht
in die deutsche Klimabilanz fließen wird?
4. Wie positioniert sich die Bundesregierung allgemein zu dem Vorwurf, man
vermeide durch die Nutzung von E-Autos zwar den lokalen CO2- bzw. NOx-
Ausstoß, belaste dafür aber das Klima anderorts (Stichwort: Bau der Batterie,
Stromerzeugung und Import aus dem Ausland – siehe Vorbemerkung der
Fragesteller, Absatz 2)?
5. Wie positioniert sich die Bundesregierung zu dem Befund des ADAC,
wonach ein Elektroauto als Zweit- bzw. Stadtfahrzeug (Lebenszyklus:
50 000 km) sich niemals lohnt, nicht einmal mit einem 100 Prozent
regenerativen Strommix (siehe Vorbemerkung der Fragesteller, Absatz 2 bzw. den
Bericht des ADAC)?
6. Wie positioniert sich die Bundesregierung zu der Aussage aus der Ifo-Studie,
ein Tesla E-Auto stoße, berechne man die CO2-Bilanz beim Bau der Batterie
bzw. der Stromerzeugung dazu, zwischen 156 und 181 Gramm CO2 pro
Kilometer aus und damit im Schnitt um 11 bis 28 Prozent mehr als ein
vergleichbares Dieselauto?
7. Wie beurteilt die Bundesregierung den Befund der Ifo-Studie, wonach „[es]
[…] möglicherweise nicht nur zu einer geringen, sondern zu keiner
Reduktion des CO2-Ausstoßes [kommt], weil andere Länder so viel mehr CO2
ausstoßen, wie Europa einspart“ (Ifo-Studie, S. 13)?
8. Liegen der Bundesregierung Berechnungen bzw. Studien vor, welche
Mengen an Rohstoffen (insbesondere Lithium, Kobalt und Mangan) benötigt
würden, um die gesamte deutsche Pkw-Flotte auf E-Autos umzustellen bzw.
die Ziele aus dem sogenannten Masterplan Elektromobilität (siehe
Medienberichte zu Autogipfel im Kanzleramt am 24. Juni 2019; Stichwort:
„Masterplan“, z. B. www.manager-magazin.de/lifestyle/auto/autogipfel-
imkanzleramt-masterplan-fuer-bis-zu-10-5-millionen-elektroautos-a-1274138.
html, www.golem.de/news/elektromobilitaet-masterplan-fuer-mehrere-millionen-
ladepunkte-geplant-1906-142135.html) zu erfüllen (7,5 bis 10 Millionen
zugelassene E-Autos bis 2030)?
9. Wie positioniert sich die Bundesregierung zu der Problematik des
potentiellen Wegfalls von ca. 114 000 Arbeitsplätzen in der Automobilbranche in
ganz Deutschland durch den Umstieg auf Elektroautos nach Angaben der BA
(siehe letzten Absatz der Vorbemerkung der Fragesteller) und allgemein zu
dieser Problematik?
Berlin, den 15. Juli 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
Ähnliche Kleine Anfragen
Dekolonialisierung als Instrument der Außenpolitik am Beispiel Russlands und des Westens
AfD01.04.2026
Nationale und internationale Regulierung bei dem Einsatz von KI-Technologie, Drohnen und Loitering-Munition
AfD01.04.2026
Förderung von zivilgesellschaftlichen Organisationen in Marokko durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
AfD01.04.2026
Rechtssichere Umsetzung von § 28 Raumordnungsgesetz (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/4397)
AfD01.04.2026