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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Biokunststoffe
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Datum
10.09.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1244916.08.2019
Biokunststoffe
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12449
19. Wahlperiode 16.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Judith Skudelny, Frank Sitta, Renata Alt, Jens Beeck,
Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marcus Faber, Otto Fricke,
Katrin Helling-Plahr, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen,
Dr. Marcel Klinge, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic, Alexander Müller,
Bernd Reuther, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Matthias Seestern-Pauly,
Bettina Stark-Watzinger, Katja Suding, Dr. Andrew Ullmann, Nicole Westig und
der Fraktion der FDP
Biokunststoffe
Plastik und Plastikverpackungen stehen in der Kritik, umweltschädigend zu sein.
Bei falschem Umgang mit Plastik gelangt es in die Umwelt und insbesondere in
Gewässer, wo es maritime Lebensräume vieler Arten schädigt. Immer häufiger
wird Plastik daher durch Bioplastik substituiert, so zum Beispiel in Bernau auf
dem Streetfood Festival (www.chiemgau24.de/chiemgau/chiemsee/bernau-
amchiemsee-ort45178/gemeinderat-bernau-chiemsee-beschliess-streetfood-festival-
august-12324215.html). Vor allem aufgrund ihrer angeblichen Abbaubarkeit
gelten Biokunststoffe als nachhaltig und umweltfreundlich.
Biokunststoffe werden unterteilt in biobasierte Kunststoffe und biologisch
abbaubare Kunststoffe.
Während biobasierte Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt
werden, verbirgt sich hinter dem Begriff „biologisch abbaubare Kunststoffe“ ein
Biokunststoff, der zu Kohlenstoff und Wasser zersetzt werden kann. Vollständig
abbauen müssen sich aber weder biobasierte Kunststoffe (www.kunststoffe.de/
themen/basics/biokunststoffe/definition/artikel/biobasierte-kunststoffe-2748001.html)
noch biologisch abbaubare Kunststoffe. Die DIN-Norm EN 16575 schreibt
lediglich vor, dass es sich um einen „Abbau, bewirkt durch biologische Aktivität, z. B.
durch enzymatische Wirkung, die zu einer signifikanten Änderung der
chemischen Struktur eines Produktes führt“, handeln muss (www.umweltbundesamt.de/
biobasierte-biologisch-abbaubare-kunststoffe#textpart-3). Die Substitution von
konventionellem Kunststoff durch Biokunststoffe führt nach Ansicht der
Fragesteller derzeit zu einem größeren Ressourcenverbrauch und keiner
Wiederverwendung.
Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass die Etablierung von
Biokunststoffen nur sinnvoll ist, wenn in den Mitgliedstaaten eine getrennte
Sammlung von Biokunststoffen und konventionellem Kunststoff etabliert ist. In
Deutschland hängt die ordnungsgemäße Entsorgung nicht von der Kunststoffart,
sondern von der Anwendung der Kunststoffe ab.
Werden die Biokunststoffe als Verpackung abgegeben, wozu auch
Cateringbecher und -teller zählen, gehören sie in die Sammlung des Gelben Sacks. Dort
werden sie als Störstoffe unvollständig durch die Trennverfahren von
konventionellem fossilbasierten Kunststoff separiert. Der Anteil an Bioplastik, der im
konventionellen Kunststoffstrom verbleibt, beeinträchtigt die Qualität der Recyclate
negativ. Der separierte Anteil an detektierten Biokunststoffen wird der thermischen
Verwertung zugeführt.
Werden Biokunststoffe als bioabbaubare Abfalltüte angewendet, gehören sie in
die Biotonne. Voraussetzung dafür ist eine Zertifizierung nach EN 14995 oder
EN 13432, erkennbar an dem Keimlingsymbol. Problematisch dabei ist aber die
Zersetzung in den Kompostieranlagen, da Biokunststoffe sich langsamer
zersetzen als andere Abfälle würden sie nach der unvollständigen Kompostierung als
landwirtschaftlicher Dünger ausgebracht werden. Daher wird Bioplastik vor der
Kompostierung unter hohem Aufwand aussortiert und der thermischen
Verwertung zugeführt. Aus diesem Grund untersagen inzwischen mehrere Kommunen
das Einwerfen von Biokunststoffen in die Biomülltonne.
Alle weiteren Biokunststoffe werden in der Restabfalltonne gesammelt, auch hier
werden die Biokunststoffe der thermischen Verwertung zugeführt. Ein Recycling
findet nur in Ausnahmefällen statt (www.umweltbundesamt.de/
biobasiertebiologisch-abbaubare-kunststoffe#textpart-7).
Die Menge an auf den Markt gebrachten Biokunststoffen als
Serviceverpackungen, genauso wie faserbasierte Verpackungen aus Gras oder Bambus, mit
Beimengungen von Kunststoffen steigt an. Auch solche faserbasierten
Verpackungen werden thermisch verwertet. Die Vielzahl der Substitute und auch die
steigenden Mengen auf dem Markt machen die Bereitschaft der Bürgerinnen und
Bürger, sich umweltbewusst verhalten zu wollen, deutlich.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Stellt der Einsatz von Biokunststoffen in Deutschland nach Information der
Bundesregierung eine nachhaltige Alternative zur Verwendung von
konventionellen Kunststoffprodukten dar?
2. Wie können Bürgerinnen und Bürger sich möglichst nachhaltig in Bezug auf
die Wahl ihrer Verpackung verhalten?
3. Woran erkennt der Verbraucher nach Informationen der Bundesregierung,
dass es sich um eine Biokunststoffverpackung handelt, und wie entsorgt er
bzw. sie diese korrekt?
4. Ist es möglich, nach Information der Bundesregierung Biokunststoffe auf
dem Gartenkompost zu entsorgen?
Wenn nein, warum nicht?
5. Ist es möglich, nach Information der Bundesregierung Bioabfall auf dem
Gartenkompost zu entsorgen?
Wenn nein, warum nicht?
6. Welche Maßnahmen zur Reduzierung von Biokunststoff in der Biotonne
plant die Bundesregierung, und wen sieht sie in der Pflicht, in diesem Bereich
Aufklärungskampagnen für Bürgerinnen und Bürger zur Vermeidung von
Fehlwürfen durchzuführen?
7. Ist die Sammlung von Biokunststoffen in verschiedenen Sammlungen wie
dem Gelben Sack, der Restabfalltonne und der Biotonne nach Einschätzung
der Bundesregierung nachhaltig?
Wenn nein, welche Maßnahmen zur Verbesserung plant die
Bundesregierung?
8. Wie viele Biokunststoffe werden jährlich in Deutschland nach Kenntnis der
Bundesregierung und der EU in Umlauf gebracht?
9. Welche Position bezieht die Bundesregierung zum vermehrten
Inverkehrbringen von Biokunststoffen und anderen faserbasierten Produkten ohne die
Etablierung einer nachhaltigen Wiederverwendung dieser Materialgruppe?
10. Welche Vorteile sieht die Bundesregierung in der Entwicklung weiterer
Substitute von konventionellem Kunststoff?
11. Welche Position vertritt Deutschland auf EU-Ebene zu Förderung von
Biokunststoffen?
12. Sieht die Bundesregierung in dem in Deutschland etablierten
Entsorgungsweg von Biokunststoffen nach Anwendungsbereichen die Vorgaben der EU
nach einem gesonderten Abfallstrom als erfüllt an?
Ist eine Änderung zur Anpassung an die EU-Vorgaben geplant?
Berlin, den 31. Juli 2019
Christian Lindner und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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