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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Genomische Medizin in Deutschland
(insgesamt 11 Einzelfragen)
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Gesundheit
Datum
13.09.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1276528.08.2019
Genomische Medizin in Deutschland
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Katrin Helling-Plahr, Michael Theurer, Renata Alt,
Olaf in der Beek, Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann,
Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Katja Hessel,
Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen,
Gyde Jensen, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic, Alexander Müller,
Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Matthias Seestern-Pauly,
Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Katja Suding,
Manfred Todtenhausen, Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich, Nicole Westig
und der Fraktion der FDP
Genomische Medizin in Deutschland
Am 9. Mai 2019 hat der Deutsche Ethikrat eine Stellungnahme zu Eingriffen in
die menschliche Keimbahn veröffentlicht, in der er darlegt, dass eben solche
Eingriffe seiner Auffassung nach gegenwärtig zwar noch mit zu großen Risiken
behaftet, sie aber zukünftig aus ethischer Perspektive nicht gänzlich
auszuschließen seien.
Genetische Erkrankungen könnten nach heutigem wissenschaftlichen Stand
mithilfe genomischer Medizin bereits bei Neugeborenen frühzeitig identifiziert,
analysiert und in der Folge zielgerichtet behandelt werden. Die genomische
Medizin bietet zudem beispielsweise im Rahmen des sogenannten Whole
Genome Sequencing (WGS) die Chance, den Ursprung von Krebstumoren zu
entschlüsseln und in der Folge zielgenau bekämpfen zu können.
Laut aktueller Medienberichterstattung (www.zeit.de/2019/21/crispr-
genscherekeimbahn-gentechnik-ethikrat-biopolitik) hat unter anderem das Vereinigte
Königreich oben genannte Chancen erkannt. Seit dem Jahr 2012 existiert dort das
Projekt „Genomics England“ und seit dem Jahr 2018 sind mehrere nationale
Zentren für genomische Medizin eingerichtet worden. Auch die Vereinigten
Staaten und Frankreich treiben mit „All of Us“ beziehungsweise „France
Médecine Génomique 2025“ ähnliche Projekte zur Integration der genomischen
Medizin in die Versorgung voran. Nach Ansicht der Fragesteller müssen auch
Patienten in Deutschland die Möglichkeit bekommen, von möglichst
personalisierten Behandlungsmethoden zu profitieren.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Teilt die Bundesregierung die Sicht des Deutschen Ethikrates, dass
Eingriffe in die menschliche Keimbahn aus ethischer Sicht nicht gänzlich
auszuschließen seien?
2. Wie viele Neugeborene kommen in Deutschland nach Kenntnis der
Bundesregierung jedes Jahr mit einer genetischen Schädigung zur Welt?
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12765
19. Wahlperiode 28.08.2019
3. Werden nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland genetische
Untersuchungen bei Neugeborenen bereits regelhaft angewandt
beziehungsweise finden sie bei entsprechender Indikation statt?
Wenn ja, welche?
4. Wie bewertet die Bundesregierung den aktuell für Krebspatienten
bestehenden Zugang zu Verfahren der Tumor-Sequenzierung?
5. Kann das sogenannte Whole Genome Sequencing nach Kenntnis der
Bundesregierung in Deutschland auf Kosten der gesetzlichen
Krankenversicherung durchgeführt werden?
a) Wenn ja, bei welchen Indikationen ist dies der Fall?
b) Wenn nein, ist eine Durchführung in Deutschland auf Selbstzahlerbasis
möglich, und welche Kosten haben Betroffene zu tragen?
6. Ist die Bundesregierung der Ansicht, dass die Integration der genomischen
Medizin in die Versorgung sinnvoll ist, und welche Rolle spielt dabei die
vom Bundesministerium für Gesundheit und Bundesministerium für
Bildung und Forschung ausgerufene Nationale Dekade gegen Krebs (bitte
begründen)?
7. Existieren nach Kenntnis der Bundesregierung gegenwärtig Zentren für
genomische Medizin in Deutschland?
Wenn ja, wie viele, welche, und worauf sind diese im Einzelnen
spezialisiert?
8. Ist die Bundesregierung der Ansicht, dass Deutschland auf dem Gebiet der
genomischen Medizin den Anschluss an internationale Entwicklungen
verliert (bitte begründen)?
9. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung analog zum Netzwerk
Genomische Medizin (NGM) Lungenkrebs weitere Netzwerke für genomische
Medizin in Deutschland in Planung?
10. Wird die Integration der genomischen Medizin in die Versorgung nach
Kenntnis der Bundesregierung gegenwärtig durch Bund oder Länder
gefördert?
Wenn ja, welche Projekte werden gefördert, und in welchem Umfang?
11. Plant die Bundesregierung konkrete Schritte, um Zentren für genomische
Medizin in Deutschland zu etablieren?
a) Wenn ja, welche Schritte sind genau geplant?
b) Wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 14. August 2019
Christian Lindner und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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