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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Ablehnung der Entwicklungshilfe durch die Regierung der Republik Ghana - Folgerungen für die Entwicklungszusammenarbeit
(insgesamt 15 Einzelfragen)
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Datum
07.11.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1307510.09.2019
Ablehnung der Entwicklungshilfe durch die Regierung der Republik Ghana - Folgerungen für die Entwicklungszusammenarbeit
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dietmar Friedhoff, Ulrich Oehme, Markus Frohnmaier,
Dr. Harald Weyel, Stefan Keuter und der Fraktion der AfD
Ablehnung der Entwicklungshilfe durch die Regierung der Republik Ghana –
Folgerungen für die Entwicklungszusammenarbeit
Der amtierende Präsident der Republik Ghana, Nana Akufo-Addo, lehnt die
fortgesetzte Annahme von Entwicklungshilfe als Motor der wirtschaftlichen
Entwicklung ab. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am 28. Februar 2018 äußerte Akufo-Addo die
Auffassung, die Ära der Entwicklungshilfe habe Ghana „in vielerlei Hinsicht
geschwächt“ (www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/pressekonferenzen/
pressekonferenz-von-bundeskanzlerin-merkel-und-dem-
ghanaischenpraesidenten-nana-addo-dankwa-akufo-addo-846462). Akufo-Addo
wiederholte 2019 seine Ankündigung, die Inanspruchnahme von Mitteln aus der
„erweiterten Kreditfazilität“ (ECF) nicht über den Ablauf des laufenden Programms
hinaus zu verlängern (www.ghanaweb.com/GhanaHomePage/business/Let-
Mahama-s-IMF-deal-be-the-last-Nana-Addo-734692). Der Internationale
Währungsfonds (IWF) bescheinigte Ghana am 20. März 2019 eine einstellige
Inflation, die erfolgreiche Abwicklung von neun Banken und die Erreichung der
gesetzten Fiskalziele (www.imf.org/en/News/Articles/2019/03/20/pr1983-
ghana-imf-executive-board-completes-the-last-review-of-extended-
creditfacility-for-ghana).
Die Regierungspolitik des Präsidenten Nana Akufo-Addo zielt nach Kenntnis
der Fragesteller auf eine Modernisierung der Landwirtschaft, Kapitalisierung
durch ausländische Investition und Industrialisierung der Volkswirtschaft seines
Landes, möglichst viele Ghanaer sollen in die Lage versetzt werden, Firmen zu
gründen, sich wirtschaftlich zu betätigen und ihr Schicksal selbst in die Hand
nehmen. Ghana ist nach Ansicht der Fragesteller zurzeit sowohl wirtschaftlich
als auch politisch ein Vorbild in der Region Westafrika, denn Ghana hat
bezüglich der politischen Stabilität und der wirtschaftlichen Prosperität erhebliche
Erfolge erzielt, obwohl Nana Akufo-Addo beim Start seiner Arbeit eine
schwierige Situation vorgefunden hat. Das Bruttoinlandsprodukt Ghanas ist
2017 um 8,1 Prozent und 2018 um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr laut der
Jahresstatistik der Weltbank gestiegen (https://wko.at/statistik/laenderprofile/lp-
ghana.pdf).
Die Entwicklungshilfe hat, nach Ansicht der Fragesteller, die beabsichtigten
Ziele in Afrika, respektive in Ghana, nicht erreicht. Nach Ansicht der
Fragesteller sind ODA-Mittel und andere Formen der Entwicklungshilfe fungibel und
fließen zu einem beträchtlichen Teil in als korrupt wahrgenommene Staaten
(vgl. Zitat aus dem 15. Entwicklungspolitischen Bericht der Bundesregierung
weiter unten) und darüber hinaus müssen sich die Institutionen in den
Empfängerländern, die Entwicklungsgelder verwalten und verteilen, nicht gegenüber
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13075
19. Wahlperiode 10.09.2019
der Lokalbevölkerung, sondern schließlich gegenüber ausländischen
Geldgebern verantworten – unter diesen nach Ansicht der Fragesteller falschen
Bedingungen leiden Rechtsstaatlichkeit, die Transparenz ziviler Institutionen und die
bürgerlichen Freiheiten, also gerade die Rahmenbedingungen für in- und
ausländische Investition. Nach Ansicht der Fragesteller verringert das so
entstehende, unberechenbare Geschäftsklima das Wirtschaftswachstum und führt
damit zum Verlust von Arbeitsplätzen und zu zunehmender Armut, woraufhin die
Geberländer zur Armutsbekämpfung die Entwicklungshilfe an die betroffenen
Länder erhöhen und damit eine Abwärtsspirale der Armut erhöhen. Darin
besteht nach Ansicht der Fragesteller der Teufelskreis der Entwicklungshilfe: ein
Rückkopplungseffekt, der dringend benötige Investitionen abwürgt, eine Kultur
der Abhängigkeit schafft und wuchernder, systematischer Korruption Tür und
Tor öffnet. Das Problem der Korruption wurde selbst von der Bundesregierung
erkannt, die in ihrem 15. Entwicklungspolitischen Bericht 90 Prozent der
Partnerländer der deutschen Entwicklungspolitik als hochkorrupt eingestuft hat:
„Ein zentrales Problem in vielen Entwicklungsländern ist in diesem
Zusammenhang auch die massive Korruption. So gelten 90 Prozent der Partnerländer
der deutschen Entwicklungspolitik als hochkorrupt“ (15.
Entwicklungspolitischer Bericht der Bundesregierung, Seite 36).
Diese Erkenntnis erfordert nach Ansicht der Fragesteller einen
Paradigmenwechsel bei allen bi- und multilateralen Maßnahmen, die auf
Armutsbekämpfung und Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern abzielen.
Herausragende afrikanische Ökonomen wie Dambisa Moyo und James Shikwati fordern
genau einen solchen Paradigmenwechsel, wozu ein Ende der Entwicklungshilfe
und „Handel statt Hilfe“ gehören (www.deutschlandfunkkultur.de/
entwicklungshilfe-in-der-kritik-teure-almosen-fuer-
afrika.979.de.html?dram:article_id=414151).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie beurteilt die Bundesregierung die Auffassung des amtierenden
ghanaischen Präsidenten Nana Akufo-Addo, dass Entwicklungshilfe nicht
funktioniere und niemals funktioniert habe (www.deutschlandfunk.de/ghanas-
praesident-akufo-addo-afrikas-selbstbewusster.1773.de.html?
dram:article_id=426810) (bitte begründen)?
2. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der
Ankündigung des ghanaischen Präsidenten Nana Akufo-Addo, Mittel der ECF über
die laufende Periode hinaus nicht weiter in Anspruch zu nehmen?
3. Wie bewertet die Bundesregierung ihr entwicklungspolitisches
Engagement in der Republik Ghana im Allgemeinen und insbesondere im Rahmen
der G20-Initiative „Compact with Africa“?
a) Welche konkreten Vereinbarungen wurden im Rahmen der sogenannten
Reformpartnerschaft mit der Republik Ghana getroffen, und wie
unterscheidet sich diese Form der Zusammenarbeit von der bisherigen
Ausgestaltung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (www.bmz.de/
de/presse/aktuelleMeldungen/2017/dezember/
171212_pm_132_Staatssekretaer-Kitschelt-gibt-Startschuss-fuer-die-
Reformpartnerschaft-mit-Ghana/index.jsp)?
b) Welche Programme, Vorhaben, Projekte oder sonstigen Maßnahmen
wurden im Rahmen der „Reformpartnerschaft“ der Bundesregierung mit
der Republik Ghana in Auftrag gegeben, finanziert sowie auf sonstige
Art gefördert oder durchgeführt (bitte nach Jahr der Bewilligung/
Beauftragung, zuständigem Ressort, Einzelplan sowie Haushaltskapitel/-titel,
Projekttitel, Art des Projekts [Programm, Einzelprojekt etc.],
Durchführer, Partner der Durchführungsvereinbarung, Projektlaufzeit [bitte auf
den Tag genau angeben], Ausgaben/Zusagen [bitte unter Angabe der
tatsächlich abgerufenen Mittel sowie Anteil an deutschen
Haushaltsmitteln], vereinbartem Eigenanteil der Partner [bitte qualitativ und
quantitativ angeben], tatsächlich geleistetem Eigenanteil der Partner [bitte
qualitativ und quantitativ exakt angeben], ausführlicher Zielsetzung/
Beschreibung der Maßnahmen, ggf. Ergebnis des Schlussberichts)?
c) Inwiefern tragen nach Kenntnis der Bundesregierung Maßnahmen der
sogenannten Reformpartnerschaft zum wirtschaftlichen Wachstum der
Republik Ghana bei (bitte begründen)?
d) Welche Rolle spielen nach Ansicht der Bundesregierung gute
Regierungsführung und gute Wirtschaftspolitik im aktuellen wirtschaftlichen
Kontext der Republik Ghana (bitte begründen)?
e) Inwiefern sind die Entwicklungserfolge der Republik Ghana nach
Ansicht der Bundesregierung auf die anderen Reformpartnerländer
übertragbar, und welche Rolle bei der Erreichung dieser Erfolge spielte nach
Auffassung der Bundesregierung die deutsche
Entwicklungszusammenarbeit?
4. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass
Entwicklungshilfe im Allgemeinen ihre Legitimationsgrundlage verliert, wenn
Partnerländer wie Ghana Entwicklungshilfe öffentlichkeitswirksam
ablehnen (bitte begründen)?
5. Aus welchen Gründen leistet die Bundesrepublik Deutschland
Entwicklungshilfe an die Republik Ghana, abgesehen von bestehenden
(völker-)rechtlichen Verbindlichkeiten?
6. Wie bewertet die Bundesregierung die Forderung des kenianischen
Ökonomen James Shikwati, die klassische Entwicklungshilfe zum Wohle der
Entwicklungsländer sofort zu stoppen (www.faz.net/aktuell/wirtschaft/
menschen-wirtschaft/internationale-unterstuetzung-in-afrika-
entwicklungshilfe-nein-danke-12800821.html) (bitte begründen)?
7. Wie bewertet die Bundesregierung den möglichen Zusammenhang
zwischen Entwicklungshilfe und dem wirtschaftlichen Wachstum sowie
zwischen Privatinvestitionen und dem wirtschaftlichen Wachstum in den
Partnerländern (bitte begründen)?
8. Welche Auswirkungen auf die Sicht der Bundesregierung zur Bilanz der
bisherigen Entwicklungszusammenarbeit in Afrika hat die Ablehnung der
Entwicklungshilfe durch Ghana, und plant die Bundesregierung eine
Veränderung der Stoßrichtung der bisherigen Entwicklungshilfe, insbesondere
infolge der Äußerungen des ghanaischen Präsidenten Nana Akufo-Addo
bezüglich der Ablehnung (https://citinewsroom.com/2019/02/20/nana-
addo-receives-roadmap-on-ghana-beyond-aid-agenda/)?
9. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus der Wahrnehmung von
Abdoulaye Wade (ehemaliger Präsident der Republik Senegal), der laut der
Presse noch nie erlebt habe, dass sich ein Land durch Entwicklungshilfe
oder Kredite entwickelt hat (www.nytimes.com/2002/04/10/world/
senegalese-loner-works-to-build-africa-his-way.html) (bitte begründen)?
10. Welche Programme, Vorhaben, Projekte oder sonstigen Maßnahmen
wurden in den letzten 15 Jahren im Rahmen der staatlichen und
nichtstaatlichen Entwicklungszusammenarbeit der Bundesregierung mit der Republik
Ghana in Auftrag gegeben, finanziert sowie auf sonstige Art gefördert oder
durchgeführt (bitte nach Jahr der Bewilligung/Beauftragung, zuständigem
Ressort, Einzelplan sowie Haushaltskapitel/ -titel, Projekttitel, Art des
Projekts [Programm, Einzelprojekt etc.], Durchführer, Partner der
Durchführungsvereinbarung, Projektlaufzeit [bitte auf den Tag genau angeben],
Ausgaben/Zusagen [bitte unter Angabe der tatsächlich abgerufenen Mittel
sowie Anteil an deutschen Haushaltsmitteln], vereinbartem Eigenanteil der
Partner [bitte qualitativ und quantitativ angeben], tatsächlich geleistetem
Eigenanteil der Partner [bitte qualitativ und quantitativ exakt angeben],
ausführlicher Zielsetzung/Beschreibung der Maßnahmen und ggf. Ergebnis
des Schlussberichts oder Verwendungsnachweises aufschlüsseln)?
11. Wie hoch ist die Gesamtsumme aller ODA-fähigen
Entwicklungsleistungen der Bundesrepublik Deutschland an die Republik Ghana?
a) Wie hoch ist der Anteil an Haushaltsmitteln?
b) Aus welchen Ressorts der Bundesregierung wurde welcher Anteil der
insgesamt aufgewandten Haushaltsmittel geleistet?
c) Wie verteilen sich die Gesamtleistungen auf die unterschiedlichen
Sektoren/Bereiche der Entwicklungszusammenarbeit?
12. Sind der Bundesregierung Fälle von nicht ordnungsgemäßer
Mittelverwendung im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit der letzten
15 Jahre mit der Republik Ghana bekannt?
Wenn ja, welche konkreten Informationen liegen der Bundesregierung
hierzu vor?
13. Sind der Bundesregierung Fälle von nicht ordnungsgemäßer
Mittelverwendung im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit anderer Geber der
letzten 15 Jahre mit der Republik Ghana bekannt?
Wenn ja, welche konkreten Informationen liegen der Bundesregierung
hierzu vor?
14. Wie hoch ist die Gesamtsumme aller ODA-fähigen
Entwicklungsleistungen der Europäischen Union an die Republik Ghana nach Kenntnis der
Bundesregierung?
15. Welche Projekte wurden im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit der
Europäischen Union mit der Republik Ghana in den letzten zehn Jahren
nach Kenntnis der Bundesregierung durchgeführt (bitte nach Jahr,
Projekttitel, Projektkosten, Projektlaufzeit, Mittelherkunft,
Durchführungsorganisation und Durchführungspartner, konkreter Zielsetzung und erfasster
Zielerreichung aufschlüsseln; das unter „https://ec.europa.eu/europeaid/
countries/ghana_en“ abrufbare Informationsportal erhält nicht die erfragten
Informationen, zudem sind die dort aufgeführten Informationen nicht in
deutscher Sprache erhältlich)?
Berlin, den 17. Mai 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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