Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Ausführungsmängel und Kostenexplosion beim Bau der James-Simon-Galerie
(insgesamt 12 Einzelfragen)
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
Datum
09.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1346824.09.2019
Ausführungsmängel und Kostenexplosion beim Bau der James-Simon-Galerie
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Martin Erwin Renner, Dr. Götz Frömming,
Thomas Ehrhorn und der Fraktion der AfD
Ausführungsmängel und Kostenexplosion beim Bau der James-Simon-
Galerie
Die James-Simon-Galerie, das Besucherzentrum der Berliner Museumsinsel –
mit der Archäologischen Promenade Dreh- und Angelpunkt des Masterplans
Museumsinsel – wurde im Juli 2019, nach fast zehnjähriger Bauzeit, offiziell
eröffnet. Der ursprünglich geplante Eröffnungstermin 2014 wurde damit um
fünf Jahre überschritten. Die Gesamtkosten summieren sich auf 134 Mio. Euro;
anfänglich waren für dieses Projekt 71 Mio. Euro budgetiert worden. Damit ist
eine Kostensteigerung um fast 100 Prozent zu konstatieren (www.bbr.bund.de/
BBR/DE/Bauprojekte/Berlin/Kultur/Museumsinsel/James-Simon-Galerie/
jsg.html?nn=556462).
Der schwierige Baugrund und unsachgemäße Arbeiten einer
Spezialtiefbaufirma sollen hauptverantwortlich für erhebliche zeitliche Verzögerungen und
Mehrkosten sein. Unter anderem mussten 1200 Stahlpfähle mit bis zu 50
Metern Länge von Bautauchern in die Erde getrieben werden, um einen
tragfähigen Baugrund herzustellen (www.morgenpost.de/bezirke/mitte/article
216005499/Berlin-hat-jetzt-die-teuerste-Garderobe-der-Welt.html).
Laut Bundesamt für Bauwesen und Bauordnung hat sich bei jedem neuen
Arbeitsschritt gezeigt, dass „der Umgang mit dem schlammigen und durchsetzten
Baugrund in der tatsächlich vorliegenden Massivität wesentlich schwieriger“
war, als bei der „ursprüngliche[n] Planung und Kostenberechnung zugrunde
gelegt“ (www.bbr.bund.de/BBR/DE/Bauprojekte/Berlin/Kultur/Museumsinsel/
J a m e s - S i m o n - G a l e r i e / D a s P r o j e k t J S G / j s g . h t m l ; j s e s s i o n i d =
D43CEEEEE3D96BFA81F97A7E1C7183C4.live11294?nn=556462).
Aus Sicht der Fragesteller ergibt sich aus diesem Befund und der damit
verbundenen exorbitanten Kostensteigerung die Frage, ob und ggf. inwieweit vor
Aufnahme der Arbeiten mit Blick auf den Baugrund auch auf der Basis digitaler
Methoden zur Erkundung der Bodenbeschaffenheit (z. B. durch den Einsatz
von 3D-Bodenscannern) baugutachterliche Expertisen eingeholt wurden, die
womöglich frühzeitig auf die komplexen Herausforderungen, die mit dem
Baugrund verbunden sind, aufmerksam gemacht haben oder aufmerksam hätten
machen können. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund der Tatsache, dass
Berlin in einer eiszeitlich geprägten Gegend liegt und es hier etliche
umfangreiche Schlammlöcher („Kolklinsen“) gibt, die bis zu 50 Meter tief liegen
(www.deutschlandfunkkultur.de/der-schwierigste-baugrund-von-berlin.
954.de.html?dram:article_id=265389).
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13468
19. Wahlperiode 24.09.2019
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Inwieweit war es vor Beginn der Baugrundarbeiten bekannt, dass es mit
Blick auf den schlammigen Untergrund des Baugrundstücks der James-
Simon-Galerie, zu Problemen kommen könnte (www.morgenpost.de/print
archiv/kultur/article113097119/Die-Eiszeit-ist-schuld.html)?
a) Falls ja, welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?
b) Falls nein, warum nicht?
2. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob vor Aufnahme der
Bauarbeiten an der James-Simon-Galerie im Jahr 2009 mit Blick auf die
anstehenden Tiefbaumaßnahmen Baugrundgutachten in Auftrag gegeben
wurden?
a) Falls ja, welche wesentlichen Ergebnisse, ggf. auch im Hinblick auf
Schlammlöcher („Kolklinsen“), die das Baugrundstück durchziehen und
die im Zusammenhang mit dem Bau des Pergamonmuseums seit 1907
bekannt sind, erbrachten diese Baugrundgutachten (www.deutschland
funkkultur.de/der-schwierigste-baugrund-von-berlin.954.de.html?
dram:article_id=265389)?
b) Falls nein, warum hat die Bundesregierung keine Kenntnis darüber?
3. Aufgrund welcher Kriterien wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
die Stellen im Baugrund ausgewählt, an denen Probebohrungen
vorgenommen wurden?
4. Wurde die Firma, die die Probebohrungen durchführte, darauf
hingewiesen, dass bereits die ersten Probebohrungen im Jahr 1907 die Existenz von
Schlammlöchern („Kolklinsen“) im Baugrund des Pergamonmuseums
erbracht haben (www.deutschlandfunkkultur.de/der-schwierigste-baugrund-
von-berlin.954.de.html?dram:article_id=265389)?
a) Falls ja, wie erklärt sich die Bundesregierung dann den Umstand, dass
die Stellen, an denen Probebohrungen vorgenommen wurden, offenbar
„falsch“ ausgewählt oder nicht hinreichend viele Probebohrungen, die
ein repräsentatives Gesamtbild ergeben, durchgeführt wurden (www.
morgenpost.de/printarchiv/kultur/article113097119/Die-Eiszeit-ist-
schuld.html)?
b) Falls nein, warum wurde die Firma nicht auf die Ergebnisse der
Probebohrungen von 1907 hingewiesen?
5. Kamen mit Blick auf die zu erwartenden Schwierigkeiten im
Zusammenhang mit dem Bauplatz aufgrund der besonderen geologischen Lage der
Museumsinsel nach Kenntnis der Bundesregierung auch digitale Methoden
(wie z. B. 3D-Bodenscanner) zum Einsatz?
a) Falls ja, welche Erkenntnisse erbrachte der Einsatz dieser Methoden?
b) Falls nein, hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, warum diese
Methoden nicht zum Einsatz kamen?
6. Wann im Bauverlauf fiel nach Kenntnis der Bundesregierung die
Entscheidung, dass für die Fundamentsicherung Taucher eingesetzt werden müssen,
um die insgesamt 1200 Pfähle in den schlammigen Boden zu rammen?
Welche Maßnahmen zur Fundamentsicherung waren ursprünglich
vorgesehen (www.morgenpost.de/bezirke/mitte/article216005499/Berlin-hat-jetzt-
die-teuerste-Garderobe-der-Welt.html)?
7. Wurde die ursprünglich beauftragte Spezialtiefbaufirma vor Beginn der
Baugrundarbeiten darauf hingewiesen, dass der Baugrund mit hoher
Wahrscheinlichkeit von Schlammlöchern durchzogen ist?
a) Falls ja, welche Schlussfolgerungen hat die Firma ggf. aus dieser
Auskunft gezogen?
b) Falls nein, warum wurde die Firma nicht auf den oben beschriebenen
Umstand hingewiesen?
8. Zu welchem Zeitpunkt im Bauverlauf wurde es nach Kenntnis der
Bundesregierung evident, dass die ursprünglich mit den Baugrundarbeiten
beauftragte Spezialtiefbaufirma nicht sachgemäß gearbeitet hat?
Kann die Bundesregierung angeben, welcher Art die Fehler waren, die
diese Firma begangen hat?
9. In welchem Kostenrahmen bewegte sich die Beseitigung der
Ausführungsmängel, die durch die Spezialtiefbaufirma verursacht wurden?
Wie viel Zeit nahm deren Beseitigung in Anspruch?
10. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob und inwieweit zu
erwartende Unwägbarkeiten des Baugrundes und damit verbundene Mehrkosten in
Form von Risikorücklagen budgetiert wurden?
a) Falls ja, in welcher Art sind diese Unwägbarkeiten im Etat adressiert
worden?
b) Falls nein, warum wurden keine Risikorücklagen budgetiert?
11. Zu welchem Zeitpunkt hat die Bundesregierung Kenntnis darüber erlangt,
dass die ursprünglich mit den Baugrundarbeiten beauftragte
Spezialtiefbaufirma insolvent ist?
a) Welche Forderungen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
gegenüber dieser Firma geltend gemacht?
b) Konnte im Zuge des Insolvenzverfahrens ein Teil dieser Forderungen
geltend gemacht werden?
12. Sind der Bundesregierung Konsequenzen bekannt, die seitens des
Bundesbauamtes aus dem Verlauf dieses Projekts mit Blick auf die Planung,
Kostensicherheit, Termintreue und Bauüberwachung laufender und künftiger
Bauprojekte gezogen wurden?
a) Falls ja, welcher Art sind diese Konsequenzen?
b) Falls nein, warum ist der Bundesregierung nicht bekannt, ob das
Bundesbauamt entsprechende Konsequenzen gezogen hat?
Berlin, den 19. August 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
Ähnliche Kleine Anfragen
Huaier-Granulat (Trametes robiniophila, "Huaier") zwischen Krebsbegleittherapie in China und Nahrungsergänzungsmittelmarkt in Europa - Einordnung, Überwachung und Forschungsbedarf
AfD22.04.2026
Umsetzung und Auswirkungen neuer EU-Regelungen für Start-ups in Deutschland
AfD20.04.2026
Transparenz von Fehlanreizen der Pflegebudgets im Krankenhauswesen
AfD23.04.2026
Transparenz bei der Vergabe von Kindertherapieplätzen
AfD22.04.2026