[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sebastian Münzenmaier,
Christoph Neumann, Verena Hartmann, Dr. Axel Gehrke und der Fraktion der AfD
– Drucksache 19/13705 –
Ausbau der Tourismuswerbung und Erschließung neuer Zielmärkte in der
nationalen Tourismusstrategie
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Ende April 2019 hat die Bundesregierung Eckpunkte für eine nationale
Tourismusstrategie beschlossen. In ihr werden die Handlungsfelder identifiziert,
auf denen die Bundesregierung im Rahmen ihrer Gesetzgebungszuständigkeit
zur Erreichung tourismusstrategischer Ziele durch die Setzung entsprechender
Rahmenbedingungen beitragen will (Bundestagsdrucksache 19/9810).
Die Welttourismusorganisation UNWTO prognostizierte bis 2030 ein
internationales Reiseaufkommen von 1,8 Mrd. Menschen. Bereits 2018 wurden
1,4 Mrd. Reisende gemessen. Die deutsche Tourismuswirtschaft soll in
Zukunft verstärkt an der wachsenden Zahl der Reisenden teilhaben. Dazu soll die
Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) im Auftrag des Bundes auch neue
Märkte erschließen und mehr Touristen für eine Reise nach Deutschland
gewinnen.
Auch soll durch die Tourismuswerbung im Ausland ein positives,
freiheitliches und tolerantes Deutschlandbild vermittelt werden. Dies soll die
Wahrnehmung Deutschlands als attraktiven Investitionsstandort verbessern.
1. In welchen Quellmärkten hat Deutschland nach Kenntnis der
Bundesregierung eine starke Position als Reisedestination?
Fast drei Viertel der internationalen Übernachtungen in Deutschland kommen
aus Europa, das mit plus 4,6 Prozent im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt
wächst. Wachstumstreiber unter den europäischen Quellmärkten sind Polen
(371.000 zusätzliche Übernachtungen), Italien (262.000), Spanien (255.000)
und die Schweiz (254.000). Unter den Quellregionen in Übersee wächst der
amerikanische Kontinent mit plus 6 Prozent etwas stärker und Asien nach
mehreren Boomjahren mit plus 2,4 Prozent etwas langsamer.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/14610
19. Wahlperiode 29.10.2019
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
24. Oktober 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Die wichtigsten europäischen Quellmärkte sind (laut Übernachtungszahlen des
Statistischen Bundesamtes 2018 für Beherbergungsbetriebe mit mindestens
zehn Betten und Marktanteil):
1. Niederlande 11,4 Mio. 13,0 %
2. Schweiz 6,9 Mio. 7,9 %
3. Großbritannien 5,8 Mio. 6,7 %
4. Österreich 4,2 Mio. 4,8 %
5. Italien 4,0 Mio. 4,5 %
6. Frankreich 3,7 Mio. 4,2 %
7. Dänemark 3,3 Mio. 3,8 %
8. Polen 3,3 Mio. 3,8 %
9. Belgien 3,1 Mio. 3,6 %
10. Spanien 3,0 Mio. 3,5 %
Die wichtigsten Quellmärkte in Übersee sind:
1. USA 6,7 Mio. 7,6 %
2. China 3,0 Mio. 3,4 %
3. Arab. Golfstaaten 1,8 Mio. 2,0 %
2. Mit welchen konkreten Maßnahmen soll die Attraktivität Deutschlands als
Reiseland in den Quellmärkten, insbesondere in denen, wo Deutschland
bereits eine starke Position hat, weiter ausgebaut werden?
Die Bundesregierung bedient sich zur Steigerung der Attraktivität
Deutschlands als Reiseland vor allem der Deutschen Zentrale für Tourismus e. V.
(DZT), die das positive Image Deutschlands als Reiseland im Ausland weiter
ausbaut und den Tourismus nach Deutschland fördert.
Entsprechend ihrer Ziel- und Aufgabenfestlegung durch das
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) sind Grundlage sämtlicher Aktivitäten
der DZT die Ergebnisse der Marktforschung. Dies gilt sowohl im Hinblick auf
das wirtschaftliche Potenzial und die Wachstumsmöglichkeiten bestehender
und potenzieller Quellmärkte als auch hinsichtlich der gewählten
Vertriebskanäle, um die zur Verfügung gestellten Mittel entsprechend wirtschaftlich und
zielgerichtet einzusetzen.
In den wichtigsten Quellmärkten unterhält die DZT eigene
Auslandsvertretungen, die die Kontakte zur jeweiligen Reisewirtschaft vor Ort pflegen und
ausbauen und marktspezifische Marketingaktivitäten umsetzen. In weiteren
Quellmärkten werden Vertriebsagenturen – oft in Zusammenarbeit mit den
Auslandshandelskammern – betrieben.
Neben der sogenannten Business-to-Business -Kommunikation mit der
Reisewirtschaft nutzt die DZT die Möglichkeiten der Digitalisierung, um auch
Endkonsumentinnen und Endkonsumenten direkt anzusprechen, beispielsweise
über Online-Kampagnen, Social-Media-Aktivitäten und den Einsatz
immersiver Technologien (wie Augmented Reality oder Virtual Reality).
Die Marktbearbeitung in den über 50 Ländern erfolgt sowohl mit markt- und
zielgruppenspezifischen Aktivitäten für Endkundinnen und Endkunden als auch
für den Reisevertrieb sowohl on- als auch offline. Weltweit organisiert die DZT
jährlich über 200 markt- und zielgruppenspezifische Kampagnen.
Beispielhaft sollen drei Kampagnen erwähnt werden:
– Die weltweite Themenkampagne #celebratingBauhaus zum 100-jährigen
Jubiläum der Gründung des Bauhauses in Zusammenarbeit mit der
Geschäftsstelle bauhaus100 dokumentiert das Thema in allen Regionen
Deutschlands. Ein Fokus in den Marketingaktivitäten waren der
„Medien-Summit“ 2018 in Weimar sowie Öffentlichkeitsarbeit in allen
relevanten Auslandsmärkten.
– Die crossmediale Kampagne German Summer Cities präsentiert das
Reiseland Deutschland in den fünf Clustern Urban City,
Sehenswürdigkeiten, Urlaub am Wasser, Kunst und Kultur sowie Romantik. Rund 50
Partner aus der deutschen Reisewirtschaft nutzten bisher die Möglichkeit,
über die Buchung von Marketingpaketen an der starken internationalen
Präsenz in den Social-Media-Kanälen, auf Online-Buchungsplattformen
sowie über Live-Events in 15 Schwerpunktmärkten teilzuhaben.
– Die Kommunikationskampagne aus Anlass des 30. Jahrestages des
Mauerfalls präsentiert das gewachsene touristische Angebot in ganz
Deutschland 30 Jahre nach dem Mauerfall. Dazu nutzt die DZT unter anderem
das sogenannte Influencer-Marketing über sogenannte Instagrammer-
Touren mit Live-Berichterstattung aus ganz Deutschland, Presse-
Highlight-Reisen und verschiedene Formate der Öffentlichkeitsarbeit.
Zahlreiche weitere Kampagnenbeispiele enthält der Jahresbericht der DZT:
www.germany.travel/media/pdf/ueber_uns_2/2018_11/DZT_Jahresbe
richt2018_DE.pdf.
3. Mit welchen konkreten Maßnahmen will die Bundesregierung die
angestrebte Erschließung neuer Zukunftsmärkte erreichen?
Das für Tourismus zuständige BMWi vereinbart mit der DZT jährlich eine Ziel-
und Aufgabenfestlegung. Diese umfasst auch eine kontinuierliche
Standortanalyse, im Rahmen derer potenzielle Zukunftsmärkte identifiziert und konkrete
Maßnahmen zu deren Bearbeitung entwickelt werden. Basierend auf den
Analyseergebnissen hat die DZT z. B. im Jahr 2012 eine Vertriebsagentur in
Kooperation mit dem Danube Competence Center aufgebaut, um die
potenzialstarken europäischen Länder der Balkanregion besser zu erschließen. In China
wurde die bestehende Vertriebsagentur im Jahr 2015 in eine eigene
Auslandsvertretung umgewandelt. Im Jahr 2017 startete die DZT eine gezielte
Marktbearbeitung potenzialstarker Märkte in Südostasien mit Hilfe einer neuen
Vertriebsagentur in Singapur sowie in Südamerika durch eine neue
Vertriebsagentur in Buenos Aires.
Erste Aufgaben bei der Einrichtung neuer regionaler Büros sind der Aufbau
qualifizierter Kontakte in die dortige Reisewirtschaft und die Identifikation
marktspezifischer Anforderungen. Intensive Medienarbeit über klassische
Instrumente wie Pressekonferenzen, Pressegespräche, Redaktionsbesuche sind
ebenso wichtig wie der Aufbau einer intensiven Business-to-Consumer-
Kommunikation über relevante Social-Media-Kanäle. Multiplikatoren werden
gezielt angesprochen und akquiriert, beispielsweise für die Teilnahme an der
jährlichen zentralen Verkaufsveranstaltung in Deutschland, dem Germany
Travel Mart.
4. Sollen nach Auffassung der Bundesregierung zur Erschließung neuer
Zielmärkte die finanziellen Mittel der DZT erhöht werden?
Falls ja, in welcher Höhe?
Falls nein, warum nicht?
Die DZT erhält Mittel aus dem Bundeshaushalt im Rahmen einer
institutionellen Förderung und stellt hierzu jährlich einen Wirtschaftsplan auf. Das BMWi
legt jährlich die Ziele und Aufgaben fest, die mit der institutionellen Förderung
der DZT zur Förderung des Tourismus aus dem Ausland nach Deutschland
(Incoming-Tourismus) erreicht bzw. erfüllt werden sollen.
Zuletzt erfolgte im parlamentarischen Verfahren zum Bundeshaushalt 2018 eine
dauerhafte Erhöhung der institutionellen Förderung, um unter anderem das
strategische und langfristige Marketing in besonders dynamischen
Quellmärkten auszubauen bzw. solche Märkte zu erschließen. Für das Jahr 2020 sind
personelle Verstärkungsmittel in Höhe von 192.000 Euro vorgesehen.
5. Falls die Mittel der DZT zwecks Erschließung neuer Zukunftsmärkte nicht
erhöht werden sollen, ist nach Kenntnis der Bundesregierung geplant, dass
die DZT die im Bundeshaushalt bewilligten Haushaltsmittel zu Lasten
anderer Projekte umschichtet, damit neue Zukunftsmärkte erschlossen
werden können?
Die Mittelverwendung der DZT orientiert sich an der jährlichen Ziel- und
Aufgabenfestlegung durch das BMWi, die auf notwendiger Marktforschung
aufbaut. Der Wirtschaftsplan der DZT 2020 sieht im Vergleich zu 2019 eine
Erhöhung der Aufwendungen für Auslandsmarketing vor.
6. Mit welchen Konzepten will die Bundesregierung den mit einer
Erschließung neuer Zielmärkte und einem Ausbau der Quellmärkte verbundenen
Anstieg der Urlauberzahlen in Einklang mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie
bringen?
Im Jahr 2017 hat die Bundesregierung die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie
fortgeschrieben und damit den Rahmen für die Umsetzung der Agenda 2030
der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung gesetzt. Die DZT bietet
entsprechend auf ihren Internetseiten ausführliche Informationen zum
nachhaltigen Reisen in Deutschland (siehe
www.germany.travel/de/microsite/nachhal
tigkeit/nachhaltigkeit.html).
Das Erschließen weiterer Wachstumspotenziale auch vor dem Hintergrund der
Nachhaltigkeitsziele wird die Bundesregierung im Rahmen der weiteren
Entwicklung einer nationalen Tourismusstrategie erörtern.
Ein aktuelles Forschungsvorhaben mit dem Arbeitstitel „Weiterentwicklung des
nachhaltigen Tourismus“ befasst sich derzeit mit der Messbarkeit der
Nachhaltigkeit des Deutschlandtourismus, auch im Kontext der Indikatorenentwicklung
im Rahmen der 17 Ziele der nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen.
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
nukleare Sicherheit finanziell gefördert.
7. Mit welchen Erkenntnissen kann die Bundesregierung die Aussage in ihren
Eckpunkten zur Nationalen Tourismusstrategie untermauern, wonach
Deutschland durch die Tourismuswerbung im Ausland verstärkt als
attraktiver Standort für lohnende Investitionsentscheidungen wahrgenommen
wird?
Die Förderung des touristischen Images und die Attraktivität als
Investitionsstandort korrelieren miteinander. Indem die Tourismuswerbung ein positives
Deutschlandbild im Ausland vermittelt, wirkt sie gleichzeitig positiv auf die
Attraktivität Deutschlands für Investitionsentscheidungen, für die u. a. auch die
Attraktivität eines Standorts für Fach und Führungskräfte relevant ist.
Das World Economic Forum platziert Deutschland als Wirtschaftsnation im
weltweiten Vergleich von 140 Staaten aktuell auf dem 7. Platz und im Travel &
Tourism Competitiveness Index auf Platz 3. Im Anholt-GfK Nation Brands
Index liegt Deutschland insgesamt auf dem 1. Platz unter 50 verglichenen
Nationen weltweit. Bei den Unterpunkten wurden das Immigrations- und
Investitionspotenzial 2018 mit dem 3. Platz, Tourismus mit dem 9. Platz bewertet.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]