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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Haltung der Bundesregierung zur Studie des Instituts für Auslandsbeziehungen "Transnationale Auswärtige Kulturpolitik - Jenseits der Nationalkultur"
(insgesamt 13 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)
Fraktion
AfD
Ressort
Auswärtiges Amt
Datum
22.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1375404.10.2019
Haltung der Bundesregierung zur Studie des Instituts für Auslandsbeziehungen "Transnationale Auswärtige Kulturpolitik - Jenseits der Nationalkultur"
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Petr Bystron, Martin Erwin Renner,
Dr. Götz Frömming, Thomas Ehrhorn und der Fraktion der AfD
Haltung der Bundesregierung zur Studie des Instituts für Auslandsbeziehungen
„Transnationale Auswärtige Kulturpolitik – Jenseits der Nationalkultur“
Die Bundesregierung hat in Gestalt der Staatsministerin für Auswärtige Kultur-
und Bildungspolitik am 28. Februar 2019 in einer Rede angekündigt, die
„grundlegende Strategie der Bundesregierung für die Auswärtige Kultur- und
Bildungspolitik“, die „Konzeption 2000“, 2020 durch eine neue Strategie
ersetzen zu wollen. Darin soll die Frage beantwortet werden, wie die
Bundesregierung ihre internationale Kultur- und Bildungspolitik für die nächsten Jahre
„aufstellen“ will. Es sei Zeit für eine Kulturpolitik, bei der es darum gehe, „die
alten nationalstaatlichen Begrenzungen zu überwinden“. Es müsse „so etwas
wie ein neues Grundsatzprogramm“ her. Am Ende soll eine „europäisch
ausgerichtete Kulturpolitik“ stehen, „die von den neuen digitalen und
kommunikativen Möglichkeiten Gebrauch“ mache und auf die „Einbindung der
Zivilgesellschaft“ setze (www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/muentefering-
europakreativ/2194078).
Im August 2019 veröffentlichte das Institut für Auslandsbeziehungen (IFA)
eine Studie mit dem Titel „Transnationale Auswärtige Kulturpolitik – Jenseits der
Nationalkultur. Voraussetzungen und Perspektiven der Verschränkung von
Innen und Außen“ der Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel, die im Auftrag
des IFA entstand (www.ifa.de/wp-content/uploads/2019/05/ifa_ifa_studie_wei
gel_transnationale-auswaertige_kulturpolitik.pdf = Studie). Adressat dieser
Studie ist das Auswärtige Amt. Darin stellt die Autorin unter anderem fest, dass
es „kein Zurück zu einer autochthon, deutschen Kultur“ gebe, „die ohnehin nie
existierte“ (a. a. O., S. 108). Die „Vorstellung einer kollektiven Identität“
erklärt Weigel für „widersinnig“ (a. a. O., S. 79). Die deutsche Nationalkultur
erklärt sie zum Konstrukt des 19. Jahrhunderts (a. a. O., S. 83). „Nationale
Kultur“ und „nationale Identität“ hätten „historisch so nie existiert“, denn diese
„Konzepte sind das Produkt von Erzählungen am Leitfaden der Einheit, die im
19. Jahrhundert von den Geisteswissenschaften hervorgebracht wurden“
(a. a. O., S. 11).
Diese „Konzepte“ stehen heute offenbar, so der Tenor des hier präsentierten
Narrativs, einer auswärtigen Kulturpolitik entgegen, die sich „künftig
postnationalstaatlich und verstärkt europäisch orientieren“ soll, um Europa in der
„Welt eine stärkere Stimme zu verleihen“ (a. a. O., S. 5).
Die Fragesteller sehen durch diese Studie mit Blick auf die deutsche
Nationalkultur grundsätzliche Fragen der Kulturpolitik berührt. Es ist deshalb von
Interesse, wie sich die Bundesregierung zur IFA-Studie stellt.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13754
19. Wahlperiode 04.10.2019
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Aus welchen Gründen wurde die IFA-Studie „Transnationale Auswärtige
Kulturpolitik – Jenseits der Nationalkultur. Voraussetzungen und
Perspektiven der Verschränkung von Innen und Außen“ (ifa-Edition Kultur und
Außenpolitik, Stuttgart 2019) in Auftrag gegeben?
2. Was waren die Gründe dafür, die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin
Sigrid Weigel mit der Ausarbeitung dieser IFA-Studie zu beauftragen?
3. Auf welche Summe war das Budget für die Ausarbeitung der IFA-Studie
veranschlagt?
4. Steht diese Studie im Zusammenhang mit dem Bestreben der
Bundesregierung, im Jahr 2020 eine neue Strategie für die Auswärtige Kultur- und
Bildungspolitik vorlegen zu wollen (siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, welche Aspekte und Handlungsempfehlungen der Studie
erachtet die Bundesregierung als maßgeblich im Hinblick auf die neue
Strategie für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, die 2020
vorgestellt werden soll?
b) Wenn nein, warum nicht?
5. Treffen Medienberichte zu, dass diese Studie erst mit „monatelanger
Verspätung auf der Website des IFA veröffentlicht wurde“ (www.sueddeut
sche.de/kultur/auswaertige-kulturpolit ik-deutsche-nationalkul
tur-1.4576458)?
Wenn ja, warum wurde die Studie erst mit erheblicher zeitlicher
Verzögerung veröffentlicht?
6. Teilt die Bundesregierung die im Vorwort der Studie formulierte Prognose,
nach der sich „auswärtige Kulturpolitik“ „künftig post-nationalstaatlich
und verstärkt europäisch orientieren“ müsse (siehe Vorbemerkung der
Fragesteller sowie a. a. O., S. 5)?
a) Wenn ja, was versteht die Bundesregierung in diesem Zusammenhang
unter „post-nationalstaatlich“?
b) Wenn nein, warum teilt die Bundesregierung diese Einschätzung nicht?
7. Stimmt die Bundesregierung mit der in der Studie erhobenen Behauptung
überein, die Bezeichnung Deutschlands als „Kulturnation“ impliziere die
Aussage, „dass andere Nationen keine Kultur haben“; sie unterstelle „die
Überlegenheit einer Kulturnation gegenüber Nationen, denen dieser Titel
nicht zukommt“ (a. a. O., S. 85)?
a) Wenn ja, inwieweit und warum stimmt die Bundesregierung mit dieser
Behauptung überein?
b) Wenn nein, warum stimmt die Bundesregierung nicht mit dieser
Behauptung überein?
8. Stimmt die Bundesregierung mit der in der Studie erhobenen Behauptung
überein, „nationale Kultur“ und „nationale Identität“ hätten „historisch so
nie existiert“, denn diese Konzepte seien „das Produkt von Erzählungen am
Leitfaden der Einheit, die im 19. Jahrhundert von den
Geisteswissenschaften hervorgebracht wurden“ (a. a. O., S. 11)?
a) Wenn ja, inwieweit und warum stimmt die Bundesregierung mit dieser
Behauptung überein?
b) Wenn nein, warum stimmt die Bundesregierung nicht mit dieser
Behauptung überein?
9. Stimmt die Bundesregierung mit der in der Studie erhobenen Behauptung
überein, die „unter dem Titel einer Leitkultur geführten Debatten“ stellten
den Versuch dar, „etwas zu erhalten oder zu verteidigen, was in dieser
Form so niemals existiert hat“ (a. a. O., S. 77)?
a) Wenn ja, inwieweit und warum stimmt die Bundesregierung mit dieser
Behauptung überein?
b) Wenn nein, warum stimmt die Bundesregierung nicht mit dieser
Behauptung überein?
10. Stimmt die Bundesregierung mit der in der Studie erhobenen Behauptung
überein, dass der Begriff Kulturnation „belastet“ sei, und zwar einmal
durch das „prekäre Erbe eines geistig-kulturellen Überlegenheits-
Phantasmas“ und zum anderen durch seine „Verknüpfung mit der Rolle des
Volksbegriffs“, seien doch die „‚Einheit des Volkes‘ und ‚Kulturnation‘
zwei Seiten einer Medaille der im 19. Jahrhundert konstruierten deutschen
Nationalkultur“ (a. a. O., S. 83)?
a) Wenn die Bundesregierung mit dieser Behauptung übereinstimmt,
inwieweit tut sie dies, und welche Konsequenzen hat das für die
„moralischen Verpflichtungen“, die Deutschland daraus erwachsen, dass es als
„Kulturnation“ sein „kulturelles Erbe“ und seine „gesellschaftlichen
Fundamente“ zu achten habe (Das Neue Kulturgutschutzgesetz.
Handreichung für die Praxis, hrsg. von der Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien, März 2017, S. 13)?
b) Wenn nein, warum stimmt die Bundesregierung nicht mit dieser
Behauptung überein?
11. Stimmt die Bundesregierung mit der in der Studie erhobenen Behauptung
überein, dass eine „autochthon, deutsche Kultur […] ohnehin nie
existierte“ (a. a. O., S. 108)?
a) Wenn ja, inwieweit und warum stimmt die Bundesregierung mit dieser
Behauptung überein?
b) Wenn nein, warum stimmt die Bundesregierung nicht mit dieser
Behauptung überein?
12. Teilt die Bundesregierung die in der Studie erhobene Anregung, einen
deutschen Universitätsverlag zu gründen und zu fördern, der
deutschsprachige geistes- und kulturwissenschaftliche Forschung für den
internationalen englischsprachigen Buchmarkt übersetzt, produziert und vertreibt
(a. a. O., S. 93)?
a) Wenn ja, warum stimmt die Bundesregierung mit dieser Anregung
überein?
b) Wenn nein, warum stimmt die Bundesregierung nicht mit dieser
Anregung überein?
13. Gibt es mit Blick auf die neue Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, die
im Jahr 2020 vorgestellt werden soll, seitens der Bundesregierung bereits
Überlegungen dazu, ob und ggf. wie zivilgesellschaftliche Gruppen in die
Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik einzubinden sind?
a) Wenn ja, welcher Art sind diese Überlegungen?
b) Wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 12. September 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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