Prothesen aus dem 3D-Drucker für Menschen mit Behinderungen
der Abgeordneten Jens Beeck, Michael Theurer, Johannes Vogel (Olpe), Carl-Julius Cronenberg, Pascal Kober, Till Mansmann, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Peter Heidt, Markus Herbrand, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Konstantin Kuhle, Michael Georg Link, Oliver Luksic, Alexander Müller, Dr. Martin Neumann, Bernd Reuther, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Manfred Todtenhausen, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Industrieller 3D-Druck ist seit Jahren auf dem Vormarsch und hat das Potential, klassische Produktherstellung gründlich zu revolutionieren. Satelliten-, Fahr- und Flugzeugteile, Medizintechnik, Silikonwerkstoffe etc. werden bereits im 3D-Verfahren hergestellt. Der Katalog von verwendbaren Materialien erscheint endlos und nachhaltig (vgl. www.tagesschau.de/ausland/herz-aus-drei-d-drucker-101.html)
Menschen mit Mobilitätseinschränkungen profitieren nunmehr vereinzelt von der Digitalisierung in den Bereichen Prothetik und Orthetik. Betroffene erfahren Lebensbereicherungen durch Medizintechnik aus dem 3D-Drucker (vgl. http://rehatreff.de/fuesse-aus-dem-drucker-geht-das/). Trotz zahlreicher Revolutionen in Industrie und Forschung ist die Versorgung der Bedürftigen jedoch nach Ansicht der Fragesteller noch unbefriedigend.
Die Divergenz zwischen dem rasanten und vielversprechenden Fortschritt der Technologie und der durch Studien bekräftigten Tatsache, dass die Hälfte aller amputierten Patienten mit Prothese ihren Alltag mit dieser weder bewältigen können noch zu längerer Bewegung fähig sind, wirft Fragen auf. Zwischen Amputierten herrscht der untragbare Zustand einer Ungleichbehandlung, je nachdem in welchem Rechtskreis sie sind; Berufsunfallopfer stehen gesetzlich Versicherten gegenüber (vgl. www.tagesspiegel.de/wissen/fehler-in-der-gesundheitsversorgung-trotz-prothese-nie-wieder-auf-die-beine/24383596.html).
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen sind großes Potential und neue Perspektiven für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen denkbar. Die derzeitige Anwendung- und Bewilligungspraxis lässt Fragen offen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen13
Hat die Bundesregierung sich eine Position zur 3D-Drucker-Technologie und deren funktioneller Verbindung zur Prothetik gebildet, und wenn ja, welche?
Wie viele und welche Prothesen und Orthesen aus dem 3D-Drucker haben nach Kenntnis der Bundesregierung bereits Marktreife erlangt?
Welche dieser Prothesen und Orthesen werden nach Kenntnis der Bundesregierung vom Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen?
Welche dieser Prothesen und Orthesen werden nach Kenntnis der Bundesregierung vom Leistungskatalog der gesetzlichen Unfallversicherung übernommen?
Sieht die Bundesregierung eine Ungleichbehandlung bei Ansprüchen aufgrund der unterschiedlichen Leistungskataloge des Siebten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VII) und des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V), und hält sie diese für gerechtfertigt?
Ist der Bundesregierung das aus der Ludwig Maximilians Universität (LMU) München heraus gegründete Medizintechnik-Start-up Mecuris bekannt, und wie beurteilt die Bundesregierung die von Mecuris entwickelte Orthopädietechnik und das Prinzip der digitalen Werkstatt?
Sind der Bundesregierung weitere 3D-Forschungsprojekte bekannt, die sich vordergründig der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen widmen?
Werden die jeweiligen Forschungsprojekte von der Bundesregierung unterstützt?
Wann, und in welcher Höhe wurden Haushaltsmittel zur Unterstützung verwendet?
Welche Schritte beabsichtigt die Bundesregierung zur Unterstützung von Reha-Zentren, Kranken- oder Ärztehäusern, um die Anwendung dieser neuesten Techniken schnell und sicher gewährleisten zu können?
Ist die Bundesregierung im Bilde über die neuesten Innovationen der Messen RehaCare, OT-World, REHAB etc., sodass bereits bestehende Unterstützungskonzepte ständig aktualisiert werden können, und welche Schlussfolgerungen zieht sie aus den neuesten Erkenntnissen?
Sind Gespräche der Bundesregierung mit der Industrie, mit Betroffenen, Verbänden oder sonstigen Akteuren in diesem Bereich geplant, oder werden sie bereits geführt, und falls ja, seit wann, und mit welchen Ergebnissen?
Liegen der Bundesregierung zur Anwendung von Prothesen und Orthesen aus dem 3D-Drucker bei Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen Erkenntnisse vor, und sieht sie in der Folge auch positive Auswirkungen auf soziale und psychische Faktoren?
Sieht die Bundesregierung Potential in der dank neuester Technologien möglichen Hilfe insbesondere für Kinder und Jugendliche in diesem Bereich?