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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Fachkräftebildung in der Landwirtschaft

(insgesamt 18 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

27.11.2019

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/1509013.11.2019

Fachkräftebildung in der Landwirtschaft

der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Franziska Gminder, Verena Hartmann, Wilhelm von Gottberg und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Landwirte beklagen zunehmend einen Fachkräftemangel in der Landwirtschaft. Während die Entwicklung bei den Saisonarbeitskräften und anderen Arbeitskräften für einfache Tätigkeiten eher als unproblematisch gesehen werden kann, wird die Situation bei Fachkräften durch über 70 Prozent der Betriebsleiter in landwirtschaftlichen Betrieben als problematisch beurteilt. Die Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft berichtet von Betriebsleitern, denen es immer schwerer fällt, Fachkräfte zu finden (Quelle: Berichte über Landwirtschaft; Band 94; Heft 1, Mai 2016).

Seit dem Jahr 2007 ist die Zahl der Ausbildungsverträge im Zuständigkeitsbericht der Landwirtschaft von 15.813 auf 13.465 gesunken (gesamtes Bundesgebiet). Dies entspricht einem Rückgang um fast 15 Prozent (Quelle: Berufsbildungsberichte 2007 und 2019, Bundesministerium für Bildung und Forschung – BMBF); www.bmbf.de/upload_files/tore/pub/Berufsbildungsbericht_2019.pdf, S. 60 für 2019 und www.bibb.de/dokumente/pdf/berufsbildungsbericht_2007.pdf, S. 13 für 2007).

In den ostdeutschen Bundesländern ist die Situation nach Ansicht der Fragesteller besonders besorgniserregend. So ging z. B. in Thüringen die Zahl der Auszubildenden von 1.079 im Jahr 2004 auf 549 Auszubildende im Jahr 2017 zurück (Quelle: topagraronline www.topagrar.com/management-und-politik/news/thueringer-hoefe-leiden-unter-azubi-mangel-9562810.html).

Die tarifliche Ausbildungsvergütung weist immer noch eine West-/Ostdifferenzierung aus. So erhalten Azubis in der Landwirtschaft in Westdeutschland 791 Euro pro Monat als Vergütung. In Ostdeutschland sind dies nur 652 Euro pro Monat (Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung – BIBB – Deutschland), www.bibb.de/ausbildungsverguetung-2018).

Der Fachkräftemangel in der Landwirtschaft schlägt sich auf den Generationenwechsel bei den Führungskräften nieder. Besonders in Ostdeutschland geht 30 Jahre nach der politischen Wende 1990 zunehmend eine ganze Generation in den Ruhestand. Der Fachkräftenachwuchs ist hier nicht ausreichend (Quelle: https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/89/Gindele.html).

Besonders schlecht sieht es bei den Tierwirten aus, für die es außerordentlich schwer ist, Fachkräftenachwuchs zu finden (Quelle: www.tagesspiegel.de/berlin/fachkraeftemangel-in-brandenburg-schwierige-suche-nach-azubis-in-derlandwirtschaft/25048478.html)-

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen18

1

Wie viele offene Stellen für Fachkräfte in den land- und forstwirtschaftlichen Berufen sind nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell nicht besetzt?

2

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge zu den tatsächlichen Zahlen des Nachwuchsbedarfes bei Fachkräften in den land- und forstwirtschaftlichen Berufen in den letzten zehn Jahren entwickelt?

3

Wie begründet die Bundesregierung den Rückgang der Zahl der Ausbildungsverträge 2007 zu 2017 um fast 15 Prozent im Bereich der Landwirtschaft (vgl. Quelle in der Vorbemerkung)?

4

Welche der 14 Grünen Berufe im Bereich der Landwirtschaft decken nach Kenntnis der Bundesregierung am wenigsten den tatsächlichen Bedarf an Fachkräftenachwuchs, und welche am höchsten?

5

Gab bzw. gibt es Programme der Bundesregierung, Flüchtlinge mit Bleibeperspektive in den landwirtschaftlichen Berufen anzusiedeln?

Wenn ja, in welcher Größenordnung, und mit welchem Erfolg?

6

Warum liegt nach Kenntnis der Bundesregierung der Frauenanteil unter den Auszubildenden in den landwirtschaftlichen Berufen bei nur 23,5 Prozent (2017, www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Berufsbildungsbericht_2017.pdf, S. 34)?

7

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Frauenanteil jeweils in den 14 Grünen Berufen im Bereich der Landwirtschaft?

8

Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, den Frauenanteil in der Landwirtschaft zu erhöhen?

9

Wie beurteilt die Bundesregierung die immer noch bestehenden Unterschiede bei den Vergütungen für Auszubildende im Bereich der Landwirtschaft in Ost und West?

10

Wie schätzt die Bundesregierung die Perspektiven von jungen Fachkräften in der Landwirtschaft für die Gründung eines eigenen Landwirtschaftsbetriebes ein, angesichts steigender Ackerlandpreise und geringerer Infrastruktur im ländlichen Raum (Quelle: www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschu-ren/LR-verstehen.pdf?__blob=publicationFile)?

11

Wie viele Neugründungen von Landwirtschaftsbetrieben gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren durch junge Fachkräfte unter 27 Jahren?

12

Welche Größen hatten nach Kenntnis der Bundesregierung die neu gegründeten Landwirtschaftsbetriebe der letzten zehn Jahre nach Fläche bzw. nach Angestellten und Arbeitern?

13

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Berufswechsler von einem erlernten Beruf der Landwirtschaft in eine branchenfremde Tätigkeit?

14

Wie viele Jahre bleiben nach Kenntnis der Bundesregierung ausgebildete Fachkräfte der 14 Grünen Berufen im erlernten Beruf?

15

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Ausbildungsabbrecher in den 14 Grünen Berufen der Landwirtschaft?

16

Welche Förderprogramme stehen nach Kenntnis der Bundesregierung für die Neugründung eines landwirtschaftlichen Betriebes allgemein und speziell für Junglandwirte zur Verfügung?

17

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Verhältnis von gelernten und ungelernten Arbeitskräften in der Landwirtschaft in den letzten 20 Jahren entwickelt?

18

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil des Niedriglohnsektors in der Landwirtschaft in den letzten 20 Jahren entwickelt?

Berlin, den 23. Oktober 2019

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

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