Kunstrasenplätze erhalten – Sportvereine schützen
der Abgeordneten Oliver Luksic, Britta Katharina Dassler, Frank Sitta, Daniela Kluckert, Torsten Herbst, Dr. Christian Jung, Bernd Reuther, Dr. Marcel Klinge, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Jens Beeck, Olaf in der Beek, Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Manuel Höferlin, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Thomas L. Kemmerich, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Roman Müller-Böhm, Dr. Martin Neumann, Bernd Reuther, Matthias Seestern-Pauly, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Michael Theurer, Stephan Thomae und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die rund 90.000 Sportvereine mit ihren 23 Millionen Mitgliedern in Deutschland leisten einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie fördern das faire sportliche Miteinander durch die gesamte Breite der Bevölkerung hindurch und ermöglichen vielen Menschen sportliche Betätigung und Engagement. Damit stärken sie nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt und ermöglichen den Breitensport, sondern legen auch die Grundlage für Spitzensport in Deutschland.
Aufgrund der ausgeprägten Nutzung von Rasenplätzen, insbesondere durch Fußballvereine, haben viele Sportvereine in Kunstrasenplätze investiert. Diese sind kostengünstig, ganzjährig bespielbar und leicht zu pflegen. Allerdings könnten Kunstrasenplätze mit Gummigranulat durch eine Regelung der Europäischen Union im schlimmsten Fall ab 2022 nicht mehr zulässig sein. Da aktuell keine preiswerten, verfügbaren Ersatzmöglichkeiten bestehen, zieht dies eine große finanzielle Belastung für die Sportvereine mit sich, die kaum zu bewältigen ist. Die Auswirkungen eines Verbots von Kunstrasenplätzen würden tausende Sportvereine betreffen und den sportlichen Betrieb schwer einschränken.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen22
Wie viele Kunstrasenplätze in der Bundesrepublik Deutschland sind nach Kenntnis der Bundesregierung mit Gummigranulat (SBR Recycklat, PUR-umhülltes SBR, EPDM, EPDM-Fasergranulat, TPE) verfüllt?
Geht die Bundesregierung bei allen in Frage 1 genannten Befüllungsmaterialen von gleicher Wirkung auf die Umwelt aus, und wenn nein, welches Material ist am umweltverträglichsten und nachhaltigsten?
Sind der Bundesregierung Forschungsbeiträge für ein umweltverträgliches Material bekannt, und wenn ja, welche Referenzen muss ein Material erfüllen, um als nachhaltig durch die Bundesregierung bewertet zu werden?
Wie werden diese Forschungsbeiträge durch die Bundesregierung gefördert?
Wie viele Kunstrasenplätze in der Bundesrepublik Deutschland sind nach Kenntnis der Bundesregierung ausschließlich mit Sand verfüllt?
Wie viel Kilogramm Gummigranulat muss nach Kenntnis der Bundesregierung ein Kunstrasensportplatz mit Gummigranulat-Füllung pro Jahr durchschnittlich nachfüllen?
Wie viele Kunstrasenplätze in der Bundesrepublik Deutschland sind nach Kenntnis der Bundesregierung mit Korkmaterial verfüllt?
a) Gibt es, nach Kenntnis der Bundesregierung, ein Prüfverfahren für die Qualität des Korkmaterials, welches für die Befüllung von Kunstrasenplätzen benutzt wird?
b) Wie plant die Bundesregierung, die Qualität des Korkmaterials, welches für die Befüllung von Kunstrasenplätzen benutzt wird, zu prüfen?
c) Werden nach Kenntnis der Bundesregierung Kunstrasenplätze, die mit Korkmaterial befüllt werden, gefördert?
d) Wie wirken sich Witterungsverhältnisse (wie Wind und Regen) nach Kenntnis der Bundesregierung auf das Korkmaterial aus, und wie plant die Bundesregierung das Korkmaterial vor Witterungsbedingungen zu schützen?
e) Ist der Bundesregierung die Gefahr von Schimmelpilzbefall von Korkmaterial auf Kunstrasenplätzen bekannt, und wenn ja, wie plant die Bundesregierung dagegen vorzugehen?
Wie viele Kunstrasenplätze sind auf den deutschen Olympiastützpunkten nach Kenntnis der Bundesregierung mit jeweils welchem Material aus Frage 1 verfüllt?
Werden nach Kenntnis der Bundesregierung auch in Zukunft Kunstrasenplätze auf den deutschen Olympiastützpunkten gebaut? Wenn ja, mit welchem Material soll nach Kenntnis der Bundesregierung verfüllt werden?
Wie viel Kilogramm Gummigranulat befindet sich nach Kenntnis der Bundesregierung pro Quadratmeter durchschnittlich auf einem Kunstrasenplatz in Deutschland?
Wie viel Kilogramm Gummigranulat befindet sich nach Kenntnis der Bundesregierung pro Quadratmeter durchschnittlich auf einem Kunstrasenplatz in den anderen EU-Staaten inklusive Großbritannien (bitte einzeln nach Land auflisten)?
Welche Granulatmaterialen wurden auf den von der Bundesregierung geförderten Sportplätzen eingesetzt?
Werden nach Kenntnis der Bundesregierung Rasenplätze für Sportvereine gefördert (bitte einzeln nach Bundesland auflisten)?
Wie bewertet die Bundesregierung die Wirkung von Hilfsmitteln auf Kunstrasenplätzen wie beispielsweise Filtern, um den Verlust von Gummigranulat zu minimieren?
Sind der Bundesregierung Projekte bekannt, die langlebige und nachhaltige Kunstrasenmaterialien erforschen oder entwickeln, und wenn ja, werden diese durch die Bundesregierung gefördert?
Welche Kenntnisse besitzt die Bundesregierung über Äußerungen der Europäischen Kommission oder anderer EU-Institutionen zu einem möglichen Verbot von Kunstrasenplätzen oder einzelnen Bestandteilen solcher Anlagen, und welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus solchen Äußerungen?
Wie bewertet die Bundesregierung die aktuelle Förderung von Kunstrasenplätzen in Deutschland unter der der Maßgabe, dass möglicherweise demnächst ein Verbot von Kunstrasenplätzen besteht?
Sollte durch die EU ein Verbot von Kunststoffverfüllungsmaterial erlassen werden, mit welchen Fristen rechnet die Bundesregierung bis zum Inkrafttreten einer solchen Regelung?
Plant die Bundesregierung eine Förderung zur Finanzierung der Umrüstung von Kunstrasenplätzen, die mit Gummigranulat verfüllt sind?
Welche Kenntnisse besitzt die Bundesregierung über die jeweiligen Eigenschaften von Kunstrasen- und Rasenplätzen, insbesondere im Hinblick auf Kosten, Verletzungsgefahr und Haltbarkeit, und welchen Einfluss haben diese Erkenntnisse auf die Sportpolitik und -förderung der Bundesregierung?
Wie ist der aktuelle Kommunikationsstand in Sachen Kunstrasen zwischen Bundesregierung und Deutschen Olympischen Sportbund? Ist nach Planungen der Bundesregierung eine gemeinsame Agenda für den künftigen Umgang mit Kunstrasenplätzen vorgesehen?
Welche Sportarten sind nach Kenntnis der Bundesregierung aufgrund der sportartspezifischen Eigenheiten besonders auf Kunstrasen angewiesen, und welche Alternativen gibt es für diese Sportarten?