Fachkraft-Präsenz in Arztpraxen
der Abgeordneten Christine Aschenberg-Dugnus, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein- Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Dr. Marcel Klinge, Konstantin Kuhle, Alexander Graf Lambsdorff, Michael Georg Link, Alexander Müller, Roman Müller-Böhm, Christian Sauter, Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Judith Skudelny, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Katja Suding, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Dr. Florian Toncar, Nicole Westig, Katharina Willkomm und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Rund 430.000 Medizinische Fachangestellte (MFA) stellen in Deutschland an der Seite der Ärzte die ambulante Versorgung sicher (Stand: Juni 2019, www.aerzteblatt.de/nachrichten/103556/Medizinische-Fachangestellte-verdienen-Anerkennung). Beim diesjährigen Deutschen Ärztetag wurde auf die große Bedeutung der qualifizierten Tätigkeit der MFA hingewiesen. Medizinische Fachangestellte unterstützen Ärztinnen und Ärzte nicht nur bei zunehmend komplexeren und sich verändernden Versorgungsaufgaben, sondern entlasten die Ärzteschaft, indem sie medizinische Aufgaben in Praxen und bei Hausbesuchen im Delegationsverfahren übernehmen (www.bundesaerztekammer.de/ fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/122.DAET/122DAETBeschlussprotokoll.pdf).Von daher wird mit großer Sorge beobachtet, dass qualifizierte Kräfte zunehmend aus dem Beruf abwandern. Um diese Entwicklung zu stoppen, und damit Arztpraxen auch künftig genug Nachwuchs finden, ist es nach Ansicht der Fragesteller dringend erforderlich, die Attraktivität des Berufes der Medizinischen Fachangestellten und seine Stellung im Kontext der anderen Gesundheitsfachberufe zu stärken. MFA bedürfen neben der bereits vorhandenen Wertschätzung durch die Ärzteschaft, auch einer stärkeren gesellschaftlichen Anerkennung. Dies gilt umso mehr, als andere Gesundheitsberufe derzeit deutlich durch die Politik gestärkt werden.
Eine Studie des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat gezeigt, dass das Stress-Level unter MFA außerordentlich hoch ist. Der Praxisalltag ist gekennzeichnet durch großen Zeitdruck, vor allem bei hohem Patientenaufkommen, häufige Unterbrechungen, Verantwortung, Arbeitsverdichtung und Multitasking. Dem steht wenig Wertschätzung in der Gesellschaft gegenüber.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen18
Welche Erkenntnisse zum aktuellen und künftigen Fachkräftebedarf bei Medizinischen Fachangestellten (MFA) liegen der Bundesregierung vor?
Durch wen wird nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle und der künftige Fachkräftebedarf bei MFA erfasst?
Welche Anzahl an auszubildenden MFA ist aus Sicht der Bundesregierung notwendig, um diesen Bedarf zu decken?
Wie viele MFA arbeiten nach Kenntnis der Bundesregierung in den einzelnen Bundesländern jeweils in Teilzeit?
Wie viele MFA arbeiten nach Kenntnis der Bundesregierung in den einzelnen Bundesländern jeweils in Vollzeit?
Wie viele MFA sind nach Kenntnis der Bundesregierung in den einzelnen Bundesländern jeweils als arbeitsuchend gemeldet?
Welche Anzahl an Personen hat in den einzelnen Bundesländern im Jahr 2019 die Ausbildung zum MFA begonnen, und wie hat sich diese Zahl jährlich seit 2000 entwickelt?
a) Wie viele dieser begonnenen Ausbildungen wurden vorzeitig abgebrochen?
b) Wie viele dieser begonnenen Ausbildungen wurden erfolgreich abgeschlossen?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Zahl der ausgebildeten MFA, die anschließend in ihrem Beruf arbeiten?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, wie lange MFA in ihrem Beruf arbeiten?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Personen jährlich seit 2017 aus dem EU-Ausland nach Deutschland gekommen, um als MFA zu arbeiten, und welche Anzahl dieser Personen ist heute als MFA tätig?
Sieht die Bundesregierung zusätzliche Entlastungsmöglichkeiten der Ärzte durch MFA – z. B. durch neue Qualifizierungen, und wenn ja, wie sollen diese umgesetzt werden?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der in der Vorbemerkung genannten Studie?
Ist der Bundesregierung bekannt, wie viele MFA zusätzlich einen Mini-Job annehmen?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele ausgebildete MFA in Krankenhäuser abwandern und somit ambulanten Arztpraxen nicht mehr zur Verfügung stehen?
Sieht die Bundesregierung hier Handlungsbedarf, und wenn ja, welchen?
Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über die Ausbildung der Lehrkräfte im Bereich der MFA-Ausbildung vor?
Beabsichtigt die Bundesregierung, die Attraktivität der MFA-Ausbildung zu steigern, und wenn ja, wie?
Beabsichtigt die Bundesregierung, die Ausbildung der MFA zu akademisieren, und wenn ja, in welchem Bereich?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Praxen ohne ausgebildete MFA arbeiten?