[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Daniela Kluckert, Frank Sitta,
Torsten Herbst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/16179 –
Einsatz von Smart Parking zur CO2-Reduzierung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Um die nationalen, europäischen und internationalen Klimaschutzziele
erreichen zu können, muss nach Ansicht der Fragesteller auch der Mobilitätssektor
seinen Beitrag leisten. Hierbei spielen nach Ansicht der Fragesteller nicht nur
neue, innovative Antriebs- und Speichertechnologien eine wichtige Rolle,
sondern auch Parkvorgänge. Studien zeigen, dass Parksuchverkehre für etwa
30 Prozent des Verkehrs in deutschen Städten verantwortlich sind (
www.inri
x.com/press-releases/parking-pain-de/). Ein Autofahrer benötigt im
Durchschnitt etwa acht Minuten, um einen Parkplatz zu finden, legt in dieser Zeit
durchschnittlich 4,5 Kilometer zurück und stößt circa 1,3 kg CO2 aus (
www.s
ubs.emis.de/LNI/Proceedings/Proceedings261/175.pdf). Die Parkplatzsuche
erhöht das Verkehrsaufkommen, führt zu einem Verlust an Lebenszeit,
verursacht Stress und ist eine Belastung für Umwelt, Klima und Luftqualität. Durch
den Zeitverlust, die Abgasbelastung und den Kraftstoffverbrauch entstehen
jedes Jahr Gesamtkosten in Höhe von nahezu 45 Mrd. Euro (
www.inrix.com/pre
ss-releases/parking-pain-de/). Das Ökonomisierungs- und
Optimierungspotenzial im Bereich des Parkens – sowohl innerhalb von Städten als auch an
deutschen Autobahnen – ist also enorm. Um die Parkplatzsuche effizienter und
intelligenter gestalten zu können, stehen bereits heute neueste, technische
Innovationen zur Verfügung. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass
sogenannte Smart-Parking-Technologien die laufenden Kosten senken können, zu einer
signifikanten Reduzierung des Parkplatzsuchverkehrs beitragen können, die
Effizienz steigern und die Suche vereinfachen können. Durch eine
Verminderung des Suchverkehrs können zudem Stickoxid- und Kohlenstoffdioxid-
Emissionen reduziert werden (
www.ey.com/Publication/vwLUAssets/ey-smar
t-city-beispiel-smart-parking/$File/ey-smart-city-beispiel-smart-parking.pdf).
Diese innovativen Lösungen stellen beispielsweise durch modernste Sensoren
fest, ob ein Parkplatz frei zur Verfügung steht. Diese Information wird dann an
das Smartphone des Benutzers weitergeleitet, welcher mittels
Navigationssoftware zum freien Parkplatz geführt wird und diesen per App bezahlen kann.
Der Einsatz digitaler und smarter Lösungen im Bereich des Parkens bietet also
großes Potenzial bei der Emissionsreduzierung und bei der Erreichung der
Klimaschutzvereinbarungen, welches sich derzeit noch nicht flächendeckend
entfalten kann.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/16513
19. Wahlperiode 15.01.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale
Infrastruktur vom 13. Januar 2020 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Hat die Bundesregierung zu der Frage, ob mit Smart-Parking-
Technologien und Applikationen Schadstoffemissionen, insbesondere
CO2-Emissionen, eingespart werden können?
Wenn ja, wie hoch schätzt die Bundesregierung das prozentuale und
absolute Einsparpotenzial ein?
Die Arbeitsgruppe 1 (Klimaschutz im Verkehr) der Nationalen Plattform
Zukunft der Mobilität schätzt das CO2-Minderungspotenzial von Smart-Parking-
Lösungen bei einer vollständigen Ausstattung kommunaler öffentlicher
Parkplätze mit entsprechender Sensorik und einer vollständigen Vermeidung von
Parksuchverkehr bis 2030 auf 0,4 bis 0,9 Millionen Tonnen pro Jahr im
Vergleich zu 2015. Eine Studie im Auftrag des Verbandes der Automobilindustrie
e. V. (VDA) aus dem Jahr 2015 kommt mit einer CO2-Einsparung von jährlich
0,5 Millionen Tonnen für das dort beschriebene Szenario „Innovation“ zu
einem ähnlichen Ergebnis. Darüber hinaus liegen der Bundesregierung keine
eigenen Erkenntnisse vor.
2. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung derzeit, um den Einsatz
von Smart-Parking-Technologien und Applikationen zu fördern?
3. Welche Maßnahmen führt die Bundesregierung derzeit aus, um den
Einsatz von Smart-Parking-Technologien und Applikationen zu fördern?
6. Werden Smart-Parking-Technologien und Applikationen im Rahmen des
Sofortprogramms Saubere Luft 2017 bis 2020 gefördert?
Wenn ja, welche Projekte haben sich bisher beworben, welche sind
bewilligt und welche realisiert worden (bitte namentlich inklusive Ort und
Projekttitel nennen)?
Die Fragen 2, 3 und 6 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert
mit der Innovationsinitiative mFund datenbasierte Lösungen für die Mobilität
4.0. Kommunen, Wissenschaft und Industrie können im Rahmen des
Programms fortlaufend Konzepte für die Förderung von Machbarkeitsstudien
(Förderlinie 1: bis 100 T Euro) bzw. im Rahmen von Förderaufrufen für Projekte
(Förderlinie 2: bis 3 Mio. Euro) zum Parkraummanagement einreichen. Aktuell
werden durch den mFUND folgende elf Projekte im Bereich
Parkraummanagement gefördert:
(1) FaMoS,
(2) CITRAM,
(3) PAMIR,
(4) start2park,
(5) ChargePlanner,
(6) ParkenDigital,
(7) Schnittstelle,
(8) ParkCheck,
(9) REPAST,
(10) ITP,
(11) Park_Up.
Darüber hinaus fördert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
nukleare Sicherheit bereits seit 2013 im Rahmen des Programms „Erneuerbar
Mobil“ einzelne Projekte zur Erprobung von Smart-Parking-Lösungen.
Abgeschlossen sind die Projekte City2e und City2e 2.0. Derzeit wird im Rahmen des
Programms das Projekt „City2Share“ gefördert, mit dem in ausgewählten
Innenstadtrandquartieren – unter anderem durch den Einsatz innovativer Sensorik
und Informationstechnologien zur Optimierung des Stadtverkehrs – eine
effizientere Nutzung des Straßenraums und eine Steigerung der Aufenthalts- und
Wohnumfeldqualität erreicht werden soll.
Im Sofortprogramm Saubere Luft 2017 bis 2020 werden Smart-Parking-
Technologien und Applikationen im Rahmen der Förderrichtlinie
„Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ gefördert. Eine Übersicht der
eingereichten „Smart-Parking-Projekte“ im Rahmen der Förderrichtlinie Digitalisierung
kommunaler Verkehrssysteme kann der beigefügten Tabelle entnommen
werden.
Ort Vorhaben-Titel Status
Oldenburg Einrichtung Wärmebildkameras, Erneuerung Steuergerät
Heiligengeistwall, Einbindung Parkleitsystem an den MDM,
Kabelverbindung Alexanderstraße
Abgeschlossen
Stuttgart Parkleitsystem (PLS) in der Innenstadt Stuttgarts Bewilligt
Dresden Ausstattung von Park&Ride-Plätzen mit Parksensoren zur
Erhebung von Belegungsdaten
Bewilligt
Köln Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme der Stadt Köln Bewilligt
Heidelberg Ausbau des digitalen Verkehrszählsystems und
Weiterentwicklung des Parkleitsystems für P&R Parkplätze
Bewilligt
Hannover Intelligentes Verkehrsmanagement zur Reduktion von
Parksuchverkehren bei überregionalen Events
Bewilligt
Mainz Konzeptionierung eines digital gestützten dynamischen
Parkleitsystems zur Verbesserung des Verkehrsflusses und
Verminderung der Verkehrsbelastungen
Bewilligt
Oberhausen Dynamische Wegweisung Neue Mitte Bewilligt
Hannover Parkraummanagement für die Landeshauptstadt Hannover Bewilligt
Leonberg Einführung eines dynamischen Parkleitsystems Bewilligt
Ludwigsburg Verkehrsleittechnik, Parkraummanagement,
Fahrgastinformationssysteme und verbindende Cloudlösung
Bewilligt
Nürnberg Datenerhebung zentrales P+R Hintergrundsystem Bewilligt
Augsburg Errichtung eines dynamischen Verkehrs- und Parkleitsystems Bewilligt
Mannheim Digitales, integriertes, intelligentes und zukunftsfähiges
Parkleitmanagementsystem
Bewilligt
Bonn Erneuerung und Erweiterung des vorhandenen Parkleitsystems
der Stadt Bonn
Bewilligt
Mannheim P+R Plätze – Erweiterung, Ausbau, Sensorik Bewilligt
Paderborn Aufbau einer IoT (Internet of Things)-Plattform und
Umsetzung des Parkraummanagements in der Innenstadt von
Paderborn
Bewilligt
Kiel Neuordnung des Parkraums über digitale Systemausweitung
Projekt I.a-8
Bewilligt
Heilbronn Aufbau eines dynamischen Park- und Verkehrsleitsystems in
Heilbronn
Bewilligt
Hamburg Vorwegsweisung P + R Bewilligt
Dortmund Erneuerung des Parkleitsystems Innenstadt Bewilligt
Hannover Ergänzung des Verkehrsmanagementsystems HannoVerKehr
für die Landeshauptstadt Hannover
Bewilligt
Ort Vorhaben-Titel Status
Wiesbaden Konzeption, Pilotierung und Koordination eines steuernden
Parkraummanagements
Bewilligt
Ludwigsburg Digitale Anzeigetafeln zur Park- und Verkehrslenkung als
wirksame Maßnahme zur Emissionsreduzierung
Bewilligt
Ludwigsburg Digitales Parkraummanagement im Stadtraum Bewilligt
Backnang Digitales Parkleitsystem Bewilligt
Köln Digitales Parkraummanagement in der Kölner Innenstadt Bewilligt
Wuppertal Sensorische Überwachung des Parkraums in den
Straßenseitenräumen und Angebot einer Park-App
Bewilligt
Heidelberg Digitalisierung der Parkraumbewirtschaftung und Ausbau
des Parkleitsystems
Bewilligt
Gelsenkirchen Intelligentes Parksystem – Parken 2.0 Bewilligt
Köln Parkraummanagement, Implementierung Mobility-Hub Bewilligt
Gießen Einbindung öffentlicher Stellplätze in das dynamische
Parkleitsystem
Bewilligt
Leipzig Ruhenden Verkehr digitalisieren Bewilligt
Mainz Errichtung eines digital gestützten dynamischen
Parkleitsystems
Bewilligt
Koblenz Reduktion des Parksuchverkehrs mittels IoT (Internet of
Things)-Anwendungen
in Prüfung
Pulheim Ausstattung von P+R-Plätzen mit smarter Parkplatzdetektion in Prüfung
Herzogenrath Ausstattung von P+R-Plätzen mit smarter Parkplatzdetektion in Prüfung
Aachen Ausstattung von P+R-Plätzen mit smarter Parkplatzdetektion in Prüfung
Nahverkehr
Rheinland
Ausstattung von P+R-Plätzen mit smarter Parkplatzdetektion in Prüfung
Freiburg P+R-Angebot ausweiten und digitalisieren in Prüfung
Nürnberg
(Verkehrsverbund Großraum
Nürnberg, VGN)
Nachhaltige Mobilität – Mobile Anwendung VGN Park+Ride-
Daten
in Prüfung
Limburg Ausbau des Parkleitsystems mit Parkraummanagement in Prüfung
Siegen Erneuerung des 2. Bauabschnittes des Parkleitsystems in Prüfung
4. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der prozentuale Anteil
an Parkflächen in Deutschland, welche bereits mit Smart-Parking-
Technologien und Applikationen verbunden sind?
Dem Bund obliegt die Baulastträgerschaft lediglich für Bundesfernstraßen. Die
Baulastträgerschaft für sonstige Straßen liegt, je nach Straßenkategorie, bei den
einzelnen Bundesländern, Kreisen, Kommunen, Gemeinden und Städten. Der
Bundesregierung liegen daher keine eigenen Erkenntnisse zur Ausstattung von
Parkflächen in Deutschland vor.
5. Wie schätzt die Bundesregierung die Sicherheit und die Gewährleistung
des Schutzes persönlicher Daten im Zusammenhang mit Smart-Parking-
Technologien und Applikationen ein?
Eine wesentliche Voraussetzung für ein optimiertes Parkraummanagement sind
verlässliche und aktuelle Informationen über verfügbare Parkflächen.
Dort, wo betreiberseitig keine Informationen über verfügbare Parkflächen
erhoben werden, kann die Sensorik von Fahrzeugen unter Umständen selbst
ergänzende Informationen liefern. Bei der Erhebung dieser Informationen sind
zwingend die datenschutzrechtlichen Vorgaben zu gewährleisten.
7. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung derzeit, um das
Parkplatzmanagement an deutschen Autobahnen zu verbessern?
8. Welche Smart-Parking-Technologien werden derzeit an oder auf deutschen
Autobahnen bereits eingesetzt (bitte mit Einsatzort nennen)?
Die Fragen 7 und 8 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Bundesanstalt für Straßenwesen erstellt unter enger Begleitung einer Bund/
Länder Arbeitsgruppe auf Initiative und im Auftrag des BMVI ein „Konzept
für ein bundeseinheitliches Lkw-Parkleitsystem (PLS) auf den BAB“. Die
Wirkungen von Parkleitsystemen (PLS) werden auf den Pilotanlagen im Zuge der
A 45 zwischen dem Langenselbolder Dreieck und dem Gambacher Kreuz in
Hessen und auf der A 9 in Bayern zwischen den Autobahnkreuzen Neufahrn
und Nürnberg evaluiert.
Neben einer weiteren Pilotanlage auf der A 5 im Zulauf zur Schweizer Grenze
befinden sich mehrere Lkw-Parkleitsysteme in Nordrhein-Westfalen und
Rheinland-Pfalz auf der A 61, in Bayern auf der A 3, A 8 und A 93 sowie in
Schleswig-Holstein im Zuge der A 7 in der Planung bzw. Umsetzung. Für die
digitale Weitergabe der Informationen zur Lkw-Parkplatzbelegung an Dritte
wurde ein zentrales Online-Portal, der Mobilitäts Daten Marktplatz (MDM),
geschaffen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]