Small Data – Künstliche Intelligenz in Deutschland
der Abgeordneten Mario Brandenburg (Südpfalz), Katja Suding, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Britta Katharina Dassler, Peter Heidt, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Sandra Bubendorfer-Licht, Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Karsten Klein, Dr. Marcel Klinge, Daniela Kluckert, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Till Mansmann, Alexander Müller, Dr. Martin Neumann, Bernd Reuther, Christian Sauter, Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Benjamin Strasser, Michael Theurer, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar, Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Nach mehreren Jahren der digitalen Transformation haben einige wenige aber global agierende Unternehmen Zugriff auf eine enorme Menge an Daten über Personen, Prozesse und Produkte aus dem Business-to-Consumer- und Business-to-Business-Bereich.
Das erlaubt ihnen die effiziente Nutzung von Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) zur Datenanalyse.
Nicht selten wird dabei die Frage untersucht, wem was wann wie am besten verkauft werden kann.
Diese Unternehmen konnten sich dadurch als sehr effiziente Plattformen etablieren, auf denen Anbieter und Nachfrager zum gegenseitigen Vorteil zusammenfinden – die Plattformen selbst verdienen einen geringen Anteil durch die Vermittlung.
Durch die in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungen und Ressourcen, die nach Ansicht der Fragesteller selbst den Vergleich mit manchen größeren Staaten nicht scheuen müssen, sind diese Plattform-Unternehmen bei der Analyse von großen Datenmengen (Big Data) technologisch führend.
Wettbewerber werden von ihnen aufgekauft, bevor sie diese Position ernsthaft bedrohen können (vgl. https://www.piie.com/system/files/documents/pb19-3.pdf; https://www.statista.com/statistics/193530/market-share-of-net-us-online-ad-revenues-of-google-since-2009/).
Wenn es Unternehmen betrifft, die zuvor mit Mitteln aus der Forschungsförderung – etwa im Rahmen der KI-Strategie der Bundesregierung – gefördert wurden, wird die Frage nach Ansicht der Fragesteller von einer wirtschaftlichen zu einer politisch relevanten Frage.
Die bis 2025 geplante Forschungsförderung in Höhe von 3 Mrd. Euro erscheint im Vergleich zu den jährlichen Forschungs- und Entwicklungsbudgets bekannter Unternehmen verschwindend gering (https://www.statista.com/statistics/265645/ranking-of-the-20-companies-with-the-highest-spending-on-research-and-development/).
Damit die deutsche KI-Förderung trotzdem wirksam werden kann, ist es in den Augen der Fragesteller wichtig, auch Forschungsfelder zu berücksichtigen, in denen Anbieter von Nischenprodukten sich international wettbewerbsfähig positionieren können.
Prägend für die deutsche Wirtschaft sind innovative Mittelständler, darunter viele sogenannte „hidden champions“, Weltmarktführer in ihrem jeweiligen Bereich.
Sie verfügen im Vergleich zu großen Plattform-Unternehmen über wesentlich kleinere Datenmengen als Grundlage für KI-Anwendungen.
Entsprechend groß ist das Potential von KI-Anwendungen zur Analyse kleinerer Datenmengen („small data“).
Fortschritte bei KI-Anwendungen auf der Grundlage kleiner Datenmengen bieten nach Ansicht der Fragesteller aber auch da Vorteile, wo Datensätze sich zwar theoretisch zusammenführen ließen, das aber beispielsweise aus Datenschutzerwägungen nicht gewünscht ist.
Darin liegt für die Fragesteller eine Chance für mehr digitale Souveränität.
Sie begrüßen, dass die Bundesregierung in ihrer Nationalen KI-Strategie verspricht, für die „Forschung und Entwicklung zu Anonymisierung, Nutzung synthetischer Daten und zu „small data“ (…) auch auf nationaler Ebene Fördermöglichkeiten (zu) prüfen“ (https://www.bmbf.de/files/Nationale_KI-Strategie.pdf, S. 35).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen11
Welche Definition von Small Data legt die Bundesregierung für die auf S. 35 in der Nationalen KI-Strategie genannte Absicht zur Prüfung von Fördermöglichkeiten zugrunde?
Welche Stellen sind in der Bundesregierung für die Prüfung zuständig (bitte nach Ressort und Referat aufschlüsseln)?
Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Stand der Überprüfung?
a) Welche Forschungs- und Entwicklungsfelder wurden bereits überprüft?
Mit welchem Ergebnis?
b) Wurden bereits Förderprojekte beantragt?
Wenn ja, welche Projekte wurden von wem beantragt?
c) Wurden bereits Projekte für die Förderung bewilligt?
Wenn ja, für wen, und mit welchen Mitteln?
In welchem finanziellen Umfang fördert die Bundesregierung Small-Data-Anwendungen aus der Gesamtfördersumme der KI-Strategie (bitte nach Einzelplan und ggf. Förderprojekt aufschlüsseln)?
Wie bewertet die Bundesregierung die derzeitige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bei KI-Anwendungen auf der Grundlage von Small Data im europäischen und internationalen Vergleich?
Gibt es führende Forschungsinstitute oder Unternehmen?
Betrachtet die Bundesregierung KI-Anwendungen auf der Grundlage von Small Data als einen Bereich, in dem Deutschland international technologisch führend ist oder werden kann?
Wie bewertet die Bundesregierung das Potential von Small Data und Hybriden KI-Systemen im Vergleich zu allein auf machine learning basierenden KI-Systemen allgemein und für folgende Anwendungsfälle
a) Umsetzung von „trustworthy“ und „explainable“ KI,
b) Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)-Konformität und „privacy by design“?
In welchem finanziellen Umfang fördert die Bundesregierung Anwendungen Hybrider KI aus der Gesamtfördersumme der KI-Strategie?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung länderübergreifende Zusammenarbeit bei der Forschung und Entwicklung von Small Data-KI in der EU?
Wenn ja, welche Projekte werden aus Bundesmitteln gefördert?
Wenn nein, betreibt die Bundesregierung ein Monitoring von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben anderer Länder in der EU mit dem Ziel, Projekte für eine Kooperation frühzeitig zu identifizieren?
Wie viele Start-ups mit Geschäftsmodellen auf der Grundlage von Small Data-KI wurden nach Wissen der Bundesregierung in Deutschland in den letzten zehn Jahren gegründet (bitte, wenn möglich, nach Jahr und Unternehmen aufschlüsseln)?
a) Wie viel Kapital wurde von diesen Unternehmen eingeworben (bitte, wenn möglich, nach Jahr, Kapitalgeber und Unternehmen aufschlüsseln)?
b) Wie viele Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze wurden von diesen Firmen geschaffen (bitte, wenn möglich, nach Jahr und Unternehmen aufschlüsseln)?
Wie viele Fachkräfte wurden nach Kenntnis der Bundesregierung aus dem Ausland angeworben, um in Deutschland im Bereich Small Data-KI zu forschen oder zu arbeiten?