[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Karsten Hilse, Dr. Heiko Wildberg,
Dr. Rainer Kraft, Andreas Bleck und der Fraktion der AfD
– Drucksache 19/17421 –
Die optimale globale Mitteltemperatur
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Klimaübereinkunft von Paris verlangt von den Unterzeichnerstaaten, alle
Anstrengungen zu unternehmen, um eine nach Ansicht der Fragesteller zwar
nur postulierte, insbesondere von sog. Treibhausgasen wie CO2 getriggerte
Erwärmung um max. 2 °C, vorzugsweise 1,5 °K, nicht zu überschreiten (siehe
z. B.
https://unfccc.int/process-and-meetings/the-paris-agreement/the-paris-agr
eement, S. 1). Als Mittel dazu soll eine massive Reduktion der sog.
Treibhausgase bis auf null, oder in die Nähe davon, dienen. So wollen die Staaten, die
diese Vereinbarung unterstützen, die sog. Klimaneutralität erreichen und damit
den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 °C
gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzen (ebd.).
Zuletzt hat die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel bei ihrer Davoser Rede
2020 diese Ziele nochmals bekräftigt. Zitat „Die Frage der Erreichung der
Ziele des Pariser Abkommens könnte eine Frage des Überlebens für den
ganzen Kontinent sein“, sagte sie. „Deshalb ist Handlungsdruck da.“ (Quelle:
https://www.tagesschau.de/ausland/merkel-davos-123.html).
Die Übereinkunft enthält aber auch selber keinerlei Angaben darüber, wie
hoch die als ideal angesehene (Mittel-)Temperatur sei, noch enthält sie
Zahlenangaben dazu, auf welcher Basis diese Änderung berechnet werden soll,
sondern verweist stattdessen auf die Mitteltemperatur vorindustrieller Zeiten
(
https://.unfccc.int/files/essential_background/convention/application/pdf/engl
ish_paris_agreement.pdf, Artikel 2 Absatz 1a). Damit ist nach Ansicht der
Fragesteller jedoch keine objektive Überprüfung der Ziele möglich, denn für
eine als Basis zu definierende Referenztemperatu, existieren viele
verschiedenen Angaben, jedoch keine für die vorindustriellen Zeiten.
Beispielsweise nannte Prof. Anders Levermann für das Jahr 1850 (Anhörung
vom 28. November 2018, Protokoll-Nr. 19/24) eine Temperatur von 15 °C.
Der Meteorologe Lockyer (Lockyer, W. S. J., 1906: Studies of temperature
and pressure observations. Nature, 73, 594 bis 595) nannte für 1885 eine
globale Mitteltemperatur von 15,1 °C.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/18287
19. Wahlperiode 20.03.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
nukleare Sicherheit vom 12. März 2020 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Der Klimatologe James Hansen hingegen nannte für 1981 (Quelle „Climate
Impact of Increasing Atmospheric Carbon Dioxide“, August 1981 in Science),
also 115 bis 130 Jahre später, eine dann existierende Mitteltemperatur von
15 °C.
Derselbe Klimatologe nannte in einer Anhörung des US-Senates vom August
1988 eine globale Mitteltemperatur von 15,4 °C und begründete damit die
Notwendigkeit des schnellen Handelns der Politik gegen eine drohende
Erderwärmung.
Das im Jahr 1988 gegründete IPCC (Weltklimarat) nannte im First
Assessment Report (
https://archive.ipcc.ch/ipccreports/far/wg_I/ipcc_far_wg_I_full_
report.pdf) von 1990 (Seite xxxvii des Reports) unter „Observed Surface
Temperature of Earth“ ebenfalls 15 °C.
Im Jahre 1998 setzte James Hansen diesen Wert jedoch ohne nähere
Begründung auf nur noch 14 °C herunter, wie in der Ausgabe des Vital Signs
Magazins 1998 (
https://books.google.de/books/about/Vital_Signs_1998.html?id=C
YjCBgAAQBAJ&redir_esc=y) des Worldwatch Insitutes berichtet wird.
Im Jahr 2007 übernahm das IPCC diesen Wert, ebenfalls ohne Begründung,
z. B. in einer Graphik (z. B. Figure TS. 6 der Technical Summary) als
Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990.
Die Klimaforscher P. D. Jones et al. schreiben in „Estimation of the absolute
surface air temperature of the Earth“ vom 29. April 2013 „Hence, although
rarely used, the most widely quoted value for the global average for the 1961–
1990 period is 14.0 °C developed by Jones et al. [1999]“ und von einem „best
estimate“ von 14 °C, ebenso wie Hansen (s. o.). Sie beziehen sich also nach
Meinung der Fragesteller überwiegend auf Umfragen zu ihren eigenen
Schätzungen. Ein Ergebnis von Messungen ist das nicht.
Bei all den oben genannten verschiedenen Ausgangswerten (die Liste ließe
sich fortsetzen), welche jeweils gut begründet in angesehenen
Wissenschaftsjournalen benannt wurden, sind nach Meinung der Fragesteller einerseits aus
wissenschaftlicher Sicht erhebliche Zweifel angebracht, ob jemals eine präzise
(notwendigerweise auf zwei Stellen hinter dem Komma), auf ausreichenden
Messdaten basierende Mitteltemperatur, für irgendeinen Zeitpunkt der
Vergangenheit bestimmt werden kann. Anderseits ist nach Meinung der Fragesteller
wissenschaftlich völlig unbestritten, dass nur die absolute Temperatur und
demzufolge auch eine solche absolute Temperaturangabe, Ursache für alle
energetischen Prozesse ist. Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob
beispielsweise ein Mensch, der unterkühlt ist und dessen Körpertemperatur von 35 °C
auf 37 °C angehoben wird, oder ob ein Mensch der eine Normaltemperatur
von 37 °C hat, wegen Fiebers eine solche von 39 °C bekommt. Im ersten Fall
wird er gesund, im zweiten Fall krank.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Aufgrund des Sachzusammenhangs wird auf die Antwort der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der AfD auf Bundestagsdrucksache
19/6899 verwiesen.
Erläuterung zur Berechnung globaler, mittlerer Temperaturen oberflächennaher
Luftschichten:
Als historischer Referenzrahmen zur Berechnung für einen sogenannten
vorindustriellen Wert der globalen Mitteltemperatur wird in der Klimawissenschaft
meist der Zeitraum von 1850 bis 1900 verwendet (in einer Vereinfachung
erscheint zum Teil auch 1880 als Bezugsjahr, an anderen Stellen wird der
Zeitraum von 1880 bis 1910 gewählt.).
Korrekterweise müsste sich der Begriff „vorindustriell“ auf den Zeitraum vor
Beginn der Industrialisierung beziehen, d. h. vor der infolge von Verbrennung
fossiler Energieträger in industriellem Maßstab einsetzenden Emission des
Treibhausgases CO2. Da es zu diesem Zeitpunkt aber noch keine globale,
flächendeckende und systematische Erfassung der oberflächennahen
Lufttemperatur gab und geben konnte, musste man sich auf später erfolgte
Temperaturmessungen beziehen. Die großräumige und systematische Erfassung von
Lufttemperaturen im Sinne meteorologischer Messreihen begann erst in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Zur Bestimmung der globalen Erwärmung wird auch im IPCC-Sonderbericht
über 1,5° C Globale Erwärmung (IPCC-SR1.5) wie schon im Fünften
Sachstandsbericht (IPCC-AR5) der Bezugszeitraum 1850 bis 1900 als
(klimatologisch) vorindustriell definiert. Dies ist der früheste Zeitraum, für den
ausreichend viele Beobachtungen der Temperatur global verteilt vorliegen, um
Näherungswerte für eine globale, mittlere Temperatur oberflächennaher
Luftschichten zu berechnen. Die Anzahl der damaligen Messstationen ist aber viel
geringer, als die in den letzten 70 Jahren. Insbesondere die Fernerkundung mit Hilfe
von Flugzeugen und Satelliten hat in den letzten Jahrzehnten zu erheblichen
Verbesserungen der Datenabdeckung geführt.
Um diese Unterschiede der Datenabdeckung im Vergleich zwischen den Jahren
1850 bis 1900 und Zeiträumen in den letzten 70 Jahren bei der Berechnung
globaler Mittelwerte ausreichend berücksichtigen zu können, ist der Einsatz
aufwendiger globaler Wetter- und Klimamodelle für diese Wetter- und Klima-
Reanalysen („Rückrechnungen“) notwendig.
Berechnung der globalen, mittleren Temperatur oberflächennaher
Luftschichten:
Wichtig für das Verständnis der wissenschaftlichen Ergebnisse sind auch die
jeweiligen statistisch-physikalischen Verfahren und Modelle, mit denen eine
globale, mittlere Temperatur oberflächennaher Luftschichten berechnet wird.
Für die physikalische Konsistenz der Datenfelder und Zeitreihen sind
numerische Klima- und Wetter-Modelle mit einer geeigneten Modellgitter-Struktur
notwendig. Würde man, ohne ein solches Modell zu nutzen, allein aus
Messungen einen globalen Mittelwert bestimmen wollen, so bräuchte man ein Netz
von Sensoren (jeweils im Abstand weniger hundert Meter zueinander), das sich
um den gesamten Planeten legte, inklusive der Meere und Ozeane, und zwar
konstant in zwei Metern Höhe über der jeweiligen Erdoberfläche.
Numerische Klima- und Wetter-Modelle sind hingegen in der Lage, die
Messwerte unterschiedlichster Sensoren, mit unterschiedlichsten Standorten und
Messzeitpunkten, in einer sogenannten Datenassimilation zu einem
physikalisch konsistenten Abbild des klimatischen Zustandes der Atmosphäre und der
Erdoberfläche zu überführen. Aus diesen in einem dreidimensionalen Gitter
vorliegenden Modelldaten lassen sich dann anschließend die gewünschten
Mittelwerte berechnen.
Weitere Informationen und Literatur:
www.ecmwf.int/en/research/climate-reanalysis
www.gfdl.noaa.gov/climate-data-assimilation/
• Asch, Mark; Bocquet, Marc; Nodet, Maëlle (2016). Data Assimilation:
Methods, Algorithms, and Applications. Society for Industrial and Applied
Mathematics.
• Kalnay, Eugenia (2002). Atmospheric Modeling, Data Assimilation and
Predictability. Cambridge University Press.
• Vetra-Carvalho, S.; van Leeuwen, P. J.; Nerger, L.; Barth, A.; Umer Altat,
M.; Brasseur, P.; Kirchgessner, P.; Beckers, J-M. (2018). „State-of-the-art
stochastic data assimilation methods for high-dimensional non-Gaussian
problems”.
• Tellus A: Dynamic Meteorology and Oceanography. 70 (1): 1445364 www.
tandfonline.com/doi/full/10.1080/16000870.2018.1445364
Unterschiede in den Modellen:
In den zahlreichen heutigen Klima- und Wettermodellen, die weltweit
entwickelt und betrieben werden, aber auch in denen der letzten 30 Jahre, gibt es
komplexe Unterschiede in der numerisch sehr aufwändigen Assimilation und
Verarbeitung der historischen Messwerte zu einer Berechnung von Zeitreihen
sämtlicher relevanter physikalischer Parameter.
Diese Unterschiede sind durchaus nützlich, denn die Streuung der Ergebnisse
verschiedener Modelle wird in Geophysik, Meteorologie, Ozeanographie und
Klimatologie für bewährte statistische bzw. probabilistische Verfahren der
Unsicherheitsanalyse verwendet. So wie die Arbeit mit großen Ensemble-
Vorhersagesystemen in den letzten 20 Jahren zu erheblichen Fortschritten bei der
Genauigkeit von Wettervorhersagen geführt hat, so haben auch die zahlreichen
Klimaberechnungen verschiedenster Forschungsinstitutionen weltweit in ihrem
Zusammenspiel als heterogenes Ensemble die Verlässlichkeit von Aussagen
zum Klimawandel deutlich erhöht.
Ein Nebeneffekt dieser Verfahren ist jedoch, dass die Angabe einer einzelnen
absoluten Zahl für die globale, mittlere Temperatur oberflächennaher
Luftschichten in einem bestimmten Zeitraum abhängig ist von der jeweiligen
Datenassimilation, der genauen numerischen Implementierung des jeweiligen
Klimamodelles und den Algorithmen, mit denen bestimmte, unterschiedlich
definierte Mittelwerte (räumliche und zeitliche) berechnet werden. So kann es
sein, dass ein ganz bestimmtes Klimamodell für den Zeitraum 1850 bis 1900
eine Mitteltemperatur von 13,6 °C berechnet, ein anderes Modell jedoch
13,8 °C. Ein von der WMO für anschauliche Vergleiche verwendeter absoluter
Wert für die mittlere Temperatur oberflächennaher Luftschichten in dem
Zeitraum 1850 bis 1900 liegt bei ca. 13,7 °C.
Sehr viel entscheidender für die Wirkung des Klimawandels auf natürliche und
menschliche Aktivitäten als globale, absolute Werte sind jedoch die
Temperaturdifferenzen zwischen verschiedenen Zeiträumen, z. B. zwischen der Periode
1850 bis 1900 und Zeiträumen in der Gegenwart, und insbesondere zwischen
den letzten Jahrzehnten und der international von Wetterdiensten, u. a. auch
dem Deutschen Wetterdienst (DWD), oftmals als Referenzzeitraum genutzten
Periode von 1961 bis 1990. Die NASA verwendet meist den Referenzzeitraum
von 1951 bis 1980.
Diese berechneten Temperaturdifferenzen sind in allen uns bekannten Klima-
Reanalysen sehr ähnlich. In der wissenschaftlichen Literatur zum Klimawandel
werden auch genau diese Differenzen bzw. Anomalien dargestellt und
verwendet, insbesondere deshalb, weil sie die entscheidenden Werte für die Änderung
des Klimas darstellen, mithin auch für den Anstieg der globalen, mittleren
Temperatur oberflächennaher Luftschichten.
Die globale Klimaerwärmung ist erst seit den 1970er Jahren sehr deutlich
sichtbar geworden, weshalb auch der Vergleich heutiger Temperaturen (und anderer
Klimaparameter) mit den Mittelwerten aus dem Zeitraum von 1961 bis 1990
oder von 1951 bis 1980 sehr relevant ist. Tatsächlich sind Aussagen zum
aktuellen Klimawandel, die sich auf den Referenz-Zeitraum von 1961 bis 1990
(oder von 1951 bis 1980) beziehen, genauer als Vergleiche mit dem 19.
Jahrhundert.
Die WMO gibt an, dass das Jahr 2016 ca. 1,1 °C wärmer war als das
vorindustrielle Niveau. Es war 0,83 °C wärmer als die Referenzperiode von 1961 bis
19901, für die die WMO einen Bezugswert von 14,0 °C verwendet.
Zurzeit liegt die vom Menschen verursachte globale Erwärmung bei etwa
1,0 °C2. Dabei ist das derzeitige Niveau der globalen Erwärmung definiert als
der Durchschnitt über den Zeitraum von 30 Jahren, in dessen Mitte 2017 liegt,
unter der Annahme, dass sich die derzeitige Erwärmungsrate fortsetzt.
Falls die derzeitige globale Erwärmungsrate von etwa 0,2 °C (± 0,1 °C) pro
Jahrzehnt anhält, wird ungefähr im Jahre 2040 eine Temperaturerhöhung von
1,5 °C erreicht werden3, 4.
Bereits heute liegt die Erwärmung in vielen Regionen bei mehr als 1,5 °C über
dem vorindustriellen Niveau, weil sich seit den 1970er Jahren die meisten
Landregionen schneller erwärmen als der globale Durchschnitt. Dies hat zur
Folge, dass mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung in Regionen lebt, die
bereits heute in mindestens einer Jahreszeit eine Erwärmung von mehr als 1,5 °C
über dem vorindustriellen Niveau aufweisen5. Mit einer Mitteltemperatur von
10,3 °C war das Jahr 2019 zusammen mit dem Jahr 2014 das bisher
zweitwärmste in Deutschland beobachtete Jahr seit dem Beginn regelmäßiger
Aufzeichnungen im Jahr 1881. Der lineare Trend über den Zeitraum 1881 bis 2019
beträgt + 1,6 K.
Für eine Vertiefung der Thematik werden die folgenden Publikationen
empfohlen:
• E. Hawkins, P. Ortega and E. Suckling, (2016): Estimating Changes in
Global Temperature since the Preindustrial Period,
https://journals.ametsoc.org/
doi/10.1175/BAMS-D-16-0007.1
• Morice, C.P., Kennedy, J.J., Rayner, N.A. and Jones, P.D., 2012:
Quantifying
• uncertainties in global and regional temperature change using an ensemble
of observational estimates: the HadCRUT4 dataset. Journal of Geophysical
Research, 117, D08101, doi:10.1029/2011JD017187
Weitergehende Informationen sind auf den folgenden Seiten zu finden:
www.dwd.de
www.ipcc.ch
www.wmo.int/pages/index_en.html
https://public.wmo.int/en
http://www.wmo.int/pages/prog/wcp/wcdmp/GCDS_3.php
https://data.giss.nasa.gov/gistemp/faq/abs_temp.html
1 1 WMO,
https://public.wmo.int/en/media/press-release/wmo-confirms-2016-hottest-year-record-about-11%C2%B0c-
above-pre-industrialera.
2 IPCC-Sonderbericht über 1,5 °C Globale Erwärmung, SPM, Abschnitt A.1
3 IPCC-Sonderbericht über 1,5 °C Globale Erwärmung, Kapitel 1.2.1
4 IPCC-Sonderbericht über 1,5 °C Globale Erwärmung, Figur SPM1
5 IPCC-Sonderbericht über 1,5 °C Globale Erwärmung, FAQ 2.1
1. Welche Referenztemperatur hält die Bundesregierung für die richtige,
wenn die genannten Referenztemperaturen in der Höhe um 1 °K
voneinander abweichen und in der Zeit um mindestens 100 Jahre
(Levermann/Lockyer zu Hansen/Jones)?
2. Welche globale Mitteltemperatur verwendet die Bundesregierung als
Referenz zur Bestimmung des Erfolgs oder Misserfolgs sämtlicher
Klimaschutzmaßnahmen in Übereinstimmung mit den Vorgaben der
Pariser Klimaübereinkunft?
Die Fragen 1 und 2 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Zudem wird auf die Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 1
und 2 der Kleinen Anfrage der Fraktion der AfD auf
Bundestagsdrucksache 19/6899 verwiesen.
Die Bundesregierung verwendet keine der beiden genannten absoluten
Referenztemperaturen.
Ein absoluter Wert der global gemittelten Temperatur für Zeiträume vor 1900
wird meist deshalb nicht verwendet, weil dieser aus Einzeldatensätzen von
vielen verschiedenen Orten gewonnen werden muss. Man gibt stattdessen die
zeitlichen Temperaturveränderungen an, also die Mittelwerte zwischen Perioden
von mindestens 30 Jahren, die weniger fehleranfällig sowie weniger
ortsabhängig und daher deutlich verlässlicher und aussagekräftiger sind, siehe
Vorbemerkung der Bundesregierung.
Die Überprüfung der Einhaltung der Zwei-Grad-Obergrenze des
Übereinkommens von Paris erfolgt mit Datenangaben von WMO, NASA, NOAA, ECMWF
und Hadley-Centre und vielen weiteren, die in den Sachstandsberichten des
IPCC zusammengefasst werden.
3. Wenn die Bundesregierung die zugrunde zu legende Referenztemperatur
von 15 °C (Mittlere Temperatur von 1850 – Levermann, bzw. 1885 –
Lockyer s. o.) verwendet, welche wissenschaftliche Begründung liegt
dieser Entscheidung zugrunde?
4. Wenn die Bundesregierung die zugrunde zu legende Referenztemperatur
von 14 °C (Schätzungen ⌀ 1961 bis 1990 nach Hansen und P. D. Jones
et al. wie oben erläutert) verwendet, welche wissenschaftliche
Begründung liegt dieser Entscheidung zugrunde?
Die Fragen 3 und 4 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Zudem wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 3 der Kleinen
Anfrage der Fraktion der AfD auf Bundestagsdrucksache 19/6899 ver-wiesen.
Die Bundesregierung verwendet keine der beiden genannten absoluten
Referenztemperaturen. Wie in den Antworten zu den Fragen 1 und 2 ausgeführt,
beruft sich die Bundesregierung auf zeitliche Temperaturveränderungen, also die
Mittelwerte zwischen Perioden von mindestens 30 Jahren, die deutlich
verlässlicher und aussagekräftiger sind (siehe auch Vorbemerkung der
Bundesregierung). Die Bundesregierung verwendet hierfür generell die wissenschaftlich
überprüften Zahlen der WMO und des IPCC, die insbesondere von der NASA,
der NOAA, dem Hadley-Centre und dem ECMWF erhoben werden.
5. Wie begründet die Bundesregierung im Falle der Verwendung der
Referenztemperatur von 14 °C (⌀ 1961 bis 1990 nach Hansen und P. D. Jones
et al. wie in der Vorbemerkung der Fragesteller erläutert), die
Abweichung vom Wortlaut der Pariser Klimaübereinkunft, welche ausdrücklich
als Referenz die Mitteltemperatur vorindustrieller Zeiten vorschreibt
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller, sechster Absatz)?
Wie in den Antworten zu den Fragen 3 und 4 ausgeführt, verwendet die
Bundesregierung die genannte absolute Referenztemperatur nicht.
6. Hält die Bundesregierung die (bei Verwendung der 14 °C als
Referenzwert) daraus folgende erhöhte Temperatur von 15,5 °C (14 °C + 1,5 °C)
ab 1961bis 1990 für optimal, bzw. von 16 °C (14 °C + 2 °C) für gerade
noch zulässig?
a) Wenn ja, wie wird das begründet?
b) Wenn nein, wie wird das begründet?
Die Fragen 6 bis 6b werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 4 der Kleinen Anfrage
der Fraktion der AfD auf Bundestagsdrucksache 19/6899 verwiesen.
Da die Bundesregierung nicht den absoluten Referenzwert verwendet, beurteilt
sie auch nicht Abweichungen zum Referenzwert. Zu diesem Thema kursiert im
Internet eine große Anzahl von Falschinformationen. Verwiesen wird auf eine
Klarstellung von Prof. Rahmstorf:
https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/ver
wirrspiel-um-die-absolute-globale-mitteltemperatur/.
7. Hält die Bundesregierung, bei strikter Befolgung der Pariser
Klimaübereinkunft und damit eines Referenzwertes von 15 °C, die daraus folgende
erhöhte Temperatur von 16,5 °C (15 °C + 1,5 °C) ab 1880 für optimal,
bzw. von 17 °C (15 °C + 2 °C) für gerade noch zulässig?
a) Wenn ja, wie wird das begründet?
b) Wenn nein, wie wird das begründet?
Auf die Antwort zu den Fragen 6 bis 6b wird verwiesen.
8. Welche Begründung hat die Bundesregierung für die Befolgung der
Pariser Klimaübereinkunft als Maßstab für daraus abgeleitete CO2-
Senkungsmaßnahmen, wenn diese sich auf eine, wie oben dargelegt, völlig
unbestimmte und bisher unbestimmbare Ausgangssituation beziehen?
Wie in den Antworten zu den oben stehenden Fragen dargelegt, sind die
zeitlichen Temperaturveränderungen im Vergleich zum vorindustriellen Klima
wissenschaftlich valide bestimmbar. Folglich teilt die Bundesregierung die von den
Fragestellern formulierte Darstellung nicht.
Globalen Herausforderungen, wie dem Klimawandel, kann nur
gemeinschaftlich entgegengetreten werden. Mit seiner Klimaschutzpolitik übernimmt
Deutschland globale Verantwortung für seine Rolle als Industriestaat mit hohen
historischen Treibhausgasemissionen und für die nachfolgenden Generationen.
In Paris haben sich die Länder auf gemeinsame Ziele geeinigt, die sie mit dem
Abkommen erreichen wollen. Die Erderwärmung soll im Vergleich zum
vorindustriellen Niveau auf deutlich unter 2 °C, idealerweise auf 1,5 °C begrenzt
werden. Diese Obergrenzen sind damit erstmals in einem völkerrechtlichen
Vertrag verankert.
9. Welche Aktivitäten sind der Bundesregierung bekannt, oder werden von
ihr unterstützt oder initiiert, die sicher dafür sorgen werden, dass dieses
Dilemma aufgelöst wird (bitte im Detail auflisten)?
Die Bundesregierung teilt die von den Fragestellern formulierte Einschätzung
eines „Dilemmas“ nicht. Ihr sind daher auch keine Maßnahmen bekannt, noch
werden Maßnahmen unterstützt oder initiiert, die sich mit dieser Fragestellung
befassen.
10. Stimmt die Bundesregierung der Auffassung zu, dass ohne die Kenntnis
der realen Referenz-Mitteltemperatur zur festgelegten Referenz-Zeit,
eine weitere Verfolgung der Pariser Klimabeschlüsse als Maßstab für
daraus abgeleitete CO2-Senkungsmaßnahmen weder wissenschaftlich
begründbar noch überprüfbar sind (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, aus welchen Gründen?
b) Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 10 bis 10b werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 8 der Kleinen Anfrage
der Fraktion der AfD auf Bundestagsdrucksache 19/6899 verwiesen. Die
Bundesregierung stimmt der durch die Fragesteller formulierten Auffassung
nicht zu. Wie bereits ausgeführt, verwendet die Bundesregierung keine
absoluten Referenztemperaturen, sondern zeitliche Temperaturveränderungen, also
die Differenz von Mittelwerten über zwei Perioden von mindestens 30 Jahren.
Die Bundesregierung ist der Ansicht, dass die wissenschaftlich und
gewissenhaft überprüften Erkenntnisse von WMO, NASA, NOAA, ECMWF und
Hadley-Centre, die der IPCC in seinen Sachstandsberichten aufgreift, eine
verlässliche Grundlage und insbesondere einen dringenden Grund für eine auf
Treibhausgasneutralität ausgerichtete internationale Klimaschutzpolitik
darstellen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]