[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Franziska Brantner, Markus Tressel,
Agnieszka Brugger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 19/17642 –
Stand der EU-Vertragsverletzungsverfahren
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In der Antwort auf die Schriftliche Frage 79 des Abgeordneten Markus Tressel
auf Bundestagsdrucksache 19/17044 antwortete die Bundesregierung, dass
aktuell 76 Vertragsverletzungsverfahren (VVV) der Europäischen Kommission
wegen Nichtmitteilung bzw. Nichtumsetzung von Richtlinien bzw.
Falschumsetzung oder unvollständiger Umsetzung von Richtlinien anhängig sind.
Darunter 18 beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, 16
beim Bundesministerium der Finanzen, zwölf beim Bundesministerium für
Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, elf beim Bundesministerium
für Wirtschaft und Energie, neun beim Bundesministerium des Innern, für Bau
und Heimat, sechs beim Bundesministerium der Justiz und für
Verbraucherschutz, zwei beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, zwei beim
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, eins beim
Bundesministerium für Gesundheit.
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Die Fragesteller haben in ihrer Vorbemerkung auf die Antwort der
Bundesregierung zu der Schriftlichen Frage 79 des Abgeordneten Markus Tressel auf
Bundestagsdrucksache 19/17044 Bezug genommen. Die dort genannten Zahlen
sind am aktuellen Stichtag 30. März 2020 nicht mehr aktuell, da am 12.
Februar 2020 die Europäische Kommission über die Einleitung, Weiterführung und
Einstellung von Vertragsverletzungsverfahren (VVV) beschlossen hat. Es sind
zwar weiterhin 76 VVV gegen die Bundesrepublik Deutschland anhängig, die
Verteilung auf die Bundesministerien hat sich jedoch wie folgt verändert: 17
Verfahren beim Bundesministerium der Finanzen (BMF), 17 Verfahren beim
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), zwölf
Verfahren beim Bundesministerium für Umwelt (BMU), elf Verfahren beim
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), neun beim
Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI), sechs Verfahren beim
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV), zwei Verfah-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/18483
19. Wahlperiode 06.04.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
2. April 2020 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
ren beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), eins beim
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), eins beim
Bundesministerium für Gesundheit.
1. Welche VVV sind wegen Nichtmitteilung von Richtlinien anhängig?
a) Inwieweit liegt dies jeweils im Verantwortungsbereich des Bundes
oder der Länder?
b) Welchen Inhalt haben diese VVV (bitte in einer dem zeitlichen
Aufwand der Beantwortung der Kleinen Anfrage angemessenen
Detailtiefe unter Berücksichtigung einer möglichen Verlängerung der Frist
vonseiten des zuständigen Bundesministeriums antworten)?
c) Wie ist jeweils der Verfahrensstand der VVV?
d) Welche konkreten Sanktionen drohen aktuell und im äußersten Fall,
wenn jeweils keine Abhilfe durch den Bund oder die Länder
geschaffen wird?
Folgende der anhängigen VVV betreffen die Nichtmitteilung der Umsetzung
von Richtlinien. Diese Einordnung gilt für die Europäische Kommission immer
dann, wenn der Mitgliedstaat nicht fristgemäß die vollständige Richtlinien-
Umsetzung notifiziert hat. Die Notifizierung der vollständigen Richtlinien-
Umsetzung ist eine nötige Voraussetzung zur Einstellung eines bereits
eingeleiteten VVV. Die Notifizierung der vollständigen Umsetzung ist in einigen dieser
Verfahren mittlerweile erfolgt. Das Verfahren wird jedoch erst dann eingestellt,
wenn die dann folgende Prüfung der Europäischen Kommission ebenfalls zum
Ergebnis kommt, dass die Richtlinien-Umsetzung vollständig erfolgt ist.
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Aktuell drohen der Bundesrepublik Deutschland keinerlei Sanktionen, da die
Europäische Kommission bisher in keinem dieser Verfahren die Anrufung des
EuGH beschlossen hat, in dessen Folge der EuGH finanzielle Sanktionen gegen
Deutschland festsetzen könnte. Sollte es künftig zu Klageverfahren nach
Artikel 258 i. V. m. Artikel 260 Absatz 3 des Vertrags über die Arbeitsweise der
Europäischen Union kommen, könnte der EuGH dann finanzielle Sanktionen
bis zur Höhe des von der Europäischen Kommission beantragten Betrags
verhängen. Die Europäische Kommission wird die Beantragung im konkreten Fall
voraussichtlich auf Basis der in ihren Mitteilungen vom 12. Dezember 2005
(SEK (2005) 1658), vom 20. Juli 2010 (SEK (2010) 923), vom 20. Februar
2019 (C (2019) 1396 final) und vom 13. September 2019 (2019/ C 309/01)
dargelegten Grundsätze vornehmen.
2. Welche VVV sind wegen Nichtumsetzung von Richtlinien anhängig?
a) Inwieweit liegt dies jeweils im Verantwortungsbereich des Bundes
oder der Länder?
b) Welchen Inhalt haben diese VVV (bitte in einer dem zeitlichen
Aufwand der Beantwortung der Kleinen Anfrage angemessenen
Detailtiefe unter Berücksichtigung einer möglichen Verlängerung der Frist
vonseiten des zuständigen Bundesministeriums antworten)?
c) Wie ist jeweils der Verfahrensstand der VVV?
d) Welche konkreten Sanktionen drohen aktuell und im schlimmsten Fall,
wenn jeweils keine Abhilfe durch den Bund oder die Länder
geschaffen wird?
Nicht vollständig umgesetzte Richtlinien können der Europäischen
Kommission nicht als vollständig umgesetzt mitgeteilt werden, insofern wird auf die
Antwort zu Frage 1 verwiesen.
3. Welche VVV sind wegen Falschumsetzung von Richtlinien anhängig?
a) Inwieweit liegt dies jeweils im Verantwortungsbereich des Bundes
oder der Länder?
b) Welchen Inhalt haben diese VVV (bitte in einer dem zeitlichen
Aufwand der Beantwortung der Kleinen Anfrage angemessenen
Detailtiefe unter Berücksichtigung einer möglichen Verlängerung der Frist
vonseiten des zuständigen Bundesministeriums antworten)?
c) Wie ist jeweils der Verfahrensstand der VVV?
d) Welche konkreten Sanktionen drohen aktuell und im schlimmsten Fall,
wenn jeweils keine Abhilfe durch den Bund oder die Länder
geschaffen wird?
Folgende der gegen die Bundesrepublik Deutschland anhängigen VVV
betreffen die Falschumsetzung von Richtlinien. Im Folgenden werden als Inhalt der
Verfahren die jeweiligen Vorwürfe der Europäischen Kommission aus den
Verfahrensunterlagen dargestellt. Der Klarstellung halber wird darauf hingewiesen,
dass dies nicht bedeutet, dass die Bundesregierung der Auffassung ist, dass
diese Vorwürfe zutreffend sind.
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4. Welche VVV sind wegen unvollständiger Umsetzung von Richtlinien
anhängig?
a) Inwieweit liegt dies jeweils im Verantwortungsbereich des Bundes
oder der Länder?
b) Welchen Inhalt haben diese VVV (bitte in einer dem zeitlichen
Aufwand der Beantwortung der Kleinen Anfrage angemessenen
Detailtiefe unter Berücksichtigung einer möglichen Verlängerung der Frist
vonseiten des zuständigen Bundesministeriums antworten)?
c) Wie ist jeweils der Verfahrensstand der VVV?
d) Welche konkreten Sanktionen drohen aktuell und im schlimmsten Fall,
wenn jeweils keine Abhilfe durch den Bund oder die Länder
geschaffen wird?
Im folgenden VVVV hat die Bundesregierung die vollständige Richtlinien-
Umsetzung notifiziert. Die Europäische Kommission ist dennoch der
Auffassung, dass diese Richtlinien-Umsetzung nicht vollständig erfolgt ist und hat
daher ein VVV wegen teilweiser Richtlinien-Nichtumsetzung eingeleitet:
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Ergänzend zu den Antworten zu den Fragen 1 bis 4: Gegenstand der übrigen
und hier nicht aufgeführten Verfahren sind Verstöße gegen Primärrecht,
Richtlinien und Verordnungen.
5. Was unternimmt die Bundesregierung konkret, um die
Vertragsverletzungsverfahren zu minimieren und die Koordination zwischen den
Ressorts zu verbessern?
Wie wird vor allem auf das BMVI und das Bundesministerium der
Finanzen (BMF) eingewirkt?
Der Bundesregierung ist es ein besonderes Anliegen, die Anzahl an VVV
gegen die Bundesrepublik Deutschland dauerhaft möglichst niedrig zu halten.
Dies ist für einen großen und zudem föderal organisierten Mitgliedstaat
vergleichsweise schwierig schon wegen der höheren Zahl von Anwendungsfällen
von EU-Recht. Die Bundesregierung betreibt daher ein umfassendes und
engmaschiges Monitoring der Richtlinien-Umsetzung und von VVV, in das die
EU-Koordinierungsgremien der Bundesregierung eng eingebunden werden.
Die EU-Abteilungsleiterinnen und EU-Abteilungsleiter aller Ressorts der
Bundesregierung werden monatlich mit diesen Themen, insbesondere mit
besonders kritischen VVV, befasst. Dabei werden auch anstehende Richtlinien-
Umsetzungen in den Blick genommen. Ziel ist es, VVV – unabhängig vom
betroffenen Ressort – nach Möglichkeit zu vermeiden und in laufenden Verfahren
auf eine einvernehmliche Lösung mit der Europäischen Kommission
hinzuarbeiten. Im Ergebnis kann eine Befassung des EuGH in der weit überwiegenden
Zahl der Verfahren vermieden werden. Anders als gegen andere Mitgliedstaaten
wurden gegen Deutschland bisher vom EuGH keine finanziellen Sanktionen in
einem VVV festgesetzt.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]