Waldzustand in Deutschland
der Abgeordneten Karsten Hilse, Marc Bernhard, Andreas Bleck, Franziska Gminder, Wilhelm von Gottberg, Dr. Rainer Kraft, Sebastian Münzenmaier, Stephan Protschka, Dr. Heiko Wildberg und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Vor dem Hintergrund der Extremwetterlagen der letzten Jahre sind in Deutschland momentan beträchtliche Waldschäden zu verzeichnen. So geht die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) von einer Schadfläche von 120.000 Hektar Wald aus (https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/julia-kloeckner-beraet-mit-bundeslaendern-ueber-zustand-des-waldes-a-1279984.html).
Betroffen ist dabei insbesondere die flachwurzelnde und wenig trockenheitsresistente Baumart Fichte, welche bereits in der 80er-Jahren zum Synonym für das sogenannte Waldsterben geworden ist. Damals wie heute spielt beim Absterben der Fichte eine Rolle, dass die Fichte außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes oftmals auf ungeeigneten Standorten und darüber hinaus in gleichaltrige Reinbeständen angepflanzt wurde, was die Entstehung von Kalamitäten (v. a. Buchdrucker) begünstigt (Wolf, H., Liesebach, M., Rogge, M., Kätzel, R., Paul, M. 2018. Die Genressourcen der Fichte erhalten und nutzen, Teil 1. AFZ-DerWald, 4:10 bis 13).
Zusätzlich zu den Schäden bei der Fichte kam es in den letzten Jahren verstärkt zu Waldbränden auf trockenen Sandböden, von denen insbesondere die Waldkiefer betroffen war. Allein im Jahr 2018 wurden über 1.700 Waldbrände registriert, die mehr als 2.300 Hektar Wald vernichteten (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Waldbrandstatistik der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2018; Übersicht 1 A bis C: Waldbrandflächen nach Bestandsarten). Die meisten dieser Waldbrände, deren Ursachen bekannt sind, sind auf Brandstiftung zurückzuführen (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Waldbrandstatistik der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2018; Übersicht 2 A: Ursachen; https://www.ble.de/SharedDocs/Downloads/DE/BZL/Daten-Berichte/Waldbrandstatistik/Waldbrandstatistik-2018.pdf;jsessionid=83928DF08AB15505898D92302132CB66.2_cid335?__blob=publicationFile&v=2).
Im Zusammenhang mit der zunehmenden Globalisierung des Pflanzenhandels und vor dem Hintergrund von unzureichenden internationalen Biosicherheitsprotokollen ist zukünftig außerdem verstärkt mit einer Bedrohung durch exotische Schadorganismen (z. B. Pilze, Insekten) zu rechnen (Brasier, C., Webber, J. 2010. Plant pathology: Sudden larch death. Nature, 466, 824 und 825).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen11
Besteht nach Kenntnis der Bundesregierung ein kausaler Zusammenhang zwischen dem aktuellen Zustand des Waldes in Deutschland und der Besitzart (Privatwald, Staatswald, Körperschaftswald)?
Gibt es diesbezüglich nach Kenntnis der Bundesregierung Unterschiede zwischen bewirtschafteten Forstbeständen und nichtbewirtschafteten Wäldern?
Welche Hilfsprogramme stehen aktuell zur Bewältigung der Waldschäden in Deutschland zur Verfügung?
Spielt es für die Bundesregierung bei der Bewilligung von finanziellen Mitteln zur Wiederaufforstung eine Rolle, ob es sich um bewirtschaftete oder nichtbewirtschaftete Wälder handelt (wenn ja, bitte begründen)?
Betrachtet die Bundesregierung eine Wiederaufforstung von vormals nichtgenutzten Waldflächen in ökologischer Hinsicht als einen schwerwiegenden Eingriff (wenn ja, bitte begründen)?
Wie beurteilt die Bundesregierung das substanzielle Ausmaß der aktuellen Waldschäden im Vergleich zum „Waldsterben“ der 80er-Jahre?
Ab welchem Ausmaß der Waldschäden kann nach Ansicht der Bundesregierung von „Waldsterben“ gesprochen werden?
Bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung hinsichtlich der Dürreschäden Unterschiede zwischen Laub- und Nadelbaumarten?
Welche Rolle spielen nach Ansicht der Bundesregierung trockenheitsresistentere Baumarten, wie zum Beispiel die Douglasie, bei der Aufforstung von geschädigten Wäldern?
Werden fremdländische Baumarten im Vorfeld von Aufforstungsmaßnahmen auf ihre ökologische Verträglichkeit untersucht?
Welche standardisierten, wissenschaftlichen Verfahren werden nach Kenntnis der Bundesregierung zur Erhebung der für den jährlichen Waldbericht nötigen Daten angewandt, und sind diese Verfahren bundeseinheitlich (vgl. beispielsweise https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/waldbericht-der-bundesregierung-2017-kurzfassung-412960)?
Wenn ja, welche Schlussfolgerungen leitet die Bundesregierung auf der Grundlage der auf diese Weise erhobenen Daten daraus ab?
Welche Rolle spielt dabei die Erfassung des Kronenzustands?
Plant die Bundesregierung zur Entwicklung einer bundesweit einheitlichen Strategie der Waldbrandprävention bzw. Waldbrandbekämpfung Maßnahmen, und wenn ja, welche sind dies?