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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Zunahme von Antibiotika-Resistenzen

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

01.04.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/1791916.03.2020

Zunahme von Antibiotika-Resistenzen

der Abgeordneten Andrew Ullmann, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Sandra Bubendorfer-Licht, Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Thomas Hacker, Peter Heidt, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Manuel Höferlin, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Dr. Marcel Klinge, Daniela Kluckert, Pascal Kober, Carina Konrad, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Till Mansmann, Christoph Meyer, Alexander Müller, Dr. Martin Neumann, Hagen Reinhold, Bernd Reuther, Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Linda Teuteberg, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Dr. Florian Toncar, Nicole Westig und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Weltweit nehmen die Keime mit einer Resistenz gegen gängige Antibiotika zu. Einer Studie der europäischen Seuchenbehörde (European Centre for Disease Prevention and Control, ECDC) zufolge erkranken in der EU jährlich 670.000 Menschen an Infektionen durch antibiotikaresistente Erreger. 33.000 Menschen sterben jedes Jahr daran (Attributable deaths and disability-adjusted life-years caused by infections with antibiotic-resistant bacteria in the EU and the European Economic Area in 2015: a population-level modelling analysis (2018), http://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(18)30605-4/fulltext). Die Krankheitslast durch Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern in Europa ist laut Studienautoren vergleichbar mit der Krankheitslast von Influenza, Tuberkulose und HIV/AIDS zusammen. Weltweit sterben Schätzungen zufolge jährlich 700 000 Menschen durch eine Infektion mit arzneimittelresistenten Bakterien. (http://www.euro.who.int/de/health-topics/disease-prevention/antimicrobial-resistance/news/news/2018/11/of-all-human-diseases,-60-originate-in-animals-one-health-is-the-only-way-to-keep-antibiotics-working).

Der O’Neill Report prognostiziert im Jahr 2050 sogar zehn Millionen Todesfälle weltweit aufgrund von antimikrobiellen Resistenzen, wenn keine umfassenden Gegenmaßnahmen getroffen werden (Tackling Drug-Resistant Infections globale: Final Report and Recommendations (2016), https://amr-review.org/sites/default/files/160525_Final%20paper_with%20cover.pdf).

Die Weltgesundheitsorganisation warnt, dass die Entwicklung neuer wirksamer Antibiotika bedrohlich langsam verläuft (https://www.who.int/news-room/detail/17-01-2020-lack-of-new-antibiotics-threatens-global-efforts-to-contain-drug-resistant-infections). Zwei aktuelle Berichte zeigen, dass insbesondere mangelnde Investitionen und fehlende Innovationen die weltweiten Bemühungen, arzneimittelresistente Infektionen einzudämmen, untergraben (https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/330290/WHO-EMP-IAU-2019.12-eng.pdf und Antibacterial agents in clinical development – an analysis of the antibacterial clinical development pipeline (2019), https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/330420/9789240000193-eng.pdf). Demnach würden die derzeit 60 Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung nur wenig zusätzlichen Nutzen gegenüber bestehenden Behandlungen bringen. Zudem zielten nur wenige auf die besonders stark resistenten Erreger, wie die gramnegativen Bakterien, ab.

Die Entwicklung neuer Antiinfektiva und die Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen werden sowohl auf internationaler als auch nationaler Ebene adressiert wie mit dem globalen Aktionsplan der Weltgesundheitsorganisation zur Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen, der auf der 68. Weltgesundheitsversammlung im Mai 2015 verabschiedet wurde, und der Deutschen Antibiotika Resistenz-Strategie (DART 2020).

Die deutsche G7-Präsidentschaft im Jahr 2015 hat das Thema Antibiotika-Resistenzen auf die Agenda gesetzt. Dabei wurde die „Berliner Erklärung zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen“ verabschiedet. Antibiotika-Resistenzen wurden auch unter der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 thematisiert und wichtige Impulse für den Kampf gegen resistente Krankheitserreger weltweit gesetzt. Als Ergebnis wurde der Global AMR R&D Hub ins Leben gerufen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen7

1

Konnte nach Einschätzung der Bundesregierung das Risiko, dass im Jahr 2050 weltweit zehn Millionen Menschen durch antimikrobielle Resistenzen (AMR) sterben könnten seit Veröffentlichung des O´Neill Report von 2016 signifikant reduziert werden?

Wenn ja, von welchen Zahlen geht die Bundesregierung auf Grundlage aktueller Erkenntnisse aus?

2

Welche Lehren zieht die Bundesregierung aus ihren Investitionen in die Impfallianz Gavi, die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) und andere innovative Finanzierungsmodelle dafür?

3

Wie schätzt die Bundesregierung die Unterstützung der G20-Partner für das 2017 unter deutscher Präsidentschaft begonnene Vorhaben, die Forschung zu AMR voranzutreiben?

Welche Bemühungen unternimmt die Bundesregierung, den angestoßenen Prozess auch unter der Präsidentschaft Saudi-Arabiens erfolgreich zu konkreten Ergebnissen zu führen?

4

Welche konkreten Ergebnisse plant der seit mittlerweile zwei Jahren beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) angesiedelte Global AMR R&D Hub beim nächsten Treffen der G20-Gesundheitsminister in Riad am 19. und 20. April 2020 vorzustellen?

Konnten sich die im Hub versammelten Partner darauf einigen, welche neuen Therapien und Diagnostika für resistente Keime gemeinsam priorisiert und finanziert werden sollen?

5

Plant die Bundesregierung, auch ohne ein Treffen der G7-Gesundheitsminister unter US-amerikanischem Vorsitz ein gemeinsames Vorgehen der G7 gegen Antibiotikaresistenzen voranzutreiben?

6

Plant die Bundesregierung einen finanziellen Beitrag zum im vergangenen Jahr bei WHO, FAO und OEI eingerichteten Treuhandfonds, der ausgewählte Länder bei der Gestaltung ihrer AMR-Politik unterstützen soll?

Wenn ja, ab wann, und in welcher Höhe?

7

Wie stellt die Bundesregierung innerhalb der mit dem Themenbereich befassten Ressorts eine bestmögliche Koordinierung bei der Fachaufsicht über die verschiedenen, mit Bundesmitteln unterstützten Programme – darunter Global AMR R&D Hub, JPIAMR, GARDP, CARB-X sowie WHO/FAO/OEI-Treuhandfonds – sicher?

Berlin, den 11. März 2020

Christian Lindner und Fraktion

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