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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos in der Silvesternacht 2019 - Sicherheitsvorkehrungen in Tierhaltungsanlagen

(insgesamt 10 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

01.04.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/1792116.03.2020

Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos in der Silvesternacht 2019 – Sicherheitsvorkehrungen in Tierhaltungsanlagen

der Abgeordneten Renate Künast, Ulle Schauws, Dr. Irene Mihalic, Harald Ebner, Oliver Krischer, Friedrich Ostendorff, Markus Tressel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Vermutlich ausgelöst durch sogenannte Himmelslaternen brannte in der Silvesternacht 2019 das Affenhaus des Krefelder Zoos. Die Himmelslaternen allein hätten jedoch nicht zu der stattgefundenen Katastrophe führen können.

Schwerwiegender war, dass es in dem Affenhaus weder Brandmelder mit Hitzesensoren noch Rauchmelder, auch keine Sprinkleranlage oder sonstige Löschanlage gab. Außerdem bestand das Dach nach jetzigem Kenntnisstand aus brennbaren Kunststoffscheiben (vgl. https://rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/zoo/brand-im-zoo-ermittlungen-der-staatsanwaltschaft-krefeld-dauern-an_aid-49011273).

Hinzu kommt, dass die Feuerwehr das Problem hatte, über keine ausreichenden Informationen zum Inneren des Gebäudes zu verfügen. Die Feuerwehr ließ das Gebäude kontrolliert abbrennen, um angrenzende Gebäude zu schützen, auch weil den Tieren keine Überlebenschancen eingeräumt wurden.

Bei dem Feuer kamen mehr als 50 Tiere ums Leben, darunter Gorillas, Schimpansen, alle Orang-Utans im Krefelder Zoo, Flughunde, Silberäffchen und Vögel. Der gesamte Einsatz war für die eingesetzten Kräfte von Zoo, Feuerwehr und Polizei nicht nur körperlich, sondern auch psychisch belastend (vgl. Bericht des Ministeriums des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen – NRW – für die Sitzung des Innenausschusses am 16. Januar 2020, VORLAGE 17/2931 des Landtags NRW). Immer wieder kommt es zu ähnlichen Störfällen in Tierhaltungen, die jedoch meist eher nur regionale Beachtung finden.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen10

1

Wie viele Havariefälle (ausgelöst durch Feuer, Sturm, Wasser, Stromausfall oder Ähnliches) in Tierhaltungen wie etwa Zoos, Tierparks, Zirkussen, Ställen oder privaten Tierhaltungen sind der Bundesregierung aus den vergangenen zehn Jahren bekannt (bitte nach Jahr, Ort, Art der Tierhaltung, Art der Havarie, Zahl und Art der verletzten Tiere, Zahl und Art der getöteten Tiere aufschlüsseln)?

2

Wie viele Menschen wurden in den vergangenen zehn Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung bei Havariefällen im oben genannten Sinne verletzt oder gar getötet?

3

Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die in den vergangenen zehn Jahren entstandenen Kosten durch Havarien im oben genannten Sinne insgesamt, und wie hoch sind die Kosten, die von den staatlichen Stellen zu tragen waren?

4

Welchen Versicherungsschutz müssen Halterinnen und Halter größerer (potentiell gefährlicher) Tiere wie etwa Rinder, Menschenaffen, Giraffen, Pferde, Elefanten o. ä. nach Kenntnis der Bundesregierung vorweisen?

5

Welche baulichen und planerischen Schutzmaßnahmen für Tiere und Menschen sind für ortsfeste Tierhaltungen nach Kenntnis der Bundesregierung vorgeschrieben?

6

Welche organisatorischen und personellen Schutzmaßnahmen für Tiere und Menschen sind für ortsfeste Tierhaltungen nach Kenntnis der Bundesregierung vorgeschrieben?

7

Welche Vorkehrungen müssen Sicherheitskräfte von Feuerwehr und Polizei zur Abwehr von Gefahren durch potentiell gefährliche Tiere aus Tierhaltungen für ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich nach Kenntnis der Bundesregierung treffen?

8

Welche Prüfverfahren und Zulassungsverfahren gibt es für Tierhaltungen?

9

Haben Kommunen die Möglichkeit, Feuerwerke und ähnliche, bei Tieren Panik auslösende oder auch potentiell feuergefährliche sowie andere Havariefälle provozierende Aktivitäten in der Nähe von Tierhaltungen einzuschränken?

10

Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um den (Online-)Handel mit Himmelslaternen und ähnlichen Feuerwerkskörpern einzudämmen und die Verbraucherinnen und Verbraucher über die Gefahren aufzuklären?

Berlin, den 10. März 2020

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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