Forstliche Versuchsflächen in Deutschland
der Abgeordneten Peter Felser, Franziska Gminder, Stephan Protschka, Berengar Elsner von Gronow, Wilhelm von Gottberg, Johannes Huber und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in Deutschland verstärkt forstliche Versuchsflächen angelegt (Wegener, Hans-Jürgen 1999: „Verantwortung für Generationen“ – 100 Jahre Deutscher Forstverein, Hainholz Verlag Göttingen, ISBN 3-932622-70-7).
Neben Fragen der verschiedenen Durchforstungsarten ging es dabei bereits in einer frühen Phase auch um das Thema der forstgenetischen Provenienzforschung sowie um Aspekte der Forstpflanzenzüchtung. Prof. Dr. Alfred Dengler war z. B. der Erste, der bei der Baumart Waldkiefer in den 30er-Jahren Kreuzungen unter wissenschaftlicher Kontrolle durchführte (Milnik, Albrecht (Hrsg.) 2006: „Im Dienst am Wald“ – Lebenswege und Leistungen brandenburgischer Forstleute, Verlag Kessel, ISBN 3-935638-79-5).
Vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren zu beobachtenden klimabedingten Veränderungen und Extremwetterlagen wird der forstgenetischen Provenienzforschung und Vorhaben zur Erforschung der genetischen Anpassungsfähigkeit insbesondere natürlich vorkommender Baumarten und Herkünfte aktuell ein besonders großer Stellenwert zugemessen. Im Vordergrund stehen dabei Anbauversuche bezüglich Klimastabilität und Trockenheitsresistenz (https://www.waldklimafonds.de/foerderung/foerderschwerpunkte/, dort beispielsweise Punkt b).
Neben in Mitteleuropa natürlich vorkommenden Baumarten wie beispielsweise Buche, Stieleiche und Traubeneiche sind in diesem Zusammenhang auch relativ trockenheitsresistente fremdländische Baumarten wie beispielsweise die Douglasie von Interesse (https://www.fitforclim.de/baumarten/douglasie/).
Darüber hinaus gibt es in letzter Zeit Überlegungen, verstärkt mit in Deutschland forstlich bisher weniger relevanten Baumarten wie etwa Esskastanie und Robinie zu experimentieren, vgl. Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) 2018: Alternative Baumarten im Klimawandel (https://www.fva-bw.de/fileadmin/publikationen/sonstiges/180201steckbrief.pdf).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen9
Welche forstgenetischen Versuchsflächen werden aktuell auf Ebene des Bundes unterhalten und planmäßig ausgewertet (bitte nach Bundesländern und Baumarten aufschlüsseln)?
Inwiefern gibt es im Rahmen der forstgenetischen Forschung und Entwicklung Kooperationen zwischen Behörden des Bundes und den forstlichen Versuchsanstalten auf Länderebene?
Wurden in den letzten zehn Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung Versuchsflächen aufgebeben?
Wenn ja, wie viele Versuchsflächen (bitte in Hektar angeben) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren aufgegeben?
Was ist nach Kenntnis der Bundesregierung, falls Versuchsflächen vorzeitig (außerplanmäßig) aufgegeben wurden, der Grund dafür, dass forstliche Versuchsflächen vorzeitig aufgegeben wurden bzw. zukünftig vorzeitig aufgegeben werden könnten?
Setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass der Bund im Rahmen der Tätigkeiten der einzelnen Bundesbehörden (z. B. Thünen-Institut für Forstgenetik) zukünftig neue Versuchsflächen anlegt?
Wenn ja, welche Rolle spielen dabei Nebenbaumarten, die bisher in Deutschland kaum Gegenstand der forstlichen Forschung waren (z. B. Esskastanie, Robinie, Schwarznuss)?
Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, ob für solche Nebenbaumarten (z. B. Esskastanie, Robinie, Schwarznuss) bereits Versuchsflächen in Deutschland existieren (wenn ja, bitte benennen und nach Bundesländern ab einer Mindestfläche von 1 Hektar aufschlüsseln)?
Wo sieht die Bundesregierung Probleme oder Schwierigkeiten bei der Anlage, Unterhaltung und Auswertung von neuen Versuchsanlagen?
Wie können nach Einschätzung der Bundesregierung auf Bundesebene Daten von Flächen ausgewertet werden, die von unterschiedlichen Forschungseinrichtungen unterhalten werden?
Gibt es bereits eine übergreifende Erfassung und gemeinsame Auswertung, oder befindet sich möglicherweise eine Datenplattform in Planung?
Welche Wertigkeit bzw. Stellung nimmt die weitere Unterhaltung der Forstversuchsflächen nach Kenntnis der Bundesregierung in der Waldstrategie 2050 ein?