Planungen für einen zweiten Citytunnel der S-Bahn Hamburg
der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Frank Sitta, Renata Alt, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Reinhard Houben, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Roman Müller-Böhm, Dr. Martin Neumann, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Katja Suding, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Der Schienenverkehrsbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, sprach sich am 3. März 2020 im „Hamburger Abendblatt“ für einen zweiten S-Bahn-Citytunnel in Hamburg aus (https://www.abendblatt.de/hamburg/article228597823/S-Bahn-Citytunnel-Hauptbahnhof-Altona-Neubau-Fernbahnhof-Diebsteich-HVV.html).
Dieser Tunnel soll vom Hauptbahnhof unter der Alster hindurchgeführt werden und dann die U-Bahn-Stationen Stephansplatz und Schlump kreuzen und soll dann am neuen Fernbahnhof Diebsteich enden. Für diese 5,5 km lange Strecke beziffert er die Kosten auf 650 Mio. Euro. Mindestens 75 Prozent dieser Kosten wolle der Bund übernehmen. Als Grundlage für diese Schätzung wurden die Kosten für die U4 vom Jungfernstieg zur Hafencity Universität genannt.
Ziel, so heißt es weiter, soll die Entlastung des Hauptbahnhofs und der Verbindungsbahn (Hauptbahnhof – Dammtor – Altona) sein. Auf der Verbindungsbahn sollen die S-Bahn-Gleise dann in Zukunft vom Regional- und Fernverkehr genutzt werden.
Nach Auffassung der Fragesteller lässt dieses Modell eines zweiten Citytunnels viele Frage offen. So scheint die Finanzierung zu niedrig angesetzt zu sein, eine vergleichbar lange U-Bahn-Linie der U5 soll auf 5,5 km Länge aktuell rund 1,8 Mrd. Euro kosten (https://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article226436599/Tschentscher-nennt-erstmals-Kosten-fuer-Bau-der-U5.html). Außerdem wird die Anbindung der Universität Hamburg durch die neuen Pläne erheblich verschlechtert.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen14
Welche Kosten sind bereits für die Planungen des neuen S-Bahn-Citytunnels entstanden?
Wann soll mit den Planungen für diesen Citytunnel begonnen werden?
Wann soll mit dem Bau des neuen Citytunnels begonnen werden?
Wann werden in welchem Umfang Gelder für die vorbauliche Planung, die Gutachten, Machbarkeitsstudien etc. vom Bund zur Verfügung gestellt?
Aus welchen Gründen wurde als Grundlage für die Kostenschätzung die U4 herangezogen, bei der bereits vor gut zehn Jahren mit dem Bau begonnen wurde und bei der die Baumaßnahmen in großen Teilen in offener Bauweise erfolgten (https://www.hafencity.com/de/pressemeldungen/v-e-r-a-getauft-u4-tunnelbau-beginnt.html) und nicht die aktuelle U5, die ebenfalls im Schildvortriebverfahren wie der neue Citytunnel errichtet werden soll (vgl. genannten Hamburger Abendblatt-Artikel)?
In welcher Form hat der Bund garantiert bzw. zugesichert, dass er 75 Prozent der Kosten tragen wird?
Wer soll die anderen 25 Prozent der Kosten tragen, und welche Vereinbarungen gibt es hierzu?
Wann gab es zwischen der Bundesregierung, der Stadt Hamburg und/oder der Deutschen Bahn welche Gespräche mit welchen Beteiligten über das Projekt neuer Citytunnel?
Welche Kosten werden die geplanten neuen Haltestellen verursachen?
Mit welcher Entlastung für den Hauptbahnhof rechnet die Bundesregierung, sowohl was Fahrgäste als auch was Züge betrifft?
Wie würden sich die Kapazitäten auf der Verbindungsbahn erhöhen, und wofür sollen diese Kapazitäten genutzt werden?
Wie soll die Anbindung der Universität Hamburg nach den aktuellen Planungen für den neuen S-Bahn-Citytunnel gewährleistet werden?
Welche Kosten würde die unterirdische Integration einer S-Bahn-Haltestelle im neuen Fernbahnhof Diebsteich verursachen?
Besteht die Möglichkeit, vom Fernbahnhof Diebsteich einen Bahn-Elbtunnel unter der Elbe zu realisieren, der etwa Finkenwerder und Airbus anbinden könnte?